Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

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Von wässrigen Mündern und Ameisenbären

Noch vor Ladenöffnungszeiten trieben wir uns in El Castillo herum, auf der Suche nach einem brauchbaren Frühstück, bevor unser Trip in den Regenwald starten sollte. Leider war, wie schon gesagt, alles geschlossen, und somit begnügten wir uns mit trockenem Brot und Tomaten. Dann trafen wir uns mit 2 anderen deutschen Mädels und dem Fremdenführer Orlando und starteten mit dem Boot. Orlando und der Steuermann hatten ein unglaublich gutes Auge für die Tierwelt. Sie zeigten uns im Baum herumkraxelnde Affen und Leguane. Auch zwei Schildkröten ruhten sich auf einem treibenden Baum aus. Im Dickicht verbarg sich ein kleiner Kaiman.

Noch bevor wir in den Nationalpark mit dem Boot einfahren durften, mussten wir eine Militärkontrolle passieren und dort den Eintritt für den Park entrichten. Von den schwer bewaffneten Soldaten und den dazugehörigen Gebäuden in the middle of nowwhere durften wir allerdings keine Fotos schießen, dafür aber von den unglaublich vielen knallbunten Fröschen, die da kräuchten. Unter anderem Pfeilgiftfrösche, die von den Indianern zur Jagd verwendet wurden: Die Frösche wurden erhitzt oder anderweitig gepiesackt, damit sie ihr Gift über die Haut absonderten. Das Sekret wurde aufgefangen und auf die Pfeile bestrichen werden, die (mithilfe eines Blasrohres) zur Jagd verwendet wurden. Das Gift führt dann zu Muskel- und Atemlähmung bei den Opfern.
Nach einem weiteren kurzen Stück Fahrt auf dem Fluss wurde es schließlich ernst für uns. Wir wurden im Wald ausgesetzt (mit Orlando selbstverständlich), der den Namen Regenwald vollkommen verdiente. Deshalb trugen wir für unsere Wanderung auch keine Wanderschuhe (oder konnten gar barfuß gehen), sondern wurden mit Gummistiefeln ausgestattet. Mehr als einmal mussten wir durch den Matsch waten und aufpassen, dabei die Stiefel nicht zu verlieren. Auf dem Weg passierten wir viele Pflanzen und Tiere. Auf einige machte uns Orlando Aufmerksam und erklärte uns deren Bedeutung.
Eine eindrucksvolle Erfahrung war zum Beispiel das Kauen auf dem Stil einer Pflanze. Sie schmeckte nicht schlecht. Unser Führer schärfte uns ein, sie nicht hinunter zuschlucken (was Jo natürlich nicht davon abhielt es trotzdem zu tun, nachdem er die Anweisung überhört hatte). Kurz darauf setzte die betäubende Wirkung des Saftes ein, welcher vor allem bei Schlangenbissen verwendet wird. Jo musste husten. Den anderen wurde nur der Mund taub und der Speichel floss unkontrolliert im Mund zusammen. Mit etwas Wasser bekam man das unangenehme, betäubende Gefühl aber wieder relativ schnell unter Kontrolle.
Eine weitere interessante Pflanze war der Kautschuk-Baum. Das Elastomer fließt als Saft tatsächlich aus der Rinde und verhält sich wie „das Gummi, das wir kennen“. Man kann es jedoch nicht nur für Sohlen von Turnschuhen verwenden, sondern es auch bei Magenschmerzen essen (das soll dann helfen).
Während wir durch den Matsch stapften konnten wir den Brüllaffen zuhören, wie sie in der Ferne Radau machten. Immer wieder hieß Orlando uns leise zu sein: Wir sahen ein riesiges Nagetier und sogar einen Ameisenbären, der gerade einen Bau hinaufkletterte. Hin und wieder mussten wir dem Netz einer Hängemattenspinne ausweichen. Das Netz sieht aus wie eine große Matte und ist aus unglaulich reißfesten Faden gesponnen. Wir haben mal an einem losen Ende gezogen. Das Bäumchen, an dem das Stück hing, wackelte.

Nachmittags schauten wir uns im Dorf um, unter anderem bei einer Kakaoverarbeitung (Nebenbemerkung: Der Kakao für Rittersport entstammt aus Nicaragua. Deshalb ist diese Schokolade auch ein beliebtes Gastgeschenk). Diese hatte allerdings leider schon geschlossen. Abends wurde in unserem Hotel Cinceañera gefeiert. Cince bedeutet 15. Der 15 Geburtstag wird bei Mädchen besonders groß zelebriert, ähnlich wie bei uns der 18. Nur das man sich hier nicht mit seinen besten Freunden betrinkt, sondern die Eltern eine Riesenparty für Mädchen zusammenstellen. In unserem Hostel haben alle Mädchen des Dorfes gefeiert. Es gab 15 Torten und alles war in weiß-blau, den Farben Nicaraguas, und mit fürchterlich viel Glitzer geschmückt. Die Mädchen waren verkleidet wie kleine Prinzessinen. Aus den Boxentürmen erklang ohrenbetäubend laute Musik der aktuellen Charts Lateinamerikas. Selbst in unserem Zimmer mussten wir uns noch anschreien, um uns zu verständigen. Die Teenager sind bestimmt alle taub nach Hause gegangen 😉