Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Mercado Oriental

Am vergangenen Wochenende ging es für mich nach Managua, ich bin mit Freunden in eine WG gezogen. Ich möchte hier am Militärkrankenhaus mein weiteres Praktikum absolvieren, um neben einem „kleinen Landkrankenhaus“ wie San Carlos eben noch das Gegenteil, ein urbanes, modernes Krankenhaus mit viel mehr Möglichkeiten kennen zu lernen.
Nachdem ich aber noch bis Ende Januar in Nicaragua bin, habe ich die Möglichkeit immer wieder in San Carlos am Centro de Salud vorbeizuschauen und nach dem Stand unseres Ofens zu sehen…
Heute war ich mit Fatima, der Administradora des Krankenhauses in San Carlos im Mercado Oriental in Managua. Es ist der größte Markt in ganz Zentralamerika! Wir waren auf der Suche nach weiteren Mülleimern, um die Mülltrennung im Krankenhaus noch besser zu strukturieren und zu organisieren (heißt: Auf den Gängen werden nur noch schwarze (Rest)Mülleimer platziert, weil dort Patienten und Gäste Zugang haben, die den Müll so oder so nicht ganz korrekt trennen.)
Wir waren also in den verschiedensten „Läden“ und haben auch einen gefunden, wo sie bezahlbare Eimer in korrekten Farben da hatten. Es ist zwar nicht das genau gleiche Exemplar, wie das Krankenhaus sie schon hat, aber das ist ja kein Problem. Doch natürlich war es nicht so einfach: Die Chefin wollte uns leider keine 15 Eimer in der selben Farbe verkaufen. Begründung: Sie bekommen immer zwanzig Eimer in einer Tüte geliefert und zwar in allen Farben gemixt. Wenn wir also 15 Eimer wollen, müssen sie vier Stapel Tüten aufreißen, damit wir eine Farbe bekommen. Und das geht nicht.
Haben wir zwar absolut nicht verstanden, weil sie machen ja ihr Geschäft mit uns, aber sie wollten einfach nicht. Maximale Zahl in einer Farbe: 8 Eimer. Naja, was solls, wir müssen also in zwei Wochen nochmal kommen und nochmal 8 Eimer in Schwarz kaufen…
Während wir so durch den Markt trödelten, bekam ich ganz nebenbei mit, dass die Camioneta des Krankenhauses neben unseren Mülleimern einfach so noch einen Leichnam nach San Carlos transportieren wird. Sie wurden um diesen Gefallen gebeten, weil die Familie des Toten mit niedrigem Einkommen sich eine anders organisierte Überführung nach San Carlos nicht leisten konnte. Für mich war das wirklich eine Überraschung! Schon so ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass hinten auf der Camioneta ein Toter im Sarg transportiert wird. Aber ich finde es sehr schön, dass das Krankenhaus diese Bitte übernommen hat, und den Sarg kostenlos nach San Carlos mitgenommen hat!

Zum Schluss noch ganz allein… ;-)

Am Mittwoch haben mich Johanna und Johannes verlassen. Sie machten sich in der Früh auf den Heimweg nach Deutschland. Wir trafen uns also morgens um Neun an der Migración im Zentrum von San Carlos, weil sie auf dem Rückweg dann doch das Boot nach Los Chiles in Costa Rica nehmen konnten. Eine wunderschöne Reise durch den Regenwald, wie ich aus eigener Erfahrung weiß 🙂 Heute sind sie dann gut in Erlangen angekommen.

