Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Letzter Arbeitstag

Unser letzter Tag im Krankenhaus in San Carlos wurde mit einer Abschlussbesprechung mit Frank und Dr. Ruíz, sowie einem letzten Verbrennungstraining gefüllt. Die Verbrennung lief besser als am Vortag, auch wenn der Abfall weiterhin ziemlich feucht war. Als wir am Ofen während der Verbrennung standen, gab es eine Explosion. Offenbar hat jemand ein geschlossenes Glasbehältnis in den Müll geschmissen, der verbrannt wurde. Wie ein Geschoss flog eine kleine Ampulle aus dem Schlitz für die Primärluft. Es gab eine zweite Explosion und erneut flog etwas aus dem Schlitz. Spätestens jetzt wurde ersichtlich, wie wichtig eine gute Mülltrennung ist – und vor allem, wie wichtig es ist, eine Schutzbrille zu tragen.

Nach getaner Arbeit, packten wir bei Luisa Amanda unsere Koffer. Wir hatten uns um 5 Uhr mit César und Juan José auf Gaseosas (Erfrischungsgetränke) verabredet. Als wir sie am Krankenhaus abholen wollten, saßen sie schon gestiefelt und gespornt an der Mauer im Krankenhaus. Sie bestanden darauf zum Malecón mit dem Lastwagen zu fahren, damit man nicht laufen müsste (die Distanz beträgt maximal 1 km). Als wir beim Malecón ankamen, meinten sie, sie würden noch eben den Lastwagen zurückbringen und mit Césars Motorad vorbeikommen (warum einfach, wenn es auch kompliziert geht). Wir warteten also auf die beiden bei Ruth und nutzten die Zeit, uns bei Frank und seiner Frau Jaqueline zu bedanken und uns zu verabschieden. Nach einer 3/4 Stunde waren César und Juan José immer noch nicht aufgetaucht und wir riefen bei ihnen an, wo sie denn blieben – Sie hätten noch Einkäufe für das Krankenhaus erledigen müssen. Das passiert nicht selten, dass sie spontan noch etwas erledigen müssen.

Schließlich kamen die beiden auf dem Moped angedüst und wir bestellten eine Runde Getränke. Wir setzten uns am Malecón auf die Balustrade und redeten über alles mögliche (von unserer Arbeit bis Familienplanung). Kurz darauf stieß José (der Schweißer dazu). Als Luisa Amanda mit Marvin und Denzel auftauchten, gingen Juan José und César schon nach Hause. Wir bestellten in einem Restaurant etwas zu essen, unterhielten uns und hörten den Rancheros zu, die auf einem absolut ungestimmten Schifferklavier mit Gitarren ihre Kneipenhits im Restaurant neben an zum Besten gaben.

Nachdem sich die Runde auflöste, brachte uns José nach Hause. Wir hatten einen emotionalen Abschied. Sollten wir nochmal einen Ofen bauen, ist er auf jeden Fall wieder angeheuert!

Maintenance

Am Freitag versuchten wir zu verbrennen, leider gab es aber wieder nicht genug trockenen Müll, um den Ofen auf die richtige Temperatur zu bekommen. Vormittags übten wir mit Juan José und Cesár, die übergangsweise als Verbrenner ausgesucht worden waren, das Anfeuern – darüber hinaus reichte die Hitze leider nicht. Eigentlich möchte das Krankenhaus extra jemanden als Verbrenner anstellen, weil wir klar und deutlich gesagt haben, dass die Arbeit mit dem Verbrennungsofen einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die Juan José und Cesár eigentlich nicht haben, weil sie im Krankenhaus mehr als genug mit Maintenance etc. zu tun haben.

Nachdem das Verbrennungstraining vormittags also gelaufen war und man auch nicht mit Dr. Ruíz sprechen konnte, weil er in Managua unterwegs war, beschlossen wir, uns das Wochenende frei zu nehmen. Johanna und Johannes hatten noch fast gar nichts von Nicaragua gesehen und eigentlich wollten sie endlich mal einen Vulkan sehen – Premiere. Deshalb fuhren sie um 4 Uhr mit dem Bus nach Granada. Auch lange Routen werden hier sehr häufig nicht mit Reisebussen, wie man sie aus Deutschland kennt, zurückgelegt, sondern mit diesen, meist gelben, alten Bussen. Die Sitzbänke sind niedrig und haben keine Kopfstütze. Außerdem hält der Bus alle paar Meter. Man kann sozusagen genau angeben, wo man herausgelassen werden will, notfalls hält der Bus also 10 m später nochmal. Außerdem wird der Bus als Gütertransport verwendet. Auf dem Dach fuhr jemand mit, der für das schnelle Verstauen der ihm angereichten Wahre zuständig war. Nach 6,5 h Fahrt durch den Regenwald mit diversen Zwischenstops (die sich mit fortschreitender Zeit jedoch deutlich reduzierten) erreichten wir Granada, das praktisch einmal um den Lago de Nicaragua liegt.

