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Start with a Friend – Wie aus Fremden Freunde werden

Integration von Geflüchteten fördern? Schon immer ein klares Ja für mich gewesen. Also habe ich mich endlich von meinen Ausreden – wie etwa, dass ich gerade keine Zeit habe und nächstes Semester es mir dann besser passt– verabschiedet und mich auf die Such nach einer Möglichkeiten mich aktiv einzubringen gemacht. Die Auswahl von Hilfsorganisationen im Raum Nürnberg-Erlangen ist groß und das Angebot zu helfen reicht von Sprachförderung, über Unterstützung bei Bewerbungen und Hilfe bei der Wohnungssuche, bis hin zu Lese- und Sportpaten. Eine Initiative ist mir dabei besonders ins Auge gefallen. SwaF – kurz für Start with a Friend – verfolgt einen eher unkonventionellen Ansatz: Flüchtlingen keine Hilfe, sondern Freundschaft bieten.

Die Initiative gibt es seit 2014 und kommt ursprünglich aus Berlin. Mit Start with a Friend hat die Gründerin Franziska Birnbach eine Organisation ins Leben gerufen, die Flüchtlinge und Locals zusammenbringt. Dabei werden je nach Interessen, Hobbies und Zeitbudget Tandempartnerschaften „gematcht“. Ganz nach dem Prinzip eines Tandemfahrrads, bei dem beide Fahrer in die Pedale treten müssen, um schnell und sicher vorwärts zu kommen, besteht auch eine Tandempartnerschaft zwischen einem Neuankömmling und einem Einheimischen aus dem gegenseitigen Geben und Nehmen.

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Orientierungshilfe und Chancengleichheit – die Diversity Scouts der FAU (Teil 2)

„Das Hobby zum Beruf gemacht.“ Michaela Strickle ist vom Projekt begeistert. Foto: Martin Keiler

Im ersten Teil hat uns Projektleiterin Judith Holland die Diversity Scouts näher gebracht. Nun unterhalten wir uns mit Michaela Strickle, die bereits als Diversity Scout tätig ist.

Michaela, du arbeitest als Diversity Scout. Erzähl doch mal, was du studierst und wie du dazu gekommen bist, ein Scout zu werden.

Michaela Strickle: Ich studiere Soziologie und Pädagogik im fünften Bachelorsemester. Mein Abitur habe ich auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt. Ich interessiere mich sehr für Ungleichheiten und Alltagsdiskriminierung. Durch die Teilnahme am Seminar bei Frau Holland wollte ich einen Einblick in die Thematik bekommen und mein Wissen vertiefen. Als ich gehört habe, dass man im Anschluss ein Scout werden kann, habe ich mich sehr gefreut. Ich helfe gerne anderen Menschen und möchte aktiv etwas gegen Ungleichheiten machen. In meinem Bekanntenkreis werde ich oft um Rat gebeten. Als meine Freunde erfahren haben, dass ich ein Scout bin, meinten sie, dass ich jetzt mein Hobby zum Beruf gemacht habe. Das fand ich lustig.

Wie zeitaufwendig ist es, ein Diversity Scout zu sein? Kannst du das gut mit deinem Studium vereinbaren?

Michaela Strickle: Der Job des Diversity Scouts beansprucht in etwa zehn Stunden pro Woche, die aber individuell vereinbart werden können. Im Großen und Ganzen ist es sehr gut mit dem Studium zu vereinbaren. Manchmal fällt es mir aber schwer, mir selbst Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu setzen. Wenn ich eine E-Mail-Anfrage bekomme, möchte ich sie gerne gleich beantworten. Sie kommt ja von einem Studierenden, der Hilfe braucht. Ich verbringe ungefähr die Hälfte meiner Arbeitszeit mit Sprechstunden und persönlichen Gesprächen. Die restliche Zeit widme ich den E-Mails und anderen Tätigkeiten, wie Öffentlichkeitsarbeit und Recherche. Nach Gesprächen verschicke ich auch immer noch eine zusammenfassende Mail an die Studierenden. So haben sie alle wichtigen Infos auch noch schriftlich. Ich denke, dass ein persönliches Gespräch am schönsten ist. So sieht man den Menschen direkt vor sich und kann ihn besser einschätzen. Und dadurch auch besser helfen. Wenn man lieber anonym bleiben möchte, ist es über E-Mails aber auch völlig in Ordnung.

