Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Roboautoren: Wer schreibt in Zukunft unsere Bücher?

Viele von uns, wenn sie morgens aufstehen, werden erst einmal neben Kaffee und Toast die aktuellen Nachrichten lesen. Dabei schlagen die meisten von uns nicht mehr die Zeitung auf, sondern surfen in sozialen Netzwerken und auf Online-Publikationen umher. Was passiert in der Politik, welcher Star hat sich heute daneben benommen und hat meine Sportmannschaft gewonnen, sind dabei nur einige der vielen Themen, die unser müdes Auge überfliegt. Einem aufmerksam Lesenden kann es jedoch passieren, dass man überrascht feststellt, dass der Artikel, den man gerade liest, nicht von einer realen Person, sondern einem Roboter verfasst wurde. Meistens macht sich das dadurch deutlich, dass es als kleine Randnotiz am Ende eines Beitrags steht oder der eigentliche Autorenname fehlt oder durch ein zusätzliches Kürzel erweitert wurde. Aber Roboter, die Artikel schreiben, wie ist das denn möglich?

Algorithmen sind die großen Helfer

Jeder kennt den Begriff Algorithmus und wird eine ungefähre Ahnung haben, was er bedeutet. Dabei mag den meisten Menschen überhaupt nicht bewusst sein, inwieweit Algorithmen unser alltägliches Leben beeinflussen. Doch was sind Algorithmen überhaupt? Allgemein kann man davon sprechen, dass Algorithmen Problemlöser sind. Man kann sich das in etwa wie ein Kochrezept für Computer vorstellen. Durch bestimmte Eingabedaten in einer logischen Reihenfolge können richtige Ausgangsdaten herausgegeben werden.

Und obwohl Algorithmen in der Informatik und Mathematik eine große Rolle spielen, sind sie, wie bereits erwähnt, ebenfalls ein fester Bestandteil unseres Alltags. Hierbei sind die Einsatzgebiete von Algorithmen vielfältig. Funktionieren doch unsere meisten technischen Hilfsmittel damit, so zum Beispiel in unseren Navigationshilfen, wo sie uns den kürzesten Weg vorschlagen können. Oder in unseren Schreibprogrammen, wo sie unseren Satzbau überprüfen. Ebenso ist es ihnen möglich, uns auch in unserem persönlichen Leben behilflich zu sein, wenn sie uns unsere perfekten Online-Partner vorschlagen können.[1] Und dabei schaffen sie all das mit hochkomplizierten „Handlungsvorschriften“, indem sie dem Computer angeben, was er zu rechnen hat. Ebenso können sie hierbei bestimmte Daten oder unsere Verhaltensmuster erfassen, worauf sie diese in Prognosen umwandeln können und uns so zum Beispiel anhand unserer letzten Einkäufe auf amazon.de ähnliche Artikel anbieten. Es ist sogar möglich, dass Algorithmen lernen und sich weiterentwickeln.[2]

Aber was hat das jetzt mit dem Schreiben von Artikeln zu tun?

Wie bereits im Absatz zuvor gesagt, greifen Algorithmen auf bestimmte Verhaltensmuster zurück, die ebenso beim Schreiben von Texten auftreten. Hierbei wird auch weitläufig von Robotor-Journalismus gesprochen. So greift eine Maschine auf Textbausteine, Daten und Verknüpfungen zurück und generiert daraus einen Fließtext. Jetzt muss die Maschine eine Eingabe erhalten, worüber sie einen Text verfassen soll. Dies kann zum Beispiel ein Fußballspiel sein. Sie erhält die Informationen, wie der Ausgang zwischen dem Zusammentreffen dieser Mannschaften war und greift auf ihr Repertoire an möglichen Textbausteinen zurück, die dafür passend wären. Hierbei ist es der Maschine aber möglich, diese Formulierungen viel abwechslungsreicher zu gestalten, als es möglicherweise ein gestresster Journalist könnte.[3] Diese Texte sind sogar so gut, dass man kaum unterscheiden kann, ob sie per Hand oder Maschine geschrieben wurden, wie ein Test der New York Times zeigt.[4]

Schön und gut, aber Bücher sind eine etwas andere Größenordnung als Artikel, nicht?

In der Tat, dennoch ist die Möglichkeit irgendwann Bücher per Roboter zu schreiben nicht völlig ausgeschlossen. Betrachten wir ein kleineres Beispiel, in dem ein Drehbuch von einem Roboter namens Benjamin geschrieben wurde. Das Drehbuch wurde für den Kurzfilm „Sunspring“ geschrieben, der zwar eine verwirrenden Struktur und keinen Plot aufweist, aber trotzdem unter die besten Zehn beim „48 Hour Film Challenge“ in London kam.[5] Dabei war es vielen Leuten beim ersten Schauen nicht bewusst, dass das Dehbuch von einem Roboter geschrieben wurde. Es ist somit kein Erfolg, da die Schauspieler und Schreiber selbst noch eine logische und nachvollziehbare Struktur hinzufügen mussten, aber auch keine wirkliche Niederlage, denn immerhin entstand ein brauchbares Drehbuch, und damit der erste Schritt in eine viel größere Richtung.