Ruth dagegen nutze die Zeit mit den beiden Technikern, um endlich eine weitere Maintenance Schulung durchzuführen. Vergangene Woche konnte sie schon mit den Beiden die Schulung zum Thema Elektrosicherheit durchführen, das hatte super geklappt. Aber wie wir ja bereits zu Beginn herausgefunden hatten, kennen sich die beiden, v.a. Juan José, der für eine Elektrikerschulung für ein Monat in Kuba war, mit der Elektrik sehr gut aus – viel Neues war für beide also nicht mehr dabei. Cesár bemerkte, dass er lediglich die Bezeichnungen bzw. Symbole der einzelnen Sicherheitsklassen nicht kannte – alles andere, wie z.B. die Regeln zu eigenen Sicherheit war den Beiden schon bekannt und wir hatten bei der Arbeit mit den Beiden auch den Eindruck, dass sie die Regeln auch aktiv anwendeten. Das Training war trotzdem sehr schön.
Am heutigen Freitag dagegen haben wir das Training mit dem Elektrokoffer durchgeführt. Im Koffer gibt es verschiedene Versuche, um die Wirkweise von Kondensator, Leichtsicherung, FI-Schalter, Zwischensicherung, Überlastung und Erdung zu veranschaulichen. Und es war wirklich spaßig! 🙂 Nur ein einziger Versuch hat nicht geklappt, das lag wohl an einer schlechten Lötstelle. Ansonsten hatten wir den Koffer also richtig auf die 110V Standardnetz umgestellt (wir mussten vorher extra einen Transformator umlöten…) und die Versuche funktionierten einwandfrei.

Cesár war ziemlich begeistert von unserem Bob, dem Playmobilmännchen, das die Person symbolisiert, die ein defektes Gerät anfasst. „Bob“ ist ja fast wie „Popo“ 😉 Also so wie er heißt. Er würde es gerne in „Popo“ umnennen. Was sagen so die anderen TeoG’ler? 😀

Ich glaube, dass die Versuche für beide sehr anschaulich und auch hilfreich waren. Vor allem der Unterschied zwischen einem FI-Schalter und einer „normalen“ Zwischensicherung ist richtig gut rausgekommen und ich denke, dass der Unterschied den beiden vorher noch nicht besonders klar war. Ansonsten ist es ja auch einfach schön, anschauliche Versuche durchzuführen, da sieht man einfach mehr! Und es macht Spaß, Glühbirne oder Leichtsicherung einfach mal so durchbrennen zu lassen 😀

Plan D

In diesem Projekt haben wir schon oft Pläne geändert und umgeschmissen. Wir befanden uns im Plan C, der vorsah, dass Mittwoch, Donnerstag und Freitag Verbrennungstrainings stattfinden würden. Aber auch ein Plan C kann umgeworfen werden. Morgens standen wir am Krankenhaus auf der Matte, Juan José geisterte irgendwo herum, der LKW des Krankenhauses stand vor der Tür. Prinzipiell sehr gute Voraussetzungen. Dann fuhren die Jungs erstmal mit dem Lastwagen zur Tankstelle, Benzin holen.  Dr. Ruíz kam, und teilte mit, dass die Camioneta (der Lastwagen) vom Rathaus noch gebraucht würde, danach wären wir aber dran. Wir gaben den Irrglauben auf, heute zwei Verbrennungen durchziehen zu können und fanden uns mit der Situation ab.

Zunächst wurde die Zeit genutzt, indem die Mülltrennung in den Stationen kontrolliert wurde. Außerdem wurde in der Müllhalde des Krankenhauses zwischen dem gefährlichen der spärliche Müll zusammen gesucht, der sich zum Verbrennen vielleicht eignen könnte. In einem Nachbarraum legten wir ihn bei Seite. Nach diesen Vorbereitungen setzten wir uns in die Werkstatt von César und Juan José. Hier herrschte etwas Chaos. Es war nicht allzuviel sortiert. Es gab 3 identische Werkzeugkästen, die alle jeweils halb voll (oder eher halb leer) waren. In den Vorbereitungen des Projektes hat Dr. Ruíz uns mitgeteilt, dass seine Techniker gerade mal mit ein paar Schraubenziehern ausgestattet wären.

