Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

Inhalt

Ist Science Fiction in Wahrheit eine Prophezeiung?

Im Roman „Die Maschine steht still“ von E. M. Forster (1909) leben die Menschen unter der Erde und pflegen zwischenmenschliche Beziehungen nur noch über die Maschine. Sie haben hoch technisierte Zimmer, können sich alles per Knopfdruck aufs Zimmer bestellen, haben ein Flugtransportsystem, telefonieren via Videotechnologie und ihr Arzt ist ebenfalls eine Maschine. Auch die Schulbildung läuft über den Bildschirm ab. Davon kommt uns doch einiges sehr bekannt vor, oder?

Auch wir unterhalten uns mittlerweile sehr viel über WhatsApp, FaceTime, Facebook, Instagram und Co. Natürlich haben wir auch schon seit längerem mehrere Flugtransportsysteme und mittlerweile sind Webinare gang und gäbe. Ohne Internet kommt man auch im Universitätsumfeld nicht weiter, da man zwingend einen Computer braucht, um an die aktuellsten Informationen zu gelangen. Allerdings ist es im Bereich der Bildung immer noch der Standard, dass es Kurse vor Ort gibt und man sich persönlich trifft, wobei Fernstudiengänge und Onlinekurse immer mehr an Zuspruch gewinnen.

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Auch SmartHome-Technologien sind mittlerweile im Vormarsch. Das heißt z. B. die Vernetzung von Fenstern, Türen, elektrischen Geräten, Heizungen – und die Steuerung derer Funktionen über eine App. Ja, auch das haben wir mit der „Maschine“ gemeinsam. Sogar die Lieferung von allen möglichen Waren per Knopfdruck dürfen wir dank Amazons „Dash Buttons“ in unserem Alltag begrüßen. Und es wird noch spannender: Erste Apps sollen einen Arzt ersetzen, und medizinische Roboter gibt es auch. Eine mildere Form des Ganzen sind Online-Ärzte, mit denen man per Chat oder Videotelefonie kommunizieren kann und die auch Rezepte ausstellen können. Im Buch werden Bücher als „Überbleibsel aus dem Zeitalter der Unordnung“ (Forster 1909, S.5) beschrieben. Wir lesen noch „echte“ Bücher, aber heißt es nicht auch, dass eBooks in Zukunft immer mehr die Printmedien verdrängen würden? In der Buchbranche ist dies ein stets heiß diskutiertes Thema (Vgl. Fuest 2011).

Forster hat die Geschichte erstmals 1909 veröffentlicht. Das war vor über hundert Jahren. Für ihn war das alles Science Fiction, aber für uns … für uns ist das zum Teil die Realität. Das betrifft natürlich nicht alle Elemente des Buches. Schließlich leben wir noch über der Erde, führen noch Offline-Konversationen und gehen in der Regel noch aus dem Haus. Dennoch gibt es – wie oben skizziert – auffällig viele Parallelen zwischen seiner Zukunftsfantasie und unserer Realität. Ist Science Fiction in Wahrheit also eine Prophezeiung? Schließlich ist Forster nicht der Einzige in der Film- und Bücherwelt, dessen Vorstellungen sich zum Teil erfüllt haben. Nehmen wir zum Beispiel das autonome Fahren: Im Film „Total Recall“ (1990) sitzt Arnold Schwarzenegger in einem Auto, welches ganz automatisch und selbstständig fährt. Damals war das noch eine unvorstellbare Fiktion – heute nahezu Realität, wenn man sich beispielsweise Autohersteller wie Tesla ansieht.

Weiterhin schreibt die Autorin Katherine Applegate in ihrem Buch „Eve & Adam“ über eine Welt, in der der Nachwuchs genetisch bis ins kleinste Detail perfektioniert wird. Wir können zwar praktisch noch nicht alle möglichen Äußerlichkeiten und Gene beim Menschen verändern, aber liegt das möglicherweise nur an ethischen Gründen, durch die die Forschung eingeschränkt ist? Präimplantationsdiagnostik kann aber angewendet werden, um Krankheiten bzw. Behinderungen zu vermeiden. Dies könnte weiter in die Richtung genetischer Modifikation nach Wunsch gehen, wenn ethische Grundsätze verändert werden würden. Noch ein spannendes Beispiel aus der Science Fiction: In den Luna-Chroniken von Marissa Meyer schreibt die Autorin über Cyborgs als verbesserte Menschen und wie diese Cyborg-Menschen aber nur noch als reine Arbeitskräfte dienen. Man könnte sagen, dass wir auch ein paar Cyborgs unter uns haben. In der Medizintechnik gibt es stets viele neue Entwicklungen, sodass ein Soldat, der seinen Arm im Krieg verloren hat, mithilfe einer hoch technisierten Arm-Prothese wieder fast ganz normal weiterleben kann.

Aber all diese Neuerungen bringen auch Gefahren mit sich. So kann ein guter Hacker, wenn er denn will, den Zugriff auf unser Zuhause bekommen. Wer den Film „Hacked – Kein Leben ist sicher“ gesehen hat, der weiß, worauf ich anspiele. Denn dort wird einem Unternehmer das Leben durch einen Hacker zur Hölle gemacht, indem er sich grobe Scherze mit den im Haus des Unternehmers befindlichen SmartHome Technologien erlaubt.

