Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Heimreise

Unser Flug sollte erst um 5 Uhr nachmittags fliegen. Deshalb machten wir am Vormittag nochmal ein Spaziergang durch San José. Es ist auffällig, dass die Leute in Costa Rica viel freundlicher sind als in vielen anderen Ländern (sogar die Grenzbeamten!!!). 1949 wurde das Militär abgeschafft und das Geld stattdessen in Bildung investiert. Ein Grund, weshalb vergleichsweise viele Ticos (so nennen sich die Einwohner Costa Ricas) gutes Englisch sprechen. Viele Firmen sind hierher gekommen, um die vergleichsweise günstigen Arbeitskräfte zu nutzen, und ein Zugang zu Lateinamerika zu haben. Das Stadtbild selbst ist häufig dem einer deutschen Stadt ähnlich. Es gibt eine Einkaufszone, vergleichsweise wenig Straßenstände und einen Platz an dem sich junge Menschen treffen und der umgeben ist von Mc Donalds, Klamottenläden und einer Bibliothek.

Mittags packten wir unser Gepäck zusammen. Auf dem Weg zum Bus kamen wir zum Abschluss in ein Donnerwetter, das uns und unsere Koffer ordentlich durchnässte. Nach einem Flugstart in der Dämmerung und einem langen, langen Flug (insgesamt über 12 Stunden) erreichten wir Frankfurt, wo wir von unseren Freunden mehr als gebührend empfangen wurden!

Hiermit endet unser Abenteuer. Sobald ein Vortragstermin steht, an dem wir unsere Erlebnisse genauer präsentieren, werden wir dies hier bekannt geben!

Vorletzter Arbeitstag

Wir drei hofften inständig darauf, dass wir heute eine passable Verbrennung zustande bekommen würden. Dabei sind wir auf eine gute Mülltrennung im Krankenhaus angewiesen.

Es war ein Fortschritt zu sehen und wir konnten zusammen mit Juan José und César einige Säcke zum Verbrennen zusammen suchen. Somit lief die Verbrennung deutlich besser als die letzten Tage, dennoch ist ein Großteil des Abfalls sehr feucht. Hohe Temperaturen sind so nur schwer zu erreichen und die Verbrennung dauert sehr lang.

Außerdem nutzten wir die Zeit um etwas über den Ofen zu lernen. Zusammen mit César untersuchten wir, was für ein Einfluss die Änderung der Luftzufuhr auf den Prozess hat (Danke an unser Backoffice in Deutschland!). So hatten wir einen relativ erfolgreichen Tag heute, sogar María Elena schaute bei uns am Ofen vorbei.

Abends wartete ein letztes Highlight auf uns. Luis, einer der Städtepartnerschaftsbeauftragten aus San Carlos, ging mit uns auf die Jagd nach Kaimanen (jetzt haben wir endlich unsere Krokodilleder-Handtasche ;-). Zunächst zeigte er uns einen Fisch, der sich im Lago de Nicaragua vermehrt, weil er keine Fressfeinde hat. Irgendwie wurde er (wahrscheinlich aus Brasilien) eingeschleppt. Fängt man einen, muss man ihn von Gesetzes wegen töten (was Luis auch tat). Mit dem Paddelboot glitten wir durch das Wasser. Im Wald hörte man die Brüllaffen, die Wolken türmten sich über dem See auf und am Ufer kletterten die Häuser von San Carlos den Hügel hinauf. Dicht über dem Wasser flogen viele Vögel auf der Such nach Mücken. Als es dunkel genug war, zückte Luis seine Taschenlampe und leuchtete das Ufer ab. Die Augen der Kaimane sind im Dunkeln leicht auszumachen, da sie das Licht gut reflektieren. Er manövrierte das Boot zu einem der Tiere. Seine Hand schnellte ins Wasser und warf ein kleines zappelndes Etwas ins Boot – ein kleiner Kaiman. Den drückte er uns auch sofort in die Hand. Packt man das Tier am Hals an den Kieferknochen, ist es bewegungsunfähig (die Tiere auf den Bildern leben also noch!!) Das war wirklich eine faszinierende Erfahrung!

