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Über den „Vorlesungstellerrand“ hinausschauen mit dem Team TechFak EcoCar

Interdisziplinär und nah dran an der Forschung: das EcoCar-Team. Foto: Kristin Löchle

Im Erlanger Süden nahe der TechFak angesiedelt forscht eine Studierendengruppe fleißig an verschiedenen Projekten zum Thema Elektromobilität. Das Elektroauto „EcoCar“ und das Elektromotorrad „ElMo“ haben die Studierenden verschiedener Fachbereiche bereits entwickelt. Nun steht ein neues Projekt an: die Lastendrohne SILVER. Mit Felix Dollinger und Jochen Schaller habe ich über das Team TechFak EcoCar geredet.

Hallo ihr zwei, könnt ihr Euch kurz vorstellen und erzählen, wie ihr zum Team TechFak EcoCar gekommen seid?

Jochen Schaller: Ich studiere Maschinenbau an der TH Nürnberg und bin seit April 2017 im Team. Mit der Thematik war ich schon vertraut, da ich an der TH im Elektro Team „Formula Student“ war. Angelockt wurde ich durch das Thema Elektromobilität und vor allem dem Elektromotorrad (ElMo). Am Ende meines Bachelorstudiums habe ich schließlich eine Abschlussarbeit über das Folgeprojekt SILVER geschrieben und so gemeinsam mit dem Team den Grundstein für die Forschungsarbeit gelegt.

Felix Dollinger: Auch ich studiere Maschinenbau, aber hier an der FAU im 6. Bachelorsemester. Im Team bin ich seit Mitte/Ende 2016. Ich habe schon früh darüber nachgedacht, mich in einem Studententeam zu engagieren. Als ich dann beim Recruiting Day am Roten Platz der TechFak das ElMo gesehen habe, war ich gleich begeistert. Ich fahre privat gerne Motorrad und interessiere mich auch für das Thema Elektromobilität. Als ich ins Team gekommen bin lief das Projekt ElMo schon und im Oktober 2017 konnten wir es schließlich beenden.

Was ist das Team TechFak EcoCar eigentlich? Was sind Eure Ziele?

Felix: Wir wollen den Studierenden die Möglichkeit bieten, sich weiterbilden zu können. Dafür bietet unser Team eine großartige Plattform. Ich denke es gibt für viele irgendwann den Punkt während des Studiums, an dem sie merken: theoretisches Wissen ist cool, aber praktische Anwendung in Projekten findet man eigentlich eher weniger. Hier haben wir die Möglichkeit, in einem Studententeam direkt in die Forschung miteinzusteigen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut ist der wissenschaftliche Anteil auch sehr groß. Dadurch bekommt man einen Einblick, wie es später in einem Beruf in diesem Fachbereich aussehen könnte.

Wie kommen Euch die Ideen für Eure Projekte?

Felix: Beim ElMo war es eine recht natürliche Entscheidung. Das EcoCar war fertig und wir wollten im gleichen Fachbereich bleiben. Außerdem gab es zu der Zeit viele motorradbegeisterte Teammitglieder. Also haben wir uns für das Thema Motorrad entschieden. Gut war, dass wir viel Wissen aus unserem alten Projekt mitnehmen konnten.

Jochen: Die Kernverbindung der drei Projekte ist eigentlich immer die Leistungselektronik, die im Institut vorwiegend erforscht und weiterentwickelt wird. Ein großer Teil davon ist die Elektrotechnik. Sie findet im Auto, Motorrad und auch in der Luftfahrt Anwendung. Es gibt im Institut viele Abteilungen, die extrem leistungsfähige Komponenten entwickeln – geringes Eigengewicht bei sehr hoher Leistungsdichte. Daher kam die Überlegung, ob wir das für die Luftfahrt nutzen können. Viele Luftfahrthersteller forschen gerade auch in Richtung elektrifizierter Luftfahrt. Es ist ein Forschungsgebiet, das vor allem auch wegen des autonomen Fliegens interessant ist. Das muss nicht irgendein Paketdienst sein, sondern kann zum Beispiel auch das Verschicken von Hilfsgütern in Krisenregionen beinhalten.

