Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Das Höllenfeuer brennt!

Mit Juan José hatte Dr. Ruíz tags zuvor ausgemacht, dass wir um 8 Uhr heute am Krankenhaus treffen, Müll aufladen und am Centro de Salud die erste Verbrennung durchführen. Wir waren um 8 Uhr (leider ohne die kränkelnde Ruth) am Krankenhaus, Juan José war es auch. Der Fahrer der Camioneta war leider nicht informiert und so übten wir uns erneut in Geduld. Dr. Ruíz kam irgendwann ins Krankenhaus und rief den Fahrer an, der für uns auch 20 Minuten später auf der Matte stand. Wir suchten uns die Müllsäcke aus, die für ein Verbrennungstraining am vielversprechendsten aussahen (sprich, Plastikmüll mit möglichst wenig Essensresten und ohne infektiösen Abfall).

Am Centro de Salud starteten wir bald unsere erste Verbrennung. Uns ging jedoch einmal ziemlich rasch das Feuer aus. Der Ofen war noch nicht durchgeheizt und ein Sack mit ziemlich viel Wassermelonenresten und Bananenschalen löschte uns, im wahrsten Sinne des Wortes, das Feuer. So konnte man gut sehen, wie wichtig eine gute Mülltrennung für eine erfolgreiche Verbrennung ist. Juan José soll dem Personal auf die Finger hauen, wenn er aufgrund schlechter Sortierung nicht gut verbrennen kann.

Nachmittags hatten wir frei. Wir schauten bei Frank und der kranken Ruth vorbei. Glücklicherweise hat sie „nur“ eine Erkältung. Hoffentlich ist sie bald wieder on board.

Nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag

So, heute geht es los! – dachten wir zumindest. Als wir morgens früh (wieder zusammen mit Ruth) im Krankenhaus aufschlugen, mussten wir feststellen, dass der Müll noch nicht zufriedenstellend zum Verbrennen getrennt war. Ein Gespräch beim Chef (Dr. Ruíz) offenbarte, dass auch immer noch kein Verbrenner feststand. Er vertröstete uns auf 2 Uhr nachmittags, bis dahin wollte man sich auf eine Person einigen. Wir überprüften also nochmal die Mülltrennung und wie fest die Schilder klebten, die wir tags zuvor angebracht hatten.

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Johannes, Ruth und María Elena und ein Mitarbeiter schauen sich die Mülleimer an

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An vielen Stellen im Krankenhaus hängen handschriftlich erstellte Plakate, die beispielsweise (in diesem Fall) über das hier verbreitete Dengue-Fieber und Chikunguña-Virus aufklären.

Um 2 Uhr schlugen wir wiederum bei Dr. Ruíz auf. Die Diskussion, wer die Verbrennung vom Krankenhaus aus durchführen sollte, hatte gerade begonnen. Ruth packte in der Zwischenzeit ihren Koffer aus, den sie erst die Woche zuvor aus den Händen des Zolls in Managua befreit hatte. Das von der Stadt Erlangen gestiftete Chirurgenbesteck wurde ausgepackt und durchgezählt, ob etwas fehlte.

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In unendlich vielen Schals wurde das von der Stadt Erlangen gesendete Chirurgenbesteck von Ruth transportiert. Ausgepackt sieht das ganze so aus…

Ruth und Dr. Arias machen Bestandsaufnahme

Schließlich wurde uns ein Verbrenner mitgeteilt – Juan José, einer der beiden Techniker. Leider war der heute nicht da, weil er am Feiertag mit César den Autoklaven reparieren musste und deshalb heute frei bekommen hatte. Kein Müll – kein anwesender Verbrenner – keine Verbrennung. Immerhin haben wir vorerst den Namen des zukünftigen Verbrenners.

Ach ja: Das Rathaus hat beschlossen, dass morgen auch Feiertag ist – das haben Dr. Ruíz und sämtliche andere Einrichtungen aber auch erst heute erfahren. Mal sehen, ob morgen eine Verbrennung läuft…

Festlichkeiten zum Tag von San Carlos für morgen. In der Kirche ist nicht viel los, dafür tummelt sich davor eine Brass-Band und es wird ein Feuerwerkskörper nach dem anderen gezündet.

Ufff… schon wieder Feiertag

Die Woche begann wieder einmal mit einem Feiertag: Allerseelen. Der Día de los Muertos wird allerdings in Nicaragua nicht so groß gefeiert wie zum Beispiel in México. Dennoch: im Krankenhaus war absolut tote Hose. Laut unserem internen Zeitplan hätten wir heute gerne das erste mal unseren Ofen angeworfen, daran war aber nicht zu denken, allein schon deshalb, weil die Mülltrennung im Krankenhaus immer noch nicht zufriedenstellend organisiert ist.

