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Auslandssemester in Russland – Teil 2: Fragen und Antworten

Der Rote Platz in Moskau. Foto: Matthias Marx

Im ersten Teil meines Berichts habe ich euch die ersten Eindrücke aus Russland gezeigt. Nun führe ich ein Interview mit meinem Freund Harry über seine Erfahrungen und Tipps rund um ein Auslandssemester in Moskau.

Du hast dich für ein Auslandssemester in Russland entschieden. Wie kommt man auf genau dieses Land? Wie entstand die Idee?

Harry: Zum einen wurde ich in Russland geboren und ein Teil meiner Familie wohnt noch dort. Da ich bis jetzt jedoch kaum Russisch sprechen konnte bot es sich an, mein Sprachniveau während des Auslandssemesters auszubauen. Zum anderen fand ich  es sehr interessant, mehr über das Leben in Russland zu erfahren. Seit einigen Jahren ist die Medienberichterstattung der Leitmedien aus meiner Sicht über Russland eher einseitig und überwiegend negativ. Deshalb hat es mich sehr gereizt, die Lebensbedingungen mit eigenen Augen zu sehen.

Wie aufwendig waren die Vorbereitungen und Planungen für dich?

Harry: Die Vorbereitungen waren nicht wirklich aufwendig. Den Auslandsstudenten vor Ort wird ein Platz im Wohnheim zur Verfügung gestellt, wodurch man nach der Anreise schon mal ein Dach über dem Kopf hat. Die Visabeantragung hat eine professionelle Visaagentur für mich übernommen, was auch problemlos verlief.

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Auslandssemester in Russland- Teil 1: Einblicke in den Alltag

Harry und Matthias in St. Petersburg.

Spannende Ankunft in St. Petersburg

Anfang November: Ankunft am „Pulkovo Airport St.Petersburg“. Es ist bereits Abend, die Dunkelheit hat sich über die Stadt gelegt. Ich verlasse das Flugzeug und ein seltsames Gefühl macht sich breit, eine Mischung aus Vorfreude und Nervosität. Russland also, keiner meiner Freunde oder Verwandten war bis jetzt in diesem Land. Alles was ich darüber weiß, habe ich mir aus verschiedensten Medienperspektiven zusammengereimt. Ich betrete diesen speziellen Fleck Erde mit einer gehörigen Portion Respekt und Spannung in mir.

Der Anlass meiner Reise ist mein guter Freund Harry. Er hat sich dieses Frühjahr dazu entschieden, ein Auslandssemester in St. Petersburg zu machen. Grund hierfür sind seine russischen Wurzeln sowie die noch in Syktywkar lebende Verwandtschaft. Harry hat seinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Wiso in Nürnberg absolviert (Hintergründe und weitere Informationen zu Harrys Auslandssemester und dem Studentenleben in Russland erfahrt ihr in Teil 2).

Zurück zur Ankunft am Flughafen: Das erste große Problem für naive Europäer trifft einen sofort, unverblümt und unvorbereitet. Viele der Flughafenmitarbeiter können (oder wollen) kein Englisch sprechen. Einige Minuten irre ich umher und frage mich mit Händen und Füßen durch, bis ich den richtigen Durchgang zur Passkontrolle finde. Eine streng dreinblickende Frau mustert mich von oben bis unten. Sie nimmt ihre Arbeit dabei äußerst ernst, kein Anschein von Lässigkeit. Wie ich später erfahren werde, ist das in Russland ganz normal: Man lächelt sich nicht an in der Öffentlichkeit, das gilt als Zeichen von Unbedarftheit. Daran muss man sich als Westeuropäer erst einmal gewöhnen…

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Inhalt Kommunalka – Von weißrussischen Gedichten, Kafka und polnischem Käsekuchen – Teil 2

Hier geht es zum ersten Teil unseres Interview.

Befasst ihr euch hauptsächlich mit Russland oder allgemein mit osteuropäischen Staaten? 

Sonja: Igor kommt ja aus der Ukraine und dadurch haben wir einen größeren Bezug zu dieser Region.

Igor: Wir haben einen Bezug zu Russland, weil Igor aus der Ukraine kommt. Das klingt super. lacht.

Cornelia: Das ist ja gleich nebenan. lacht.

Igor: Ich bin tatsächlich mehr mit der russischen als mit der ukrainischen Kultur aufgewachsen und deswegen habe ich bisher den Fokus ein bisschen in Richtung Russland gelenkt.

Sonja: Ich habe auch Russisch gelernt in der Uni. Aber wir wollen uns auch mit vielen anderen osteuropäischen Ländern beschäftigen. Als nächstes möchten wir uns mit Tschechien auseinandersetzen. Dazu habe ich viel Bezug, weil meine Oma aus Tschechien kommt. Wir wollen bald zusammen nach Prag fahren.

