Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Raising Chimney

Endlich ist es so weit: Es kommt der krönende Abschluss auf den Deckel des Ofens – der Kamin. Mit den Handwerkern waren wir um 7 Uhr verabredet, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Casimiro setzte die letzten 5 Steine für die Ofenmauer und es wurde eine Konstruktion überlegt, wie der Kamin den zu erheben sei, ohne dass das Rohr wieder herunter fällt. Eigentlich hatten sich Juan José, César und Dr. Ruíz für 8 Uhr mit einer Leiter angesagt. Allerdings wurde es etwas später. Die Schweißer sind jedoch nicht träge: zügig kletterte Abel ohne Leiter aufs Dach und deckte es ab. Dicht gefolgt von José, der sich ohne Krücken aufs Dach schwang. Man beschloss, den Kamin ohne die zusätzliche Hilfe aufzustellen. Mit José auf dem Dach und dem Rest als Bodentruppe stand das Rohr relativ schnell senkrecht. Gerardo und José schweißten alles gewissenhaft fest, es wurde sogar noch ein zusätzlicher Träger eingezogen.

Dann wurden alle Handwerker nacheinander bezahlt. Für Handwerker bekommt man keine Rechnung sondern einen Zahlungsbeleg, der mit dem Personalausweis als gültiger Zahlungsnachweis gilt. Für die beiden Maurer stellte sich heraus, dass sie Analphabeten sind. Etwa 20 % der Bevölkerung können nicht lesen und schreiben. Uns hat es überrascht, da man den Handwerkern das in der Zusammenarbeit nicht angemerkt hat.

Johannes machte den zu guter letzt Wackeltest, ob die Stufen am Kamin gut halten würden und setzte das Häubchen auf. Dann konnten die Sachen zusammengepackt werden.  Abends traf man sich noch zu einem Bier bzw. einer Cola. Auch abends waren die Handwerker nicht besonders trinkfreudig.

 

2 Tage auf dem Bau

Donnerstag und Freitag kann man eigentlich zu einem Tag zusammenfassen: Es wurde hart gearbeitet. Freitag wurde der Ofen fast fertig. Es fehlen lediglich 5 Steine im Mauerwerk und der Kamin wird Samstag aufgestellt.

Die Schweißer arbeiten viel zu schnell. Aus Langeweile erfanden sie deshalb Verbesserungen für den Ofen. Außerdem hat José uns eingelernt. Jetzt gibt es 2 geprüfte Schweißer mehr auf der Baustelle. Johannes hat sich für seine Kopfhöhrer eine Wandhalterung zusammengeschweißt (und geflext), Johanna hat am Deckel des Ofens mitgeholfen. Punktförmig arbeiteten wir uns an der Schweißnaht vor. Schweißen ist sehr ungewohnt, weil man anfangs durch die Maske nicht sehen kann, was man tut… Das heißt man muss sich etwa merken, wo man ist, dann kann man auch in einer Linie durchschweißen.

Außerdem bekamen wir am Freitag Unterstützung von Antonio und seinem 15 jährigen Sohn Antonio. Die beiden bauten die Mauern für die Kammern zur Müllaufbewahrung, die sie in Windeseile hochzogen. Der Vater hat seinen Sohn gut angelernt und die beiden sind ein eingespieltes Team. Johanna kommt außerdem zu Gute, dass Antonio Englisch spricht, da er von der Karibik-Küste kommt, an welcher Patois gesprochen wird, einer Kreolsprache mit englischen Wurzeln (ähnlich dem Jamaikanisch).

Jetzt, wo fast alles fertig ist, wird’s morgen für uns also ernst. Alle Handwerker und Dr. Ruiz, der Chef des Krankenhauses wollen kommen, um den Kamin aufzustellen. Nur wer am Ende die Verbrennungen durchführt (die sollen am Montag starten), das ist uns noch nicht so ganz klar!

Getrennte Wege

Nicht immer sind wir im Projekt zusammen unterwegs, das hat der geneigte Leser wahrscheinlich schon mitbekommen. Ruth ist häufig im Krankenhaus mit den Technikern unterwegs, während Johannes und Johanna das Ofenprojekt betreuen. Heute verbrachten wir komplett unterschiedliche Tage. Ruth musste nach Managua fahren, da dort noch eines ihrer Gepäckstücke im Zoll hängt. Sie ist morgens um 5 Uhr mit Patienten für eine Augen-OP aufgebrochen. Morgen will sie wieder zurück kommen. Johanna ging es nicht so gut, als dass sie zum Centro de Salud fahren wollte. Deshalb erledigte sie Papierkram zu Hause und machte ein Update im Krankenhaus.

