Inhalt

Zu Besuch bei Christian Zens – der Kanzler der FAU im Interview (Teil 1)

Zu Besuch im Arbeitszimmer des Kanzlers. Foto: Felix Klaassen

Hallo Herr Zens. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen!

Christian Zens: Freitag ist immer etwas entspannter als die anderen Tage. Da nehme ich mir gerne Zeit!

Sie sind der Kanzler der FAU und haben Ihr Büro hier im Erlanger Schloss. Als Kind hatten Sie wahrscheinlich andere Vorstellungen, was Sie einmal werden? 

Christian Zens: So eine Laufbahn kann man natürlich nicht planen. Als Schüler hatte ich keine speziellen Neigungen, was den Berufswunsch anging. Daher wusste ich lange nicht, was ich machen wollte. Letztendlich habe ich mich dann für das Jurastudium entschieden. Ähnlich wie viele andere Jurastudenten auch, bin ich aber erst nach dem 4. Semester richtig warm damit geworden.

Was war denn am Grundstudium nicht so schön?

Christian Zens: Von Beginn des Studiums wurde man mit Themen konfrontiert, die man überhaupt nicht einordnen konnte. Dazu gehörte zum Beispiel die Einführung in das römische Recht, obwohl man am Anfang des Studiums noch nicht einmal viel Ahnung vom Deutschen Recht hat. Das fand ich sehr schade, weil es an sich ein sehr spannendes Thema ist, für das aber damals das Basiswissen fehlte.

Was hat Ihnen den besonders gut während Ihrem Studium gefallen?

Christian Zens: Ab dem 5. Semester konnte man sich mit dem nun vorhandenen Basiswissen in verschiedene Spezialgebiete einarbeiten. Diese zwei Semester lange Zeit habe ich sehr genossen!

Wie ging es nach dem Studium weiter? 

Christian Zens: Ich stellte fest, dass ich keine richtigen Neigungen zu den klassischen Berufsfeldern wie Anwalt oder Richter hatte. Mein Staatsexamen Ende 1990 eröffnete mir dann die Möglichkeit, nach der Wiedervereinigung ein Abenteuer zu wagen. Ich verließ Bayern und ging in das Bundesfinanzministerium nach Brandenburg. Dort war ich von Anfang an im Management tätig. Mit der klassischen Juristerei hatte ich in meiner Laufbahn kaum etwas zu tun.

In dieser Zeit habe ich sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt. Dennoch habe ich gemerkt, dass es nicht mein Ding ist, ein Rädchen in einem großen Getriebe zu sein. In einem so großen Laden wie dem Bundesfinanzministerium sieht man den eigenen Erfolg oder Misserfolg eigentlich nicht. Deshalb habe ich mich Mitte 40 für einen Laufbahnwechsel entschlossen und bin in die Hochschulverwaltung gewechselt.

Zu meinem Glück wurde damals an der Europauniversität Viadrina in Frankfurt an der Oder der Posten des Kanzlers frei, den ich dann auch bekam. Auch wenn ich zuvor schon viel mit Verwaltung zu tun hatte, musste ich doch feststellen, dass die Hochschulverwaltung etwas Besonderes ist. Gerade wenn es darum geht, zwischen Verwaltung und dem wissenschaftlichen Personal eine Schnittstelle zu finden.

Sie sind nun seit zwei Jahren in Erlangen Kanzler. Wie kam es zu dem Wechsel?

Christian Zens: Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass die Stelle hier zu besetzen ist. Nach zehn Jahren in Frankfurt wollte ich die Chance ergreifen, nochmal etwas Neues anzufangen. Da ich ja ursprünglich aus Bayern komme, hatte Erlangen natürlich noch einen zusätzlichen Reiz für mich. Zudem sind meine beiden Töchter mittlerweile erwachsen und im Ausland tätig, weshalb ich auch in dieser Hinsicht flexibel sein konnte.

Welche Aufgaben fallen hier an der FAU in Ihren Verantwortungsbereich?

Christian Zens: Meine Hauptaufgabe ist es dafür zu sorgen, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter möglichst wenig mit Verwaltung zu tun haben und ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen können. Außerdem fallen klassische Aufgaben wie Personalführung, Organisation und Haushalt in meinen Bereich.

Welche Herausforderungen stehen derzeit an?

Christian Zens: In den letzten zwei Jahren haben wir uns das Zusammenspiel zwischen den dezentralen Einheiten und der zentralen Universitätsverwaltung angesehen. Hier sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass deutlich nachgesteuert werden muss. Das hängt natürlich damit zusammen, dass die FAU in den letzten 15 Jahren stark gewachsen ist und viele Strukturen daher nicht mehr so gut miteinander harmonieren.

Deswegen haben wir das Projekt move@fau gestartet. „Move“ steht für moderne Verwaltung und soll das bereits genannte Zusammenspiel noch genauer unter die Lupe nehmen. Ziel ist es die Verwaltungsprozesse zu verbessern und vor allem die Digitalisierung voranzutreiben und den Papierkrieg beenden.

Sehr wichtig ist mir auch, dass wir in Zukunft keine langen Entscheidungswege mehr haben. Ich bin ein Anhänger des AKV-Prinzips. Aufgabe, Kompetenz und Verantwortung sollen möglichst in eine Hand gehen und nicht in einer Hierarchie. Abläufe werden somit deutlich beschleunigt.

Was die Position des Universitätskanzlers mit der Politik zu tun hat, wo Christian Zens die langfristigen Herausforderungen sieht und wo in Erlangen er sich besonders gerne aufhält, erzählen wir  im zweiten Teil des Interviews.

Felix Klaassen