Cornelia: Und wir möchten uns dort auch mit Kafka und der jüdischen Kultur befassen. Wir wollen uns Tschechien also nicht unbedingt geschichtlich oder politisch, sondern vor allem kulturell annähern.

Sonja: Wir sind immer offen für alles. Kommunalka soll auch von den verschiedenen Mitgliedern leben, sodass jeder etwas einbringen kann. Jeder kann uns schreiben und sagen, was er machen möchte und wir versuchen, das dann zu ermöglichen. Auf Dauer wollen wir aber nicht immer nur zu dritt Aktionen für andere organisieren, sondern es soll alles gemeinsam laufen. Wer Lust hat, kann bei uns etwas machen.

Cornelia: Wir wollen eher eine Art Anlaufstelle sein.

Sonja: Oder eine Plattform.

Igor: Bei unserem Sommerfest war ein kleines Bühnenprogramm vorgesehen, bei dem wir eine deutsch-russische Lesung einer russischen Geschichte gemacht haben. Und Sonja hat weißrussische und ukrainische Volkslieder gesungen. Auf einmal meldete sich ein Mann, der meinte, er habe weißrussische Gedichte auf Deutsch übersetzt und er fragte, ob er die auch spontan vortragen dürfe. Das hat uns sehr gefreut. Wir finden die Idee einer Open Stage total gut. Das war einfach ein absolutes Highlight.

Sonja: Das wollen wir demnächst auch mal wieder machen.

Cornelia: Und es hat sich völlig von selbst ergeben. Kommunalka steht und fällt mit den Leuten, die mitmachen bzw. gestaltet sich so, je nachdem wer gerade mitmacht.

Sonja: Man muss sich nicht bei Kommunalka verpflichten, um bei uns mitzumachen, sondern, wenn man Lust auf eine Veranstaltung hat, dann kann man einfach kommen und etwas machen.

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Kommunalka – Von weißrussischen Gedichten, Kafka und polnischem Käsekuchen

Die Gründer von Kommunalka: Cornelia, Sonja, Igor (v. l.). Foto: Anna Appel

Seit Ende Mai dieses Jahres gibt es eine neue Gruppe an der FAU, die sich „Kommunalka“ nennt. Nach einer Russland-Exkursion im Rahmen des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas) der FAU wollten die FAU-Studierenden Cornelia, Sonja und Igor sich unbedingt weiterhin mit Osteuropa und seinen verschiedenen Staaten, Menschen und Kulturen beschäftigen – und das am liebsten gemeinsam. Deshalb haben sie Kommunalka ins Leben gerufen und möchten nun zusammen mit anderen Osteuropa-Interessierten sprechen, feiern und osteuropäische Kunst, Kultur und Literatur entdecken. Außerdem möchten sie am liebsten alle osteuropäischen Länder bereisen. Vor zwei Wochen haben sie die Ukraine besucht und sind jetzt noch motivierter, mit Kommunalka persönliche Kontakte zu knüpfen und Osteuropa zu erkunden. Nun durften wir Cornelia, Sonja und Igor in einem sehr lebendigen und heiteren Gespräch persönlich kennenlernen.

Hallo, schön euch kennenzulernen! Könnt ihr mir bitte ein bisschen was über Kommunalka erzählen? Was ist Kommunalka?

Cornelia: Freut uns ebenso! Wir wollen den Kulturaustausch zwischen Osteuropa und Erlangen stärken und uns mit Themen auseinandersetzen, die Menschen im osteuropäischen Raum beschäftigen. Dabei möchten wir uns ganz bewusst den Blick auf alle osteuropäischen Länder offenhalten, persönlichen Kontakt zu den Menschen herstellen, die in Osteuropa leben und ihre Alltagskultur kennenlernen. Wir fragen uns, was die Menschen in Osteuropa – abgesehen von den politischen Krisen und Themen – wirklich bewegt. Welche Bücher lesen sie? Was gibt es in Osteuropa an Kunst und Kultur? Und was erleichtert den Alltag der Menschen in den osteuropäischen Ländern?

Sonja: Wir waren alle drei zusammen auf einer Russland-Exkursion im Rahmen des Lehrstuhls für Osteuropäische Geschichte. Ich studiere zwar als einzige von uns dreien nicht Osteuropäische Geschichte, durfte aber trotzdem an der Exkursion teilnehmen. Man kommt in Russland mit gewissen Vorstellungen von und Klischees über Osteuropa an. Nachdem wir uns aber mit vielen Menschen vor Ort unterhalten haben, waren wir teilweise sehr überrascht über ihre Ansichten und die Art, wie sie leben. Und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es wichtig ist, sich persönlich kennenzulernen und gegenseitige Vorurteile zu überwinden.

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