Johannes begann schließlich, die Werkstatt aufzuräumen. Juan war in der Zwischenzeit untergetaucht (keine Ahnung wo) und César war dem Aufräumen gegenüber eher kritisch eingestellt. Wir machten ein paar Vorschläge, denen er prinzipiell nicht abgeneigt schien, auf der anderen Seite ist Ordnung machen doch zunächst eher mit Arbeit verbunden. Vor dem Mittagessen schauten wir nochmal nach dem Müll und gingen durch die Stationen, ob Müll-technisch wenigstens Nachmittags eine Verbrennung durchführbar wäre. Ha! Nein! Sogar der bei Seite gelegte Abfall ist von der Müllabfuhr abgeholt worden. Wir fragten César, wo Juan José abgeblieben wäre: Der holte seinen verlorenen Feiertag von gestern nach…

Nach dem Mittagessen zogen wir frustriert ab. Gibt es nach Plan A, B und C noch einen Plan D? Ja, Ruth bleibt noch länger in San Carlos. Juan José stellte sich bei der ersten und einzigen Verbrennung bisher ganz gut an. Wir haben Hoffnung, dass er die Verbrennung gut durchführt und Ruth kann notfalls nochmal ein Verbrennungstraining mit ihm durchführen. Hoffentlich gibt es morgen noch eine letzte Verbrennung.

Abends trafen wir am Malecón auf Peluti. Er erzählte uns viel von der Städtepartnerschaft und den Schwierigkeiten beim Durchführen von Projekten. Später verabschiedeten wir uns schonmal von Gerardo. Mal gucken, ob noch Zeit übrig ist noch etwas mit den Schweißern zu unternehmen.

 

Nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag

So, heute geht es los! – dachten wir zumindest. Als wir morgens früh (wieder zusammen mit Ruth) im Krankenhaus aufschlugen, mussten wir feststellen, dass der Müll noch nicht zufriedenstellend zum Verbrennen getrennt war. Ein Gespräch beim Chef (Dr. Ruíz) offenbarte, dass auch immer noch kein Verbrenner feststand. Er vertröstete uns auf 2 Uhr nachmittags, bis dahin wollte man sich auf eine Person einigen. Wir überprüften also nochmal die Mülltrennung und wie fest die Schilder klebten, die wir tags zuvor angebracht hatten.

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Johannes, Ruth und María Elena und ein Mitarbeiter schauen sich die Mülleimer an

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An vielen Stellen im Krankenhaus hängen handschriftlich erstellte Plakate, die beispielsweise (in diesem Fall) über das hier verbreitete Dengue-Fieber und Chikunguña-Virus aufklären.

Um 2 Uhr schlugen wir wiederum bei Dr. Ruíz auf. Die Diskussion, wer die Verbrennung vom Krankenhaus aus durchführen sollte, hatte gerade begonnen. Ruth packte in der Zwischenzeit ihren Koffer aus, den sie erst die Woche zuvor aus den Händen des Zolls in Managua befreit hatte. Das von der Stadt Erlangen gestiftete Chirurgenbesteck wurde ausgepackt und durchgezählt, ob etwas fehlte.

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In unendlich vielen Schals wurde das von der Stadt Erlangen gesendete Chirurgenbesteck von Ruth transportiert. Ausgepackt sieht das ganze so aus…

Ruth und Dr. Arias machen Bestandsaufnahme

Schließlich wurde uns ein Verbrenner mitgeteilt – Juan José, einer der beiden Techniker. Leider war der heute nicht da, weil er am Feiertag mit César den Autoklaven reparieren musste und deshalb heute frei bekommen hatte. Kein Müll – kein anwesender Verbrenner – keine Verbrennung. Immerhin haben wir vorerst den Namen des zukünftigen Verbrenners.

Ach ja: Das Rathaus hat beschlossen, dass morgen auch Feiertag ist – das haben Dr. Ruíz und sämtliche andere Einrichtungen aber auch erst heute erfahren. Mal sehen, ob morgen eine Verbrennung läuft…

Festlichkeiten zum Tag von San Carlos für morgen. In der Kirche ist nicht viel los, dafür tummelt sich davor eine Brass-Band und es wird ein Feuerwerkskörper nach dem anderen gezündet.

Ufff… schon wieder Feiertag

Die Woche begann wieder einmal mit einem Feiertag: Allerseelen. Der Día de los Muertos wird allerdings in Nicaragua nicht so groß gefeiert wie zum Beispiel in México. Dennoch: im Krankenhaus war absolut tote Hose. Laut unserem internen Zeitplan hätten wir heute gerne das erste mal unseren Ofen angeworfen, daran war aber nicht zu denken, allein schon deshalb, weil die Mülltrennung im Krankenhaus immer noch nicht zufriedenstellend organisiert ist.