Ofenmodell

Das Kernstück des Verbrennungsofens

Demnach war Johannes der Einzige auf der Baustelle heute. Um den Fortschritt darstellen zu können, ist im oberen Bild das Kernstück des Ofens dargestellt, wie es am Ende aussehen sollte. Gestern wurden die beiden Metallteile an den Seiten des Ofens fertig, die sogenannten Aschetunnel. Heute haben sich Gerardo und seine Crew den Metallrahmen vorgenommen, an dem die Ladeluke befestigt ist und worauf die Auflage für den Kamin liegt. Auch die Ladeluke selbst wurde schon nahezu fertiggestellt und die Kaminauflage begonnen.
Was fehlt dann überhaupt noch? Casimiro hatte heute keine Zeit, deshalb macht er das Innere des Ofens morgen fertig. Dann kann, nach dem Trocknen, der Metallrahmen aufgelegt werden.  Für die Schweißer gibt es auch noch ein bisschen etwas zu tun: hier fehlt noch der Kamin selbst und die Aufstellung selbigens.

Abends hatten wir noch ein Treffen am Krankenhaus mit Antonio, ein weiterer Maurer, der für ein Lager zur Aufbewahrung des Mülls bauen soll. Er brachte seinen Sohn Antonio Junior mit und ließ sich kurz alles erklären. Freitag will er mit der Mauer beginnen. Dann haben wir 3 Handwerker gleichzeitig am Bau…

Es geht voran!

Casimiro fuhr heute mit seiner Arbeit fort. Hierzu brachte er Gerónimo als Verstärkung mit. Das Innere des Ofens sieht jetzt ganz gut aus. Die Schweißer legten heute richtig los. Entgegen der Erfahrung von Johanna ging die Arbeit flott von der Hand und die ersten zwei großen Teile waren am Ende des Tages fertig. Gerardo hatte zwischendurch noch Erledigungen in San Carlos zu tätigen und kam mit Cola und Bier für seine Arbeiter zurück. Das Bier war für die Deutschen, denn irgendwie trinken die Nicas hier auf der Baustelle kein Bier. Während der Pause erzählte Gerardo von seinem Leben. Er arbeitet jeden Tag. Abends, nachdem er als Schweißer auf der Baustelle tätig war, legt er sich zu Hause etwas hin. Nachts ist er als Nachtwächter unterwegs. Nach erneuten 2 – 3 h Schlaf steht er wieder auf der Baustelle.

Abends wurden wir von Ruth und dem Fahrer des Krankenhauses abgeholt. Zu einem Update schauten wir bei Frank vorbei. Ruth erzählte, dass an dem Tag der Marcha por Amor, Paz y Vida stattgefunden hatte und wir einen lauten Zug an Menschen durch die Stadt verpasst haben. Aber am Malecón fand die Abschlussveranstaltung statt. Viele Menschen von der regierenden Partei FSLN (die Sandinisten) feierten dort, und schauten verschiedenen Tanzeinlagen zu. Everaldo, der Ansprechpartner für die Städtepartnerschaft aus dem Rathaus, lief uns über den Weg und erklärte, dass dies eine Partei-Veranstaltung sei, die einmal im Monat statt fände. Tanzen und Musik ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens hier. So etwas könnte man in Deutschland auch mal einführen…

 

WOOOHOOOO – Es geht los!!!

Treffpunkt: Centro de Salud, 7 Uhr
Anwesend: Material, Casimiro (Maurer), Johanna und Johannes; Gerardo (Schweißer) ab 12 Uhr

Das Material verspätete sich etwas, aber dafür hatten wir Zeit mit Casimiro, dem Maurer, den Ofen auf dem erst kürzlich fertig gestellten Fundament zu positionieren. Der Kamin soll bei Fertigstellung mit der (sehr solide-aussehenden) Dachkonstruktion verschweißt werden. So ist eine Ausrichtung im Voraus sinnvoll. Mit etwas Verspätung wurde das Material geliefert. Casimiro siebte den sehr groben Sand und wir brachten die Ziegel und Zement mit einer von Frank ausgeliehenen Schubkarre 50 m weiter zum Bauplatz. Dann wurde losgelegt. Leider war das Dach noch nicht ganz fertig und so arbeiteten wir in der prallen Sonne und das Mittagstief viel etwas heftiger aus.