Morgen geht es in unseren letzten Tag in San Carlos. Danach müssen wir uns auf den Rückweg nach Deutschland machen…

Granada, Masaya und eine lange Busfahrt

Bevor wir Granada verließen, besuchten wir das Kakao-Museum Granadas, ein hübsch eingerichtetes Hotel/Café, in dem die Geschichte des Kakao und die Technologie der Produktion etwas aufbereitet dargestellt war. Als Verfahrenstechniker freuten wir uns besonders, dass in der Prozessbeschreibung für Schokolade auch auf die verschiedenen Korngrößen von Zucker eingegangen wurde, die den Geschack der Schokolade stark beeinflussen.

Auf dem Weg zum Bus trafen wir auf einen Zug der FSLN, der von dicken Boxen angeführt wurde. Etwas später folgte eine Brass-Band mit Tänzern. Wie schon in San Carlos macht die Partei hier gut Stimmung und wie in San Carlos trugen einige Parteianhänger die weißen T-Shirts mit buntem Schriftzug und unterschiedlichen Botschaften.

In Masaya, das zwischen Granada und Managua liegt, wühlten wir uns durch den örtlichen Markt. Zwischen den Bussen kann man Gemüse erwerben. Der Transport des Gemüses findet in großen, geflochtenen Körben statt. Beim herausgehen aus dem Busbhanhof kamen wir an Ständen vorbei, an denen Schuhe, Klamotten, BHs oder wahlweise auch Schuhe, Klamotten oder BHs verkauft wurden (ab und zu sogar ein paar Socken!). Als wir eine Mauer mit vielen Bögen passierten, stellten wir bei genauerem Hinsehen fest, dass dahinter ein Markt versteckt war. An dem Künstlermarkt wurden Hängematten aus örtlicher Produktion, Bilder, Figuren und weitere Kunstgegenstände feil geboten. Hier konnten wir also ein paar Erinnerungsstücke erwerben.

Am Malecón von Masaya bot sich uns ein wunderschöner Blick über die Laguna de Apoyo. Dahinter erstreckte sich die Hügel bedeckend Wald, Wald und Wald. Einer der Hügel besaß einen Krater. Hinter dem Hügel stieg Rauch auf. Das muss wohl der sehr aktive Vulkan Masaya sein.

Den Rückweg nach San Carlos absolvierten wir von Managua aus. Der Bus war ein Reisebus und die Sitze sogar recht bequem – dachten wir als wir einstiegen. Aber der Express-Bus wurde mit Menschen gefüllt, bis nix mehr rein passte. Nicht jedes Ticket ist mit einem Sitzplatz verbunden und somit stehen einige Menschen für 4-5 h im Gang wie die Ölsardinen. Auf den Sitzplätzen war es nicht so viel besser, weil sich immer wieder einer auf die Armlehne setzte. Alles in allem war es sehr eng und stickig. Auf halber Strecke hörte man einen lauten Knall und es roch nach verbranntem Gummi. Ein Reifen war geplatzt. Dieser wurde innerhalb von einer 3/4 h mitten im Regenwald um 10 Uhr (also im Dunkeln) bei voll besetzten Bus gewechselt. Es stieg keiner aus. Müde und erschöpft kamen wir mitten in der Nacht zu Hause an.

