Krankenhaus San Carlos, Nicaragua

TeoG-Projekt zu Maintenance und Krankenhausmüll

Inhalt

Reise nach San José

Nach einem letzten gscheiten Frühstück mit Gallo Pinto mit Fresco de Pitaya (Drachenfrucht) machten wir uns auf in Richtung Migración am Malecón. Wir wollten mit dem Boot den Río Frío nach Costa Rica hinauf fahren. Bis kurz vor der Abfahrt stand nicht fest, ob das Boot fährt oder nicht. Es gibt eine Landroute, die schneller und konstengünstiger ist (aber bei weitem nicht so schön). Deshalb wird das Boot hauptsächlich von Touris (wie uns) genutzt. Wir hatten Glück und konnten, nachdem wir uns von Ruth verabschiedet hatten – sie kommt erst in einem Jahr wieder nach Deutschland, mit dem Boot aus Nicaragua ausreisen, welches uns ein letztes mal durch den Regenwald fahren sollte.

Wir genossen die Fahrt in vollen Zügen (oder Booten?). Zwischendurch mussten wir noch einmal eine Militärkontrolle passieren, bei der ein restlos unfreundlicher Soldat die Pässe kontrollierte und Fotos von Touristen-Kameras löschte, die verbotenerweise Fotos vom Militärstützpunkt gemacht hatten. Schließlich erreichten wir Costa Rica. Dort mussten wir erneut durch eine Gepäck-Kontrolle. Eigentlich erwarteten wir, wieder alle unsere Koffer aufmachen zu müssen. Allerdings hatten die Grenzbeamten Erbarmen mit uns, und wir waren die einzigen, die die Koffer nicht öffnen mussten…

Nach ein paar Stunden Reisezeit durch die verregneten Berge Cosa Ricas erreichten wir San José. Nach einer (mal warmen) Dusche, trafen wir uns mit unserem Freund Andrey. Mit ihm genossen wir noch ein paar Bierchen…

Letzter Arbeitstag

Unser letzter Tag im Krankenhaus in San Carlos wurde mit einer Abschlussbesprechung mit Frank und Dr. Ruíz, sowie einem letzten Verbrennungstraining gefüllt. Die Verbrennung lief besser als am Vortag, auch wenn der Abfall weiterhin ziemlich feucht war. Als wir am Ofen während der Verbrennung standen, gab es eine Explosion. Offenbar hat jemand ein geschlossenes Glasbehältnis in den Müll geschmissen, der verbrannt wurde. Wie ein Geschoss flog eine kleine Ampulle aus dem Schlitz für die Primärluft. Es gab eine zweite Explosion und erneut flog etwas aus dem Schlitz. Spätestens jetzt wurde ersichtlich, wie wichtig eine gute Mülltrennung ist – und vor allem, wie wichtig es ist, eine Schutzbrille zu tragen.

Nach getaner Arbeit, packten wir bei Luisa Amanda unsere Koffer. Wir hatten uns um 5 Uhr mit César und Juan José auf Gaseosas (Erfrischungsgetränke) verabredet. Als wir sie am Krankenhaus abholen wollten, saßen sie schon gestiefelt und gespornt an der Mauer im Krankenhaus. Sie bestanden darauf zum Malecón mit dem Lastwagen zu fahren, damit man nicht laufen müsste (die Distanz beträgt maximal 1 km). Als wir beim Malecón ankamen, meinten sie, sie würden noch eben den Lastwagen zurückbringen und mit Césars Motorad vorbeikommen (warum einfach, wenn es auch kompliziert geht). Wir warteten also auf die beiden bei Ruth und nutzten die Zeit, uns bei Frank und seiner Frau Jaqueline zu bedanken und uns zu verabschieden. Nach einer 3/4 Stunde waren César und Juan José immer noch nicht aufgetaucht und wir riefen bei ihnen an, wo sie denn blieben – Sie hätten noch Einkäufe für das Krankenhaus erledigen müssen. Das passiert nicht selten, dass sie spontan noch etwas erledigen müssen.

