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Wie einst Peter Lustig

Warum liegt hier eigentlich Stroh? Foto: Leonie Fößel

Warum liegt hier eigentlich Stroh? Foto: Leonie Fößel

Die eigenen vier Wände. Für uns alle etwas, auf das wir nicht verzichten wollen. Doch gerade Studenten kommen bei den hohen Mietpreisen ziemlich ins Schwitzen. Gerade Erlangen ist kein günstiges Pflaster, viele Studenten ziehen es daher vor, nach Nürnberg zu ziehen und zu pendeln. Doch es geht auch anders. Warum muss es denn ein Zimmer in einer WG sein? In alternativen Wohnmöglichkeiten kommt man sicher günstiger davon. Sarah und Max, beide Kulturgeographie-Studenten, haben lange auf einem Grundstück in Bauwagen gewohnt. Inzwischen leben die beiden Freunde zwar in einer Vierer-WG. An ihre Zeit, in der sie wie Peter Lustig lebten, erinnern sie sich aber gern zurück.

„Einer der Vorteile war es, das man nicht planen musste, rauszugehen“, sagt die 24-jährige Sarah. „Man hat seine Tür aufgemacht und stand im Freien. Hier in der WG muss ich immer erst überlegen, was ich draußen eigentlich machen will.“ Der ebenfalls 24-Jährige Max stimmt ihr zu. „Allein wenn man aufs Klo musste, musste man vor die Tür. Wobei das irgendwie auch ein Nachteil war!“ Er lacht. „Küche und Wohnzimmer waren draußen, das war schon sehr schön“, sagt Sarah.

Holzhacken und Regengüsse

Max war erstaunt, wie wenige Dinge er beim Umzug in die Wohnung mitbrachte. „Man hat im Bauwagen einfach nicht viel Platz. Und dadurch auch nicht viele Sachen.“ Die beiden erinnern sich besonders gern an das Einschlafen im Bauwagen zurück. „Es hatte mehr was von draußen Schlafen, vor allem wenn es geregnet oder gestürmt hat. Das hat ganz schön geprasselt“, sagt Sarah. Sie vermisst vor allem ihren Holzofen, da es dadurch im Winter im Bauwagen warm und kuschlig wurde. „Naja, das Holzhacken war nicht so toll“, gibt sie nach ein paar Augenblicken zu und grinst.

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„Küche und Wohnzimmer waren draußen, das war schon sehr schön.“ Foto: Leonie Fößel

In einem Punkt sind sich die beiden vollkommen einig: „Der Preis war unschlagbar!“ 30 Euro zahlten sie jeweils pro Monat an Stromkosten – die beiden durften gegen Arbeit in ihren Bauwagen wohnen. „Handwerklich hat mir das persönlich enorm viel gebracht“, sagt Sarah. Wenn etwas im Bauwagen kaputt war, musste sie es selbst reparieren. „Außerdem konnten wir so laut wir wollten Musik hören und keiner hat sich beschwert“, sagt Max.  Er selbst vermisse die Art, wie er im Bauwagen gewohnt hat nicht. „Es war mir einfach zu eng.“ Trotzdem hat er mehr als drei Jahre dort gelebt und erinnert sich gern zurück. Auch Sarah bereut es nicht, in die WG gezogen zu sein. „Ich vermisse manche Aspekte, das natürlich. Vor allem meinen Holzofen.“

„Das ganze Getier hat auch wirklich genervt“

Das Leben im Bauwagen hat aber nicht nur positive Aspekte mit sich gebracht. „Richtig ätzend war es, wenn man krank war“, sagen die beiden. In der Winterkälte für jeden Toilettengang und zum Kochen aus dem Wagen zu müssen, das vermissen beide nicht. „Das ganze Getier hat auch wirklich genervt“, sagt Max. „Wir hatten immer wieder irgendwelche Nager in der Dämmung und im Herbst konnte man die Türen nie offen lassen, weil sonst die Mäuse reinkamen.“ „Und Essen konnte man nicht rumstehen lassen“, sagt Sarah. „Das war schon ein wenig wie beim Campen.“ In den Bauwagen hatten sie außerdem kein fließendes Wasser. „Das braucht man nicht unbedingt, aber es ist schon bequemer, wenn man nicht erst ewig in die Küche gehen muss“, sagt Max. Für ihn war auch die Arbeit, die sie für ihr günstiges Wohnen leisten mussten, am Ende ein Grund auszuziehen. „Und ich wollte ein Sofa“, meint er und grinst. In seinem WG-Zimmer steht inzwischen eine große graue Couch.

In den Bauwagen-Zeiten waren eigentlich immer Freunde zu Besuch. „Das war schon schön. Wir konnten einfach Leute einladen und hatte so viel Platz“, sagt Sarah. „In der WG ist es schwieriger, weil wir keinen großen Gemeinschaftsraum haben.“ Am Küchenfenster stehen kleine Pappbecher, in denen kleine Setzlinge vor sich hin wachsen. Radieschen, Rucola, Kresse und vieles mehr. Ein wenig ihres Lebens inmitten der Natur ist ihnen also geblieben.

Leonie Fößel