Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Granada, Masaya und eine lange Busfahrt

Bevor wir Granada verließen, besuchten wir das Kakao-Museum Granadas, ein hübsch eingerichtetes Hotel/Café, in dem die Geschichte des Kakao und die Technologie der Produktion etwas aufbereitet dargestellt war. Als Verfahrenstechniker freuten wir uns besonders, dass in der Prozessbeschreibung für Schokolade auch auf die verschiedenen Korngrößen von Zucker eingegangen wurde, die den Geschack der Schokolade stark beeinflussen.

Auf dem Weg zum Bus trafen wir auf einen Zug der FSLN, der von dicken Boxen angeführt wurde. Etwas später folgte eine Brass-Band mit Tänzern. Wie schon in San Carlos macht die Partei hier gut Stimmung und wie in San Carlos trugen einige Parteianhänger die weißen T-Shirts mit buntem Schriftzug und unterschiedlichen Botschaften.

In Masaya, das zwischen Granada und Managua liegt, wühlten wir uns durch den örtlichen Markt. Zwischen den Bussen kann man Gemüse erwerben. Der Transport des Gemüses findet in großen, geflochtenen Körben statt. Beim herausgehen aus dem Busbhanhof kamen wir an Ständen vorbei, an denen Schuhe, Klamotten, BHs oder wahlweise auch Schuhe, Klamotten oder BHs verkauft wurden (ab und zu sogar ein paar Socken!). Als wir eine Mauer mit vielen Bögen passierten, stellten wir bei genauerem Hinsehen fest, dass dahinter ein Markt versteckt war. An dem Künstlermarkt wurden Hängematten aus örtlicher Produktion, Bilder, Figuren und weitere Kunstgegenstände feil geboten. Hier konnten wir also ein paar Erinnerungsstücke erwerben.

Am Malecón von Masaya bot sich uns ein wunderschöner Blick über die Laguna de Apoyo. Dahinter erstreckte sich die Hügel bedeckend Wald, Wald und Wald. Einer der Hügel besaß einen Krater. Hinter dem Hügel stieg Rauch auf. Das muss wohl der sehr aktive Vulkan Masaya sein.

Den Rückweg nach San Carlos absolvierten wir von Managua aus. Der Bus war ein Reisebus und die Sitze sogar recht bequem – dachten wir als wir einstiegen. Aber der Express-Bus wurde mit Menschen gefüllt, bis nix mehr rein passte. Nicht jedes Ticket ist mit einem Sitzplatz verbunden und somit stehen einige Menschen für 4-5 h im Gang wie die Ölsardinen. Auf den Sitzplätzen war es nicht so viel besser, weil sich immer wieder einer auf die Armlehne setzte. Alles in allem war es sehr eng und stickig. Auf halber Strecke hörte man einen lauten Knall und es roch nach verbranntem Gummi. Ein Reifen war geplatzt. Dieser wurde innerhalb von einer 3/4 h mitten im Regenwald um 10 Uhr (also im Dunkeln) bei voll besetzten Bus gewechselt. Es stieg keiner aus. Müde und erschöpft kamen wir mitten in der Nacht zu Hause an.

Unser erster Vulkan – der Mombacho

Ohne Ruth waren wir also in Granada. Nach einem reichhaltigen Frühstück (Johannes genießt noch so oft und so viel Gallo Pinto, wie er kann) machten wir uns auf dem Weg zum Mombacho, dem Hausvulkan Granadas. Ein Bus setzte uns am Fuße des Vulkans ab. Ein Motoradtaxi (= Tuctuc) kutschierte uns zur Touristenabfertigung. 5 $ kostet der Eintritt, für weitere 15 $ kann man sich mit dem Bus den Hügel heraufkutschieren lassen. Als arme, dafür aber fitte Studenten wählten wir diese Alternative selbstverständlich nicht. Wir machten uns auf den gepflasterten Weg. Es ging steil bergauf. Wir trösteten uns immer damit, dass es hinter der nächsten Kurve bestimmt flacher werden würde. Immer wieder wurden wir von Geländewagen, oder geländegängigen Bussen überholt… es würde wohl eher nicht besser werden. Auf halber Strecke war ein Café, in der wir einen (sehr teuren, aber sehr leckeren) Smoothie tranken, dann ging es weiter. Unser Tempo war nicht besonders flott, dennoch wurden wir von nicht vielen Leuten überholt (nur ein Nica joggte den Berg hoch, um seine Freunde einzuholen). Oben kamen wir in die Wolken. Das hatte zur Folge dass auch alles feucht kühl wurde (unser Ziel lag auf etwa 1150 m) und man leider die Aussicht nur bedingt wahrnehmen/erahnen konnte. Sogar der bewachsene Vulkankrater war mit Wolken gefüllt und nicht gut erkennbar. Aus dem inneren des Vulkans kam durch ein Loch im Boden noch mehr feuchte, wenn auch diesmal heiße Luft, die erstaunlicher Weise nur sehr wenig nach Schwefel stank (gut erkennbar auf dem Bild, auf dem man nix erkennen kann).

Der Abstieg war fast schlimmer als der Aufstieg. Alles was wir hoch gelaufen waren, mussten wir mit Chucks an den Füßen und mit einer halben Hand voll Erdnüsse als Mittagessen wieder hinab. Aus dem Bauch heraus würden wir sagen, die Steigung betrug fast durchgehend 12 % (mindestens! 😉
Dementsprechend weh taten uns die Beine nach dem Abstieg. Mit dem Tuctuc ließen wir uns nach Granada kutschieren. Dort gab es erstmal ein dickes Mittagessen (Burger und Quesillos, das sind Tortillas mit Käse, Sauerrahm und Zwiebeln). Dann schlenderten wir noch etwas durch die Stadt und genossen das Flair der Stadt.