Für mich war/ist das Projekt aber noch nicht vorbei. Für die von euch, die es noch nicht wissen: Ich werde weiterhin in San Carlos / Managua bleiben und dort bis Weihnachten ein Krankenhauspraktikum absolvieren.
Bevor für mich die „reguläre“ Mitarbeit aber los geht, möchte ich mich noch um die vielen weiteren fehlenden Sachen kümmern. So haben wir am Donnerstag z.B. Metalltüren für die Müllablageplätze neben dem Ofen bauen lassen. Nachdem wir nämlich einmal Müll dort liegen hatten lassen, mussten wir am nächsten Morgen fest stellen, dass in der Nacht die Hunde an den infektiösen Tüten gewesen waren. Daher also doch noch Türen.
Ich bin so also doch noch zur „Schweißaufsicht“ geworden und konnte mich auch selbst versuchen… Ganz schön schwierig! Besonders gut war ich jedenfalls nicht… 😀

Bilder folgen noch…

Heimreise

Unser Flug sollte erst um 5 Uhr nachmittags fliegen. Deshalb machten wir am Vormittag nochmal ein Spaziergang durch San José. Es ist auffällig, dass die Leute in Costa Rica viel freundlicher sind als in vielen anderen Ländern (sogar die Grenzbeamten!!!). 1949 wurde das Militär abgeschafft und das Geld stattdessen in Bildung investiert. Ein Grund, weshalb vergleichsweise viele Ticos (so nennen sich die Einwohner Costa Ricas) gutes Englisch sprechen. Viele Firmen sind hierher gekommen, um die vergleichsweise günstigen Arbeitskräfte zu nutzen, und ein Zugang zu Lateinamerika zu haben. Das Stadtbild selbst ist häufig dem einer deutschen Stadt ähnlich. Es gibt eine Einkaufszone, vergleichsweise wenig Straßenstände und einen Platz an dem sich junge Menschen treffen und der umgeben ist von Mc Donalds, Klamottenläden und einer Bibliothek.

Mittags packten wir unser Gepäck zusammen. Auf dem Weg zum Bus kamen wir zum Abschluss in ein Donnerwetter, das uns und unsere Koffer ordentlich durchnässte. Nach einem Flugstart in der Dämmerung und einem langen, langen Flug (insgesamt über 12 Stunden) erreichten wir Frankfurt, wo wir von unseren Freunden mehr als gebührend empfangen wurden!

Hiermit endet unser Abenteuer. Sobald ein Vortragstermin steht, an dem wir unsere Erlebnisse genauer präsentieren, werden wir dies hier bekannt geben!

Reise nach San José

Nach einem letzten gscheiten Frühstück mit Gallo Pinto mit Fresco de Pitaya (Drachenfrucht) machten wir uns auf in Richtung Migración am Malecón. Wir wollten mit dem Boot den Río Frío nach Costa Rica hinauf fahren. Bis kurz vor der Abfahrt stand nicht fest, ob das Boot fährt oder nicht. Es gibt eine Landroute, die schneller und konstengünstiger ist (aber bei weitem nicht so schön). Deshalb wird das Boot hauptsächlich von Touris (wie uns) genutzt. Wir hatten Glück und konnten, nachdem wir uns von Ruth verabschiedet hatten – sie kommt erst in einem Jahr wieder nach Deutschland, mit dem Boot aus Nicaragua ausreisen, welches uns ein letztes mal durch den Regenwald fahren sollte.

Wir genossen die Fahrt in vollen Zügen (oder Booten?). Zwischendurch mussten wir noch einmal eine Militärkontrolle passieren, bei der ein restlos unfreundlicher Soldat die Pässe kontrollierte und Fotos von Touristen-Kameras löschte, die verbotenerweise Fotos vom Militärstützpunkt gemacht hatten. Schließlich erreichten wir Costa Rica. Dort mussten wir erneut durch eine Gepäck-Kontrolle. Eigentlich erwarteten wir, wieder alle unsere Koffer aufmachen zu müssen. Allerdings hatten die Grenzbeamten Erbarmen mit uns, und wir waren die einzigen, die die Koffer nicht öffnen mussten…

Nach ein paar Stunden Reisezeit durch die verregneten Berge Cosa Ricas erreichten wir San José. Nach einer (mal warmen) Dusche, trafen wir uns mit unserem Freund Andrey. Mit ihm genossen wir noch ein paar Bierchen…