Unser erster Vulkan – der Mombacho

Ohne Ruth waren wir also in Granada. Nach einem reichhaltigen Frühstück (Johannes genießt noch so oft und so viel Gallo Pinto, wie er kann) machten wir uns auf dem Weg zum Mombacho, dem Hausvulkan Granadas. Ein Bus setzte uns am Fuße des Vulkans ab. Ein Motoradtaxi (= Tuctuc) kutschierte uns zur Touristenabfertigung. 5 $ kostet der Eintritt, für weitere 15 $ kann man sich mit dem Bus den Hügel heraufkutschieren lassen. Als arme, dafür aber fitte Studenten wählten wir diese Alternative selbstverständlich nicht. Wir machten uns auf den gepflasterten Weg. Es ging steil bergauf. Wir trösteten uns immer damit, dass es hinter der nächsten Kurve bestimmt flacher werden würde. Immer wieder wurden wir von Geländewagen, oder geländegängigen Bussen überholt… es würde wohl eher nicht besser werden. Auf halber Strecke war ein Café, in der wir einen (sehr teuren, aber sehr leckeren) Smoothie tranken, dann ging es weiter. Unser Tempo war nicht besonders flott, dennoch wurden wir von nicht vielen Leuten überholt (nur ein Nica joggte den Berg hoch, um seine Freunde einzuholen). Oben kamen wir in die Wolken. Das hatte zur Folge dass auch alles feucht kühl wurde (unser Ziel lag auf etwa 1150 m) und man leider die Aussicht nur bedingt wahrnehmen/erahnen konnte. Sogar der bewachsene Vulkankrater war mit Wolken gefüllt und nicht gut erkennbar. Aus dem inneren des Vulkans kam durch ein Loch im Boden noch mehr feuchte, wenn auch diesmal heiße Luft, die erstaunlicher Weise nur sehr wenig nach Schwefel stank (gut erkennbar auf dem Bild, auf dem man nix erkennen kann).

Der Abstieg war fast schlimmer als der Aufstieg. Alles was wir hoch gelaufen waren, mussten wir mit Chucks an den Füßen und mit einer halben Hand voll Erdnüsse als Mittagessen wieder hinab. Aus dem Bauch heraus würden wir sagen, die Steigung betrug fast durchgehend 12 % (mindestens! 😉
Dementsprechend weh taten uns die Beine nach dem Abstieg. Mit dem Tuctuc ließen wir uns nach Granada kutschieren. Dort gab es erstmal ein dickes Mittagessen (Burger und Quesillos, das sind Tortillas mit Käse, Sauerrahm und Zwiebeln). Dann schlenderten wir noch etwas durch die Stadt und genossen das Flair der Stadt.

Abends mussten wir feststellen, dass wir kein Geld abheben konnten. Johannes hatte seine Karte dabei, leider machte die Bank in Deutschland gerade Wartungsarbeiten, die bis zum Folgetag andauern würden – wir hatten noch 7 € dabei, das reicht nicht besonders weit. Nach einigem hin und her retteten Ruth, Frank und seine Frau Jaqueline uns aus unserer misslichen Lage. Jaqueline hat Verwandte in Granada, denen sie Geld schickte, das wir uns abholen konnten. Von den dreien haben wir beide nicht das erste Mal Unterstützung bekommen. Unser Fortkommen am nächsten Tag war also gesichert!

Maintenance

Am Freitag versuchten wir zu verbrennen, leider gab es aber wieder nicht genug trockenen Müll, um den Ofen auf die richtige Temperatur zu bekommen. Vormittags übten wir mit Juan José und Cesár, die übergangsweise als Verbrenner ausgesucht worden waren, das Anfeuern – darüber hinaus reichte die Hitze leider nicht. Eigentlich möchte das Krankenhaus extra jemanden als Verbrenner anstellen, weil wir klar und deutlich gesagt haben, dass die Arbeit mit dem Verbrennungsofen einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die Juan José und Cesár eigentlich nicht haben, weil sie im Krankenhaus mehr als genug mit Maintenance etc. zu tun haben.

Nachdem das Verbrennungstraining vormittags also gelaufen war und man auch nicht mit Dr. Ruíz sprechen konnte, weil er in Managua unterwegs war, beschlossen wir, uns das Wochenende frei zu nehmen. Johanna und Johannes hatten noch fast gar nichts von Nicaragua gesehen und eigentlich wollten sie endlich mal einen Vulkan sehen – Premiere. Deshalb fuhren sie um 4 Uhr mit dem Bus nach Granada. Auch lange Routen werden hier sehr häufig nicht mit Reisebussen, wie man sie aus Deutschland kennt, zurückgelegt, sondern mit diesen, meist gelben, alten Bussen. Die Sitzbänke sind niedrig und haben keine Kopfstütze. Außerdem hält der Bus alle paar Meter. Man kann sozusagen genau angeben, wo man herausgelassen werden will, notfalls hält der Bus also 10 m später nochmal. Außerdem wird der Bus als Gütertransport verwendet. Auf dem Dach fuhr jemand mit, der für das schnelle Verstauen der ihm angereichten Wahre zuständig war. Nach 6,5 h Fahrt durch den Regenwald mit diversen Zwischenstops (die sich mit fortschreitender Zeit jedoch deutlich reduzierten) erreichten wir Granada, das praktisch einmal um den Lago de Nicaragua liegt.