Schließlich kamen die beiden auf dem Moped angedüst und wir bestellten eine Runde Getränke. Wir setzten uns am Malecón auf die Balustrade und redeten über alles mögliche (von unserer Arbeit bis Familienplanung). Kurz darauf stieß José (der Schweißer dazu). Als Luisa Amanda mit Marvin und Denzel auftauchten, gingen Juan José und César schon nach Hause. Wir bestellten in einem Restaurant etwas zu essen, unterhielten uns und hörten den Rancheros zu, die auf einem absolut ungestimmten Schifferklavier mit Gitarren ihre Kneipenhits im Restaurant neben an zum Besten gaben.

Nachdem sich die Runde auflöste, brachte uns José nach Hause. Wir hatten einen emotionalen Abschied. Sollten wir nochmal einen Ofen bauen, ist er auf jeden Fall wieder angeheuert!

Vorletzter Arbeitstag

Wir drei hofften inständig darauf, dass wir heute eine passable Verbrennung zustande bekommen würden. Dabei sind wir auf eine gute Mülltrennung im Krankenhaus angewiesen.

Es war ein Fortschritt zu sehen und wir konnten zusammen mit Juan José und César einige Säcke zum Verbrennen zusammen suchen. Somit lief die Verbrennung deutlich besser als die letzten Tage, dennoch ist ein Großteil des Abfalls sehr feucht. Hohe Temperaturen sind so nur schwer zu erreichen und die Verbrennung dauert sehr lang.

Außerdem nutzten wir die Zeit um etwas über den Ofen zu lernen. Zusammen mit César untersuchten wir, was für ein Einfluss die Änderung der Luftzufuhr auf den Prozess hat (Danke an unser Backoffice in Deutschland!). So hatten wir einen relativ erfolgreichen Tag heute, sogar María Elena schaute bei uns am Ofen vorbei.

Abends wartete ein letztes Highlight auf uns. Luis, einer der Städtepartnerschaftsbeauftragten aus San Carlos, ging mit uns auf die Jagd nach Kaimanen (jetzt haben wir endlich unsere Krokodilleder-Handtasche ;-). Zunächst zeigte er uns einen Fisch, der sich im Lago de Nicaragua vermehrt, weil er keine Fressfeinde hat. Irgendwie wurde er (wahrscheinlich aus Brasilien) eingeschleppt. Fängt man einen, muss man ihn von Gesetzes wegen töten (was Luis auch tat). Mit dem Paddelboot glitten wir durch das Wasser. Im Wald hörte man die Brüllaffen, die Wolken türmten sich über dem See auf und am Ufer kletterten die Häuser von San Carlos den Hügel hinauf. Dicht über dem Wasser flogen viele Vögel auf der Such nach Mücken. Als es dunkel genug war, zückte Luis seine Taschenlampe und leuchtete das Ufer ab. Die Augen der Kaimane sind im Dunkeln leicht auszumachen, da sie das Licht gut reflektieren. Er manövrierte das Boot zu einem der Tiere. Seine Hand schnellte ins Wasser und warf ein kleines zappelndes Etwas ins Boot – ein kleiner Kaiman. Den drückte er uns auch sofort in die Hand. Packt man das Tier am Hals an den Kieferknochen, ist es bewegungsunfähig (die Tiere auf den Bildern leben also noch!!) Das war wirklich eine faszinierende Erfahrung!

Morgen geht es in unseren letzten Tag in San Carlos. Danach müssen wir uns auf den Rückweg nach Deutschland machen…

Maintenance

Am Freitag versuchten wir zu verbrennen, leider gab es aber wieder nicht genug trockenen Müll, um den Ofen auf die richtige Temperatur zu bekommen. Vormittags übten wir mit Juan José und Cesár, die übergangsweise als Verbrenner ausgesucht worden waren, das Anfeuern – darüber hinaus reichte die Hitze leider nicht. Eigentlich möchte das Krankenhaus extra jemanden als Verbrenner anstellen, weil wir klar und deutlich gesagt haben, dass die Arbeit mit dem Verbrennungsofen einiges an Zeit in Anspruch nimmt. Zeit, die Juan José und Cesár eigentlich nicht haben, weil sie im Krankenhaus mehr als genug mit Maintenance etc. zu tun haben.

