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„Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen“

Was würde eigentlich mit den indischen Näherinnen passieren, würde die ganze Welt fortan keinerlei Billigmode mehr kaufen? Was würde eigentlich mit den Wasserrohren passieren, wenn jeder Bürger den Wasserverbrauch auf ein absolutes Minimum schrauben würde? Über solche Fragen zum Thema Nachhaltigkeit hat sich Ann-Kristin Mull Gedanken gemacht, aber kein Buch gefunden, das verlässliche Antworten bot und dennoch keine trockene Fachliteratur war. Also nahm sich die gebürtige Nürnbergerin selbst dem Thema an. Jetzt, vier Jahre, später hält die Lehramt-Studentin stolz ein Exemplar ihres Buches in der Hand: „Ist öko immer gut? Was Welt und Klima wirklich hilft“, erschienen beim Tectum Verlag.

Wie kamst Du eigentlich die Idee, dieses Buch zu machen?

Ann-Kristin: Ich hatte Fragen im Kopf, auf die ich unbedingt eine Antwort haben wollte. Es gibt unglaublich viele gut gemeinte Tipps zur Nachhaltigkeit, aber mich hat interessiert, welche davon wirklich etwas bewirken. Mich interessiert auch, was wirklich einen Effekt auf die Umwelt hat und mich welchen Verhaltensweisen wir uns nur das tägliche Leben schwermachen.

Wie ist das Buch konzipiert?

Ann-Kristin: Meine Idee war es, Menschen zu fragen, die Experten auf ihrem Gebiet sind und diese Antworten – ich bin Grafikdesignerin – wollte ich dann gestalterisch so aufbereiten, dass sie viele Menschen lesen und auch gerne lesen. Das war meine Motivation. Es geht immer auch um die Fragen: Welche Dinge haben große Auswirkungen auf Welt und Umwelt und mit welchen bewirken wir sogar das Gegenteil von dem, was wir uns erhoffen? Ich habe insgesamt 16 internationale Experten zu dem Thema kontaktiert. Diese haben mir kompetente Antworten auf meine Fragen gegeben. Meine Idee war es, einen interessanten Fragenkatalog mit Antworten zu konzipieren, den man gerne und einfach liest.

Wie hast Du die Experten ausfindig gemacht?

Ann-Kristin: Ich habe erst einmal zwei Jahre recherchiert und mich in das ganze Thema eingelesen. Manche Experten haben gar nicht geantwortet, oder kein Interesse an dem Projekt gezeigt. Ich bin sehr froh über jene, die sich bereit erklärt haben, mit mir zusammenzuarbeiten und Antworten auf meine Fragen zu finden. Ich war wirklich sehr froh und dankbar darüber, schließlich war damals noch nicht klar, ob ich einen Verlag finde, der das Buch verlegen würde.

Woher kommt deine Leidenschaft zur Nachhaltigkeit?

Ann-Kristin: Eigentlich muss Nachhaltigkeit uns alle etwas angehen. Wir sägen an dem Ast auf dem wir sitzen. Der Witz ist, dass einfache Veränderung mitunter den größten Nutzen haben. Wir müssen unsere Energien nur in die richtigen Bahnen lenken. Jeder kann sofort anfangen, ohne den eigenen Alltag krass verändern zu müssen.

Wie hat dein Umfeld auf diese Idee reagiert?

Ann-Kristin: Mein betreuender Professor, das Buch war auch meine Abschlussarbeit, hat erst einmal gelacht, als ich ihm eröffnet habe, dass ich ein Buch übers Weltverbessern gestalten will. Das lag aber daran, dass mein Konzept zu diesem Zeitpunkt noch sehr vage war, das Thema ist schließlich riesig. Jener Professor hat mich dann aber all die Jahre sehr unterstützt und mir extrem weitergeholfen. Meine Familie und Freunde haben mich auch sehr unterstützt, eine Freundin hat mit letztendlich den Tipp für den passenden Verlag gegeben.

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit im Alltag?

Ann-Kristin: Politische Weichenstellungen sind notwendig, doch diese gehen Hand in Hand mit dem, was wir selbst im Alltag tun. Das Gute ist: Wir können mit 20% Aufwand im Alltag zu 80% nachhaltig leben. Um das zu verwirklichen, ist zum Beispiel die Wahl der Wohnung wichtig. Eine gut gedämmte Wohnung, die an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist, ist schon mal Gold wert. Generell sollten wir Bus und Bahn – wann immer möglich – Fliegen und dem Auto vorziehen. Weitere wichtige Punkte sind, wenig Energie zu verbrauchen, sich möglichst fleischarm zu ernähren und sich beim Einkaufen zu fragen, ob man diese Sache nun wirklich braucht. Vielleicht kann ich sie auch leihen, gebraucht besorgen, selbst machen oder reparieren. Auf viele Dinge kann man verzichten, ohne dass es einem weh tut. Wenn man dann doch etwas kauft, sollte man natürlich auf Regionalität und eine ökologische und faire Herstellung achten.

Wie stehst Du denn dazu, wenn sich jemand einen Coffee-To-Go Becher holt?

Ann-Kristin: Besser wäre natürlich ein wiederverwendbarer Becher, keine Frage. Aber wenn man das nicht jeden Morgen tut und wenn man bei den eben genannten, wichtigeren Dingen auf Nachhaltigkeit achtet, dann sehe ich das nicht so dramatisch. Jeder hat eigene Möglichkeiten, nachhaltig zu leben. Ich finde es übrigens wichtig, nicht von heute auf morgen alles umzustellen, sondern sich langsam vorzutasten, um die Motivation nicht zu verlieren. Und vor allem: nicht den Spaß am Leben zu verlieren und das Ganze in Einklang mit guter Lebensqualität anzugehen.

Vielen Dank für das Interview!

Das Buch gibt es bereits in Onlineshops und dem Handel zu erwerben.

Milena Kühnlein

Ein Kommentar zu “„Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen“

  1. Denise sagt:

    Das klingt echt interessant! Ich habe mir auch schon oft solche Fragen gestellt. Vielleicht finde ich in diesem Buch ja die Antworten darauf 😉

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