Den Vormittag verbrachten wir deshalb in der Stadt mit Einkäufen. Beim Mittagessen trafen wir auf Peluti. Dieser beschwerte sich, dass sich all seine Freunde am Wochenende immer betrinken und dann bis 5 Uhr nachmittags nicht aus dem Bett kommen. Eigentlich hätte er gerne mit ihnen etwas unternehmen wollen. Also unterhielt er sich mit uns und erzählte unter anderem, warum er Peluti genannt wird: Früher trug er immer Klamotten der Marke Peluti, die ihm seine Tante aus Spanien mitgebracht hatte. Irgendwann nannten ihn alle so. Eigentlich ist er nach einem Kriegsfriedhof in den USA benannt. Der Name gefällt ihm aber nicht, er hört lieber auf Peluti.

Um 3 Uhr hatten wir uns mit María Elena verabredet. Sie hatte ein Meeting mit dem Chef vom Reinigungsteam, in dem sie im erklären wollte, wie wichtig die Mülltrennung sei und wie er sein Personal einzuweisen habe. Er erschien leider nicht. Stattdessen ging sie (la jefa) mit uns durch die verschiedenen Stationen und wir beklebten die Mülleimer gemeinsam. Wir haben Klassifizierungsschilder entworfen, auf denen die wichtigsten Beispiele genannt sind, was in den Mülleimer gehört und was nicht. Morgen früh sehen wir dann weiter…

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

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La Jefa (María Elena) überprüft, ob ihre Mitarbeiter die Änderungen im Müllkonzept bereits verinnerlicht haben

Läuft. bei. uns.

Um 7 Uhr morgens hatten wir unseren ersten Termin im Krankenhaus. Schichtwechsel bei den Ärzten, das bedeutet es sind die wichtigsten Personen in der Frühbesprechung anwesend. Zunächst wurden die wichtigsten Zahlen verlesen (wieviele Betten sind belegt,…) und ungewöhnliche Zwischenfälle berichtet. Dann stellte uns Dr. Ruíz vor und erteilte uns das Wort. Wir stellten unser Projekt vor und fassten kurz zusammen, was für die Mülltrennung in den verschiedenen Stationen von großer Wichtigkeit ist. Auch wenn das ganze etwas gehetzt war, da die Ärzte schnell weiter mussten, denke ich, dass wir auf allgemeine Zustimmung stießen.

Langsam haben wir das Gefühl in Fahrt zu kommen. Wir redeten mit der Oberschwester María-Elena über die Mülltrennung und präsentierten die Schilder, die wir gemacht haben, und sie hatte noch mehr Ideen. Außerdem wird sie veranlassen, dass alle Mülleimer gereinigt werden, damit die Schilder angebracht werden können. Ein weiterer Höhepunkt war die Übergabe des Werkzeugkoffers an die Techniker. Zwar besitzen sie schon einiges an Werkzeug, aber nicht so gut sortiert im Koffer.

César und Juan José mit ihrem neuen Werkzeugkoffer

César und Juan José mit ihrem neuen Werkzeugkoffer

Johannes´  und Johannas Tag

Weiter ging es zum Centro de Salud. Dort war ein Treffen mit den Handwerkern vereinbart. Als wir kurz vor dem vereinbarten Termin unseren Zielort erreichten, begrüßte uns Casimiro (der Maurer)  bereits freudig winkend. Wir erklärten ihm den Ofen nochmals anhand der Steine. Gerardo (der Schweißer) stieß dazu und wir klärten alles noch einmal zusammen. Gerardo möchte ungern vor dem Maurer anfangen zu arbeiten, also haben wir jetzt einen Terminplan mit den Handwerkern erstellt: Montags um 7 Uhr steht Casimiro auf der Baustelle und beginnt mit dem Ofenbau. Gerardo kommt mit schwerem Schweißgerät am Montag um 10 Uhr. Dann werden die endgültigen Maße anhand des Mauerwerks bestimmt und los geht die Schweißarbeit.

Unser Schweißer Gerardo

Unser Schweißer Gerardo

Auch unser Baumaterial ist inzwischen angekommen

Auch unser Baumaterial ist inzwischen angekommen

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Mittagszeit verbrachten wir im Copy-Shop mit Drucken und Laminieren der zusätzlichen Schilder für die Mülleimer. Jetzt sollte alles beisammen sein.