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„Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen“

Ann-Kristin Mull studiert Lehramt und hat ein sehr interessantes Sachbuch verfasst. Fotorechte: Ann-Kathrin Mull

Was würde eigentlich mit den indischen Näherinnen passieren, würde die ganze Welt fortan keinerlei Billigmode mehr kaufen? Was würde eigentlich mit den Wasserrohren passieren, wenn jeder Bürger den Wasserverbrauch auf ein absolutes Minimum schrauben würde? Über solche Fragen zum Thema Nachhaltigkeit hat sich Ann-Kristin Mull Gedanken gemacht, aber kein Buch gefunden, das verlässliche Antworten bot und dennoch keine trockene Fachliteratur war. Also nahm sich die gebürtige Nürnbergerin selbst dem Thema an. Jetzt, vier Jahre, später hält die Lehramt-Studentin stolz ein Exemplar ihres Buches in der Hand: „Ist öko immer gut? Was Welt und Klima wirklich hilft“, erschienen beim Tectum Verlag.

Wie kamst Du eigentlich die Idee, dieses Buch zu machen?

Ann-Kristin: Ich hatte Fragen im Kopf, auf die ich unbedingt eine Antwort haben wollte. Es gibt unglaublich viele gut gemeinte Tipps zur Nachhaltigkeit, aber mich hat interessiert, welche davon wirklich etwas bewirken. Mich interessiert auch, was wirklich einen Effekt auf die Umwelt hat und mich welchen Verhaltensweisen wir uns nur das tägliche Leben schwermachen.

Wie ist das Buch konzipiert?

Ann-Kristin: Meine Idee war es, Menschen zu fragen, die Experten auf ihrem Gebiet sind und diese Antworten – ich bin Grafikdesignerin – wollte ich dann gestalterisch so aufbereiten, dass sie viele Menschen lesen und auch gerne lesen. Das war meine Motivation. Es geht immer auch um die Fragen: Welche Dinge haben große Auswirkungen auf Welt und Umwelt und mit welchen bewirken wir sogar das Gegenteil von dem, was wir uns erhoffen? Ich habe insgesamt 16 internationale Experten zu dem Thema kontaktiert. Diese haben mir kompetente Antworten auf meine Fragen gegeben. Meine Idee war es, einen interessanten Fragenkatalog mit Antworten zu konzipieren, den man gerne und einfach liest.

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Leben retten unter ärztlicher Aufsicht

Frau Dr. med. Susanne Achenbach. Fotorechte: Susanne Achenbach

Für Studierende der FAU gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren. Viele davon wurden in unserem Blog bereits vorgestellt. Manche Studierende helfen älteren Menschen bei „Wohnen für Hilfe“, andere unterstützen Flüchtlinge in der „AG Medizin und Menschenrechte“ und wieder andere setzen sich für die Hochschulpolitik ein, indem sie zum Beispiel in der Studierendenvertretung mitarbeiten. Es gibt aber auch Menschen, die gerne direkt dort helfen möchten, wo es gerade am allernötigsten ist und wo sich andere Menschen in akuter Gefahr befinden. Wenn man diesen Wunsch verspürt, aber nicht die Möglichkeit hat, in ein Entwicklungsland oder Kriegsgebiet zu reisen und auch nicht unbedingt Medizin studieren möchte, kann man trotzdem vor der eigenen Haustür Leben retten. Und zwar durch die Blutspende am Universitätsklinikum (UK) Erlangen.

Vor allem Studierende, aber auch andere Erlangerinnen und Erlanger begeben sich freiwillig und regelmäßig in die sicheren Hände von Ärzten und Schwestern der Transfusionsmedizinischen Abteilung des UK Erlangen, um mit ihrem eigenen Blut Schwächeren zu helfen. Wie die Blutspende am UK Erlangen abläuft, was man dabei alles beachten muss und warum ihr am besten selbst Blut spenden solltet, erklärte uns Frau Dr. med. Susanne Achenbach, Oberärztin am UK Erlangen und Leiterin des Spende-Bereichs der Transfusionsmedizinischen Abteilung, in einem persönlichen Gespräch.

Frau Dr. Achenbach, wie läuft die Blutspende bei Ihnen am UK Erlangen ab?

Susanne Achenbach: Bevor die Spende-Willigen in unserer Einrichtung überhaupt Blut spenden dürfen, gibt es zunächst eine umfangreiche Voruntersuchung, für die ein Vortermin ausgemacht werden muss. Dabei wird mittels Fragebögen festgestellt, ob ein Spender überhaupt zur Spende geeignet ist. Wir überprüfen also, ob es irgendwelche Gründe gibt, die zu einem Ausschluss von der Spende führen könnten, entweder nur zeitweise oder aber dauerhaft. Anschließend führen wir ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Spender. Wenn alles passt, folgen darauf eine körperliche Untersuchung, eine Blutentnahme sowie ein EKG. All das wird verwendet, um die Spendereignung festzustellen. Nach ungefähr einer Woche können die Spender erfragen, ob sie als Spender geeignet sind. Wenn dann immer noch alles passt, können erste Spende-Termine vereinbart werden.

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