Letzter Arbeitstag

Unser letzter Tag im Krankenhaus in San Carlos wurde mit einer Abschlussbesprechung mit Frank und Dr. Ruíz, sowie einem letzten Verbrennungstraining gefüllt. Die Verbrennung lief besser als am Vortag, auch wenn der Abfall weiterhin ziemlich feucht war. Als wir am Ofen während der Verbrennung standen, gab es eine Explosion. Offenbar hat jemand ein geschlossenes Glasbehältnis in den Müll geschmissen, der verbrannt wurde. Wie ein Geschoss flog eine kleine Ampulle aus dem Schlitz für die Primärluft. Es gab eine zweite Explosion und erneut flog etwas aus dem Schlitz. Spätestens jetzt wurde ersichtlich, wie wichtig eine gute Mülltrennung ist – und vor allem, wie wichtig es ist, eine Schutzbrille zu tragen.

Nach getaner Arbeit, packten wir bei Luisa Amanda unsere Koffer. Wir hatten uns um 5 Uhr mit César und Juan José auf Gaseosas (Erfrischungsgetränke) verabredet. Als wir sie am Krankenhaus abholen wollten, saßen sie schon gestiefelt und gespornt an der Mauer im Krankenhaus. Sie bestanden darauf zum Malecón mit dem Lastwagen zu fahren, damit man nicht laufen müsste (die Distanz beträgt maximal 1 km). Als wir beim Malecón ankamen, meinten sie, sie würden noch eben den Lastwagen zurückbringen und mit Césars Motorad vorbeikommen (warum einfach, wenn es auch kompliziert geht). Wir warteten also auf die beiden bei Ruth und nutzten die Zeit, uns bei Frank und seiner Frau Jaqueline zu bedanken und uns zu verabschieden. Nach einer 3/4 Stunde waren César und Juan José immer noch nicht aufgetaucht und wir riefen bei ihnen an, wo sie denn blieben – Sie hätten noch Einkäufe für das Krankenhaus erledigen müssen. Das passiert nicht selten, dass sie spontan noch etwas erledigen müssen.

Schließlich kamen die beiden auf dem Moped angedüst und wir bestellten eine Runde Getränke. Wir setzten uns am Malecón auf die Balustrade und redeten über alles mögliche (von unserer Arbeit bis Familienplanung). Kurz darauf stieß José (der Schweißer dazu). Als Luisa Amanda mit Marvin und Denzel auftauchten, gingen Juan José und César schon nach Hause. Wir bestellten in einem Restaurant etwas zu essen, unterhielten uns und hörten den Rancheros zu, die auf einem absolut ungestimmten Schifferklavier mit Gitarren ihre Kneipenhits im Restaurant neben an zum Besten gaben.

Nachdem sich die Runde auflöste, brachte uns José nach Hause. Wir hatten einen emotionalen Abschied. Sollten wir nochmal einen Ofen bauen, ist er auf jeden Fall wieder angeheuert!

Vorletzter Arbeitstag

Wir drei hofften inständig darauf, dass wir heute eine passable Verbrennung zustande bekommen würden. Dabei sind wir auf eine gute Mülltrennung im Krankenhaus angewiesen.

Es war ein Fortschritt zu sehen und wir konnten zusammen mit Juan José und César einige Säcke zum Verbrennen zusammen suchen. Somit lief die Verbrennung deutlich besser als die letzten Tage, dennoch ist ein Großteil des Abfalls sehr feucht. Hohe Temperaturen sind so nur schwer zu erreichen und die Verbrennung dauert sehr lang.

Außerdem nutzten wir die Zeit um etwas über den Ofen zu lernen. Zusammen mit César untersuchten wir, was für ein Einfluss die Änderung der Luftzufuhr auf den Prozess hat (Danke an unser Backoffice in Deutschland!). So hatten wir einen relativ erfolgreichen Tag heute, sogar María Elena schaute bei uns am Ofen vorbei.