Um 2 waren wir mit Everaldo (Städtepartnerschaftsverantwortlicher der Alcaldía) verabredet. Wir wollten mit ihm die städtische Müllentsorgung genauer betrachten. Er fuhr uns einzeln mit seinem Moped in das 5 km außerhalb gelegene Gelände. Wir sprachen mit den Menschen dort. In Nicaragua wird recycelt. 4 Personen suchen per Hand auf der Halde die Plastikflaschen aus dem Müll. Diese werden nach Managua geschickt und dort wiederverwertet. Allerdings erwartete uns dort auch eine böse Überraschung. Die Geier pickten bereits in infektiösem Müll, der an diesem Tag aus dem Krankenhaus angeliefert wurde. Everaldo erzählte uns jedoch auch von einer positiven Entwicklung: der Müll hier wird nicht wie in vielen anderen Ländern verbrannt (wegen Luftverpestung), sondern wird momentan ausschließlich offen gelagert. Für etwa 100 000 € soll nun eine 100 x 40 m große Deponie errichtet werden, die gegen den Boden abgedichtet ist. Durch Drainagen und  Filter wird das Regenwasser, das auf den Abfall fällt, in den Boden abgeleitet und gereinigt werden.

Ruths Tag

Bei mir ging es mit der Schulung weiter. Für die Techniker wäre es ein Riesenvorteil, wenn sie Internet hätten, um Reparaturen für kompliziertere Geräte zu bewerkstelligen. Dies ist der Startschuss für das Eintauchen in die Weiten der nicaraguanischen Bürokratie. Das Krankenhaus besitzt seit einiger Zeit Zugang zum Internet. Allerdings hat nur der Chef, Dr. Ruíz, Zugang zum „freien“ Internet, und das nur auf bestimmte freigeschaltete Seiten. Alle anderen Mitarbeiter haben nur Zugang zu ihren Dienstmails. Und das war´s auch schon. Der Internetzugang wird nicaraguaweit von Finnland finanziert. Die Zugänge und Rechte werden allerdings durch das Gesundheitsministerium (MINSA) freigegeben. Ich habe schon mit unteren Instanzen gesprochen, d.h. mit dem Ingenieur vom SILAIS (MINSA auf „Landesebende“), der für die Anträge zuständig ist. Bisher leuchtet es jedem ein, dass so eine Lösung sinnvoll und womöglich sogar wirtschaftlich ist: Anschaffung  eines Modems und eines Computers vs. ständiges Rufen eines Fachmannes mit hohem Tagessatz zur Reparatur von defekten Geräten. Wir müssen uns jetzt eine gute Argumentation überlegen, damit unser Vorhaben umgesetzt werden kann und der Antrag für „freies“ Internet in Managua bewilligt wird.

Nachmittags präsentierte ich der zuständigen Angestellten der Rechnungsabteilung die vorher erwähnte Exceltabelle zur Verwaltung aller Geräte im Krankenhaus. Zwar gibt es bereits eine Tabelle, in der alle Geräte aufgeführt sind, aber unser Excel-Tool ist nochmal einfacher zu bedienen. Sie war richtig begeistert 🙂

Vormittags war ich außerdem mit César und Juan José im Kreissaal, weil die hydraulische Funktion zur Auf- und Abbewegung eines „Geburtsstuhles“ (fragt mich nicht nach dem korrekten deutschen Wort) nicht mehr funktionierte. Ordnungsgemäß bekamen wir Überkleider und nur für den Fall gabs auch Handschuhe dazu. Einfach zu schade, dass ich keine Kamera dabei hatte! Ich war fast ein bisschen enttäuscht, dass er leer war. Aber sonst hätten wir (bzw. die beiden) vermutlich auch nicht vernünftig arbeiten können…

Der Arbeitstag im Krankenhaus endete mit einem konstruktiven Gespräch mit Dr. Ruíz und María-Elena.

Besorgungen

In Nicaragua werden Uhrzeiten nicht so exakt genommen, wie wir überpünktlichen Deutschen – so ist die Mentalität. Es gibt eben Dinge, die einfach wichtiger sind. Für uns ist das ungewohnt und mit dieser Herausforderung mussten wir auch heute kämpfen.

Wir spalteten uns in 2 Teams auf. Ruth blieb am Krankenhaus, um dort mit und von den Technikern zu lernen und ihnen über die Schulter zu gucken. Johannes und Johanna fuhren morgens zum Centro de Salud, um dort 3 Stunden lang auf das Material zu warten, das um 7:30 Uhr hätte geliefert werden sollen.