Aufgrund der Verzögerungen, hatten wir Gerardo auf etwas später bestellt. Er kam, meinte aber, er wäre sich nicht sicher, ob es sich lohnen würde, nachmittags noch anzufangen. Aber er könne das Material schonmal rüberschaffen. Mit seinem Moped zog er wieder ab und kam ein paar Minuten später zurück, mit einem Mann mit Krücken auf dem Sozius-Sitz. Dies ist José, der Oberschweißer. Er lud José ab und kam kurz darauf erneut zurück, diesmal mit einem zweiten jungen Mann, Abel, der statt Krücken das Schweißgerät auf dem Rücksitz transportierte.

Gerardo wollte doch schon starten und fragte, womit er denn jetzt beginnen könnte. Und so kam es, dass am Ende des Arbeitstages schon die ersten zu Recht geschnittenen Teile auf der Baustelle lagen. Um kurz nach 5 wird es dunkel. Gerardo und Abel, zogen mit dem Moped ab, Casimiro, José und wir wurden mit einem vom Krankenhaus organisiertem Transport heim gebracht.

Zu Hause fanden wir wieder ein sauberes Heim vor. Luisa Amanda stöhnte, sie hätten alle stundenlang aufgeräumt. Es wäre eine ganz schöne Arbeit gewesen. Abends spielten Denzel und Johanna noch etwas mit dem neuen Ball. Denzel war einfach nicht tot zu bekommen (Ich hatte total vergessen, was Kinder für eine Ausdauer und Energie haben 😉 )

Party

Matheos (1 Jahr) und Denzel (7 Jahre), die beiden Kinder in unserer Gastfamilie feierten heute ihren Geburtstag. Das wollten wir natürlich nicht verpassen. Dementsprechend brachen wir bereits um 5 Uhr morgens aus El Castillo auf. Das hatte auch den Vorteil, dass man durch den Regenwald im mystischen Licht des Morgennebels fahren konnte.

Entsprechend früh trafen wir dann in San Carlos ein. Als wir zu Hause ankamen, war im Haus bereits high life Konfetti – allerdings nur im Rahmen der Vorbereitungen. Luisa Amanda hatte schon ein Bier in der Hand.  Die gesamte Familie war aus Managua (die Hauptstadt Nicaraguas) und Nagarote (der Heimatstadt Luisas, 42 km von Managua entfernt) angerückt, um bei den Vorbereitungen zu unterstützen. Der Vorabend zuvor war deshalb etwas feuchtfröhlich verlaufen und unsere Gastmutter brauchte erstmal ein Konterbier für ihren Kater – sehr sympathisch!

Für die Geburtstagsfeier der Kinder gab es einiges zu tun: Es wurden gefühlt eine halbe Million(en) Luftballons aufgeblasen, 60 Stühle geputzt, gekocht was das Zeug hielt und alles im Minion-Style hingerichtet. Das komplette Wohnzimmer wurde zu diesem Zwecke leer geräumt (normalerweise beinhaltet das Wohnzimmer die Anwaltskanzlei von Amanda und den Friseursalon von Marvely, Luisas Tochter) und in die Schlafzimmer gebracht. Schon Wochen vorher hatte Marvely, Matheos Mutter, für Denzel und Matheos Bilderrahmen und Geschenkboxen gebastelt. Alles in gelb-blau und selbstverständlich durfte das Glitzer auch nicht fehlen! Zudem gab es für alle eingeladenen Kinder Geschenk-Eimer, im Minion-Style, Minion-Piñatas, Servietten, selbstverständlich mit Minions bedruckt, und Tüten zum Einsammeln der Piñata Süßigkeiten – wer hätte es gedacht, im Minion-Style. Konsequenterweise sollten auch alle Gäste mit gelb-blauen Klamotten kommen und für Matheos und Denzel gab es Minion-Verkleidungen.

