Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Mercado Oriental

Am vergangenen Wochenende ging es für mich nach Managua, ich bin mit Freunden in eine WG gezogen. Ich möchte hier am Militärkrankenhaus mein weiteres Praktikum absolvieren, um neben einem „kleinen Landkrankenhaus“ wie San Carlos eben noch das Gegenteil, ein urbanes, modernes Krankenhaus mit viel mehr Möglichkeiten kennen zu lernen.
Nachdem ich aber noch bis Ende Januar in Nicaragua bin, habe ich die Möglichkeit immer wieder in San Carlos am Centro de Salud vorbeizuschauen und nach dem Stand unseres Ofens zu sehen…
Heute war ich mit Fatima, der Administradora des Krankenhauses in San Carlos im Mercado Oriental in Managua. Es ist der größte Markt in ganz Zentralamerika! Wir waren auf der Suche nach weiteren Mülleimern, um die Mülltrennung im Krankenhaus noch besser zu strukturieren und zu organisieren (heißt: Auf den Gängen werden nur noch schwarze (Rest)Mülleimer platziert, weil dort Patienten und Gäste Zugang haben, die den Müll so oder so nicht ganz korrekt trennen.)
Wir waren also in den verschiedensten „Läden“ und haben auch einen gefunden, wo sie bezahlbare Eimer in korrekten Farben da hatten. Es ist zwar nicht das genau gleiche Exemplar, wie das Krankenhaus sie schon hat, aber das ist ja kein Problem. Doch natürlich war es nicht so einfach: Die Chefin wollte uns leider keine 15 Eimer in der selben Farbe verkaufen. Begründung: Sie bekommen immer zwanzig Eimer in einer Tüte geliefert und zwar in allen Farben gemixt. Wenn wir also 15 Eimer wollen, müssen sie vier Stapel Tüten aufreißen, damit wir eine Farbe bekommen. Und das geht nicht.
Haben wir zwar absolut nicht verstanden, weil sie machen ja ihr Geschäft mit uns, aber sie wollten einfach nicht. Maximale Zahl in einer Farbe: 8 Eimer. Naja, was solls, wir müssen also in zwei Wochen nochmal kommen und nochmal 8 Eimer in Schwarz kaufen…
Während wir so durch den Markt trödelten, bekam ich ganz nebenbei mit, dass die Camioneta des Krankenhauses neben unseren Mülleimern einfach so noch einen Leichnam nach San Carlos transportieren wird. Sie wurden um diesen Gefallen gebeten, weil die Familie des Toten mit niedrigem Einkommen sich eine anders organisierte Überführung nach San Carlos nicht leisten konnte. Für mich war das wirklich eine Überraschung! Schon so ein komisches Gefühl, wenn man weiß, dass hinten auf der Camioneta ein Toter im Sarg transportiert wird. Aber ich finde es sehr schön, dass das Krankenhaus diese Bitte übernommen hat, und den Sarg kostenlos nach San Carlos mitgenommen hat!

4 Tage Managua

Wie Johanna und Johannes vorher schon erwähnt hatten, bin ich Mittwoch los, um endlich den Spendenkoffer mit OP-Besteck aus dem Zoll in Managua zu holen.
Mein Fortbewegungsmittel: Ganz standesgemäß der Krankenwagen. Früh um fünf holte mich der Fahrer also ab (und ich konnte den Sonnenaufgang sehen, das war wirklich wunderschön, auf den Bildern kommt das nicht so gut rüber) und wir machten uns auf den Weg. Unterwegs hielten wir noch zwei Mal in anderen Städten des Departamento Río San Juan (bzw. genauer gesagt an der Kreuzung der „großen“ Straße nach Managua) und gabelten acht Patienten auf, die in Managua am Auge operiert werden sollen – das Hospital Dr. Luis Felipe Moncada übernimmt dabei „nur“ den Transport.
Lustigerweise fanden wir die Klinik in Managua nicht sofort. Weder der Fahrer des Krankenwagens noch die begleitende Krankenschwester wussten wo sich die Klinik genau befindet. Wir hatten nur die Adresse und letztendlich entdeckte ich die Klinik, die nicht besonders gut sichtbar war…

Danach ging das Trara los. Der eigentliche Plan: Zum MINSA (Gesundheitsministerium) fahren und die Einfuhrgenehmigung vom Koffer abholen und dann damit direkt im Anschluss zum Flughafen. Schön wär’s gewesen…
Wir fuhren also ins MINSA. Ich durfte gleich mal meinen Pass an der Rezeption abgeben und wir bekamen einen Besucherausweis. Die Anlage erinnerte mich sehr an die Universitätcampen in Managua, wo ich vorher schon mal gewesen war. Problemlos bekamen wir die Dokumente. Der Herr, der sie uns ausgab, war auch gleich so freundlich und erklärte mir ausführlichst, wie wir das nächste Mal vorgehen sollten. Es gab somit bereits die erste Planänderung: Vor dem Flughafen mussten wir noch beim zentralen Zoll in Managua einen Satz Genehmigungspapiere vorbei bringen, damit diese dort unterzeichnet würden. Gesagt, getan. Ich fragte beim zentralen Zoll nach, ob am Flughafen noch weitere Infos benötigt würden. Die Antwort, ein klares „Nein!“.
Als wir jedoch am Flughafen ankamen, fehlte „die Email“, die der zentrale Zoll dem Flughafenzoll als Bestätigung schicken müsste. Wir fuhren also wie die Depperten zurück zum zentralen Zoll (und die Distanz ist nicht gerade kurz) und fragten nach. Die Email sei raus. Also wieder zurück zum Flughafen. Zum Glück hatte ich aber die Idee, mich nochmal zu versichern und anzurufen: Die Email sei immer noch nicht da. Wir sind daraufhin Mittagessen gegangen. Kurz zusammengefasst, folgten ca. 40 weitere Anrufe an diesem Tag in Warteschleifen oder mit der Information, dass die Email zwar „raus“ sei, aber noch nicht „angekommen“. Das Ende vom Lied: als auch mal der Fahrer des Krankenwagens mit mir in den Flughafen ging und die nette Dame uns erklärte, dass der Chef des Zolls die Email schicken müsse und der wohl heute nicht da sei. Bei meinen Millionen Anrufen konnte sie MIR das nicht sagen, aber ich hatte ja auch kein T-Shirt an, auf dem das Krankenhauslogo zu sehen war.
Der reinste Reinfall also!