Den Vormittag verbrachten wir deshalb in der Stadt mit Einkäufen. Beim Mittagessen trafen wir auf Peluti. Dieser beschwerte sich, dass sich all seine Freunde am Wochenende immer betrinken und dann bis 5 Uhr nachmittags nicht aus dem Bett kommen. Eigentlich hätte er gerne mit ihnen etwas unternehmen wollen. Also unterhielt er sich mit uns und erzählte unter anderem, warum er Peluti genannt wird: Früher trug er immer Klamotten der Marke Peluti, die ihm seine Tante aus Spanien mitgebracht hatte. Irgendwann nannten ihn alle so. Eigentlich ist er nach einem Kriegsfriedhof in den USA benannt. Der Name gefällt ihm aber nicht, er hört lieber auf Peluti.

Um 3 Uhr hatten wir uns mit María Elena verabredet. Sie hatte ein Meeting mit dem Chef vom Reinigungsteam, in dem sie im erklären wollte, wie wichtig die Mülltrennung sei und wie er sein Personal einzuweisen habe. Er erschien leider nicht. Stattdessen ging sie (la jefa) mit uns durch die verschiedenen Stationen und wir beklebten die Mülleimer gemeinsam. Wir haben Klassifizierungsschilder entworfen, auf denen die wichtigsten Beispiele genannt sind, was in den Mülleimer gehört und was nicht. Morgen früh sehen wir dann weiter…

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

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La Jefa (María Elena) überprüft, ob ihre Mitarbeiter die Änderungen im Müllkonzept bereits verinnerlicht haben

4 Tage Managua

Wie Johanna und Johannes vorher schon erwähnt hatten, bin ich Mittwoch los, um endlich den Spendenkoffer mit OP-Besteck aus dem Zoll in Managua zu holen.
Mein Fortbewegungsmittel: Ganz standesgemäß der Krankenwagen. Früh um fünf holte mich der Fahrer also ab (und ich konnte den Sonnenaufgang sehen, das war wirklich wunderschön, auf den Bildern kommt das nicht so gut rüber) und wir machten uns auf den Weg. Unterwegs hielten wir noch zwei Mal in anderen Städten des Departamento Río San Juan (bzw. genauer gesagt an der Kreuzung der „großen“ Straße nach Managua) und gabelten acht Patienten auf, die in Managua am Auge operiert werden sollen – das Hospital Dr. Luis Felipe Moncada übernimmt dabei „nur“ den Transport.
Lustigerweise fanden wir die Klinik in Managua nicht sofort. Weder der Fahrer des Krankenwagens noch die begleitende Krankenschwester wussten wo sich die Klinik genau befindet. Wir hatten nur die Adresse und letztendlich entdeckte ich die Klinik, die nicht besonders gut sichtbar war…

Danach ging das Trara los. Der eigentliche Plan: Zum MINSA (Gesundheitsministerium) fahren und die Einfuhrgenehmigung vom Koffer abholen und dann damit direkt im Anschluss zum Flughafen. Schön wär’s gewesen…
Wir fuhren also ins MINSA. Ich durfte gleich mal meinen Pass an der Rezeption abgeben und wir bekamen einen Besucherausweis. Die Anlage erinnerte mich sehr an die Universitätcampen in Managua, wo ich vorher schon mal gewesen war. Problemlos bekamen wir die Dokumente. Der Herr, der sie uns ausgab, war auch gleich so freundlich und erklärte mir ausführlichst, wie wir das nächste Mal vorgehen sollten. Es gab somit bereits die erste Planänderung: Vor dem Flughafen mussten wir noch beim zentralen Zoll in Managua einen Satz Genehmigungspapiere vorbei bringen, damit diese dort unterzeichnet würden. Gesagt, getan. Ich fragte beim zentralen Zoll nach, ob am Flughafen noch weitere Infos benötigt würden. Die Antwort, ein klares „Nein!“.
Als wir jedoch am Flughafen ankamen, fehlte „die Email“, die der zentrale Zoll dem Flughafenzoll als Bestätigung schicken müsste. Wir fuhren also wie die Depperten zurück zum zentralen Zoll (und die Distanz ist nicht gerade kurz) und fragten nach. Die Email sei raus. Also wieder zurück zum Flughafen. Zum Glück hatte ich aber die Idee, mich nochmal zu versichern und anzurufen: Die Email sei immer noch nicht da. Wir sind daraufhin Mittagessen gegangen. Kurz zusammengefasst, folgten ca. 40 weitere Anrufe an diesem Tag in Warteschleifen oder mit der Information, dass die Email zwar „raus“ sei, aber noch nicht „angekommen“. Das Ende vom Lied: als auch mal der Fahrer des Krankenwagens mit mir in den Flughafen ging und die nette Dame uns erklärte, dass der Chef des Zolls die Email schicken müsse und der wohl heute nicht da sei. Bei meinen Millionen Anrufen konnte sie MIR das nicht sagen, aber ich hatte ja auch kein T-Shirt an, auf dem das Krankenhauslogo zu sehen war.
Der reinste Reinfall also!