Abends mussten wir feststellen, dass wir kein Geld abheben konnten. Johannes hatte seine Karte dabei, leider machte die Bank in Deutschland gerade Wartungsarbeiten, die bis zum Folgetag andauern würden – wir hatten noch 7 € dabei, das reicht nicht besonders weit. Nach einigem hin und her retteten Ruth, Frank und seine Frau Jaqueline uns aus unserer misslichen Lage. Jaqueline hat Verwandte in Granada, denen sie Geld schickte, das wir uns abholen konnten. Von den dreien haben wir beide nicht das erste Mal Unterstützung bekommen. Unser Fortkommen am nächsten Tag war also gesichert!

Maintenance

Am Freitag versuchten wir zu verbrennen, leider gab es aber wieder nicht genug trockenen Müll, um den Ofen auf die richtige Temperatur zu bekommen. Vormittags übten wir mit Juan José und Cesár, die übergangsweise als Verbrenner ausgesucht worden waren, das Anfeuern – darüber hinaus reichte die Hitze leider nicht. Eigentlich möchte das Krankenhaus extra jemanden als Verbrenner anstellen, weil wir klar und deutlich gesagt haben, dass die Arbeit mit dem Verbrennungsofen einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die Juan José und Cesár eigentlich nicht haben, weil sie im Krankenhaus mehr als genug mit Maintenance etc. zu tun haben.

Nachdem das Verbrennungstraining vormittags also gelaufen war und man auch nicht mit Dr. Ruíz sprechen konnte, weil er in Managua unterwegs war, beschlossen wir, uns das Wochenende frei zu nehmen. Johanna und Johannes hatten noch fast gar nichts von Nicaragua gesehen und eigentlich wollten sie endlich mal einen Vulkan sehen – Premiere. Deshalb fuhren sie um 4 Uhr mit dem Bus nach Granada. Auch lange Routen werden hier sehr häufig nicht mit Reisebussen, wie man sie aus Deutschland kennt, zurückgelegt, sondern mit diesen, meist gelben, alten Bussen. Die Sitzbänke sind niedrig und haben keine Kopfstütze. Außerdem hält der Bus alle paar Meter. Man kann sozusagen genau angeben, wo man herausgelassen werden will, notfalls hält der Bus also 10 m später nochmal. Außerdem wird der Bus als Gütertransport verwendet. Auf dem Dach fuhr jemand mit, der für das schnelle Verstauen der ihm angereichten Wahre zuständig war. Nach 6,5 h Fahrt durch den Regenwald mit diversen Zwischenstops (die sich mit fortschreitender Zeit jedoch deutlich reduzierten) erreichten wir Granada, das praktisch einmal um den Lago de Nicaragua liegt.

Ruth dagegen nutze die Zeit mit den beiden Technikern, um endlich eine weitere Maintenance Schulung durchzuführen. Vergangene Woche konnte sie schon mit den Beiden die Schulung zum Thema Elektrosicherheit durchführen, das hatte super geklappt. Aber wie wir ja bereits zu Beginn herausgefunden hatten, kennen sich die beiden, v.a. Juan José, der für eine Elektrikerschulung für ein Monat in Kuba war, mit der Elektrik sehr gut aus – viel Neues war für beide also nicht mehr dabei. Cesár bemerkte, dass er lediglich die Bezeichnungen bzw. Symbole der einzelnen Sicherheitsklassen nicht kannte – alles andere, wie z.B. die Regeln zu eigenen Sicherheit war den Beiden schon bekannt und wir hatten bei der Arbeit mit den Beiden auch den Eindruck, dass sie die Regeln auch aktiv anwendeten. Das Training war trotzdem sehr schön.
Am heutigen Freitag dagegen haben wir das Training mit dem Elektrokoffer durchgeführt. Im Koffer gibt es verschiedene Versuche, um die Wirkweise von Kondensator, Leichtsicherung, FI-Schalter, Zwischensicherung, Überlastung und Erdung zu veranschaulichen. Und es war wirklich spaßig! 🙂 Nur ein einziger Versuch hat nicht geklappt, das lag wohl an einer schlechten Lötstelle. Ansonsten hatten wir den Koffer also richtig auf die 110V Standardnetz umgestellt (wir mussten vorher extra einen Transformator umlöten…) und die Versuche funktionierten einwandfrei.

Cesár war ziemlich begeistert von unserem Bob, dem Playmobilmännchen, das die Person symbolisiert, die ein defektes Gerät anfasst. „Bob“ ist ja fast wie „Popo“ 😉 Also so wie er heißt. Er würde es gerne in „Popo“ umnennen. Was sagen so die anderen TeoG’ler? 😀

Ich glaube, dass die Versuche für beide sehr anschaulich und auch hilfreich waren. Vor allem der Unterschied zwischen einem FI-Schalter und einer „normalen“ Zwischensicherung ist richtig gut rausgekommen und ich denke, dass der Unterschied den beiden vorher noch nicht besonders klar war. Ansonsten ist es ja auch einfach schön, anschauliche Versuche durchzuführen, da sieht man einfach mehr! Und es macht Spaß, Glühbirne oder Leichtsicherung einfach mal so durchbrennen zu lassen 😀