Javier, der Krankenwagenfahrer, setzte mich dann netterweise noch am Hospital Militar ab und düste los, um die Patienten von der Augen-OP abzuholen und heimzufahren. Ich musste also noch bleiben, um mein Vorstellungsgespräch für das Praktikum im Militärkrankenhaus Managuas nach Ende des Projekts in San Carlos klar zu machen. Das Krankenhaus war schon sehr beeindruckend! Ich habe mich im Anschluss gleich verirrt und den Ausgang nicht mehr gefunden 😀

Abends war ich bei einer Freundin, die ich von meinem weltwärts-Dienst in San Carlos nach dem Abi kannte. Sie konnte mir Unterschlupf gewähren 🙂 Mit Dr. Ruíz war abgesprochen, dass sie mir am nächsten Tag die Camioneta schicken; der Koffer wiegt 30 kg und ich wollte mit so einem Gewicht einfach nicht mit einem öffentlichen Bus fahren, weil ich die Tasche ja nicht einmal heben könnte. Als ich Donnertag früh dann nachfragte, ist leider keine Camioneta frei und ich darf bis Freitag warten, wenn das SILAIS (die departamentale Gesundheitsbehörde) ihre Camioneta sowieso schickt. (Camioneta = Pickup)

Ich nutze also den Donnerstag, um etwas mit Freunden zu unternehmen. So begleitete ich etwa Marlui, die kleine Schwester von Marvely und zweite Tochter von Luisa Amanda, in die Uni. Normalerweise wird am Eingang kontrolliert und Besucher müssen Perso gegen Besucherausweis tauschen. Ist aber nie passiert. Unterwegs fiel mir auf, wie unglaublich groß der Campus der UNAN ist. Die „Vorlesung“ selber war eher eine Unterrichtsstunde, wir saßen nämlich in einem Raum, der wie ein Klassenzimmer an den Schulen eingerichtet war und wir waren bloß 15 Personen. Vorlesungen, wie wir sie kennen, gibt es zwar auch, sind bei weitem aber nicht so verbreitet wie bei mir im Studiengang.

Am nächsten Tag, also Freitag, erwartete ich die Camioneta aus dem SILAIS. Der Plan war, zum Flughafen zu fahren und den Koffer zu holen (ich hatte mich im Voraus informiert, dass die Email, wirklich endlich da war) und außerdem in einem Computerladen vorbei zu gehen und einen Kostenvoranschlag für einen Laptop für die Techniker einzuholen. Als dann aber der Krankenwagen kam und ein Patient mit Luftröhrenschnitt von einem Spezialistentermin nach San Carlos zurücktransportiert werden sollte, war klar, dass ich sicher nicht zum Computerladen kommen würde. Ich fragte nach der Stabilität des Patienten – „eher so naja“ – aber wir hatten trotzdem genug Zeit, eine halbe Stunde Mittagessen zu gehen. Begleitet wurde der junge Mann, der mit einem Motorrad verunglückt war, nur von seiner Familie, es war weder ein Arzt noch eine Krankenschwester dabei.
Zum Glück ging es am Flughafen ganz schnell und der Krankenwagen konnte sich auf den Heimweg machen. Ich bin in Managua geblieben, weil ich mit Freunden übers Wochenende nach Granada fahren wollte und es sich einfach nicht gelohnt hätte, fünf Stunden nach San Carlos zu fahren, um Samstag wieder an Managua vorbei nach Granada zu fahren.
So ergab sich für mich die Möglichkeit, meine Freundin, bei der ich übernachtete, auf ihrer Baustelle zu besuchen – sie plant nämlich für das Luxushotel gegenüber vom Flughafen ein neues Restaurant. Es war mein erstes Mal in einem richtigen Bauwagenbüro 😀

Abends gingen wir mit dem gesamten Freundeskreis, den ich von früher kenne, feiern. Ziemlich peinlich, bzw. lustig war, als wir im Auto abgeholt wurden und zwei weitere Peronen im Auto saßen, die ich nicht kannte. „Ich heiße Alicia“ stellte sich die junge Frau lispelnd vor. Und ich denke mir, „Ohje, da hat sie wohl einen Sprachfehler… “ FAIL! 😀 Das war eine Spanierin… Ich hatte den Akzent nicht erkannt. 😀 Ich musste mich den ganzen Abend sehr konzentrieren, um die beiden Spanier zu verstehen… War aber auch mein erstes Zusammentreffen mit Spaniern!

Samstag habe ich nur noch lange ausgeschlafen und bin nach Granada gefahren.

PS: Fotos folgen noch