Abends wartete ein letztes Highlight auf uns. Luis, einer der Städtepartnerschaftsbeauftragten aus San Carlos, ging mit uns auf die Jagd nach Kaimanen (jetzt haben wir endlich unsere Krokodilleder-Handtasche ;-). Zunächst zeigte er uns einen Fisch, der sich im Lago de Nicaragua vermehrt, weil er keine Fressfeinde hat. Irgendwie wurde er (wahrscheinlich aus Brasilien) eingeschleppt. Fängt man einen, muss man ihn von Gesetzes wegen töten (was Luis auch tat). Mit dem Paddelboot glitten wir durch das Wasser. Im Wald hörte man die Brüllaffen, die Wolken türmten sich über dem See auf und am Ufer kletterten die Häuser von San Carlos den Hügel hinauf. Dicht über dem Wasser flogen viele Vögel auf der Such nach Mücken. Als es dunkel genug war, zückte Luis seine Taschenlampe und leuchtete das Ufer ab. Die Augen der Kaimane sind im Dunkeln leicht auszumachen, da sie das Licht gut reflektieren. Er manövrierte das Boot zu einem der Tiere. Seine Hand schnellte ins Wasser und warf ein kleines zappelndes Etwas ins Boot – ein kleiner Kaiman. Den drückte er uns auch sofort in die Hand. Packt man das Tier am Hals an den Kieferknochen, ist es bewegungsunfähig (die Tiere auf den Bildern leben also noch!!) Das war wirklich eine faszinierende Erfahrung!

Morgen geht es in unseren letzten Tag in San Carlos. Danach müssen wir uns auf den Rückweg nach Deutschland machen…

Granada, Masaya und eine lange Busfahrt

Bevor wir Granada verließen, besuchten wir das Kakao-Museum Granadas, ein hübsch eingerichtetes Hotel/Café, in dem die Geschichte des Kakao und die Technologie der Produktion etwas aufbereitet dargestellt war. Als Verfahrenstechniker freuten wir uns besonders, dass in der Prozessbeschreibung für Schokolade auch auf die verschiedenen Korngrößen von Zucker eingegangen wurde, die den Geschack der Schokolade stark beeinflussen.

Auf dem Weg zum Bus trafen wir auf einen Zug der FSLN, der von dicken Boxen angeführt wurde. Etwas später folgte eine Brass-Band mit Tänzern. Wie schon in San Carlos macht die Partei hier gut Stimmung und wie in San Carlos trugen einige Parteianhänger die weißen T-Shirts mit buntem Schriftzug und unterschiedlichen Botschaften.

In Masaya, das zwischen Granada und Managua liegt, wühlten wir uns durch den örtlichen Markt. Zwischen den Bussen kann man Gemüse erwerben. Der Transport des Gemüses findet in großen, geflochtenen Körben statt. Beim herausgehen aus dem Busbhanhof kamen wir an Ständen vorbei, an denen Schuhe, Klamotten, BHs oder wahlweise auch Schuhe, Klamotten oder BHs verkauft wurden (ab und zu sogar ein paar Socken!). Als wir eine Mauer mit vielen Bögen passierten, stellten wir bei genauerem Hinsehen fest, dass dahinter ein Markt versteckt war. An dem Künstlermarkt wurden Hängematten aus örtlicher Produktion, Bilder, Figuren und weitere Kunstgegenstände feil geboten. Hier konnten wir also ein paar Erinnerungsstücke erwerben.

Am Malecón von Masaya bot sich uns ein wunderschöner Blick über die Laguna de Apoyo. Dahinter erstreckte sich die Hügel bedeckend Wald, Wald und Wald. Einer der Hügel besaß einen Krater. Hinter dem Hügel stieg Rauch auf. Das muss wohl der sehr aktive Vulkan Masaya sein.