Nachdem das Verbrennungstraining vormittags also gelaufen war und man auch nicht mit Dr. Ruíz sprechen konnte, weil er in Managua unterwegs war, beschlossen wir, uns das Wochenende frei zu nehmen. Johanna und Johannes hatten noch fast gar nichts von Nicaragua gesehen und eigentlich wollten sie endlich mal einen Vulkan sehen – Premiere. Deshalb fuhren sie um 4 Uhr mit dem Bus nach Granada. Auch lange Routen werden hier sehr häufig nicht mit Reisebussen, wie man sie aus Deutschland kennt, zurückgelegt, sondern mit diesen, meist gelben, alten Bussen. Die Sitzbänke sind niedrig und haben keine Kopfstütze. Außerdem hält der Bus alle paar Meter. Man kann sozusagen genau angeben, wo man herausgelassen werden will, notfalls hält der Bus also 10 m später nochmal. Außerdem wird der Bus als Gütertransport verwendet. Auf dem Dach fuhr jemand mit, der für das schnelle Verstauen der ihm angereichten Wahre zuständig war. Nach 6,5 h Fahrt durch den Regenwald mit diversen Zwischenstops (die sich mit fortschreitender Zeit jedoch deutlich reduzierten) erreichten wir Granada, das praktisch einmal um den Lago de Nicaragua liegt.

Ruth dagegen nutze die Zeit mit den beiden Technikern, um endlich eine weitere Maintenance Schulung durchzuführen. Vergangene Woche konnte sie schon mit den Beiden die Schulung zum Thema Elektrosicherheit durchführen, das hatte super geklappt. Aber wie wir ja bereits zu Beginn herausgefunden hatten, kennen sich die beiden, v.a. Juan José, der für eine Elektrikerschulung für ein Monat in Kuba war, mit der Elektrik sehr gut aus – viel Neues war für beide also nicht mehr dabei. Cesár bemerkte, dass er lediglich die Bezeichnungen bzw. Symbole der einzelnen Sicherheitsklassen nicht kannte – alles andere, wie z.B. die Regeln zu eigenen Sicherheit war den Beiden schon bekannt und wir hatten bei der Arbeit mit den Beiden auch den Eindruck, dass sie die Regeln auch aktiv anwendeten. Das Training war trotzdem sehr schön.
Am heutigen Freitag dagegen haben wir das Training mit dem Elektrokoffer durchgeführt. Im Koffer gibt es verschiedene Versuche, um die Wirkweise von Kondensator, Leichtsicherung, FI-Schalter, Zwischensicherung, Überlastung und Erdung zu veranschaulichen. Und es war wirklich spaßig! 🙂 Nur ein einziger Versuch hat nicht geklappt, das lag wohl an einer schlechten Lötstelle. Ansonsten hatten wir den Koffer also richtig auf die 110V Standardnetz umgestellt (wir mussten vorher extra einen Transformator umlöten…) und die Versuche funktionierten einwandfrei.

Cesár war ziemlich begeistert von unserem Bob, dem Playmobilmännchen, das die Person symbolisiert, die ein defektes Gerät anfasst. „Bob“ ist ja fast wie „Popo“ 😉 Also so wie er heißt. Er würde es gerne in „Popo“ umnennen. Was sagen so die anderen TeoG’ler? 😀

Ich glaube, dass die Versuche für beide sehr anschaulich und auch hilfreich waren. Vor allem der Unterschied zwischen einem FI-Schalter und einer „normalen“ Zwischensicherung ist richtig gut rausgekommen und ich denke, dass der Unterschied den beiden vorher noch nicht besonders klar war. Ansonsten ist es ja auch einfach schön, anschauliche Versuche durchzuführen, da sieht man einfach mehr! Und es macht Spaß, Glühbirne oder Leichtsicherung einfach mal so durchbrennen zu lassen 😀