Nach ein paar Stunden war das Wohnzimmer bestuhlt und geschmückt und die ersten Gäste (Kinder mit ihren Eltern, aber auch gute Freunde von Marvely) trafen pünktlich um 4.30 Uhr ein. Die Kinder brachten Geschenke mit, die sie in die Minion-Geschenkbox für Denzel und Matheos legten. Dann setzte man sich auf einen der Stühle, die an der Wand standen. Die Erwachsenen schnackten miteinander, während die Kinder sich auf dem Schoß der Mütter vergnügten. Marvely und ihre Familie verteilten Essen unter den Gästen.

Endlich wurde die Piñata (mit Süßigkeiten gefüllte Pappmaché-Figur, hier: ein Minion, die mit einem Stock geschlagen und zerstört wird, bis sich die Süßigkeiten über die Kindermeute ergießen) geschlachtet. Peluti (einer der ASA-Freiwilligen, der das Ofenprojekt mit Mario und Elena durchgeführt hat), trug lässig mit einem Getränk in der Hand Sorge dafür, dass die Piñata hoch und heruntergezogen wurde. Die Kinder werden, während sie auf die Piñata einschlagen, zum Tanzen animiert. Als erstes sollte ein kleines Mädchen auf die Piñata einprügeln. Dieses hatte jedoch deutlich mehr Interesse am Tanzen als am Schlagen. Deshalb überstand die Piñata diese Runde unversehrt. Als zweites war Denzel dran. Da sah die Sache schon deutlich anders aus. Denzel interessierte das Tanzen nicht. Ohne Rücksicht auf Verluste (das ist wörtlich zu nehmen, das Publikum saß in Reichweite) versuchte er die Piñata zu erschlagen. Hier litt das Pappmaché-Gebilde schon deutlich mehr. Ein paar Kinder später war die Piñata geknackt. Marvely verteilte besagte Tüten an alle Kinder, und die Süßigkeiten wurden geplündert.

Dann wurden die beiden Geburtstagskuchen angeschnitten. Matheos hatte ein Minion-Foto drauf und Denzel hatte einen Minion-Geburtstagskuchen. Die dicke Zuckerglasur der Kuchen schmeckte fluffig und nach Marshmallow – oder noch süßer… Während der Kuchen an die Gäste verteilt wurde, viel plötzlich der Strom aus. In Windeseile wurde der Kuchen verdrückt und die Menschen verließen das Haus. Zack, bums, aus. Es war erst 6 oder halb 7. Uns wurde gesagt, dass der Geburtstag allerdings verhältnismaßig schon sehr lang gedauert hat. Das Programm in einer Stunde abzureißen ist auch nicht unüblich.

Also fingen die ersten Aufräumarbeiten an. Der Boden klebte. Aber nachdem der Strom nicht wiederkam, klang der Abend vor dem Haus bei Kerzenschein aus – auch gemütlich!

 

Von wässrigen Mündern und Ameisenbären

Noch vor Ladenöffnungszeiten trieben wir uns in El Castillo herum, auf der Suche nach einem brauchbaren Frühstück, bevor unser Trip in den Regenwald starten sollte. Leider war, wie schon gesagt, alles geschlossen, und somit begnügten wir uns mit trockenem Brot und Tomaten. Dann trafen wir uns mit 2 anderen deutschen Mädels und dem Fremdenführer Orlando und starteten mit dem Boot. Orlando und der Steuermann hatten ein unglaublich gutes Auge für die Tierwelt. Sie zeigten uns im Baum herumkraxelnde Affen und Leguane. Auch zwei Schildkröten ruhten sich auf einem treibenden Baum aus. Im Dickicht verbarg sich ein kleiner Kaiman.