Ruth dagegen nutze die Zeit mit den beiden Technikern, um endlich eine weitere Maintenance Schulung durchzuführen. Vergangene Woche konnte sie schon mit den Beiden die Schulung zum Thema Elektrosicherheit durchführen, das hatte super geklappt. Aber wie wir ja bereits zu Beginn herausgefunden hatten, kennen sich die beiden, v.a. Juan José, der für eine Elektrikerschulung für ein Monat in Kuba war, mit der Elektrik sehr gut aus – viel Neues war für beide also nicht mehr dabei. Cesár bemerkte, dass er lediglich die Bezeichnungen bzw. Symbole der einzelnen Sicherheitsklassen nicht kannte – alles andere, wie z.B. die Regeln zu eigenen Sicherheit war den Beiden schon bekannt und wir hatten bei der Arbeit mit den Beiden auch den Eindruck, dass sie die Regeln auch aktiv anwendeten. Das Training war trotzdem sehr schön.
Am heutigen Freitag dagegen haben wir das Training mit dem Elektrokoffer durchgeführt. Im Koffer gibt es verschiedene Versuche, um die Wirkweise von Kondensator, Leichtsicherung, FI-Schalter, Zwischensicherung, Überlastung und Erdung zu veranschaulichen. Und es war wirklich spaßig! 🙂 Nur ein einziger Versuch hat nicht geklappt, das lag wohl an einer schlechten Lötstelle. Ansonsten hatten wir den Koffer also richtig auf die 110V Standardnetz umgestellt (wir mussten vorher extra einen Transformator umlöten…) und die Versuche funktionierten einwandfrei.

Cesár war ziemlich begeistert von unserem Bob, dem Playmobilmännchen, das die Person symbolisiert, die ein defektes Gerät anfasst. „Bob“ ist ja fast wie „Popo“ 😉 Also so wie er heißt. Er würde es gerne in „Popo“ umnennen. Was sagen so die anderen TeoG’ler? 😀

Ich glaube, dass die Versuche für beide sehr anschaulich und auch hilfreich waren. Vor allem der Unterschied zwischen einem FI-Schalter und einer „normalen“ Zwischensicherung ist richtig gut rausgekommen und ich denke, dass der Unterschied den beiden vorher noch nicht besonders klar war. Ansonsten ist es ja auch einfach schön, anschauliche Versuche durchzuführen, da sieht man einfach mehr! Und es macht Spaß, Glühbirne oder Leichtsicherung einfach mal so durchbrennen zu lassen 😀

Plan D

In diesem Projekt haben wir schon oft Pläne geändert und umgeschmissen. Wir befanden uns im Plan C, der vorsah, dass Mittwoch, Donnerstag und Freitag Verbrennungstrainings stattfinden würden. Aber auch ein Plan C kann umgeworfen werden. Morgens standen wir am Krankenhaus auf der Matte, Juan José geisterte irgendwo herum, der LKW des Krankenhauses stand vor der Tür. Prinzipiell sehr gute Voraussetzungen. Dann fuhren die Jungs erstmal mit dem Lastwagen zur Tankstelle, Benzin holen.  Dr. Ruíz kam, und teilte mit, dass die Camioneta (der Lastwagen) vom Rathaus noch gebraucht würde, danach wären wir aber dran. Wir gaben den Irrglauben auf, heute zwei Verbrennungen durchziehen zu können und fanden uns mit der Situation ab.

