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Die Bayerische Akademie des Schreibens – ein Interview mit Florian Kurz

Florian Kurz war Teilnehmer der diesjährigen Bayerischen Akademie des Schreibens. Foto: Leonie Kästner

Florian Kurz studiert im Master Germanistik, darüber hinaus war er Teilnehmer an den diesjährigen Seminaren der Bayerischen Akademie des Schreibens – eine Kooperation mehrerer Universitäten, u.a. der FAU, mit dem Literaturhaus München. Bei diesen Seminaren hat man die Möglichkeit sich mit zwei Dozenten/-innen, die meist selbst Bücher veröffentlichen oder im Lektorat arbeiten, an drei Wochenenden intensiv mit dem literarischen Schreiben auseinanderzusetzen. Den Abschluss bildet eine öffentliche Lesung, bei der man einen eigenen Text vorträgt.

Was gab für dich den Ausschlag deine Bewerbung einzusenden?

Florian: Ich habe das Plakat von der Lesung gesehen, vom Jahr davor und fand das interessant, dass man als Folge des Wettbewerbs die Plattform hat, wo man seine eigenen Texte zeigen und vor einem Publikum vortragen kann. Dieses an die Öffentlichkeit treten, dass man irgendwann machen muss, wenn man schreiben will und dass andere das hören, was man macht. Ja, das fand ich interessant.

Wie kann man sich die Wochenendkurse vorstellen? Kannst du uns einen kurzen Einblick geben?

Florian: Oh, einen kurzen Einblick. Es ging immer von Freitag um zwei bis Sonntag um zwei. Und bei mir war das so, dass die beiden Dozenten Wert darauf gelegt haben, dass wir viel Textbesprechungen machen von den Texten, die wir vorher geschrieben haben und dann hat man sich vor allem mit dem Texten beschäftigt und versucht herauszufinden, was funktioniert gut an den Texten, was funktioniert nicht, was kann man besser machen. Manchmal hat man versucht daran Regeln abzuleiten, aber oft funktioniert das gar nicht so, dass es am Ende wirklich in einem Regelwerk mündet, dass man sagt, so kann man es machen und so kann man es auf keinem Fall machen, sondern man muss eigentlich immer je nach Text gucken. Das haben wir dann vor allem eingeübt, dass man die einzelnen Texte anschaust und guckt, was ist das eigentlich für ein Text, was braucht der, um zu funktionieren, wie kann man das in diesem spezifischen Text dann umsetzen. Noch zum Ablauf: Man verbringt wirklich das ganze Wochenende miteinander. Abends und Mittags, wenn man essen geht, hat man Zeit Fragen zu stellen, um den ganzen Betrieb, was Lektorat und Schriftstellerei angeht, kennenzulernen. Und es ist auch gut, dass es ein Wochenende lang geht, dass man sich wirklich ganz darauf einlässt und dadurch, dass man immer an andere Unis fährt, hat das auch dieses wie man in eine andere Stadt fährt und dann in einem Hotel ist und so ganz herausgelöst ist aus dem Unialltag, wodurch man sich auf diesen ganz anderen Ansatz einlassen kann mit Literatur umzugehen.

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Unbequem, anstrengend, demokratisch — wie der Diskurs mit anderen Meinungen gelingen kann

Interessante Diskussionen, Vorträge und Auszüge aus neuen Werken – dafür steht das Erlanger Poetenfest. Foto: Severin Maier

Es war bestes Wetter für einen Besuch des 37. Erlanger Poetenfestes, das vom 24. bis zum 27. August stattfand: ca. 30 Grad und strahlender Sonnenschein machten den Besuch ihm Samstag m Erlanger Schlossgarten zu einer sonnigen Angelegenheit. Obwohl man — zugegeben — durchaus unter der schwülen Hitze leiden konnte. Und, wenn wir schon mit Geständnissen anfangen, ich war noch nie auf dem Poetenfest, obwohl ich nun seit Jahren in Erlangen lebe. Dabei ist das Fest ein Pflichttermin im Kalender von Autoren, Verlagen, Essayisten und Feuilletonisten und alles andere als eine große Unbekannte.

Bei bestem Sommerwetter konnte man also unter den schattigen Bäumen des Schlossgartens flanieren und dabei den verschiedenen Autoren lauschen, die Auszüge ihrer Werke auf Bühnen zum Besten gaben. Teilweise sogar musikalisch untermalt, mit Klaviermusik auf einem Flügel gespielt. Während wir durch das Zentrum des Schlossgartens schlenderten, las gerade Fatma Aydemir aus ihrem Debütroman „Ellbogen“. Die Journalistin schreibt normalerweise für mehrere Blätter, u.a. für die taz. In ihrem ersten Buch widmet sie sich der Suche nach Heimat und Identität einer jungen in Deutschland geborenen Türkin, die zwischen den zwei Welten des linksliberalen Berlin und des Traditionalismus ihrer türkischen Eltern oszilliert. Man fühlt sich an die Aufforderungen des türkischen Präsidenten Erdogan an die in Deutschland lebenden Türken erinnert, bestimmte demokratische Parteien nicht zu wählen. Ein Poetenfest ohne Politik? Undenkbar. Möchte man den Lesungen nicht gebannt und angestrengt lauschen, kann man gemütlich entlang der Stände streifen und sich von Infomaterial bis zu kaufende Bücher die Auslagen ansehen oder aber sich um sein leibliches Wohlergehen an einem der Imbisse bemühen. Wem ein Snack auf die Hand reicht, der wird hier fündig.