Felix: Die Entscheidung war auch dadurch bedingt, dass das IISB eins der ersten Fraunhofer Institute ist, das eine Luftfahrtelektronik-Gruppe bekommen hat. Dadurch haben wir hier kompetente Ansprechpartner. An der FAU gibt es ja leider keinen Fachbereich in der Luft- und Raumfahrt.

Felix Dollinger und Jochen Schaller. Foto: Kristin Löchle

Ihr werdet also auch wissenschaftlich vom Fraunhofer Institut unterstützt?

Felix: Die Grundidee hinter dem Team TechFak EcoCar ist die interdisziplinäre Arbeit. Die Zusammenarbeit der Lehrstühle mit dem Fraunhofer Institut steht im Fokus. Man muss dazu sagen, dass die Institutsleiter beide auch Leiter von Lehrstühlen der FAU sind. Für jeden Bereich, der für unsere Projekte relevant ist, haben wir hier einen Ansprechpartner. Aber auch mit den Lehrstühlen können wir Kontakt aufnehmen und uns besprechen. Der Motorprüfstand ist zum Beispiel ein Thema, bei dem wir Hilfe brauchen. Wir haben ja noch nicht von vorneherein das Grundwissen, wie man beispielsweise ein Motorrad aufbaut. Es ist auf jeden Fall immer ein Wissensgewinn da. Über Eigenarbeit oder auch unsere Ansprechpartner.

Was passiert mit den abgeschlossenen Projekten?

Felix: Die fertigen Projekte bleiben hier am Fraunhofer Institut und die Fahrzeuge werden als Aussteller für das Team, oder das Institut genutzt. Unsere Motorräder zum Beispiel werden auf großen Messen präsentiert. Sie repräsentieren dort dann das Institut, sowie auch das Team und natürlich die Universität. Unsere beiden Betreuer von den Lehrstühlen sind begeisterte Motorradfahrer und möchten auch gerne ein Anschauungsobjekt haben. Die bauen wir gerade noch fertig.

Kann man im Rahmen eines Projekts auch eine wissenschaftliche Arbeit bei Euch schreiben?

Felix: Ja, dadurch lebt das Projekt auch. Natürlich steht die technische Entwicklung von Komponenten und Lösungen für die Projekte im Vordergrund. Es gab aber zum Beispiel auch schon Bachelorarbeiten über die wirtschaftliche Betrachtung der Vermarktbarkeit der Fahrzeuge. Es gibt für nahezu alle Fachbereiche die Möglichkeit, hier ein Thema zu finden. Außerdem ist es auch möglich, eine Arbeit am Fraunhofer Institut zu schreiben. Wir bieten auf jeden Fall eine gute Anlaufstelle für praxisbezogene Arbeiten, bei denen man ein großes Mitspracherecht hat.

Jochen: Die Lehrstühle, die unser Projekt unterstützen nehmen das auch gut auf. Die sind alle sehr aufgeschlossen. Man kann ihnen ein Thema vorschlagen, das man gerne bearbeiten würde oder das einen interessiert. In den Lehrstühlen gibt es meistens auch schon viele Ideen zu diesen Bereichen. Dann wird das gegebenenfalls noch ein bisschen nachjustiert und man kann über etwas schreiben, das einen interessiert.

Was gibt es für Voraussetzungen, um bei Euch im Team mitmachen zu können?

Felix: Grundsätzlich sind wir für alle Leute offen, die Interesse für unsere Themengebiete haben. Uns ist es erstmal egal, aus welchem Studiengang und Semester unsere Mitglieder kommen, so lange das Interesse und die Eigenmotivation da sind. Wir finden immer Platz für neue Leute. Die Themen, die wir behandeln, brauchen immer ein bisschen Einarbeitungszeit und dadurch kommt eigentlich auch jeder gut rein. Es gibt also keine Einschränkungen, solange man sich von der Technik nicht verschrecken lässt.

Vielen Dank für Eure Zeit!

Kristin Löchle