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Wie eine FAU-Professorin euer Leben verändert und vielleicht auch mal rettet – Teil 1

Prof. Dr. Marion Merklein wurde zu einer der 25 Frauen gekürt, die mit ihren Erfindungen unser Leben verändern. Foto: Severin Maier

Technischer Fortschritt verändert unser aller Leben. Manche Veränderungen sind sichtbar und kommen mit trendigen Bezeichnungen daher: unser Smartphone haben wir wohl täglich in der Hand, mit Social Media bleiben wir stets up to date und mittels Health Apps sowie Smart Wearables behalten wir unsere Fitness im Auge. Andere Veränderungen haben wir nicht so Blickfeld, auch wenn ihr sie ebenfalls beinahe täglich nutzt. An solchen Veränderungen arbeiten auch Prof. Dr. Marion Merklein, Inhaberin des Lehrstuhls für Fertigungstechnologie an der FAU, und ihr Team. Aus diesem Grund hat das Online-Magazin Edition F sie zu einer der 25 Frauen gekürt, die mit ihren Erfindungen unser Leben verändern. Wie Prof. Dr. Merklein euer Leben verändert und vielleicht sogar einmal rettet, einen Beitrag zum Erhalt des Planeten leistet und was eigentlich Trennprozesse und Blechmassivumformungen damit zu tun haben erfahrt ihr im Interview, das ich mit ihr geführt habe.

Frau Prof. Dr. Merklein, Sie wurden vom Online-Magazin Edition F zu einer der 25 Frauen gewählt, deren Erfindungen unser Leben verändern werden. Was bedeutet eigentlich diese Wahl für Sie und Ihre Arbeit?

Prof. Dr. Merklein: „Grundsätzlich erachte ich eine solche Wahl als Ehre und als Bestätigung meiner Arbeit, die ich hier leiste – die ich mit meinem Team hier leiste – und es zeigt mir, dass die Forschung, die wir betreiben, relevant ist für die Gesellschaft. Und das wiederum finde ich sehr positiv.“

Dem kann man sich nur anschließen. An der FAU haben Sie den Lehrstuhl für Fertigungstechnologie an unserer Technischen Fakultät inne. Womit beschäftigt sich ihr Lehrstuhl eigentlich genau?

Prof. Dr. Merklein: „Der Lehrstuhl beschäftigt sich mit Fertigungstechnologie, wie es der Name schon sagt. Allerdings nicht mit Fertigungstechnologie in der ganzen Breite. Die ganze Breite würde von der DIN 8580 erschlagen und würde dann Themengebiete von Kollegen mit erfassen. Das heißt dieser Lehrstuhl fokussiert sich auf Fragestellungen der Umformtechnik, der Fügetechnik mit Blick auf Fügen durch Umformen, mechanischem Fügen und Trenntechnik.

Kommen wir zur nächsten Frage. Was sind eigentlich Ihre persönlichen Schwerpunkte im Bereich der Fertigungstechnologie?

Prof. Dr. Merklein: „Das sind genau die, auf die sich auch der Lehrstuhl konzentriert. Also ich komme ursprünglich aus dem Bereich der Werkstoffwissenschaften und forsche somit an Fragen der Produktionstechnik mit Bezug zu Werkstoffen. Dabei habe ich den Schwerpunkt auf Fragestellungen der Umformtechnik von Massivumformung, Blechumformung und Blechmassivumformung. Darüber hinaus widme ich mich der mechanischen Fügetechnik und der Trenntechnik, was alleine schon dadurch begründet ist, dass viele dieser Prozesse auch in Prozessketten bei der Fertigung von Produkten benötigt werden.“

Edition F hat Sie für ein von Ihnen entwickeltes Formgebungsverfahren für Leichtmetalle geehrt. Dieses Formgebungsverfahren soll, wie Sie schon sagten, auch in der Produktion der Automobil-, Luftfahrt- und Schienenverkehrsindustrie eingesetzt werden. Jetzt sind Sie dafür geehrt worden, dass Ihre Erfindung unser Leben verändert. Wie verändert Ihre Erfindung unser Leben?

Prof. Dr. Merklein: „Die Verfahren, um die es geht, sind thermisch unterstützte Verfahren. Einerseits das Presshärten, andererseits die Tailored Heat Treated Blanks, bei denen wir hier sicherlich als Pionier mit forschungsmäßig unterwegs waren und die Technologie vorangetrieben haben. In beiden Fällen zielt es darauf ab, im Fahrzeugbereich die Karosserie sicherer zu machen. Das heißt damit gerade bei Unfällen, die leider noch aufgrund menschlicher Fehler passieren, die Fahrzeugstruktur in sich so steif und stabil zu machen, dass eine geringere bis gar keine Gefährdung der Fahrzeuginsassen gegeben ist.“

Also handfeste Folgen und tatsächlich direkte Auswirkungen für unser Leben und jeden einzelnen Menschen. Abgesehen davon: haben Sie eigentlich schon ein nächstes Forschungsprojekt?

Prof. Dr. Merklein: „Viele (lacht). Es ist nicht eines, es sind mehrere Projekte, die wir angehen. Mein Herz schlägt definitiv für die Blechmassivumformung, für die ich einen eigenen Transregio leite. Auch das schafft die Möglichkeit, Ressourcen einzusparen und damit die Umformtechnik und Fertigungstechnik für die Zukunft fit zu machen und einen Beitrag zu leisten, unseren Planeten wahrscheinlich länger leben zu lassen. Darüber hinaus interessieren wir uns aktuell auch sehr für Fragestellungen, wie wir Produktionsprozesse reif machen können für eine Produktion im Jahr 2030 und danach. Das heißt, wie wir mit den modernen Möglichkeiten der Informationstechnik und der Elektrotechnik Produktionsanlagen und -prozesse soweit verbessern können, dass wir über gesammelte Daten die Umformprozesse, die Fügeprozesse, die Trennprozesse während der Abläufe kontrollieren. Dadurch gehen wir in Richtung einer zero failure production oder auch auf eine Übertragbarkeit auf lokale, auf temporäre Anforderungen. Das heißt wir wollen uns einfach den Anforderungen der Zukunft stellen.“

Woher Prof. Merkleins Begeisterung für die Fertigungstechnologie kommt und wie sie die weiteren Erfindungen bewertet, erfahrt ihr bald im zweiten Teil unseres Interview.

Severin Maier