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Ein Wochenende mit Feridun Zaimoglu – Bericht vom Poetik-Kolleg 2017

Feridun Zaimoglu beim diesjährigen Poetik-Kolleg an der FAU. Foto: Stefan Otto Ruiz

Gastbeitrag von Leonie Kästner

Am ersten Tag des Autoren-Wochenendes (7. – 8.7.) im Rahmen des Poetik-Kollegs mit Feridun Zaimoglu standen ein paar Frühankömmlinge unschlüssig vor dem Gebäude – oder passender: der Villa am Waldrand – für Religions- und Missionswissenschaft, in welchem die Blockveranstaltungen stattfinden sollten. Es regnete und die Türen waren noch verschlossen –  sämtliche Türen, wie eine Kurzexpedition rund um das Haus zeigte. Aber so wurden zumindest die zwei bereitgestellten Wasserflaschen entdeckt, die ebenfalls auf Einlass warteten. Erst in den Kühlschrank und dann gekühlt zu Zaimoglu, ganz so, wie er es sich im Vorhinein gewünscht hatte.

Nach und nach trudelten die restlichen Studierenden, die aus den unterschiedlichsten Fachrichtungen und Semesterzahl zusammengefunden haben, ein und es waren nicht wenige, die zuallererst einen Rundgang durch unsere ganz persönliche Wochenendvilla machten. Wenigstens hatte es den Anschein, waren wir doch die meiste Zeit allein. Viele fühlten sich bald heimisch und so wurde die Treppe hoch- und runtergerannt, Kaffee in der Küche zubereitet und die Buchrücken eingehender Betrachtung unterzogen. Letzteres war kaum zu vermeiden, saßen wir doch in der Bibliothek mit Blick auf den Garten. Dieser Raum sollte Ort eingehender Gespräche werden.

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„Man wird ja wohl noch…“

Alle Stories der Lesereihe gebündelt in einem hübschen Büchlein. Foto: Milena Kühnlein

Gewinnerin Felisa Walter darf sich freuen. Ihr Text „Halt endlich deine Scheißfresse, du Arschloch“ hat das Krönchen der PULS Lesereihe 2017 aufgesetzt bekommen. Insgesamt 12 Jungautoren durften bei der Lesereihe in Regensburg, Würzburg, Passau und Nürnberg ihre Texte vorstellen. Das Motto der Lesereihe ist schnell erklärt. Alles, was den Autoren zu „Man wird ja wohl noch…“ einfällt, durfte eingesendet werden. Aus den Zusendungen wählte dann eine hochkarätige Jury aus. Beim Vorentscheid in Nürnberg ging es am 9. Februar im Zentralcafé Nürnberg für Lukas Arenz, Thomas Breitung und Thomas Perle um einen Platz im Finale, das Felisa Walter am Ende für sich entscheiden sollte. Für die musikalische Begleitung sorgte Rapper Fatonio, der mit Songs wie „Authentizität“ die Stimmung auflockerte. Moderation, Location und Musik Act waren in typischer PULS-Philosophie locker und auf den Punkt. Der Merchandise-Stand mit kostenlosen Süßigkeiten, Kugelschreibern und Postern löste bei den anwesenden Studenten Grapsch-Alarm aus. Nachhaltig für Begeisterung sorgten allerdings die individuellen, witzigen und traurigen Texte.

Lukas Arenz setzt sich in seinem Text „Man wird ja wohl noch…“ mit unfassbarer Sprachlichkeit mit einem heiklen Thema auseinander: Tourismus und die Generation Y. Überall gewesen, alles gesehen. Im Billigflieger Richtung Südafrika oder eben in andere Länder, die eventuell politisch ein oder zwei Probleme haben.  Klug dekonstruiert Arenz jede Ausrede für das Vielfliegen und Instagram-Modeln in Krisenregionen.
„[…], jetzt sei man jung und hätte die Zeit, später nur noch das Geld, aber nicht mehr die Zeit, […] auch wegen der Völkerverständigung, aber auch weil man das ja wieder gebrauchen kann, jedenfalls müsse man sich beeilen und was das nun bitte soll.“ Und jeder PULS-Lesereihen-Zuhörer schaut peinlich berührt auf seinen Armbändchen aus einem fernen, fernen Land nieder. Für mich der beste Text des Abends.

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