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„Verwachen“ – das neue Stück der Studiobühne Erlangen

Verwachen. Udo sitzt fest wie ein Fisch auf dem Trockenen (Grafik: Studiobühne Erlangen e.V.)

Es ist mal wieder so weit: zwei Studenten der FAU haben bei der Studiobühne Erlangen ein neues Stück auf die Beine gestellt. Ein Stück, das mal ein brisantes Thema aus einer anderen Perspektive bearbeitet. Denn wer kennt sie nicht: Filme, in denen jemand im Koma liegt und die tragische Geschichte aus dem Blickwinkel der Angehörigen erzählt wird. Doch wie geht es dem im Koma liegenden? Es heißt ja, dass Koma-Patienten immer noch das um sie herum Geschehende wahrnehmen und hören. Doch wie sieht es mit dem Zeitgefühl aus und wie fühlt es sich an im eigenen Kopf gefangen zu sein?

All das sind Fragen mit denen sich die beiden kreativen Köpfe Laura Eyselin und Constantin Schmitz in ihrem Stück auseinandersetzen und bearbeiten.

„Wenn du nicht schläfst – kannst du auch nicht verschlafen.“ Oder eben doch?

Udo, der weder schläft noch wach ist (Foto: Studiobühne Erlangen e.V.)

Udo lebt sein Leben wie jeder andere – Familie, Job und Alltag. Er hat alles perfekt im Griff und ist nahezu ein Mustermann unserer Gesellschaft. Doch eines Morgens hat er unerwartet einen Unfall, fällt ins Koma, kriegt aber noch alles mit, was um ihm herum passiert. Unterbewusst zwar noch anwesend, aber aktiv nicht ansprechbar. Gefangen in seinem eigenen Kopf, der zwar alles mitbekommt, aber auf keine Art und Weise darauf reagieren kann. Absolute Abhängigkeit der anderen Menschen, denen er nicht einmal mitteilen kann, dass er mitbekommt, was um ihn herum passiert. Dass hierbei seltsame Vorkommnisse vorprogrammiert sind, ist keine Frage.

Er hört, was die Freunde und Familie, die ihn besuchen sagen, hört wie Ärzte und Krankenschwester über seinen Zustand diskutieren oder wie sein Zimmernachbar Gespräche mit ihm führt. Und sich immer wieder wundert, wie viel Zeit er denn bis jetzt „verschlafen“ hat. Eine surreale Vorstellung, wenn man versucht sich in diese Situation hineinzuversetzen. Doch genau das ist das Ziel des Stücks – auf eine Reise mit Udo in sein eigenes Unterbewusstsein zu gehen – was manchmal in seiner eigenen Tragik sehr komisch sein kann.

Als Zuschauer gefangen in Udos Kopf.

Um nachvollziehen zu können, wie es Udo in seiner Situation geht, bekommt der Zuschauer selbst auch nur das mit, was Udo selbst mitbekommt. Nur was er hört, hört der Zuschauer. Nur was er sieht, sieht man als Zuschauer. Den restlichen Kontext muss sich das Publikum selbst zusammenpuzzeln aus den vereinzelten Informationen, die ihm und Udo zur Verfügung stehen. Man ist also nicht Außenstehender, sondern eher Udos Zeitgenosse, welche beide das um sie Geschehene versuchen zu rekonstruieren und zusammenpuzzeln müssen.

Bei diesem Stück muss keiner zum Lachen in den Keller.

Die beiden kreativen Köpfe Constantin Schmitz und Laura Eyselin (Foto: Studiobühne Erlangen e.V.)

Gerade dieser Aspekt, dass man alles aus Udos Perspektive miterlebt, macht dieses Stück so unglaublich spannend und auf jeden Fall sehenswert. Aber auch die Komiker unter euch werden nicht zu kurz kommen, denn das Stück behandelt zwar ein sehr brisantes und zu einem bestimmten Grad auch tragisches Thema, dies aber mit einer wunderbaren lockeren und frischen Art, die vermutlich näher an der Realität ist, als jeder tragische, auf die Tränendrüse drückende Hollywoodstreifen, der sich mit dem Thema beschäftigt. Komik und Lachen kommen hier auf jeden Fall nicht zu kurz.

Denn wie Constantin Schmitz über sein eigenes Stück sagt: „Manchmal ertappe ich mich dabei, lauthals zu lachen in Momenten, wo man eigentlich nicht lachen sollte, die in sich aber einfach so urkomisch sind, dass man nicht anders kann.“

Danke Laura und Constantin für das nette Gespräch und toi toi toi!

Das Stück „Verwachen“ wird am 15., 17. und 18. Juni 2017 im Z-Bau in Nürnberg (Frankenstraße 200, 90461 Nürnberg) jeweils um 20:30 Uhr (Einlass ab 20:00 Uhr) aufgeführt. Der Eintritt kostet im Normalpreis 8€ und ermäßigt 5€.

Und euch allen: Viel Spaß beim Besuch der Aufführungen!

Hannah Riemann