Den Rückweg nach San Carlos absolvierten wir von Managua aus. Der Bus war ein Reisebus und die Sitze sogar recht bequem – dachten wir als wir einstiegen. Aber der Express-Bus wurde mit Menschen gefüllt, bis nix mehr rein passte. Nicht jedes Ticket ist mit einem Sitzplatz verbunden und somit stehen einige Menschen für 4-5 h im Gang wie die Ölsardinen. Auf den Sitzplätzen war es nicht so viel besser, weil sich immer wieder einer auf die Armlehne setzte. Alles in allem war es sehr eng und stickig. Auf halber Strecke hörte man einen lauten Knall und es roch nach verbranntem Gummi. Ein Reifen war geplatzt. Dieser wurde innerhalb von einer 3/4 h mitten im Regenwald um 10 Uhr (also im Dunkeln) bei voll besetzten Bus gewechselt. Es stieg keiner aus. Müde und erschöpft kamen wir mitten in der Nacht zu Hause an.

Unser erster Vulkan – der Mombacho

Ohne Ruth waren wir also in Granada. Nach einem reichhaltigen Frühstück (Johannes genießt noch so oft und so viel Gallo Pinto, wie er kann) machten wir uns auf dem Weg zum Mombacho, dem Hausvulkan Granadas. Ein Bus setzte uns am Fuße des Vulkans ab. Ein Motoradtaxi (= Tuctuc) kutschierte uns zur Touristenabfertigung. 5 $ kostet der Eintritt, für weitere 15 $ kann man sich mit dem Bus den Hügel heraufkutschieren lassen. Als arme, dafür aber fitte Studenten wählten wir diese Alternative selbstverständlich nicht. Wir machten uns auf den gepflasterten Weg. Es ging steil bergauf. Wir trösteten uns immer damit, dass es hinter der nächsten Kurve bestimmt flacher werden würde. Immer wieder wurden wir von Geländewagen, oder geländegängigen Bussen überholt… es würde wohl eher nicht besser werden. Auf halber Strecke war ein Café, in der wir einen (sehr teuren, aber sehr leckeren) Smoothie tranken, dann ging es weiter. Unser Tempo war nicht besonders flott, dennoch wurden wir von nicht vielen Leuten überholt (nur ein Nica joggte den Berg hoch, um seine Freunde einzuholen). Oben kamen wir in die Wolken. Das hatte zur Folge dass auch alles feucht kühl wurde (unser Ziel lag auf etwa 1150 m) und man leider die Aussicht nur bedingt wahrnehmen/erahnen konnte. Sogar der bewachsene Vulkankrater war mit Wolken gefüllt und nicht gut erkennbar. Aus dem inneren des Vulkans kam durch ein Loch im Boden noch mehr feuchte, wenn auch diesmal heiße Luft, die erstaunlicher Weise nur sehr wenig nach Schwefel stank (gut erkennbar auf dem Bild, auf dem man nix erkennen kann).

Der Abstieg war fast schlimmer als der Aufstieg. Alles was wir hoch gelaufen waren, mussten wir mit Chucks an den Füßen und mit einer halben Hand voll Erdnüsse als Mittagessen wieder hinab. Aus dem Bauch heraus würden wir sagen, die Steigung betrug fast durchgehend 12 % (mindestens! 😉
Dementsprechend weh taten uns die Beine nach dem Abstieg. Mit dem Tuctuc ließen wir uns nach Granada kutschieren. Dort gab es erstmal ein dickes Mittagessen (Burger und Quesillos, das sind Tortillas mit Käse, Sauerrahm und Zwiebeln). Dann schlenderten wir noch etwas durch die Stadt und genossen das Flair der Stadt.

Abends mussten wir feststellen, dass wir kein Geld abheben konnten. Johannes hatte seine Karte dabei, leider machte die Bank in Deutschland gerade Wartungsarbeiten, die bis zum Folgetag andauern würden – wir hatten noch 7 € dabei, das reicht nicht besonders weit. Nach einigem hin und her retteten Ruth, Frank und seine Frau Jaqueline uns aus unserer misslichen Lage. Jaqueline hat Verwandte in Granada, denen sie Geld schickte, das wir uns abholen konnten. Von den dreien haben wir beide nicht das erste Mal Unterstützung bekommen. Unser Fortkommen am nächsten Tag war also gesichert!

