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Wissenswertes zur Hochschulwahl – Interview mit Tobias Langer

Tobias Langer ist Mitglied des SprecherInnenrats. Vor zwei Jahren wurde erst selbst in den Kovent gewählt.

Tobias Langer ist Mitglied des SprecherInnenrats. Vor zwei Jahren wurde erst selbst in den Kovent gewählt.

Am 30. Juni findet die alljährliche Hochschulwahl statt. Im letzten Jahr stieg die Wahlbeteiligung von 8,51% auf 13,68%, was allerdings immer noch recht wenig ist. Dass so wenige Studenten ihr Wahlrecht wahrnehmen, liegt vielleicht auch daran, dass sie gar nicht wissen, um was es eigentlich im Einzelnen geht. Tobias Langer, Mitglied des SprecherInnenrat hat einen Einblick in das Mysterium Hochschulwahl gewährt.

Was wird da überhaupt gewählt und wer kann sich zur Wahl aufstellen lassen?

Tobias Langer: Es gibt zwei Wahlscheine, einen für den Konvent und einen für die Fachschaftsvertretung (FSV). Bei der Wahl der FSV werden auch noch zusätzlich die studentischen Mitglieder des Fakultätsrats bestimmt, das sind dann die ersten vier mit den meisten Stimmen nach Ergebnis. Es gibt verschiedene Listen, mit Kandidaten.

Aufstellen lassen kann sich eigentlich jeder innerhalb der Frist, der es schafft eine Liste aufzustellen und die notwendigen Unterstützer für die Liste zu bekommen. Benötigt wird dafür eine bestimmte Anzahl an Unterschriften. Bevor man aber selbst eine eigene Liste zusammenstellt ist sinnvoll zu schauen, was gibt es schon gibt, um sich dort anzuschließen bzw. was fehlt und dahingehend eine neue Liste gründen. Da eine solche Aufgabe auch sehr zeitaufwendig sein kann, sollte man aber vor allem die nötige Bereitschaft Zeit zu investieren mitbringen. Für Interessierte sei gesagt, dass die Sitzungen der FSV und des Konvents prinzipiell immer öffentlich sind und Gäste gerne vorbei kommen und mitdiskutieren können.

Was ist der Unterschied zwischen studentischen Konvent und Fachschaftsvertretung? Welche Kompetenzen besitzen sie?

Tobias Langer: Der Konvent und die Fachschaftsvertretung sind im Grunde sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich auf der Ebene, auf der sie agieren. Dabei ist das Konvent universitätsübergreifend aktiv und die FSV jeweils fakultätsintern. Generell fragen sie sich, welche Aufgaben und Probleme an der Universität bzw. Fakultät anstehen und behandelt werden müssen. Jede studentische Struktur hat dabei ein bestimmtes Budget, das für Dinge eingesetzt werden kann, wie z.B. für Werbematerial oder zur Unterstützung anderer studentischer Initiativen. Auch in andere Gremien, in denen es, z.B. um die Verwendung finanzieller Mittel geht, können jeweils Abgesandte geschickt werden, die dann ein Mitbestimmungsrecht haben. Der Konvent hat dabei durchaus eine „Parlamentsfunktion“, d.h. dass er auch richtungsweisendere Positionen bestimmt z.B. im Falle des Semestertickets. Im Konvent gibt es insgesamt 30 Plätze, dabei werden bei der Hochschulwahl 15 direkt gewählt. Die anderen 15 werden aus den einzelnen Fachschaftsinitiativen entsandt, damit das besser verzahnt ist. Die Größe der FSVen ist je nach Fakultät unterschiedlich und hängt mit der Zahl der dort Studierenden zusammen.

Grafik: www.stuve.fau.de

Auf einen Blick: Die hochschulpolitischen Strukturen an der FAU. Grafik: www.stuve.fau.de

Wie wird gewählt und wo muss ich dafür hin?