Tag von Johannes und Johanna

Irgendwann zogen wir unverrichteter Dinge wieder ab, weil wir heute noch andere Sachen außer Warten erledigen wollten. Im Krankenhaus wurden die Mülleimer vermessen, um anschließend in San Carlos Beschriftungsschilder drucken zu können. Wir durchforsteten die Innenstadt nach diversen Shop bis wir einen bezahlbaren fanden, der uns die Schilder ausdruckte, zuschnitt und laminierte. Für 2 Uhr war ein Meeting mit dem Krankenhauspersonal angesetzt. Leider konnte nur ein Bruchteil des Personals dran teilnehmen, weil um diese Uhrzeit viele beschäftigt oder zu Hause sind. Deshalb wurde das Treffen kurzerhand vom Chefarzt auf den Folgetag um 7 Uhr verlegt – da ist Schichtwechsel und das meiste Personal ist anwesend. Die gewonnene Zeit nutzten wir, um den morgigen Tag zu planen. Im Rathaus verabredeten wir uns mit Everaldo (Ansprechpartner des Rathauses von der Städtepartnerschaft), um mit ihm die komunale Müllentsorgung zu besichtigen.

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Asche mit vielen Rückständen des alten Ofens am Centro de Salud

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Fundament am Centro de Salud für den neuen Ofen – noch in Arbeit

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Drucken und Laminieren der Schilder für die Mülltonnen in einem der vielen, kleinen Geschäfte

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In San Carlos verdunkelt sich zu dieser Jahreszeit immer wieder der Himmel und es fegen Gewitter mit heftigen Regenfällen über die Stadt

Spätnachmittags schauten wir im Krankenhaus bei Ruth vorbei, die mit den Technikern am Tanken war (also die Autos betanken…). Ihr Tag sah so aus:

Tag von Ruth

Wie oben bereits erwähnt, durfte auch ich heute viel warten. Als ich morgens um neun Uhr ankam, um den Technikern unser Organisationssystem näher zu bringen, hatten sie noch immer viel zu tun. So hörte ich z.B., dass in der Orthopädie ein hydraulisches Bett kaputt gegangen sei. Letztendlich war ich dann aber dabei, wie wir Glühbirnen in den Toiletten der OP-Umkleiden austauschten. Als weiterer Auftrag für die beiden Techniker kam außerdem das Abschleifen und Streichen von angerosteten Regalen hinzu, das werden wir wohl morgen erledigen. Dafür mussten wir auch erst einmal einkaufen gehen; wir sind in eine „ferretería“ (= eine Art „Baumarkt“) gefahren, um die Sachen auf Kreditbasis zu kaufen. Wenn ich es richtig verstanden habe, werden alle Rechnungen des Krankenhauses nur alle drei Monate vom Staat beglichen – und alleine heute haben wir Material im Wert von 500 € gekauft. Die beiden Techniker konnten sich endlich ihren Traum vom „eigenen“ Schweißgerät erfüllen.
Der Tag war also wieder gut mit den verschiedenen Aufgaben gefüllt und für meine „capacitación“, wie sie sie auf Spanisch nennen, war nicht viel Zeit geblieben.

Hoffentlich wird das morgen besser…

Ein Paar Bilder zum „Baumarkt“: (Wir waren fürs Materialbesorgen vom Ofen auch schon in einer anderen Ferreteria, da sah es noch einmal ganz anders aus…)

 

PS: Ich haber herausgefunden, wie die Krankenwägen aus den Tonnen getankt werden: Von der Tonne in den Eimer, vom Eimer in den Trichter und in den Tank… 😀

Da wird getankt!

Da wird getankt!

Mantenimiento

Cesár beim in die Tonne tanken

César beim in die Tonne tanken

Am Dienstag „begann“ Ruth mit ihrer Schulung für eine Organisationstruktur von allen elektrischen Geräten im Krankenhaus. Im Vorhinein der aktiven Phase in San Carlos hatten wir eine Exceltabelle vorbereitet, um die Einführung schnell zu gestalten. So hat die Tabelle z.B. auch einige Makros, damit das Eintragen von weiteren Geräten  möglichst einfach ist.
Noch während Ruth in den Startlöchern stand, wurden wir wieder unterbrochen. Wir müssten Diesel für das Krankenhaus einkaufen gehen, genauer gesagt: 500 Gallonen. Also zogen Ruth, Juan José und César (die beiden Techniker, die auch die hausmeisterliche Aufgaben übernehmen) mit acht großen Fässern und mehreren Kanistern los, um sie an der Tankstelle mit Diesel zu füllen. Wir standen fast eine dreiviertel Stunde dort, und das nur für die ersten vier Fässer. Preis: 25.000 Cordoba (1000 Dollar). Mir wurde gesagt, dass der Sprit sowohl für den Notstromgenerator als auch für die alle Krankenwägen aus ganz Río San Juan sind. (Es gibt insgesamt 8 im Departamento: zwei im Krankenhaus und je einen pro Gesundheitszentrum, d.h. einen Krankenwagen pro „Landkreis“). Wie aus den großen blauen Tonnen getankt wird, muss ich mir noch zeigen lassen.