Plan D

In diesem Projekt haben wir schon oft Pläne geändert und umgeschmissen. Wir befanden uns im Plan C, der vorsah, dass Mittwoch, Donnerstag und Freitag Verbrennungstrainings stattfinden würden. Aber auch ein Plan C kann umgeworfen werden. Morgens standen wir am Krankenhaus auf der Matte, Juan José geisterte irgendwo herum, der LKW des Krankenhauses stand vor der Tür. Prinzipiell sehr gute Voraussetzungen. Dann fuhren die Jungs erstmal mit dem Lastwagen zur Tankstelle, Benzin holen.  Dr. Ruíz kam, und teilte mit, dass die Camioneta (der Lastwagen) vom Rathaus noch gebraucht würde, danach wären wir aber dran. Wir gaben den Irrglauben auf, heute zwei Verbrennungen durchziehen zu können und fanden uns mit der Situation ab.

Zunächst wurde die Zeit genutzt, indem die Mülltrennung in den Stationen kontrolliert wurde. Außerdem wurde in der Müllhalde des Krankenhauses zwischen dem gefährlichen der spärliche Müll zusammen gesucht, der sich zum Verbrennen vielleicht eignen könnte. In einem Nachbarraum legten wir ihn bei Seite. Nach diesen Vorbereitungen setzten wir uns in die Werkstatt von César und Juan José. Hier herrschte etwas Chaos. Es war nicht allzuviel sortiert. Es gab 3 identische Werkzeugkästen, die alle jeweils halb voll (oder eher halb leer) waren. In den Vorbereitungen des Projektes hat Dr. Ruíz uns mitgeteilt, dass seine Techniker gerade mal mit ein paar Schraubenziehern ausgestattet wären.

Johannes begann schließlich, die Werkstatt aufzuräumen. Juan war in der Zwischenzeit untergetaucht (keine Ahnung wo) und César war dem Aufräumen gegenüber eher kritisch eingestellt. Wir machten ein paar Vorschläge, denen er prinzipiell nicht abgeneigt schien, auf der anderen Seite ist Ordnung machen doch zunächst eher mit Arbeit verbunden. Vor dem Mittagessen schauten wir nochmal nach dem Müll und gingen durch die Stationen, ob Müll-technisch wenigstens Nachmittags eine Verbrennung durchführbar wäre. Ha! Nein! Sogar der bei Seite gelegte Abfall ist von der Müllabfuhr abgeholt worden. Wir fragten César, wo Juan José abgeblieben wäre: Der holte seinen verlorenen Feiertag von gestern nach…

Nach dem Mittagessen zogen wir frustriert ab. Gibt es nach Plan A, B und C noch einen Plan D? Ja, Ruth bleibt noch länger in San Carlos. Juan José stellte sich bei der ersten und einzigen Verbrennung bisher ganz gut an. Wir haben Hoffnung, dass er die Verbrennung gut durchführt und Ruth kann notfalls nochmal ein Verbrennungstraining mit ihm durchführen. Hoffentlich gibt es morgen noch eine letzte Verbrennung.

Abends trafen wir am Malecón auf Peluti. Er erzählte uns viel von der Städtepartnerschaft und den Schwierigkeiten beim Durchführen von Projekten. Später verabschiedeten wir uns schonmal von Gerardo. Mal gucken, ob noch Zeit übrig ist noch etwas mit den Schweißern zu unternehmen.

 

Das Höllenfeuer brennt!

Mit Juan José hatte Dr. Ruíz tags zuvor ausgemacht, dass wir um 8 Uhr heute am Krankenhaus treffen, Müll aufladen und am Centro de Salud die erste Verbrennung durchführen. Wir waren um 8 Uhr (leider ohne die kränkelnde Ruth) am Krankenhaus, Juan José war es auch. Der Fahrer der Camioneta war leider nicht informiert und so übten wir uns erneut in Geduld. Dr. Ruíz kam irgendwann ins Krankenhaus und rief den Fahrer an, der für uns auch 20 Minuten später auf der Matte stand. Wir suchten uns die Müllsäcke aus, die für ein Verbrennungstraining am vielversprechendsten aussahen (sprich, Plastikmüll mit möglichst wenig Essensresten und ohne infektiösen Abfall).