Auch Bücher könnte man nach bestimmten Textbausteinen und Variablen aufbrechen, die von Algorithmen erfasst und in Fließtexte gegliedert werden könnten. Als Beispiel springt einen sofort der „Groschenroman“ an, welcher oft nach demselben Schema abläuft. Man hat eine vollbusige Protagonistin, den strahlenden Held und dabei verändert sich meistens nur das Jahrhundert oder der Ort, wo die Handlung stattfindet. Zudem würde es sicherlich den ein oder anderen Verleger geben, der gerne Bücher „on demand“ herstellen möchte, ohne auf einen vielleicht guten, aber langsamen Autor zu warten. Inwieweit das jedoch die „Seele“ des Buches beeinflusst, bleibt ebenso fragwürdig. Denn wenn eine Maschine den Schreibstil eine Autors kopieren kann, entsteht die Frage, ob man zwischen ihr und dem eigentlich Autor noch unterscheiden kann und ob Autorennamen überhaupt noch eine Rolle spielen werden. Immerhin kaufen viele Menschen Bücher nur, weil der Name ihres Autors vorne drauf steht oder weil ihnen der Schreibstil gefällt oder sie wissen, dass der Autor es schafft, eine Geschichte zu spinnen, die sich vom Rest abgrenzt und somit das „Besondere“ hervorbringt. Generell stellt sich die Frage, was mit der Originalität und Kreativität passieren würde, wenn Roboter nur nach gleichen Schemas vorgehen. Das Rad wird hierbei sicherlich nicht neu erfunden, oder? Es könnte auch sein, weil eben ein Roboter nicht wie ein Autor plötzlich an eine geistige Grenzen stößt, dass er neue Zusammenhänge herstellen kann. Weiterhin eröffnet sich die Diskussion, ob das Buch, wenn es von Robotern geschrieben wird und dabei den Stil eines Autors kopiert, zu Plagiatsvorwürfen führen könnte oder ob es in dieser Form überhaupt noch eine Kunstform ist.

Die Fragen sind somit vielzählig, die mit der Vorstellung kommen, dass ein Roboter ein Buch schreiben könnte, aber die Möglichkeit, dass genau dies in der Zukunft passieren wird, ist groß. Wer weiß also schon, ob das nächste Buch, das wir aufschlagen werden, nicht von einem Roboter geschrieben wurde?

 

Über die Autorin:

Mein Name ist Anna-Sophie Bersenkowitsch und ich studiere an der Erlanger FAU Theater- und Medienwissenschaften und Buchwissenschaften. Auf den Beitrag bin ich durch einen Kurs an meiner Uni gekommen, der sich mit Zukunftsforschung beschäftigt hat. Dazu wurde uns ein Beitrag über Roboterjournalismus gezeigt, der meine Interesse geweckt hat. Woraufhin ich den Gedanken weitergesponnen habe, ob sowas auch mit Büchern möglich wäre.

 

Quellen:

Czernik, Agnieszka:   Was ist ein Algorithmus – Definition und Beispiele. https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/ [23.07.17].

Heller,            Piotr:           Künstliche          Intelligenz.            Die           Drehbuchmaschine.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kuenstliche-intelligenz-wie-computer-drehbuecherschreiben-a-1097027.html [16.07.17].

Jüngling,           Thomas:          Die          wunderbare          Welt          der          Algorithmen.

https://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13663091/Die-wunderbare-Welt-derAlgorithmen.html [16.07.17].

The New York Times: Did a Human or Computer Write This?.

https://www.nytimes.com/interactive/2015/03/08/opinion/sunday/algorithm-humanquiz.html?_r=0 [16.07.17].

Tusch, Robert: Medienforscher über Roboter-Journalismus: „In der Massenproduktion schneiden Maschinen besser ab als Menschen. http://meedia.de/2017/03/20/medienforscherueber-roboter-journalismus-in-der-massenproduktion-schneiden-maschinen-besser-ab-alsmenschen/ [16.07.17].

[1] https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/

[2] https://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article13663091/Die-wunderbare-Welt-der-Algorithmen.html

[3] http://meedia.de/2017/03/20/medienforscher-ueber-roboter-journalismus-in-der-massenproduktionschneiden-maschinen-besser-ab-als-menschen/

[4] https://www.nytimes.com/interactive/2015/03/08/opinion/sunday/algorithm-human-quiz.html?_r=0

[5] http://www.spiegel.de/netzwelt/web/kuenstliche-intelligenz-wie-computer-drehbuecher-schreiben-a1097027.html

Ein Kommentar zu “Roboautoren: Wer schreibt in Zukunft unsere Bücher?

  1. Hannes Krüger sagt:

    Einen spektakulären Versuch ein Buch zu schreiben gab es auf jeden Fall schon. Einige Leute konnten es nicht erwarten und haben per Algorithmus versucht das Ende von Game of Thrones zu bestimmen. Es soll in Teilen sogar sehr nah am Autor Georg R.R. Martin gewesen sein allerdings musste man feststellen, dass der Algorithmus doch fehlerhaft ist, so lebten einige Figuren noch die aber eindeutig schon in den vorherigen Büchern verstorben waren. So müssen wir leider doch alle warten bis der menschliche Autor die Serie fetigstellt.

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