Noch bevor wir in den Nationalpark mit dem Boot einfahren durften, mussten wir eine Militärkontrolle passieren und dort den Eintritt für den Park entrichten. Von den schwer bewaffneten Soldaten und den dazugehörigen Gebäuden in the middle of nowwhere durften wir allerdings keine Fotos schießen, dafür aber von den unglaublich vielen knallbunten Fröschen, die da kräuchten. Unter anderem Pfeilgiftfrösche, die von den Indianern zur Jagd verwendet wurden: Die Frösche wurden erhitzt oder anderweitig gepiesackt, damit sie ihr Gift über die Haut absonderten. Das Sekret wurde aufgefangen und auf die Pfeile bestrichen werden, die (mithilfe eines Blasrohres) zur Jagd verwendet wurden. Das Gift führt dann zu Muskel- und Atemlähmung bei den Opfern.
Nach einem weiteren kurzen Stück Fahrt auf dem Fluss wurde es schließlich ernst für uns. Wir wurden im Wald ausgesetzt (mit Orlando selbstverständlich), der den Namen Regenwald vollkommen verdiente. Deshalb trugen wir für unsere Wanderung auch keine Wanderschuhe (oder konnten gar barfuß gehen), sondern wurden mit Gummistiefeln ausgestattet. Mehr als einmal mussten wir durch den Matsch waten und aufpassen, dabei die Stiefel nicht zu verlieren. Auf dem Weg passierten wir viele Pflanzen und Tiere. Auf einige machte uns Orlando Aufmerksam und erklärte uns deren Bedeutung.
Eine eindrucksvolle Erfahrung war zum Beispiel das Kauen auf dem Stil einer Pflanze. Sie schmeckte nicht schlecht. Unser Führer schärfte uns ein, sie nicht hinunter zuschlucken (was Jo natürlich nicht davon abhielt es trotzdem zu tun, nachdem er die Anweisung überhört hatte). Kurz darauf setzte die betäubende Wirkung des Saftes ein, welcher vor allem bei Schlangenbissen verwendet wird. Jo musste husten. Den anderen wurde nur der Mund taub und der Speichel floss unkontrolliert im Mund zusammen. Mit etwas Wasser bekam man das unangenehme, betäubende Gefühl aber wieder relativ schnell unter Kontrolle.
Eine weitere interessante Pflanze war der Kautschuk-Baum. Das Elastomer fließt als Saft tatsächlich aus der Rinde und verhält sich wie „das Gummi, das wir kennen“. Man kann es jedoch nicht nur für Sohlen von Turnschuhen verwenden, sondern es auch bei Magenschmerzen essen (das soll dann helfen).
Während wir durch den Matsch stapften konnten wir den Brüllaffen zuhören, wie sie in der Ferne Radau machten. Immer wieder hieß Orlando uns leise zu sein: Wir sahen ein riesiges Nagetier und sogar einen Ameisenbären, der gerade einen Bau hinaufkletterte. Hin und wieder mussten wir dem Netz einer Hängemattenspinne ausweichen. Das Netz sieht aus wie eine große Matte und ist aus unglaulich reißfesten Faden gesponnen. Wir haben mal an einem losen Ende gezogen. Das Bäumchen, an dem das Stück hing, wackelte.

Nachmittags schauten wir uns im Dorf um, unter anderem bei einer Kakaoverarbeitung (Nebenbemerkung: Der Kakao für Rittersport entstammt aus Nicaragua. Deshalb ist diese Schokolade auch ein beliebtes Gastgeschenk). Diese hatte allerdings leider schon geschlossen. Abends wurde in unserem Hotel Cinceañera gefeiert. Cince bedeutet 15. Der 15 Geburtstag wird bei Mädchen besonders groß zelebriert, ähnlich wie bei uns der 18. Nur das man sich hier nicht mit seinen besten Freunden betrinkt, sondern die Eltern eine Riesenparty für Mädchen zusammenstellen. In unserem Hostel haben alle Mädchen des Dorfes gefeiert. Es gab 15 Torten und alles war in weiß-blau, den Farben Nicaraguas, und mit fürchterlich viel Glitzer geschmückt. Die Mädchen waren verkleidet wie kleine Prinzessinen. Aus den Boxentürmen erklang ohrenbetäubend laute Musik der aktuellen Charts Lateinamerikas. Selbst in unserem Zimmer mussten wir uns noch anschreien, um uns zu verständigen. Die Teenager sind bestimmt alle taub nach Hause gegangen 😉

Ab nach El Castillo


Das Wochenende naht, die Handwerker wollen Montag mit dem Bau des Ofens beginnen. Für uns sind jedoch die Vorbereitungen soweit getroffen. Deshalb haben wir beschlossen, uns nachmittags frei zu nehmen, um etwas vom atemberaubenden Regenwald Nicaraguas mitzunehmen.