Am Centro de Salud starteten wir bald unsere erste Verbrennung. Uns ging jedoch einmal ziemlich rasch das Feuer aus. Der Ofen war noch nicht durchgeheizt und ein Sack mit ziemlich viel Wassermelonenresten und Bananenschalen löschte uns, im wahrsten Sinne des Wortes, das Feuer. So konnte man gut sehen, wie wichtig eine gute Mülltrennung für eine erfolgreiche Verbrennung ist. Juan José soll dem Personal auf die Finger hauen, wenn er aufgrund schlechter Sortierung nicht gut verbrennen kann.

Nachmittags hatten wir frei. Wir schauten bei Frank und der kranken Ruth vorbei. Glücklicherweise hat sie „nur“ eine Erkältung. Hoffentlich ist sie bald wieder on board.

Nach dem Feiertag ist vor dem Feiertag

So, heute geht es los! – dachten wir zumindest. Als wir morgens früh (wieder zusammen mit Ruth) im Krankenhaus aufschlugen, mussten wir feststellen, dass der Müll noch nicht zufriedenstellend zum Verbrennen getrennt war. Ein Gespräch beim Chef (Dr. Ruíz) offenbarte, dass auch immer noch kein Verbrenner feststand. Er vertröstete uns auf 2 Uhr nachmittags, bis dahin wollte man sich auf eine Person einigen. Wir überprüften also nochmal die Mülltrennung und wie fest die Schilder klebten, die wir tags zuvor angebracht hatten.

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Johannes, Ruth und María Elena und ein Mitarbeiter schauen sich die Mülleimer an

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An vielen Stellen im Krankenhaus hängen handschriftlich erstellte Plakate, die beispielsweise (in diesem Fall) über das hier verbreitete Dengue-Fieber und Chikunguña-Virus aufklären.

Um 2 Uhr schlugen wir wiederum bei Dr. Ruíz auf. Die Diskussion, wer die Verbrennung vom Krankenhaus aus durchführen sollte, hatte gerade begonnen. Ruth packte in der Zwischenzeit ihren Koffer aus, den sie erst die Woche zuvor aus den Händen des Zolls in Managua befreit hatte. Das von der Stadt Erlangen gestiftete Chirurgenbesteck wurde ausgepackt und durchgezählt, ob etwas fehlte.

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In unendlich vielen Schals wurde das von der Stadt Erlangen gesendete Chirurgenbesteck von Ruth transportiert. Ausgepackt sieht das ganze so aus…

Ruth und Dr. Arias machen Bestandsaufnahme

Schließlich wurde uns ein Verbrenner mitgeteilt – Juan José, einer der beiden Techniker. Leider war der heute nicht da, weil er am Feiertag mit César den Autoklaven reparieren musste und deshalb heute frei bekommen hatte. Kein Müll – kein anwesender Verbrenner – keine Verbrennung. Immerhin haben wir vorerst den Namen des zukünftigen Verbrenners.

Ach ja: Das Rathaus hat beschlossen, dass morgen auch Feiertag ist – das haben Dr. Ruíz und sämtliche andere Einrichtungen aber auch erst heute erfahren. Mal sehen, ob morgen eine Verbrennung läuft…

Festlichkeiten zum Tag von San Carlos für morgen. In der Kirche ist nicht viel los, dafür tummelt sich davor eine Brass-Band und es wird ein Feuerwerkskörper nach dem anderen gezündet.

Ufff… schon wieder Feiertag

Die Woche begann wieder einmal mit einem Feiertag: Allerseelen. Der Día de los Muertos wird allerdings in Nicaragua nicht so groß gefeiert wie zum Beispiel in México. Dennoch: im Krankenhaus war absolut tote Hose. Laut unserem internen Zeitplan hätten wir heute gerne das erste mal unseren Ofen angeworfen, daran war aber nicht zu denken, allein schon deshalb, weil die Mülltrennung im Krankenhaus immer noch nicht zufriedenstellend organisiert ist.