Als wir dann endlich mit der Schulung begonnen hatten, dauerte es nicht lange, bis der erste „Notfall“ dazwischen kam: Der Kühlschrank in der inneren Medizin funktionierte nicht. Der Grund war schnell gefunden: Zwischensicherung rausgeflogen. César erzählte mir, dass der „breaker“ ein häufiger Grund war, weswegen sie kommen mussten. Gegen Abend haben die Bewohner in der Umgebung des Krankenhauses nämlich einen Haufen Geräte am Netz – die gesamte Spannung sinkt. Dann springt automatisch das Notstromaggregat des Hospitals an und jagd auf einen Schlag mehr Spannung ins Netz. Mehr Spannung bei gleichem Widerstand bedeutet einen höheren Strom – die Zwischensicherungen springen also raus, wenn der Strom zu hoch wird.
Nach der „Reparatur“ des Kühlschranks machten wir uns wieder an die Arbeit, die Exceltabelle und ihre Vorteile zu erklären. Aber vielleicht eine halbe Stunde später wurden die beiden Techniker wieder angerufen: Der Autoklav aus dem „central de equipo“, d.h. das Sterilisationsgerät für OP-Ausrüstung war kaputt. Um weitere Operationen durchzuführen muss aber laufend sterilisiert werden. Als wir hinkamen, stand schon der ganze Raum unter Wasser – eine Dichtung an der Wasserpumpe war undicht. César und Juan José erkannten das Problem sofort, wir besorgten Ersatzteile (wie immer mit dem Krankenwagen :D) und und die beiden tauschten das kaputte Teil aus.
Während unserem Ausflug in der Ambulancia konnte sich Ruth lange mit César unterhalten – beide Techniker machten wirklich einen guten Eindruck! Juan hat sogar einen technischen Ausbildungskurs in Kuba besucht. Was genau das bedeutet, müssen wir noch in Erfahrung bringen.

Wartezeit

2015_1015_23321200Heute bestand der Tag aus vielem Warten. Eigentlich wollten wir uns um kurz nach acht Uhr mit Sergio, dem Handwerker für Fundament und Dach, treffen. Tatsächlich klappte das dann aber erst gegen elf Uhr. Zum Glück hatten wir einen Laptop mit ins Krankenhaus genommen, um die Präsentation für den Managementworkshop nachmittags vorzubereiten.

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Johannes voller Eifer beim Erklären 😀

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Dr. Arias, Subdirektor, hat verstanden, worum es geht!

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Workshop hat ganz gut geklappt, wir stellten das Prinzip des Ofens vor und zeigten ein paar Bilder von bereits gebauten Öfen aus Ghana vor. Das heizte im Anschluss eine gute Diskussion auf, Handwerker Sergio und Dr. Ruiz konnten die exakten Anforderungen von Fundament und Dach festlegen. Morgen geht der Bau dann endlich los 🙂 Zu unserer Präsentation kam auch Flavio, der im Gesundheitsministerium (MINSA) für Gesundheitsaspekte in Zusammenhang mit Umwelt zuständig ist. Gestern war er schon bei der Besichtigung des Bauplatzes am Centro de Salud dabei. Heute wollte er sich die genauen Pläne noch zeigen lassen. Er zeigte sich durchaus interessiert und wollte den Ofen wirklich verstehen. Wir sind gespannt auf die weitere Zusammenarbeit, er möchte gerne hin und wieder auf der Baustelle vorbeischauen.

Besichtigung von Krankenhaus und Gesundheitszentrum

Heute ging die Arbeit richtig los.

Wie gestern mit Dr. Ruíz, dem Direktor des Krankenhauses, abgesprochen, standen wir um acht Uhr morgens am Krankenhaus, um mit ihm das Centro de Salud (Gesundheitszentrum) zu besuchen. Da Dr. Ruíz so früh morgens sehr gefragt war, ging es gegen neun Uhr endlich vor die Tore von San Carlos. Das neue Centro de Salud wurde nämlich 7 km vor der Stadt errichtet, damit die Menschen, die von außerhalb kommen, nicht bis ins Zentrum von San Carlos reisen müssen.