Tobias Langer: Pro Fakultät gibt es Wahlbüros, man wird einem bestimmten Wahlbüro zugeordnet. Man kann das in der Wahlbenachrichtigung in MeinCampus nachlesen. Ist man am Tag der Wahl verhindert, so kann man über MeinCampus auch die Briefwahl beantragen. Ihr bekommt zur Hochschulwahl zwei Wahlzettel, dabei habt ihr für den Konvent 15 Stimmen und für den Fakultätsrat 4 Stimmen. Im Wahlgang kann man entweder kumulieren, also eine gesamte Liste wählen: Die Stimmen werden dann von oben nach unten verteilt. Man kann aber auch Personen von der Liste streichen: streiche ich z.B. die ersten Drei, dann werden die Stimmen erst ab dem vierten Kandidaten verteilt. Oder man verteilt seine Stimmen auf mehrere Personen auch verschiedener Listen.

Wo kann ich mir ein Bild von den Kandidaten/Listen machen?

Tobias Langer: Es wird so sein, dass wir versuchen wieder einen Wahlkompass aufzustellen. Vom Konzept ähnlich wie man das auch im Vorfeld einer Bundestagwahl machen kann: Durch Fragen wird ermittelt, in welcher Deckung man zu den Listen steht. Es wird auch noch eine Podiumsdiskussionen am 23.06. von 18 bis 21 Uhr geben, wo wir versuchen Vertreter aller Listen auf der Bühne vorzustellen. In dieser Runde können dann persönlich Fragen zu den Programmen gestellt werden. Es ist auf jeden Fall sehr sinnvoll einer dieser Möglichkeiten wahrzunehmen, um einen besseren Überblick zu bekommen.

 

 

Warum sollte ich wählen?

Tobias Langer: Es gibt mehrere Möglichkeiten sich in die Arbeit der Stuve einzubringen. Eine der direktesten ist dabei natürlich die Wahl. Ich glaube, dass es sehr viele Positionen zu wichtigen Themen gibt, die bezogen werden müssen. Dabei ist die Wahl an der Stelle das Nachhaltigste, um dazu eine Stellung zu beziehen. Denn je nachdem wer wählen geht bestimmt darüber wie sich die Studentenschaft zu Themen wie den Studiengebühren oder dem Semesterticket (…) stellt. Dabei ist der Einfluss den man selbst üben kann nicht zu unterschätzen, da diese Dinge unmittelbare Auswirkungen auf das eigene Studentenleben haben können.

 

Wie erklärst du dir die niedrige Wahlbeteiligung der letzten Jahre?

Tobias Langer: Ich glaube, dass die Hochschulpolitik einfach nicht die Öffentlichkeit hat wie Realpolitik. Es wird eben nicht permanent in den Medien darüber berichtet und damit auch nicht derartig diskutiert. Ich bin aber zuversichtlich, dass unser neugegründetes Referat für Öffentlichkeitsarbeit dahingehend aufrüsten wird. Ein weiteres Problem ist es, dass die Wahl an nur einem Tag stattfindet. Wer an diesem Tag keine Uni hat, geht meistens nicht extra zum Wählen dorthin. In diesem Fall ist natürlich die Briefwahl eine gute Alternative. Aber nächstes Jahr wird es auch einen Testlauf mit einer zweitägigen Wahl geben, damit mehr Leute die Möglichkeit haben zu partizipieren. Ich denke aber auch, dass die Verweildauer an der Universität nicht mehr zwangsweiße so lang ist und man einfach weniger Zeit hat sich damit auseinanderzusetzen, ganz nach dem Motto „Warum sich mit etwas auseinandersetzen, was erst in drei Jahren passiert“. Dieses Bewusstsein müssen wir versuchen in Zukunft zu ändern, denn jede Stimmte zählt!

 

Also informiert euch und stürmt am 30. Juni zwischen 9-18 Uhr in die Wahlbüros eurer Fakultät. Lichtbildausweis nicht vergessen! Wer am Wahltag nicht anwesend ist, sollte das Angebot der Briefwahl wahrnehmen: Einfach in MeinCampus einloggen und unter „Bescheinigungen“ die Wahlbenachrichtigung öffnen und Antrag bis Mitte Juni ausfüllen und abgeben. Die Unterlagen werden euch dann bequem zugeschickt.

Weitere Infos findet ihr auf der Homepage der Stuve.

 

Janine Walter