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Das Boot war bei Fahrtanritt etwas voll. Zum Glück leerte es sich mit der Zeit.

Im Regen brachen wir aus San Carlos auf. Mit vielen Menschen wurden wir auf ein Boot gezwängt. Leider war das Boot mit 10 Leuten zu viel etwas überbelegt. Das Militär legt jedoch sehr viel Wert auf Zucht und Ordnung. So konnte nicht eher gestartet werden, bis das Militär überzeugt war, dass jeder einen Sitzplatz hatte (auch wenn man gestapelt auf einem Stuhl saß) und jeder eine Schwimmweste besaß. Mit einiger Verspätung ging es schließlich los. Wir fuhren den Río San Juan herab in Richtung Karibik. Das Ufer war vom Urwald gesäumt. Alle paar Kilometer hielt das Boot. Vom Einkauf in San Carlos schwer beladene Einheimische stiegen mit Gummistiefeln an den Füßen aus. Nach etwa 3 h Fahrt erreichten wir bei Sonnenuntergang El Castillo.

Sonnenuntergang am Río San Juan

Sonnenuntergang auf dem Río San Juan

Hängematte vor unserem Zimmer

Im Hotel laden Hängematten zum Genießen des Blickes über El Castilo ein

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Mit diesem Bötchen sind wir angekommen: Es war eng und die Musik ohrenbetäubend laut!

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Blick von unserer Unterkunft aus

El Castillo ist ein kleines Städtchen oder großes Dorf, das am Río San Juan um eine kleine Burg gebaut ist, die im 17. Jahrhundert von den Spaniern zum Schutz gegen einfallende Piraten und Engländer gebaut wurde.

El Castillo

El Castillo

Um halb 6 dämmerte es bereits. Wir kümmerten uns schleunigst um ein Quartier und die Planung für den nächsten Tag. Den Tag beschlossen wir mit etwas Rum.

 

Läuft. bei. uns.

Um 7 Uhr morgens hatten wir unseren ersten Termin im Krankenhaus. Schichtwechsel bei den Ärzten, das bedeutet es sind die wichtigsten Personen in der Frühbesprechung anwesend. Zunächst wurden die wichtigsten Zahlen verlesen (wieviele Betten sind belegt,…) und ungewöhnliche Zwischenfälle berichtet. Dann stellte uns Dr. Ruíz vor und erteilte uns das Wort. Wir stellten unser Projekt vor und fassten kurz zusammen, was für die Mülltrennung in den verschiedenen Stationen von großer Wichtigkeit ist. Auch wenn das ganze etwas gehetzt war, da die Ärzte schnell weiter mussten, denke ich, dass wir auf allgemeine Zustimmung stießen.

Langsam haben wir das Gefühl in Fahrt zu kommen. Wir redeten mit der Oberschwester María-Elena über die Mülltrennung und präsentierten die Schilder, die wir gemacht haben, und sie hatte noch mehr Ideen. Außerdem wird sie veranlassen, dass alle Mülleimer gereinigt werden, damit die Schilder angebracht werden können. Ein weiterer Höhepunkt war die Übergabe des Werkzeugkoffers an die Techniker. Zwar besitzen sie schon einiges an Werkzeug, aber nicht so gut sortiert im Koffer.

César und Juan José mit ihrem neuen Werkzeugkoffer

César und Juan José mit ihrem neuen Werkzeugkoffer

Johannes´  und Johannas Tag

Weiter ging es zum Centro de Salud. Dort war ein Treffen mit den Handwerkern vereinbart. Als wir kurz vor dem vereinbarten Termin unseren Zielort erreichten, begrüßte uns Casimiro (der Maurer)  bereits freudig winkend. Wir erklärten ihm den Ofen nochmals anhand der Steine. Gerardo (der Schweißer) stieß dazu und wir klärten alles noch einmal zusammen. Gerardo möchte ungern vor dem Maurer anfangen zu arbeiten, also haben wir jetzt einen Terminplan mit den Handwerkern erstellt: Montags um 7 Uhr steht Casimiro auf der Baustelle und beginnt mit dem Ofenbau. Gerardo kommt mit schwerem Schweißgerät am Montag um 10 Uhr. Dann werden die endgültigen Maße anhand des Mauerwerks bestimmt und los geht die Schweißarbeit.

