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Trump: Make America hate again?

Erkennt man sofort, oder? Grafik: Milena Kühnlein

In Mitten einer rund 100 Hektar großen leerstehenden Tierkoppel irgendwo in Oregon prangte es in tiefem, seriösen Blau mit weißer Schrift: „Trump – Make America great again“ Nun war dies nicht nur das größte Wahlplakat das ich jemals in meinem Leben gesehen habe, es bewarb zudem tatsächlich die Präsidentschaftskandidatur Donald Trumps. Drei Monate später wurde er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. In einer Wahlnacht, die nicht nur die hämischen Witze sämmtlicher Kritiker zumindest für diesen Moment verstummen ließ, sondern die politische Öffentlichkeit auf der ganzen Welt im historischen Ausmaß geprägt hat. Am 20. Januar wird er als Präsident vereidigt. Professor Heike Paul, Inhaberin des Lehrstuhls der Amerikanistik an der FAU, reiste kürzlich beruflich in die USA und konnte so die Stimmung unmittelbar nach der Wahlzeit persönlich miterleben.

Hallo Frau Professor Paul. Wie haben Sie als Amerikaexpertin das Wahlergebnis aufgenommen?

Heike Paul: Ich war schockiert. Natürlich war es den meisten Menschen klar, dass es ein Kopf-an-Kopf-Rennen werden würde. Durch demoskopische Befunde verleitet, dachten dennoch viele, Hillary Clinton würde letztlich das Rennen machen. Trump führte einen Wahlkampf voller Skandale und Tabubrüche, die zunehmend an seiner Tauglichkeit als Präsident zweifeln ließen.

Die Bekanntgabe der Kandidatur begann wie ein Witz, der letztendlich nicht enden wollte. Ab wann haben Sie Trump als Präsidentschaftsanwärter ernst genommen?

Heike Paul: Es gibt vielleicht eine Form von Humor, die dazu dient, bestimmte Dinge erträglich zu machen. Ernstnehmen musste man ihn letztendlich und vor allem muss man die Wählerinnen und Wähler ernst nehmen, die ihn unterstützt haben. Auch wenn er nun seine Kabinettsbildung wie eine Reality TV Show gestaltet. Man könnte das Ganze durchaus als dramatische Erosion des präsidentiellen Habitus bezeichnen, auch wenn manche Stimmen davon ausgehen, dass ihm das „Korsett des Amtes“ als Korrektiv in seiner Politikgestaltung dienen könnte.

Barack Obama hat mediale Inszenierung, insbesondere über soziale Netzwerke, enorm gut einzusetzen gewusst. Wie wird sich ein Donald Trump im Weißen Haus repräsentieren? Weiterlesen

Wird das nun ein Schrecken ohne Ende? – Ein Kommentar zur US-Wahl

 

FAU-Studentin und meineFAU-Redakteurin Anna Appel teilt ihre Gedanken zur US-Wahl einem persönlichen Kommentar:

Die vielen unentschlossenen Wähler machten die Prognose schwierig. (Foto: M1/FAU)

Die vielen unentschlossenen Wähler machten die Prognose schwierig. (Foto: M1/FAU)

Der Wecker klingelt und ich wache auf. Die digitalen Zahlen zeigen 7 Uhr an. Ich beende das Piepen und nachdem ich meinen seltsamen Traum halbwegs verdrängt habe, schießen mir folgende Worte in den Kopf: „Wahl“, „Trump“ und „Clinton“. Der Griff zum Smartphone ergibt sich dann wie von selbst. W-LAN einschalten, SPIEGEL-Online-App aktualisieren, bis zum Schreckensthema herunterwischen und … Ich halte den Atem an und denke kurz darüber nach, ob ich mich vielleicht in einem Klartraum befinde. Rasch muss ich jedoch einsehen, dass dies nicht der Fall ist. Wäre ja auch zu schön gewesen.

„Clinton kann Trump kaum noch einholen.“ So lautet die Schlagzeile im Liveticker. Mittlerweile ist es 7:41 Uhr. Ich scrolle herunter und entdecke einen Artikel mit grafischen Analysen zur Wahl. Dort erfährt man, dass die Jungen im Durchschnitt eher Clinton und die Alten eher Trump gewählt haben. Das ist traurig und sehr schade. Nicht, dass ich von Clinton viel Gutes erwarten würde. Aber Trump? Was ist das für eine Alternative? Trump ist wohl eine solche Alternative für die USA, wie die AfD eine für Deutschland ist – nämlich überhaupt keine. Weiterlesen