Maintenance

Am Freitag versuchten wir zu verbrennen, leider gab es aber wieder nicht genug trockenen Müll, um den Ofen auf die richtige Temperatur zu bekommen. Vormittags übten wir mit Juan José und Cesár, die übergangsweise als Verbrenner ausgesucht worden waren, das Anfeuern – darüber hinaus reichte die Hitze leider nicht. Eigentlich möchte das Krankenhaus extra jemanden als Verbrenner anstellen, weil wir klar und deutlich gesagt haben, dass die Arbeit mit dem Verbrennungsofen einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die Juan José und Cesár eigentlich nicht haben, weil sie im Krankenhaus mehr als genug mit Maintenance etc. zu tun haben.

Nachdem das Verbrennungstraining vormittags also gelaufen war und man auch nicht mit Dr. Ruíz sprechen konnte, weil er in Managua unterwegs war, beschlossen wir, uns das Wochenende frei zu nehmen. Johanna und Johannes hatten noch fast gar nichts von Nicaragua gesehen und eigentlich wollten sie endlich mal einen Vulkan sehen – Premiere. Deshalb fuhren sie um 4 Uhr mit dem Bus nach Granada. Auch lange Routen werden hier sehr häufig nicht mit Reisebussen, wie man sie aus Deutschland kennt, zurückgelegt, sondern mit diesen, meist gelben, alten Bussen. Die Sitzbänke sind niedrig und haben keine Kopfstütze. Außerdem hält der Bus alle paar Meter. Man kann sozusagen genau angeben, wo man herausgelassen werden will, notfalls hält der Bus also 10 m später nochmal. Außerdem wird der Bus als Gütertransport verwendet. Auf dem Dach fuhr jemand mit, der für das schnelle Verstauen der ihm angereichten Wahre zuständig war. Nach 6,5 h Fahrt durch den Regenwald mit diversen Zwischenstops (die sich mit fortschreitender Zeit jedoch deutlich reduzierten) erreichten wir Granada, das praktisch einmal um den Lago de Nicaragua liegt.

Ruth dagegen nutze die Zeit mit den beiden Technikern, um endlich eine weitere Maintenance Schulung durchzuführen. Vergangene Woche konnte sie schon mit den Beiden die Schulung zum Thema Elektrosicherheit durchführen, das hatte super geklappt. Aber wie wir ja bereits zu Beginn herausgefunden hatten, kennen sich die beiden, v.a. Juan José, der für eine Elektrikerschulung für ein Monat in Kuba war, mit der Elektrik sehr gut aus – viel Neues war für beide also nicht mehr dabei. Cesár bemerkte, dass er lediglich die Bezeichnungen bzw. Symbole der einzelnen Sicherheitsklassen nicht kannte – alles andere, wie z.B. die Regeln zu eigenen Sicherheit war den Beiden schon bekannt und wir hatten bei der Arbeit mit den Beiden auch den Eindruck, dass sie die Regeln auch aktiv anwendeten. Das Training war trotzdem sehr schön.
Am heutigen Freitag dagegen haben wir das Training mit dem Elektrokoffer durchgeführt. Im Koffer gibt es verschiedene Versuche, um die Wirkweise von Kondensator, Leichtsicherung, FI-Schalter, Zwischensicherung, Überlastung und Erdung zu veranschaulichen. Und es war wirklich spaßig! 🙂 Nur ein einziger Versuch hat nicht geklappt, das lag wohl an einer schlechten Lötstelle. Ansonsten hatten wir den Koffer also richtig auf die 110V Standardnetz umgestellt (wir mussten vorher extra einen Transformator umlöten…) und die Versuche funktionierten einwandfrei.