Unser Schweißer Gerardo

Unser Schweißer Gerardo

Auch unser Baumaterial ist inzwischen angekommen

Auch unser Baumaterial ist inzwischen angekommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Mittagszeit verbrachten wir im Copy-Shop mit Drucken und Laminieren der zusätzlichen Schilder für die Mülleimer. Jetzt sollte alles beisammen sein.

Um 2 waren wir mit Everaldo (Städtepartnerschaftsverantwortlicher der Alcaldía) verabredet. Wir wollten mit ihm die städtische Müllentsorgung genauer betrachten. Er fuhr uns einzeln mit seinem Moped in das 5 km außerhalb gelegene Gelände. Wir sprachen mit den Menschen dort. In Nicaragua wird recycelt. 4 Personen suchen per Hand auf der Halde die Plastikflaschen aus dem Müll. Diese werden nach Managua geschickt und dort wiederverwertet. Allerdings erwartete uns dort auch eine böse Überraschung. Die Geier pickten bereits in infektiösem Müll, der an diesem Tag aus dem Krankenhaus angeliefert wurde. Everaldo erzählte uns jedoch auch von einer positiven Entwicklung: der Müll hier wird nicht wie in vielen anderen Ländern verbrannt (wegen Luftverpestung), sondern wird momentan ausschließlich offen gelagert. Für etwa 100 000 € soll nun eine 100 x 40 m große Deponie errichtet werden, die gegen den Boden abgedichtet ist. Durch Drainagen und  Filter wird das Regenwasser, das auf den Abfall fällt, in den Boden abgeleitet und gereinigt werden.

Ruths Tag

Bei mir ging es mit der Schulung weiter. Für die Techniker wäre es ein Riesenvorteil, wenn sie Internet hätten, um Reparaturen für kompliziertere Geräte zu bewerkstelligen. Dies ist der Startschuss für das Eintauchen in die Weiten der nicaraguanischen Bürokratie. Das Krankenhaus besitzt seit einiger Zeit Zugang zum Internet. Allerdings hat nur der Chef, Dr. Ruíz, Zugang zum „freien“ Internet, und das nur auf bestimmte freigeschaltete Seiten. Alle anderen Mitarbeiter haben nur Zugang zu ihren Dienstmails. Und das war´s auch schon. Der Internetzugang wird nicaraguaweit von Finnland finanziert. Die Zugänge und Rechte werden allerdings durch das Gesundheitsministerium (MINSA) freigegeben. Ich habe schon mit unteren Instanzen gesprochen, d.h. mit dem Ingenieur vom SILAIS (MINSA auf „Landesebende“), der für die Anträge zuständig ist. Bisher leuchtet es jedem ein, dass so eine Lösung sinnvoll und womöglich sogar wirtschaftlich ist: Anschaffung  eines Modems und eines Computers vs. ständiges Rufen eines Fachmannes mit hohem Tagessatz zur Reparatur von defekten Geräten. Wir müssen uns jetzt eine gute Argumentation überlegen, damit unser Vorhaben umgesetzt werden kann und der Antrag für „freies“ Internet in Managua bewilligt wird.

Nachmittags präsentierte ich der zuständigen Angestellten der Rechnungsabteilung die vorher erwähnte Exceltabelle zur Verwaltung aller Geräte im Krankenhaus. Zwar gibt es bereits eine Tabelle, in der alle Geräte aufgeführt sind, aber unser Excel-Tool ist nochmal einfacher zu bedienen. Sie war richtig begeistert 🙂

Vormittags war ich außerdem mit César und Juan José im Kreissaal, weil die hydraulische Funktion zur Auf- und Abbewegung eines „Geburtsstuhles“ (fragt mich nicht nach dem korrekten deutschen Wort) nicht mehr funktionierte. Ordnungsgemäß bekamen wir Überkleider und nur für den Fall gabs auch Handschuhe dazu. Einfach zu schade, dass ich keine Kamera dabei hatte! Ich war fast ein bisschen enttäuscht, dass er leer war. Aber sonst hätten wir (bzw. die beiden) vermutlich auch nicht vernünftig arbeiten können…

Der Arbeitstag im Krankenhaus endete mit einem konstruktiven Gespräch mit Dr. Ruíz und María-Elena.