Zunächst wurde die Zeit genutzt, indem die Mülltrennung in den Stationen kontrolliert wurde. Außerdem wurde in der Müllhalde des Krankenhauses zwischen dem gefährlichen der spärliche Müll zusammen gesucht, der sich zum Verbrennen vielleicht eignen könnte. In einem Nachbarraum legten wir ihn bei Seite. Nach diesen Vorbereitungen setzten wir uns in die Werkstatt von César und Juan José. Hier herrschte etwas Chaos. Es war nicht allzuviel sortiert. Es gab 3 identische Werkzeugkästen, die alle jeweils halb voll (oder eher halb leer) waren. In den Vorbereitungen des Projektes hat Dr. Ruíz uns mitgeteilt, dass seine Techniker gerade mal mit ein paar Schraubenziehern ausgestattet wären.

Johannes begann schließlich, die Werkstatt aufzuräumen. Juan war in der Zwischenzeit untergetaucht (keine Ahnung wo) und César war dem Aufräumen gegenüber eher kritisch eingestellt. Wir machten ein paar Vorschläge, denen er prinzipiell nicht abgeneigt schien, auf der anderen Seite ist Ordnung machen doch zunächst eher mit Arbeit verbunden. Vor dem Mittagessen schauten wir nochmal nach dem Müll und gingen durch die Stationen, ob Müll-technisch wenigstens Nachmittags eine Verbrennung durchführbar wäre. Ha! Nein! Sogar der bei Seite gelegte Abfall ist von der Müllabfuhr abgeholt worden. Wir fragten César, wo Juan José abgeblieben wäre: Der holte seinen verlorenen Feiertag von gestern nach…

Nach dem Mittagessen zogen wir frustriert ab. Gibt es nach Plan A, B und C noch einen Plan D? Ja, Ruth bleibt noch länger in San Carlos. Juan José stellte sich bei der ersten und einzigen Verbrennung bisher ganz gut an. Wir haben Hoffnung, dass er die Verbrennung gut durchführt und Ruth kann notfalls nochmal ein Verbrennungstraining mit ihm durchführen. Hoffentlich gibt es morgen noch eine letzte Verbrennung.

Abends trafen wir am Malecón auf Peluti. Er erzählte uns viel von der Städtepartnerschaft und den Schwierigkeiten beim Durchführen von Projekten. Später verabschiedeten wir uns schonmal von Gerardo. Mal gucken, ob noch Zeit übrig ist noch etwas mit den Schweißern zu unternehmen.

 

Das Höllenfeuer brennt!

Mit Juan José hatte Dr. Ruíz tags zuvor ausgemacht, dass wir um 8 Uhr heute am Krankenhaus treffen, Müll aufladen und am Centro de Salud die erste Verbrennung durchführen. Wir waren um 8 Uhr (leider ohne die kränkelnde Ruth) am Krankenhaus, Juan José war es auch. Der Fahrer der Camioneta war leider nicht informiert und so übten wir uns erneut in Geduld. Dr. Ruíz kam irgendwann ins Krankenhaus und rief den Fahrer an, der für uns auch 20 Minuten später auf der Matte stand. Wir suchten uns die Müllsäcke aus, die für ein Verbrennungstraining am vielversprechendsten aussahen (sprich, Plastikmüll mit möglichst wenig Essensresten und ohne infektiösen Abfall).

Am Centro de Salud starteten wir bald unsere erste Verbrennung. Uns ging jedoch einmal ziemlich rasch das Feuer aus. Der Ofen war noch nicht durchgeheizt und ein Sack mit ziemlich viel Wassermelonenresten und Bananenschalen löschte uns, im wahrsten Sinne des Wortes, das Feuer. So konnte man gut sehen, wie wichtig eine gute Mülltrennung für eine erfolgreiche Verbrennung ist. Juan José soll dem Personal auf die Finger hauen, wenn er aufgrund schlechter Sortierung nicht gut verbrennen kann.

Nachmittags hatten wir frei. Wir schauten bei Frank und der kranken Ruth vorbei. Glücklicherweise hat sie „nur“ eine Erkältung. Hoffentlich ist sie bald wieder on board.

Nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag

So, heute geht es los! – dachten wir zumindest. Als wir morgens früh (wieder zusammen mit Ruth) im Krankenhaus aufschlugen, mussten wir feststellen, dass der Müll noch nicht zufriedenstellend zum Verbrennen getrennt war. Ein Gespräch beim Chef (Dr. Ruíz) offenbarte, dass auch immer noch kein Verbrenner feststand. Er vertröstete uns auf 2 Uhr nachmittags, bis dahin wollte man sich auf eine Person einigen. Wir überprüften also nochmal die Mülltrennung und wie fest die Schilder klebten, die wir tags zuvor angebracht hatten.

