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Zu Besuch im jüdischen Museum Franken in Fürth

Die Laubhütte (Sukka) im obersten Stockwerk. Foto: Salome Mayer

Die Laubhütte (Sukka) im obersten Stockwerk. Foto: Salome Mayer

Mit dem Semesterticket kann man gut am Wochenende die nähere Umgebung Erlangens erkunden. Ein besonderes Ausflugsziel liegt in Fürth: Das Jüdische Museum Franken in Fürth. Vom 17. bis ins frühe 19. Jahrhundert war Fürth das Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit in Süddeutschland. Das Museum zeichnet die interessante und leider auch wechselvolle Geschichte der Juden in Franken nach.

Schräg gegenüber des Fürther Rathauses befindet sich das Jüdische Museum. Versteckt hinter einem Gerüst und einem Bauzaun, der verziert ist mit Zeichnungen von Fürther Schulkindern, befindet sich der Eingang. Es wird angebaut; das Museum soll noch mehr zu einem Ort des Lernens und der Begegnung werden. Das bestehende Museumsgebäude selbst ist schon sehenswert. Als ein ehemaliges jüdisches Wohnhaus ist es ein authentisches Zeugnis des jüdischen Lebens in Fürth. So findet der Besucher beispielsweise im Obergeschoss des verwinkelten Hauses eine Sukka, eine Laubhütte. Jedes Jahr feiern Juden das Laubhüttenfest, bei dem sie sich an die 40-jähirge Wüstenwanderung ihrer Vorfahren erinnern. Sie wohnen (das heißt essen, schlafen, arbeiten…) sieben Tage in der Sukka. Es gibt gewisse Vorgaben, wie diese auszusehen hat. Unter anderem muss man durch das Dach, das mit Zweigen zugedeckt wird, Sterne sehen können. Dazu wurde das Dach in diesem Fall abgedeckt.

Das jüdische Ritualbad

Challa - auf fränkisch heißt das Schabbatbrot Berches. Foto: Salome Mayer

Challa – auf fränkisch heißt das Schabbatbrot Berches. Foto: Salome Mayer

Das andere Herzstück der Ausstellung befindet sich tief unten im Keller des Hauses – und ist zur Zeit leider wegen der Bauarbeiten nicht zu besichtigen. Es handelt sich um eine Mikwe, das jüdische Ritualbad. Es wird mit Grundwasser gespeist. Doch auch wenn es gerade nicht zu sehen ist, lohnt ein Museumsbesuch. Die Ausstellung zeigt in den oberen Stockwerken sowohl Gegenstände des alltäglichen als auch des religiösen Lebens. Eine Thorarolle, die dazugehörigen Kronen, Thorazeiger und vieles mehr sind zu sehen und ermöglichen den Blick in eine für viele unbekannte Welt. Wann sind Gummibärchen koscher und warum trinken Juden keinen Latte Macchiato nachdem sie Fleisch zum Mittagessen hatten? Solche Fragen werden in der kostenlosen Führung beantwortet. Sie findet jeden ersten Sonntag im Monat um 14 Uhr zu wechselnden Themen statt. Im Anschluss durften wir sogar das Schabbatbrot, Challa, probieren – lecker! In Franken heißt der Zopf aus Hefeteig übrigens „Berches“. Wahrscheinlich kommt das Wort von „Berecha“, dem Segen, der über Brot und Wein jeden Freitagabend gesprochen wird.

Seit 1499 leben Juden in Fürth. Davor waren sie aus Nürnberg vertrieben worden. In Fürth mussten sie ein hohes Schutzgeld zahlen. Doch bald schon waren sie nicht mehr nur geduldet (was wahrscheinlich auch an dem wirtschaftlichen Erfolg lag, zu dem sie Fürth verhalfen). In der Folgezeit entstanden Synagogen, eine Talmudschule, ein Krankenhaus, ein Waisenhaus, hebräische Druckereien. Die Fürther Juden hatten so viel Rechte wie nirgendwo in Deutschland und lebten nicht im Ghetto, wie in anderen Städten.

Jüdisches Leben  in Fürth und Umgebung heute

Es wird angebaut. Foto: Salome Mayer

Es wird angebaut. Foto: Salome Mayer

Was die nationalsozialistische Machtübernahme 1933 für die jüdische Bevölkerung in Franken bedeutete an Entrechtung, Enteignung und Vertreibung, zeigt die Ausstellung an Einzelschicksalen. Doch nach dieser sehr dunklen Station der Ausstellung kommt noch die Gegenwart und ein Blick in die Zukunft. Hier erfährt man, wie jüdisches Leben heute in Fürth und Umgebung aussieht.

Nach dem etwa anderthalbstündigen Rundgang lohnt noch ein Besuch im Museumsshop und der angeschlossenen Buchhandlung. Hier findet man ganz viele Fachbücher sowie belletristische Literatur zu jüdischen Themen, Judaika, CDs (Klezmer-Musik!) und schöne Postkarten. Wenn man sich bisschen ausruhen will nach dem Stehen und Laufen: In einem kleinen zum Museum gehörenden Kaffee gibt’s eine überschaubare Auswahl an Gebäck und heißen Getränken sowie Zeitungen – natürlich ist auch die jüdische Presse vertreten. Insgesamt ein tolles und nahegelegenes Ausflugsziel fürs Wochenende.

Hier die Facts:

Öffnungszeiten:

Di-So 10-17 Uhr, geöffnet an Oster- u. Pfingstmontag. Zu während der Kirchweih: 1.-12.10.16; an Jom Kippur Mi, 12.10.16 und am 24./25./31.12. und 1.1.

Eintritt: Für Studierende: 4 € (einen Euro günstiger als der Normalpreis)

Wie hinkommen? Königstraße 89 in Fürth – entweder vom Hauptbahnhof laufen oder mit der U-Bahn bis „Rathaus“

 

Salome Mayer