Besorgungen

In Nicaragua werden Uhrzeiten nicht so exakt genommen, wie wir überpünktlichen Deutschen – so ist die Mentalität. Es gibt eben Dinge, die einfach wichtiger sind. Für uns ist das ungewohnt und mit dieser Herausforderung mussten wir auch heute kämpfen.

Wir spalteten uns in 2 Teams auf. Ruth blieb am Krankenhaus, um dort mit und von den Technikern zu lernen und ihnen über die Schulter zu gucken. Johannes und Johanna fuhren morgens zum Centro de Salud, um dort 3 Stunden lang auf das Material zu warten, das um 7:30 Uhr hätte geliefert werden sollen.

Tag von Johannes und Johanna

Irgendwann zogen wir unverrichteter Dinge wieder ab, weil wir heute noch andere Sachen außer Warten erledigen wollten. Im Krankenhaus wurden die Mülleimer vermessen, um anschließend in San Carlos Beschriftungsschilder drucken zu können. Wir durchforsteten die Innenstadt nach diversen Shop bis wir einen bezahlbaren fanden, der uns die Schilder ausdruckte, zuschnitt und laminierte. Für 2 Uhr war ein Meeting mit dem Krankenhauspersonal angesetzt. Leider konnte nur ein Bruchteil des Personals dran teilnehmen, weil um diese Uhrzeit viele beschäftigt oder zu Hause sind. Deshalb wurde das Treffen kurzerhand vom Chefarzt auf den Folgetag um 7 Uhr verlegt – da ist Schichtwechsel und das meiste Personal ist anwesend. Die gewonnene Zeit nutzten wir, um den morgigen Tag zu planen. Im Rathaus verabredeten wir uns mit Everaldo (Ansprechpartner des Rathauses von der Städtepartnerschaft), um mit ihm die komunale Müllentsorgung zu besichtigen.

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Asche mit vielen Rückständen des alten Ofens am Centro de Salud

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Fundament am Centro de Salud für den neuen Ofen – noch in Arbeit

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Drucken und Laminieren der Schilder für die Mülltonnen in einem der vielen, kleinen Geschäfte

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In San Carlos verdunkelt sich zu dieser Jahreszeit immer wieder der Himmel und es fegen Gewitter mit heftigen Regenfällen über die Stadt

Spätnachmittags schauten wir im Krankenhaus bei Ruth vorbei, die mit den Technikern am Tanken war (also die Autos betanken…). Ihr Tag sah so aus:

Tag von Ruth

Wie oben bereits erwähnt, durfte auch ich heute viel warten. Als ich morgens um neun Uhr ankam, um den Technikern unser Organisationssystem näher zu bringen, hatten sie noch immer viel zu tun. So hörte ich z.B., dass in der Orthopädie ein hydraulisches Bett kaputt gegangen sei. Letztendlich war ich dann aber dabei, wie wir Glühbirnen in den Toiletten der OP-Umkleiden austauschten. Als weiterer Auftrag für die beiden Techniker kam außerdem das Abschleifen und Streichen von angerosteten Regalen hinzu, das werden wir wohl morgen erledigen. Dafür mussten wir auch erst einmal einkaufen gehen; wir sind in eine „ferretería“ (= eine Art „Baumarkt“) gefahren, um die Sachen auf Kreditbasis zu kaufen. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden alle Rechnungen des Krankenhauses nur alle drei Monate vom Staat beglichen – und alleine heute haben wir Material im Wert von 500 € gekauft. Die beiden Techniker konnten sich endlich ihren Traum vom „eigenen“ Schweißgerät erfüllen.
Der Tag war also wieder gut mit den verschiedenen Aufgaben gefüllt und für meine „capacitación“, wie sie sie auf Spanisch nennen, war nicht viel Zeit geblieben.

Hoffentlich wird das morgen besser…

Ein Paar Bilder zum „Baumarkt“: (Wir waren fürs Materialbesorgen vom Ofen auch schon in einer anderen Ferreteria, da sah es noch einmal ganz anders aus…)

 

PS: Ich haber herausgefunden, wie die Krankenwägen aus den Tonnen getankt werden: Von der Tonne in den Eimer, vom Eimer in den Trichter und in den Tank… 😀

Da wird getankt!

Da wird getankt!