Als großer Fan von Dystopien und SciFi sind mir schon viele solcher Geschichten begegnet, bei denen ich mir dachte, dass dies doch gar nicht so weit weg von unserem Alltag und unserer Realität entfernt ist. Oft sind die Dinge in den Romanen zwar überspitzt dargestellt, aber ein Fünkchen Wahrheit steckt dann doch meistens darin. Wie sieht es bei euch aus? Welche Dinge haben hast du schon in unserem Alltag entdeckt, die du in SciFi-Romanen gelesen hast? Fallen dir Szenarien ein, die duvielleicht in einem Film gesehen hast, und die bei uns in naher Zukunft zur Realität werden könnten? Und warum denkst du, dass die Autoren oft so richtigliegen?

 

Über die Autorin

Mein Name ist Julie Christin Teßmann und ich studiere Buchwissenschaft und Philosophie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Die neuesten Forschungen und v.a. technischen Innovationen mit dem Blick auf die darauffolgenden zukünftigen Entwicklungen der Welt haben mich schon immer sehr interessiert, weshalb meine Lieblingsgenres im Bereich Belletristik die Science Fiction und vor allem Dystopien sind – daher meine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema.

 

Quellen

Applegate, Katherine; Grant, Michael: Eve & Adam. Ravensburg: Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH 2014.
Forster, E.M.: Die Maschine steht still. Hamburg: Hoffmann und Campe 2016.

Fuest, Benedikt: Das E-Book verdrängt das gedruckte Werk. In: Welt Online. 2011. URL = https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article13539833/Das-E-Book-verdraengt-das-gedruckte-Werk.html (zuletzt aufgerufen am 23.03.2018).

Meyer, Marissa: Wie Monde so silbern. Die Luna-Chroniken. Band 1. Hamburg: Carlsen 2014

Verhoeven, Paul: Total Recall. US 1990.

Moore, John: Hacked – Kein Leben ist sicher. Bulgarien 2016.

2 Kommentare zu “Ist Science Fiction in Wahrheit eine Prophezeiung?

  1. Anna Dittrich sagt:

    Liebe Julie,

    du wirfst eine Menge Fragen am Ende deines Beitrags auf. Ich werde versuchen, sie der Reihe nach zu beantworten.
    Ich muss gestehen, SciFi Romane lese ich eher in der Art von „Die Erde ist zerstört, wir müssen ums Überleben kämpfen“- innovative Technologie ist da nicht unbedingt ein zentraler Aspekt. Aber grade in den Zerstärungsszenarien sehe ich die Paralellen. Denn oft bauen sie darauf auf, dass die Menschheit sich immer weiter entwickelt hat und letzendlich dadurch die Welt zerstört. Zur Technologie an sich fällt mir spontan „Zurück in die Zukunft 2“ ein. Da existieren Hoverboards, die in der Luft schweben und wie en Skateboard als Transportmittel benutzt werden. Tatsächlich gibt es meines Wissens nach Schwebebahnen, die nach einem ähnlichen Prinzip funktionieren.
    Warum die Autoren häufig richtig liegen? Vielleicht, weil wir dadurch, dass viel in naturwissenschaftliche und technische Forschung investiert wird, viele Erkenntnisse gewinnen und uns dadurch kontinuierlich weiterentwickeln und das in einem rasenden Tempo.
    Letzendlich werden wir wohl abwarten müssen, was noch kommt- und hoffen, das es für uns Menschen gut ausgeht!

  2. Lara Kassing sagt:

    Liebe Julie,

    deinen Beitrag finde ich wirklich interessant! Vollen die vielen Perspektiven die schon aufzeigt haben mich erst einmal erschreckt. So viel, dass sich tatsächlich schon von Dystopien und Sciences Fiction in der wirklichen Welt finden lässt. Ich finde eine der Serien, welche auch dieses Thema aufgreift ist „Black Mirror“. Da Gefühle wie Angst, Trauer und Hass Menschen meist wirklich an die Grenzen ihres Können treibt, sehe ich in der Serie auch schon viele Möglichkeiten, welche sich in naher Zukunft realisieren könnten. Beispielsweise ein System, mit welchen Daten von Verstorben aus dem internet gesammelt werden und Trauernde so sich mit einem Spiegelbild dieser Person unterhalten können.

    Ich vermute auch, dass diese Gefühle oft genau der Grund ist, warum Autoren so richtig mit ihren Perspektiven liegen. Denn aus einem gesellschaftlichen Blick betrachtet, werden viele (wie auch Forster Buch) aus Angst oder Unzufriedenheit verfasst, betrachten aber auch Fortschritte, welche sich genau dazu entwickeln könnten.

    Ich hoffe dennoch, dass zukünftige technologische Entwicklungen nicht die „Naivität“ der Menschen ausnützt und uns nicht in Szenerien, wie bei Forster wiederfinden werden.

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