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Johannes, Ruth und María Elena und ein Mitarbeiter schauen sich die Mülleimer an

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An vielen Stellen im Krankenhaus hängen handschriftlich erstellte Plakate, die beispielsweise (in diesem Fall) über das hier verbreitete Dengue-Fieber und Chikunguña-Virus aufklären.

Um 2 Uhr schlugen wir wiederum bei Dr. Ruíz auf. Die Diskussion, wer die Verbrennung vom Krankenhaus aus durchführen sollte, hatte gerade begonnen. Ruth packte in der Zwischenzeit ihren Koffer aus, den sie erst die Woche zuvor aus den Händen des Zolls in Managua befreit hatte. Das von der Stadt Erlangen gestiftete Chirurgenbesteck wurde ausgepackt und durchgezählt, ob etwas fehlte.

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In unendlich vielen Schals wurde das von der Stadt Erlangen gesendete Chirurgenbesteck von Ruth transportiert. Ausgepackt sieht das ganze so aus…

Ruth und Dr. Arias machen Bestandsaufnahme

Schließlich wurde uns ein Verbrenner mitgeteilt – Juan José, einer der beiden Techniker. Leider war der heute nicht da, weil er am Feiertag mit César den Autoklaven reparieren musste und deshalb heute frei bekommen hatte. Kein Müll – kein anwesender Verbrenner – keine Verbrennung. Immerhin haben wir vorerst den Namen des zukünftigen Verbrenners.

Ach ja: Das Rathaus hat beschlossen, dass morgen auch Feiertag ist – das haben Dr. Ruíz und sämtliche andere Einrichtungen aber auch erst heute erfahren. Mal sehen, ob morgen eine Verbrennung läuft…

Festlichkeiten zum Tag von San Carlos für morgen. In der Kirche ist nicht viel los, dafür tummelt sich davor eine Brass-Band und es wird ein Feuerwerkskörper nach dem anderen gezündet.

Ufff… schon wieder Feiertag

Die Woche begann wieder einmal mit einem Feiertag: Allerseelen. Der Día de los Muertos wird allerdings in Nicaragua nicht so groß gefeiert wie zum Beispiel in México. Dennoch: im Krankenhaus war absolut tote Hose. Laut unserem internen Zeitplan hätten wir heute gerne das erste mal unseren Ofen angeworfen, daran war aber nicht zu denken, allein schon deshalb, weil die Mülltrennung im Krankenhaus immer noch nicht zufriedenstellend organisiert ist.

Den Vormittag verbrachten wir deshalb in der Stadt mit Einkäufen. Beim Mittagessen trafen wir auf Peluti. Dieser beschwerte sich, dass sich all seine Freunde am Wochenende immer betrinken und dann bis 5 Uhr nachmittags nicht aus dem Bett kommen. Eigentlich hätte er gerne mit ihnen etwas unternehmen wollen. Also unterhielt er sich mit uns und erzählte unter anderem, warum er Peluti genannt wird: Früher trug er immer Klamotten der Marke Peluti, die ihm seine Tante aus Spanien mitgebracht hatte. Irgendwann nannten ihn alle so. Eigentlich ist er nach einem Kriegsfriedhof in den USA benannt. Der Name gefällt ihm aber nicht, er hört lieber auf Peluti.