Den Vormittag verbrachten wir deshalb in der Stadt mit Einkäufen. Beim Mittagessen trafen wir auf Peluti. Dieser beschwerte sich, dass sich all seine Freunde am Wochenende immer betrinken und dann bis 5 Uhr nachmittags nicht aus dem Bett kommen. Eigentlich hätte er gerne mit ihnen etwas unternehmen wollen. Also unterhielt er sich mit uns und erzählte unter anderem, warum er Peluti genannt wird: Früher trug er immer Klamotten der Marke Peluti, die ihm seine Tante aus Spanien mitgebracht hatte. Irgendwann nannten ihn alle so. Eigentlich ist er nach einem Kriegsfriedhof in den USA benannt. Der Name gefällt ihm aber nicht, er hört lieber auf Peluti.

Um 3 Uhr hatten wir uns mit María Elena verabredet. Sie hatte ein Meeting mit dem Chef vom Reinigungsteam, in dem sie im erklären wollte, wie wichtig die Mülltrennung sei und wie er sein Personal einzuweisen habe. Er erschien leider nicht. Stattdessen ging sie (la jefa) mit uns durch die verschiedenen Stationen und wir beklebten die Mülleimer gemeinsam. Wir haben Klassifizierungsschilder entworfen, auf denen die wichtigsten Beispiele genannt sind, was in den Mülleimer gehört und was nicht. Morgen früh sehen wir dann weiter…

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

Johannes erklärt, worauf bei der Mülltrennung Wert gelegt werden muss

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La Jefa (María Elena) überprüft, ob ihre Mitarbeiter die Änderungen im Müllkonzept bereits verinnerlicht haben

Sonntag gibt´s Fussball… äääh… Softball

Am Centro de Salud wird heute nicht gearbeitet, im Krankenhaus auch nicht. Für unsere letzte Woche steht noch das Verbrennungstraining für das Ofenprojekt an und für den Maintenance-Teil ist sowieso die Krankenhauscrew gefragt. Also haben wir heute auch frei!!! César spielt in einem der Softballteams von San Carlos (und übrigens auch in der Nationalmannschaft Nicaraguas) und er hat uns gesteckt, dass neben dem Flugplatz von San Carlos (ja, für dieses Städtchen gibt es einen Flugplatz von dem aus Donnerstags und Sonntags Flüge nach Managua starten) Softball gespielt wird. Softball ist Baseball sehr ähnlich, und hier fast populärer als Fußball.

Deshalb machten wir uns mit Denzel im Gepäck auf die Suche nach dem Sportplatz. Es gab zwei Plätze nebeneinander. Als wir ankamen, sahen wir uns nach César um, konnten ihn aber nicht entdecken. Mit Denzel setzten wir uns unter die Zuschauer holten uns ’ne Cola und genossen das Spiel, bzw. kämpften mit Denzel. Irgendwann kam ein Typ, der Denzel zu kennen schien. Er setzte sich zu uns und stellte sich als Cousin von Chepe vor (der Freund von Marvely). Er spiele gleich mit seiner Mannschaft. Johannes fragte ihn, ob er César kenne – Nö, kenne er nicht! Jo erzählte, woher wir ihn kennen. Irgendwann fiel beim Cousin der Groschen: „Ach ihr meint Popo! Na klar, der spielt bei uns mit! Ich kenne seinen richtigen Namen nicht, niemand hier nennt ihn so…“ Er rief César an, und sagte ihm, er solle doch mal kommen. Kurz darauf kam er. Wir unterhielten uns über das laufende Spiel und über Softball. Mit der Nationalmannschaft fliegt César bald nach Guatemala (aber er hat Flugangst).