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Das neue Centro de Salud von außen

Dass das Gesundheitszentrum vor San Carlos liegt hat einige Vorteile für das Projekt: Neben der für uns netten Transportfahrt mit dem Krankenwagen erfüllt das Centro de Salud nämlich eine wichtige Eigenschaft für den Verbrennungsofen: Große freie Fläche, kaum Nachbarn, befestigter Weg zur Baustelle.

Bei der Besichtigung des Bauplatzes für den Verbrennungsofen schlossen sich uns einige neue Gesichter an. Ein Allgemeinmediziner äußerte sich konstruktiv kritisch und konnte die Situation sehr gut einschätzen. Außerdem zeigte er sich sehr interessiert für eine weitere Zusammenarbeit mit der Erlanger Städtepartnerschaft im Kontext der offiziellen Müllabfuhr und Müllentsorgung. Da werden sich sicherlich noch einige interessante Gespräche ergeben.

Bei der Besichtigung selbst stießen wir auf zwei Verbrennungsöfen, die dem Centro de Salud zur Verfügung stehen. Das Personal beschrieb selbst die Problematik, die sie damit erleben: schlechter Verbrennungsvorgang mit zu niedriger Temperatur, von oben eindringender Regen löscht das Feuer, Entstehung von schwarzem und giftigem Qualm, etc. Johanna fiel sofort ein Grund auf: Zu große Brennkammer, zu dicke Mauern und ein zu kurzer Schornstein.

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Ofen Nr. 1 von innen – Die Fugen sind nach einem Jahr Betriebszeit noch erstaunlich gut erhalten. Wir holen uns auf jeden Fall Materialinfos von dem für den Bau verantwortlichen Ingenieur.

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Ofen Nr. 2 – Interessante Zweikammernbauweise ohne Luftzufuhr. Das Personal war sich selbst nicht ganz einig, wie man ihn richtig bedienen würde – mit Benzin oder Feuerholz?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Mitschreiben aller wichtigen Details ist ein Muss!

Gebaut wurden diese Öfen von einem Ingenieur des Rathauses. Für morgen haben wir schon einen Termin mit ihm, um ihm unser Projekt vorzustellen und ihm anzubieten, aktiv daran teilzunehmen. Wenn er bei dem Bau dabei sein könnte und so ein weiteres Modell kennen lernt, könnte er damit bei seinen weiteren Bauten vielleicht einiges umsetzen. Wir werden sehen, wie interessiert er sich morgen zeigt.

Bei unserer Rückkehr ins Krankenhaus, zeigte uns María Elena, die Oberschwester, das Krankenhaus mit Fokus auf die Mülltrennung. Sie haben drei verschiedene Farben von Mülleimern: Blau für recycelbare Abfälle, schwarz für Biomüll/Restmüll, rot für gefährliche Abfälle. Es war sehr interessant, die bisherige Trennung zu sehen und zu verstehen; das Bewusstsein ist bereits vorhanden – für den Ofen müssen nur Kleinigkeiten erklärt und umgesetzt werden. 🙂

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Ein streunender Hund in der Nähe des vergrabenen Abfalls verdeutlicht die Wichtigkeit einer angemessenen Abfallentsorgung

Bei der Führung sahen wir auch die verschiedenen Stationen. Ein junger Arzt im praktischen Jahr überraschte uns, als er uns auf Deutsch ansprach. Er erzählte uns davon, dass er in León, einer Stadt im Norden Nicaraguas, Medizin studiert und nebenbei auch Deutschkurse besucht. Dafür, dass er noch nie in Deutschland gewesen ist, sprach er erstaunlich gut und redete einfach darauf los! Es ist wirklich etwas besonderes, hier jemanden zu treffen, der freiwillig so viel und ausdauernd Deutsch studiert hat!

Zum Abschluss konnten wir noch einen kleinen Einblick in die Werkstatt des Krankenhauses bekommen, die sich hauptsächlich um hausmeisterliche Aspekte kümmert. Die Werkstatt ist verhältnismäßig gut ausgestattet und die drei Mitarbeiter machen einen durchaus kompetenten Eindruck. Jedoch werden hier so gut wie keine Medizingeräte repariert. Vielleicht können wir durch unsere Schulung hier etwas bewegen.

Besuch in der Werkstatt

Besuch in der Werkstatt

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Der Dieselgenerator des Krankenhauses – zwei Techniker waren gerade dabei ihn zu säubern und machten dabei einen kompetenten Eindruck.