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Wie eine FAU-Professorin euer Leben verändert und vielleicht auch mal rettet – Teil 2

Preisträgerin Prof. Dr. Marion Merklein.

Technischer Fortschritt verändert unser aller Leben. Prof. Dr. Marion Merklein, Inhaberin des Lehrstuhls für Fertigungstechnologie an der FAU, leistet hierbei gemeinsam mit ihrem Team Pionierarbeit. Aus diesem Grund hat das Online-Magazin Edition F sie zu einer der 25 Frauen gekürt, die mit ihren Erfindungen unser Leben verändern. Wie Prof. Dr. Merklein euer Leben verändert und vielleicht sogar einmal rettet, einen Beitrag zum Erhalt des Planeten leistet und was eigentlich Trennprozesse und Blechmassivumformungen damit zu tun haben erfahrt ihr im Interview, das ich mit ihr geführt habe. Den ersten Teil könnt ihr hier nachlesen.

Definitiv zukunftsorientiert. Und jetzt zugegeben: ich bin neugierig. Woher kommt Ihr Interesse für die Fertigungstechnologie?

Prof. Dr. Merklein: Eigentlich von Kindertagen an. Ich habe hier anscheinend einiges von meinem Vater mitgegeben bekommen und schon als Kind hinterfragt, warum technische Dinge funktionieren, wie sie funktionieren. Dann bin ich über die Schule bis hin zum Studium zur Fertigungstechnik und Umformtechnik gekommen. Auch mein akademischer Lehrer hat das Interesse immer mehr geweckt. Ich muss sagen, es ist meine Leidenschaft, es liegt auch in den Genen und wurde von verschiedenen Menschen gezielt gefördert. Und es wird wohl nie enden, dass ich mich frage, wie etwas gefertigt wird, warum es so gefertigt wird und wie können wir es anders und besser machen.

Bei dieser Veranstaltung von Edition F wurden mit Ihnen andere Studentinnen, Gründerinnen und auch weitere Forscherinnen ausgezeichnet. Welche der anderen Erfindungen gefällt Ihnen besonders?

Prof. Dr. Merklein: Da ist es schwer sich zu entscheiden. Ich habe es auch nach der Sitzung mit meinem Mann diskutiert und zwei Sachen fand ich besonders beeindruckend. Das eine ist das Recycling von Stahlbeton. Das man diesen tatsächlich weiter verarbeiten kann, für weitere Bauwerke und Produkte. Aus meiner Sicht ein wahnsinnig zielführender Ansatz im Angesicht der Bedürfnisse unserer Zeit. Das andere hat mit der Reinigung der Weltmeere zu tun. Das fand ich auch hochspannend. Vor allem die Tatsache, dass die junge Dame durch das Schnorcheln und die Angst, was einem dabei alles um die Beine herum schwimmen kann, erkannt hat, welche Probleme wir haben. Dafür hat Sie neue Ansätze entwickelt, wie man die Weltmeere säubern kann. Beides finde ich beeindruckend.

Kommen wir noch kurz zu etwas anderem: Gleichberechtigung. Das ist auch an Universitäten definitiv ein Thema. Gerade technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen haftet der Ruf an, eine Männerdomäne zu sein. Wie beurteilen Sie die Situation für Frauen im Studium und in der Forschung in diesen Bereichen?

Prof. Dr. Merklein: Die Situation ist für Frauen keinesfalls schlechter als für Männer. Die Grundvoraussetzungen sind alle gegeben, die Akzeptanz in den Fächern für Frauen ist vorhanden. Das Grundproblem liegt aus meiner Sicht in früheren Jahren. Wir müssen Kinder ab den jüngsten Jahren, ab dem Kindergarten, heranführen an verschiedenste Bereiche des Lebens. Unter anderem auch Technik und müssen den spielerischen Umgang mit diesen erleichtern. Dann werden sich auch mehr Kinder, Mädchen, junge Damen sich begeistern können für solche Themen. Und ich glaube die Barriere existiert nicht bei den Menschen selber, sondern eher in der Herangehensweise, wie wir Kinder großziehen und ausbilden.

Also für alle von Kindesbeinen an diese Welt der Technik eröffnen und ermöglichen. Was raten Sie eigentlich Ihren Studentinnen, die auch eine akademische Laufbahn einschlagen wollen?

Prof. Dr. Merklein: Neugierig sein, offen sein und den eigenen Interessen nachgehen.

Wer das mitbringt, ist fit für eine akademische Laufbahn. Und mal sehen, wer sich noch für Fertigungstechnologie begeistern kann. Zum Schluss habe ich noch eine persönliche Frage. Sie haben in Ihrem Leben schon einiges erreicht. Was wollen Sie noch unbedingt erreichen?

Prof. Dr. Merklein: Mein beruflicher Traum wäre es, weiter mit einem so kreativen und innovativen Team zu arbeiten, wie ich es die letzten zehn Jahre an diesem Lehrstuhl konnte. Denn dann – glaube ich – werden in Teams auch immer wieder neue Ideen für die Zukunft geschaffen. Privat habe ich einen ganz einfachen Traum: mit meinem Mann in Frieden gesund alt werden und diese Welt noch genießen.

Dann hoffe ich, dass alle diese Wünsche noch in Erfüllungen gehen und bedanke mich herzlich für das Interview. Es hat mich wirklich sehr gefreut und war ein spannender Einblick in Ihre Arbeit. Dankeschön.

Prof. Dr. Merklein: Danke auch.

Wir sehen, auch Arbeiten an der FAU haben direkten Einfluss euer Leben. Wir sehen aber auch, dass technischer Fortschritt, Wissenschaft und Forschung unser Leben besser machen und einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt unseres Planeten beitragen. Und schlussendlich ist es egal, ob du Student oder Studentin bist: mit Neugier, Offenheit und dem zielstrebigen Verfolgen der eigenen Interessen kann auch eure Arbeit euch unter die 25 Menschen bringen, die unser Leben verändern.

Severin Maier