Cesár war ziemlich begeistert von unserem Bob, dem Playmobilmännchen, das die Person symbolisiert, die ein defektes Gerät anfasst. „Bob“ ist ja fast wie „Popo“ 😉 Also so wie er heißt. Er würde es gerne in „Popo“ umnennen. Was sagen so die anderen TeoG’ler? 😀

Ich glaube, dass die Versuche für beide sehr anschaulich und auch hilfreich waren. Vor allem der Unterschied zwischen einem FI-Schalter und einer „normalen“ Zwischensicherung ist richtig gut rausgekommen und ich denke, dass der Unterschied den beiden vorher noch nicht besonders klar war. Ansonsten ist es ja auch einfach schön, anschauliche Versuche durchzuführen, da sieht man einfach mehr! Und es macht Spaß, Glühbirne oder Leichtsicherung einfach mal so durchbrennen zu lassen 😀

Plan D

In diesem Projekt haben wir schon oft Pläne geändert und umgeschmissen. Wir befanden uns im Plan C, der vorsah, dass Mittwoch, Donnerstag und Freitag Verbrennungstrainings stattfinden würden. Aber auch ein Plan C kann umgeworfen werden. Morgens standen wir am Krankenhaus auf der Matte, Juan José geisterte irgendwo herum, der LKW des Krankenhauses stand vor der Tür. Prinzipiell sehr gute Voraussetzungen. Dann fuhren die Jungs erstmal mit dem Lastwagen zur Tankstelle, Benzin holen.  Dr. Ruíz kam, und teilte mit, dass die Camioneta (der Lastwagen) vom Rathaus noch gebraucht würde, danach wären wir aber dran. Wir gaben den Irrglauben auf, heute zwei Verbrennungen durchziehen zu können und fanden uns mit der Situation ab.

Zunächst wurde die Zeit genutzt, indem die Mülltrennung in den Stationen kontrolliert wurde. Außerdem wurde in der Müllhalde des Krankenhauses zwischen dem gefährlichen der spärliche Müll zusammen gesucht, der sich zum Verbrennen vielleicht eignen könnte. In einem Nachbarraum legten wir ihn bei Seite. Nach diesen Vorbereitungen setzten wir uns in die Werkstatt von César und Juan José. Hier herrschte etwas Chaos. Es war nicht allzuviel sortiert. Es gab 3 identische Werkzeugkästen, die alle jeweils halb voll (oder eher halb leer) waren. In den Vorbereitungen des Projektes hat Dr. Ruíz uns mitgeteilt, dass seine Techniker gerade mal mit ein paar Schraubenziehern ausgestattet wären.

Johannes begann schließlich, die Werkstatt aufzuräumen. Juan war in der Zwischenzeit untergetaucht (keine Ahnung wo) und César war dem Aufräumen gegenüber eher kritisch eingestellt. Wir machten ein paar Vorschläge, denen er prinzipiell nicht abgeneigt schien, auf der anderen Seite ist Ordnung machen doch zunächst eher mit Arbeit verbunden. Vor dem Mittagessen schauten wir nochmal nach dem Müll und gingen durch die Stationen, ob Müll-technisch wenigstens Nachmittags eine Verbrennung durchführbar wäre. Ha! Nein! Sogar der bei Seite gelegte Abfall ist von der Müllabfuhr abgeholt worden. Wir fragten César, wo Juan José abgeblieben wäre: Der holte seinen verlorenen Feiertag von gestern nach…

Nach dem Mittagessen zogen wir frustriert ab. Gibt es nach Plan A, B und C noch einen Plan D? Ja, Ruth bleibt noch länger in San Carlos. Juan José stellte sich bei der ersten und einzigen Verbrennung bisher ganz gut an. Wir haben Hoffnung, dass er die Verbrennung gut durchführt und Ruth kann notfalls nochmal ein Verbrennungstraining mit ihm durchführen. Hoffentlich gibt es morgen noch eine letzte Verbrennung.

Abends trafen wir am Malecón auf Peluti. Er erzählte uns viel von der Städtepartnerschaft und den Schwierigkeiten beim Durchführen von Projekten. Später verabschiedeten wir uns schonmal von Gerardo. Mal gucken, ob noch Zeit übrig ist noch etwas mit den Schweißern zu unternehmen.