Javier, der Krankenwagenfahrer, setzte mich dann netterweise noch am Hospital Militar ab und düste los, um die Patienten von der Augen-OP abzuholen und heimzufahren. Ich musste also noch bleiben, um mein Vorstellungsgespräch für das Praktikum im Militärkrankenhaus Managuas nach Ende des Projekts in San Carlos klar zu machen. Das Krankenhaus war schon sehr beeindruckend! Ich habe mich im Anschluss gleich verirrt und den Ausgang nicht mehr gefunden 😀

Abends war ich bei einer Freundin, die ich von meinem weltwärts-Dienst in San Carlos nach dem Abi kannte. Sie konnte mir Unterschlupf gewähren 🙂 Mit Dr. Ruíz war abgesprochen, dass sie mir am nächsten Tag die Camioneta schicken; der Koffer wiegt 30 kg und ich wollte mit so einem Gewicht einfach nicht mit einem öffentlichen Bus fahren, weil ich die Tasche ja nicht einmal heben könnte. Als ich Donnertag früh dann nachfragte, ist leider keine Camioneta frei und ich darf bis Freitag warten, wenn das SILAIS (die departamentale Gesundheitsbehörde) ihre Camioneta sowieso schickt. (Camioneta = Pickup)

Ich nutze also den Donnerstag, um etwas mit Freunden zu unternehmen. So begleitete ich etwa Marlui, die kleine Schwester von Marvely und zweite Tochter von Luisa Amanda, in die Uni. Normalerweise wird am Eingang kontrolliert und Besucher müssen Perso gegen Besucherausweis tauschen. Ist aber nie passiert. Unterwegs fiel mir auf, wie unglaublich groß der Campus der UNAN ist. Die „Vorlesung“ selber war eher eine Unterrichtsstunde, wir saßen nämlich in einem Raum, der wie ein Klassenzimmer an den Schulen eingerichtet war und wir waren bloß 15 Personen. Vorlesungen, wie wir sie kennen, gibt es zwar auch, sind bei weitem aber nicht so verbreitet wie bei mir im Studiengang.

Am nächsten Tag, also Freitag, erwartete ich die Camioneta aus dem SILAIS. Der Plan war, zum Flughafen zu fahren und den Koffer zu holen (ich hatte mich im Voraus informiert, dass die Email, wirklich endlich da war) und außerdem in einem Computerladen vorbei zu gehen und einen Kostenvoranschlag für einen Laptop für die Techniker einzuholen. Als dann aber der Krankenwagen kam und ein Patient mit Luftröhrenschnitt von einem Spezialistentermin nach San Carlos zurücktransportiert werden sollte, war klar, dass ich sicher nicht zum Computerladen kommen würde. Ich fragte nach der Stabilität des Patienten – „eher so naja“ – aber wir hatten trotzdem genug Zeit, eine halbe Stunde Mittagessen zu gehen. Begleitet wurde der junge Mann, der mit einem Motorrad verunglückt war, nur von seiner Familie, es war weder ein Arzt noch eine Krankenschwester dabei.
Zum Glück ging es am Flughafen ganz schnell und der Krankenwagen konnte sich auf den Heimweg machen. Ich bin in Managua geblieben, weil ich mit Freunden übers Wochenende nach Granada fahren wollte und es sich einfach nicht gelohnt hätte, fünf Stunden nach San Carlos zu fahren, um Samstag wieder an Managua vorbei nach Granada zu fahren.
So ergab sich für mich die Möglichkeit, meine Freundin, bei der ich übernachtete, auf ihrer Baustelle zu besuchen – sie plant nämlich für das Luxushotel gegenüber vom Flughafen ein neues Restaurant. Es war mein erstes Mal in einem richtigen Bauwagenbüro 😀

Abends gingen wir mit dem gesamten Freundeskreis, den ich von früher kenne, feiern. Ziemlich peinlich, bzw. lustig war, als wir im Auto abgeholt wurden und zwei weitere Peronen im Auto saßen, die ich nicht kannte. „Ich heiße Alicia“ stellte sich die junge Frau lispelnd vor. Und ich denke mir, „Ohje, da hat sie wohl einen Sprachfehler… “ FAIL! 😀 Das war eine Spanierin… Ich hatte den Akzent nicht erkannt. 😀 Ich musste mich den ganzen Abend sehr konzentrieren, um die beiden Spanier zu verstehen… War aber auch mein erstes Zusammentreffen mit Spaniern!

