Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

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Sonntag gibt´s Fussball… äääh… Softball

Am Centro de Salud wird heute nicht gearbeitet, im Krankenhaus auch nicht. Für unsere letzte Woche steht noch das Verbrennungstraining für das Ofenprojekt an und für den Maintenance-Teil ist sowieso die Krankenhauscrew gefragt. Also haben wir heute auch frei!!! César spielt in einem der Softballteams von San Carlos (und übrigens auch in der Nationalmannschaft Nicaraguas) und er hat uns gesteckt, dass neben dem Flugplatz von San Carlos (ja, für dieses Städtchen gibt es einen Flugplatz von dem aus Donnerstags und Sonntags Flüge nach Managua starten) Softball gespielt wird. Softball ist Baseball sehr ähnlich, und hier fast populärer als Fußball.

Deshalb machten wir uns mit Denzel im Gepäck auf die Suche nach dem Sportplatz. Es gab zwei Plätze nebeneinander. Als wir ankamen, sahen wir uns nach César um, konnten ihn aber nicht entdecken. Mit Denzel setzten wir uns unter die Zuschauer holten uns ’ne Cola und genossen das Spiel, bzw. kämpften mit Denzel. Irgendwann kam ein Typ, der Denzel zu kennen schien. Er setzte sich zu uns und stellte sich als Cousin von Chepe vor (der Freund von Marvely). Er spiele gleich mit seiner Mannschaft. Johannes fragte ihn, ob er César kenne – Nö, kenne er nicht! Jo erzählte, woher wir ihn kennen. Irgendwann fiel beim Cousin der Groschen: „Ach ihr meint Popo! Na klar, der spielt bei uns mit! Ich kenne seinen richtigen Namen nicht, niemand hier nennt ihn so…“ Er rief César an, und sagte ihm, er solle doch mal kommen. Kurz darauf kam er. Wir unterhielten uns über das laufende Spiel und über Softball. Mit der Nationalmannschaft fliegt César bald nach Guatemala (aber er hat Flugangst).

Insgesamt spielten über den Mittag verteilt (in der Mittagshitze) 6 Mannschaften gegeneinander. Viele tragen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, einen komplett bedeckten Körper – Wäre viel zu heiß für uns! Mit Denzel machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Offenbar sahen wir aus wie eine kleine Familie, denn wir wurden gefragt, ob Denzel unser Sohn sei.

Abends gingen wir mit José, einem der Schweißer, Billard spielen. Wir erfuhren einiges über sein Leben. Ein faszinierender Mann! Vor 5 Jahren hatte er einen Unfall beim Verlegen von Wasserrohren, bei dem er unter Trümmern begraben wurde und schwer verletzt wurde. In der ersten Zeit nach dem Unfall hatte er fast gar kein Gefühl mehr in den Beinen und konnte nicht eigenständig gehen. Erst nach zwei Jahren Therapie bekam er langsam wieder die Kontrolle über seine Beine zurück. Und noch jetzt fehlt ihm die Kraft im linken Bein. Er kann jedoch sehr gut mit Krücken gehen. Seit ein paar Monaten arbeitet er auch wieder und seine Behinderung scheint ihn dabei überhaupt nicht zu stören (siehe gestriger Eintrag – Zu sehen ist er in 6 m Höhe beim Anschweißen der Stufen des Kamins). Überhaupt ist seine Art von unerschütterlichem Optimismus geprägt. Er hat ein ständiges Lächeln im Gesicht und ist trotz so mancher Sprachbarriere stets für einen Spaß zu haben. Er war auch äußerst geduldig, als er Johanna und Johannes bei ihren ersten Schweißnähten zur Seite stand. Billard gibt ihm die Kraft für den Alltag. In San Carlos gibt es nicht viele, die es noch mit ihm aufnehmen können. Innerhalb eines Zuges lochte er alle Kugeln ein – bis auf eine (Wir schafften gerade mal ein paar Züge aus unserer Cola). Die letzte Kugel stupste er so lange herum, bis wir unser Feld halbwegs aufgeräumt hatten. Dann stieß er die schwarze spektakulär über 3 Banden in das vorhergesagte Loch. Nach dem Spiel begleitete er uns noch ein Stück nach Hause.