Insgesamt spielten über den Mittag verteilt (in der Mittagshitze) 6 Mannschaften gegeneinander. Viele tragen, um keinen Sonnenbrand zu bekommen, einen komplett bedeckten Körper – Wäre viel zu heiß für uns! Mit Denzel machten wir uns schließlich auf den Heimweg. Offenbar sahen wir aus wie eine kleine Familie, denn wir wurden gefragt, ob Denzel unser Sohn sei.

Abends gingen wir mit José, einem der Schweißer, Billard spielen. Wir erfuhren einiges über sein Leben. Ein faszinierender Mann! Vor 5 Jahren hatte er einen Unfall beim Verlegen von Wasserrohren, bei dem er unter Trümmern begraben wurde und schwer verletzt wurde. In der ersten Zeit nach dem Unfall hatte er fast gar kein Gefühl mehr in den Beinen und konnte nicht eigenständig gehen. Erst nach zwei Jahren Therapie bekam er langsam wieder die Kontrolle über seine Beine zurück. Und noch jetzt fehlt ihm die Kraft im linken Bein. Er kann jedoch sehr gut mit Krücken gehen. Seit ein paar Monaten arbeitet er auch wieder und seine Behinderung scheint ihn dabei überhaupt nicht zu stören (siehe gestriger Eintrag – Zu sehen ist er in 6 m Höhe beim Anschweißen der Stufen des Kamins). Überhaupt ist seine Art von unerschütterlichem Optimismus geprägt. Er hat ein ständiges Lächeln im Gesicht und ist trotz so mancher Sprachbarriere stets für einen Spaß zu haben. Er war auch äußerst geduldig, als er Johanna und Johannes bei ihren ersten Schweißnähten zur Seite stand. Billard gibt ihm die Kraft für den Alltag. In San Carlos gibt es nicht viele, die es noch mit ihm aufnehmen können. Innerhalb eines Zuges lochte er alle Kugeln ein – bis auf eine (Wir schafften gerade mal ein paar Züge aus unserer Cola). Die letzte Kugel stupste er so lange herum, bis wir unser Feld halbwegs aufgeräumt hatten. Dann stieß er die schwarze spektakulär über 3 Banden in das vorhergesagte Loch. Nach dem Spiel begleitete er uns noch ein Stück nach Hause.

Raising Chimney

Endlich ist es so weit: Es kommt der krönende Abschluss auf den Deckel des Ofens – der Kamin. Mit den Handwerkern waren wir um 7 Uhr verabredet, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Casimiro setzte die letzten 5 Steine für die Ofenmauer und es wurde eine Konstruktion überlegt, wie der Kamin den zu erheben sei, ohne dass das Rohr wieder herunter fällt. Eigentlich hatten sich Juan José, César und Dr. Ruíz für 8 Uhr mit einer Leiter angesagt. Allerdings wurde es etwas später. Die Schweißer sind jedoch nicht träge: zügig kletterte Abel ohne Leiter aufs Dach und deckte es ab. Dicht gefolgt von José, der sich ohne Krücken aufs Dach schwang. Man beschloss, den Kamin ohne die zusätzliche Hilfe aufzustellen. Mit José auf dem Dach und dem Rest als Bodentruppe stand das Rohr relativ schnell senkrecht. Gerardo und José schweißten alles gewissenhaft fest, es wurde sogar noch ein zusätzlicher Träger eingezogen.

Dann wurden alle Handwerker nacheinander bezahlt. Für Handwerker bekommt man keine Rechnung sondern einen Zahlungsbeleg, der mit dem Personalausweis als gültiger Zahlungsnachweis gilt. Für die beiden Maurer stellte sich heraus, dass sie Analphabeten sind. Etwa 20 % der Bevölkerung können nicht lesen und schreiben. Uns hat es überrascht, da man den Handwerkern das in der Zusammenarbeit nicht angemerkt hat.

Johannes machte den zu guter letzt Wackeltest, ob die Stufen am Kamin gut halten würden und setzte das Häubchen auf. Dann konnten die Sachen zusammengepackt werden.  Abends traf man sich noch zu einem Bier bzw. einer Cola. Auch abends waren die Handwerker nicht besonders trinkfreudig.