Um 3 Uhr hatten wir uns mit María Elena verabredet. Sie hatte ein Meeting mit dem Chef vom Reinigungsteam, in dem sie im erklären wollte, wie wichtig die Mülltrennung sei und wie er sein Personal einzuweisen habe. Er erschien leider nicht. Stattdessen ging sie (la jefa) mit uns durch die verschiedenen Stationen und wir beklebten die Mülleimer gemeinsam. Wir haben Klassifizierungsschilder entworfen, auf denen die wichtigsten Beispiele genannt sind, was in den Mülleimer gehört und was nicht. Morgen früh sehen wir dann weiter…

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

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La Jefa (María Elena) überprüft, ob ihre Mitarbeiter die Änderungen im Müllkonzept bereits verinnerlicht haben

4 Tage Managua

Wie Johanna und Johannes vorher schon erwähnt hatten, bin ich Mittwoch los, um endlich den Spendenkoffer mit OP-Besteck aus dem Zoll in Managua zu holen.
Mein Fortbewegungsmittel: Ganz standesgemäß der Krankenwagen. Früh um fünf holte mich der Fahrer also ab (und ich konnte den Sonnenaufgang sehen, das war wirklich wunderschön, auf den Bildern kommt das nicht so gut rüber) und wir machten uns auf den Weg. Unterwegs hielten wir noch zwei Mal in anderen Städten des Departamento Río San Juan (bzw. genauer gesagt an der Kreuzung der „großen“ Straße nach Managua) und gabelten acht Patienten auf, die in Managua am Auge operiert werden sollen – das Hospital Dr. Luis Felipe Moncada übernimmt dabei „nur“ den Transport.
Lustigerweise fanden wir die Klinik in Managua nicht sofort. Weder der Fahrer des Krankenwagens noch die begleitende Krankenschwester wussten wo sich die Klinik genau befindet. Wir hatten nur die Adresse und letztendlich entdeckte ich die Klinik, die nicht besonders gut sichtbar war…

Danach ging das Trara los. Der eigentliche Plan: Zum MINSA (Gesundheitsministerium) fahren und die Einfuhrgenehmigung vom Koffer abholen und dann damit direkt im Anschluss zum Flughafen. Schön wär’s gewesen…
Wir fuhren also ins MINSA. Ich durfte gleich mal meinen Pass an der Rezeption abgeben und wir bekamen einen Besucherausweis. Die Anlage erinnerte mich sehr an die Universitätcampen in Managua, wo ich vorher schon mal gewesen war. Problemlos bekamen wir die Dokumente. Der Herr, der sie uns ausgab, war auch gleich so freundlich und erklärte mir ausführlichst, wie wir das nächste Mal vorgehen sollten. Es gab somit bereits die erste Planänderung: Vor dem Flughafen mussten wir noch beim zentralen Zoll in Managua einen Satz Genehmigungspapiere vorbei bringen, damit diese dort unterzeichnet würden. Gesagt, getan. Ich fragte beim zentralen Zoll nach, ob am Flughafen noch weitere Infos benötigt würden. Die Antwort, ein klares „Nein!“.
Als wir jedoch am Flughafen ankamen, fehlte „die Email“, die der zentrale Zoll dem Flughafenzoll als Bestätigung schicken müsste. Wir fuhren also wie die Depperten zurück zum zentralen Zoll (und die Distanz ist nicht gerade kurz) und fragten nach. Die Email sei raus. Also wieder zurück zum Flughafen. Zum Glück hatte ich aber die Idee, mich nochmal zu versichern und anzurufen: Die Email sei immer noch nicht da. Wir sind daraufhin Mittagessen gegangen. Kurz zusammengefasst, folgten ca. 40 weitere Anrufe an diesem Tag in Warteschleifen oder mit der Information, dass die Email zwar „raus“ sei, aber noch nicht „angekommen“. Das Ende vom Lied: als auch mal der Fahrer des Krankenwagens mit mir in den Flughafen ging und die nette Dame uns erklärte, dass der Chef des Zolls die Email schicken müsse und der wohl heute nicht da sei. Bei meinen Millionen Anrufen konnte sie MIR das nicht sagen, aber ich hatte ja auch kein T-Shirt an, auf dem das Krankenhauslogo zu sehen war.
Der reinste Reinfall also!