Samstag habe ich nur noch lange ausgeschlafen und bin nach Granada gefahren.

PS: Fotos folgen noch

Sonntag gibt´s Fussball… äääh… Softball

Am Centro de Salud wird heute nicht gearbeitet, im Krankenhaus auch nicht. Für unsere letzte Woche steht noch das Verbrennungstraining für das Ofenprojekt an und für den Maintenance-Teil ist sowieso die Krankenhauscrew gefragt. Also haben wir heute auch frei!!! César spielt in einem der Softballteams von San Carlos (und übrigens auch in der Nationalmannschaft Nicaraguas) und er hat uns gesteckt, dass neben dem Flugplatz von San Carlos (ja, für dieses Städtchen gibt es einen Flugplatz von dem aus Donnerstags und Sonntags Flüge nach Managua starten) Softball gespielt wird. Softball ist Baseball sehr ähnlich, und hier fast populärer als Fußball.

Deshalb machten wir uns mit Denzel im Gepäck auf die Suche nach dem Sportplatz. Es gab zwei Plätze nebeneinander. Als wir ankamen, sahen wir uns nach César um, konnten ihn aber nicht entdecken. Mit Denzel setzten wir uns unter die Zuschauer holten uns ’ne Cola und genossen das Spiel, bzw. kämpften mit Denzel. Irgendwann kam ein Typ, der Denzel zu kennen schien. Er setzte sich zu uns und stellte sich als Cousin von Chepe vor (der Freund von Marvely). Er spiele gleich mit seiner Mannschaft. Johannes fragte ihn, ob er César kenne – Nö, kenne er nicht! Jo erzählte, woher wir ihn kennen. Irgendwann fiel beim Cousin der Groschen: „Ach ihr meint Popo! Na klar, der spielt bei uns mit! Ich kenne seinen richtigen Namen nicht, niemand hier nennt ihn so…“ Er rief César an, und sagte ihm, er solle doch mal kommen. Kurz darauf kam er. Wir unterhielten uns über das laufende Spiel und über Softball. Mit der Nationalmannschaft fliegt César bald nach Guatemala (aber er hat Flugangst).

Insgesamt spielten über den Mittag verteilt (in der Mittagshitze) 6 Mannschaften gegeneinander. Viele tragen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, einen komplett bedeckten Körper – Wäre viel zu heiß für uns! Mit Denzel machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Offenbar sahen wir aus wie eine kleine Familie, denn wir wurden gefragt, ob Denzel unser Sohn sei.

Abends gingen wir mit José, einem der Schweißer, Billard spielen. Wir erfuhren einiges über sein Leben. Ein faszinierender Mann! Vor 5 Jahren hatte er einen Unfall beim Verlegen von Wasserrohren, bei dem er unter Trümmern begraben wurde und schwer verletzt wurde. In der ersten Zeit nach dem Unfall hatte er fast gar kein Gefühl mehr in den Beinen und konnte nicht eigenständig gehen. Erst nach zwei Jahren Therapie bekam er langsam wieder die Kontrolle über seine Beine zurück. Und noch jetzt fehlt ihm die Kraft im linken Bein. Er kann jedoch sehr gut mit Krücken gehen. Seit ein paar Monaten arbeitet er auch wieder und seine Behinderung scheint ihn dabei überhaupt nicht zu stören (siehe gestriger Eintrag – Zu sehen ist er in 6 m Höhe beim Anschweißen der Stufen des Kamins). Überhaupt ist seine Art von unerschütterlichem Optimismus geprägt. Er hat ein ständiges Lächeln im Gesicht und ist trotz so mancher Sprachbarriere stets für einen Spaß zu haben. Er war auch äußerst geduldig, als er Johanna und Johannes bei ihren ersten Schweißnähten zur Seite stand. Billard gibt ihm die Kraft für den Alltag. In San Carlos gibt es nicht viele, die es noch mit ihm aufnehmen können. Innerhalb eines Zuges lochte er alle Kugeln ein – bis auf eine (Wir schafften gerade mal ein paar Züge aus unserer Cola). Die letzte Kugel stupste er so lange herum, bis wir unser Feld halbwegs aufgeräumt hatten. Dann stieß er die schwarze spektakulär über 3 Banden in das vorhergesagte Loch. Nach dem Spiel begleitete er uns noch ein Stück nach Hause.