Javier, der Krankenwagenfahrer, setzte mich dann netterweise noch am Hospital Militar ab und düste los, um die Patienten von der Augen-OP abzuholen und heimzufahren. Ich musste also noch bleiben, um mein Vorstellungsgespräch für das Praktikum im Militärkrankenhaus Managuas nach Ende des Projekts in San Carlos klar zu machen. Das Krankenhaus war schon sehr beeindruckend! Ich habe mich im Anschluss gleich verirrt und den Ausgang nicht mehr gefunden 😀

Abends war ich bei einer Freundin, die ich von meinem weltwärts-Dienst in San Carlos nach dem Abi kannte. Sie konnte mir Unterschlupf gewähren 🙂 Mit Dr. Ruíz war abgesprochen, dass sie mir am nächsten Tag die Camioneta schicken; der Koffer wiegt 30 kg und ich wollte mit so einem Gewicht einfach nicht mit einem öffentlichen Bus fahren, weil ich die Tasche ja nicht einmal heben könnte. Als ich Donnertag früh dann nachfragte, ist leider keine Camioneta frei und ich darf bis Freitag warten, wenn das SILAIS (die departamentale Gesundheitsbehörde) ihre Camioneta sowieso schickt. (Camioneta = Pickup)

Ich nutze also den Donnerstag, um etwas mit Freunden zu unternehmen. So begleitete ich etwa Marlui, die kleine Schwester von Marvely und zweite Tochter von Luisa Amanda, in die Uni. Normalerweise wird am Eingang kontrolliert und Besucher müssen Perso gegen Besucherausweis tauschen. Ist aber nie passiert. Unterwegs fiel mir auf, wie unglaublich groß der Campus der UNAN ist. Die „Vorlesung“ selber war eher eine Unterrichtsstunde, wir saßen nämlich in einem Raum, der wie ein Klassenzimmer an den Schulen eingerichtet war und wir waren bloß 15 Personen. Vorlesungen, wie wir sie kennen, gibt es zwar auch, sind bei weitem aber nicht so verbreitet wie bei mir im Studiengang.

Am nächsten Tag, also Freitag, erwartete ich die Camioneta aus dem SILAIS. Der Plan war, zum Flughafen zu fahren und den Koffer zu holen (ich hatte mich im Voraus informiert, dass die Email, wirklich endlich da war) und außerdem in einem Computerladen vorbei zu gehen und einen Kostenvoranschlag für einen Laptop für die Techniker einzuholen. Als dann aber der Krankenwagen kam und ein Patient mit Luftröhrenschnitt von einem Spezialistentermin nach San Carlos zurücktransportiert werden sollte, war klar, dass ich sicher nicht zum Computerladen kommen würde. Ich fragte nach der Stabilität des Patienten – „eher so naja“ – aber wir hatten trotzdem genug Zeit, eine halbe Stunde Mittagessen zu gehen. Begleitet wurde der junge Mann, der mit einem Motorrad verunglückt war, nur von seiner Familie, es war weder ein Arzt noch eine Krankenschwester dabei.
Zum Glück ging es am Flughafen ganz schnell und der Krankenwagen konnte sich auf den Heimweg machen. Ich bin in Managua geblieben, weil ich mit Freunden übers Wochenende nach Granada fahren wollte und es sich einfach nicht gelohnt hätte, fünf Stunden nach San Carlos zu fahren, um Samstag wieder an Managua vorbei nach Granada zu fahren.
So ergab sich für mich die Möglichkeit, meine Freundin, bei der ich übernachtete, auf ihrer Baustelle zu besuchen – sie plant nämlich für das Luxushotel gegenüber vom Flughafen ein neues Restaurant. Es war mein erstes Mal in einem richtigen Bauwagenbüro 😀

Abends gingen wir mit dem gesamten Freundeskreis, den ich von früher kenne, feiern. Ziemlich peinlich, bzw. lustig war, als wir im Auto abgeholt wurden und zwei weitere Peronen im Auto saßen, die ich nicht kannte. „Ich heiße Alicia“ stellte sich die junge Frau lispelnd vor. Und ich denke mir, „Ohje, da hat sie wohl einen Sprachfehler… “ FAIL! 😀 Das war eine Spanierin… Ich hatte den Akzent nicht erkannt. 😀 Ich musste mich den ganzen Abend sehr konzentrieren, um die beiden Spanier zu verstehen… War aber auch mein erstes Zusammentreffen mit Spaniern!

Samstag habe ich nur noch lange ausgeschlafen und bin nach Granada gefahren.

PS: Fotos folgen noch