Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Was bewirkt eine vegane Ernährung für meine Gesundheit und die Umwelt?

Januar 2021: Zum Jahresanfang taucht vermehrt ein Begriff mit Bezug auf unsere Ernährung auf: Veganuary. Eine Challenge, die sich schnell über die sozialen Medien und darüber hinaus verbreitet: Einen Monat auf den Konsum von Fleisch verzichten. Ich habe mir den steigenden Trend der veganen Ernährung zum Anlass genommen, die Gründe für so eine Veränderung zu untersuchen. Denn sich vegan zu ernähren, ist komplizierter, als es zunächst den Anschein hat. Es geht bei dieser Ernährungsweise nicht nur um den Verzicht auf Fleisch, sondern auf alle tierischen Produkte. Dazu zählen natürlich Milch, Käse, Eier oder Honig. Sobald man sich jedoch mit dem Thema beschäftigt, merkt man schnell, dass noch viel mehr dahintersteckt. Wusstest du zum Beispiel, dass Wein nicht vegan ist? Grund dafür ist die sogenannte Schönung des Weines: Um Schlieren zu verhindern und den Wein hinsichtlich Lagerfähigkeit und Geschmack zu verbessern, werden mithilfe von tierischen Eiweißen und anderen Produkten tierischen Ursprungs die Schwebeteilchen aus dem Wein gefiltert, die bei der Herstellung entstehen. Nur wenn die Winzer∙innen stattdessen Mineral- und Feststoffe zur Filterung verwenden, ist der Wein vegan.[1]

Eine bewusste vegane Ernährung erfordert also mehr als nur den Verzicht auf die offensichtlichen tierischen Produkte. So ein Lernprozess kann durchaus zeitaufwändig sein. Trotzdem gibt es immer mehr Menschen, die diese Mehrarbeit auf sich nehmen, um ihre Ernährung bewusst auf tierfreie Produkte umzustellen. Gerade die jüngere Generation scheint sich mit veganer Ernährung auseinanderzusetzen. Laut Fleischatlas der Heinrich Böll-Stiftung ernähren sich mehr als zwei Drittel der deutschen 15- bis 29-jährigen doppelt so oft vegetarisch und vegan wie der Durchschnitt der gesamten Bevölkerung.[2] Wenn du dich fragst, was die Menschen dazu veranlassen könnte, im Bereich Ernährung umzudenken, sind hier zwei gute Gründe, sich für Veganismus zu entscheiden.

1. Gesundheit [3]

Vegetarier∙innen und Veganer∙innen weisen ein geringeres Risiko für sogenannte Zivilisationskrankheiten auf. Der BMI (Body Mass Index) von Menschen mit veganer Ernährung liegt häufiger im Normbereich (laut WHO bei Erwachsenen über 20 Jahren zwischen 18.5 und 24.9)[4] als der von Menschen mit Mischkost. Das liegt vor allem an der höheren Versorgung mit Ballaststoffen sowie der geringeren Fett- und Proteinaufnahme bei veganer Ernährung. Natürlich spielen hierbei auch ein gesunder Lebensstil und erhöhte Körperaktivität eine wichtige Rolle, die man bei jeder Form der Ernährung nicht vernachlässigen sollte. Zudem sind die Cholesterinwerte im Blut bei veganer Ernährung günstiger. Ursache hierfür ist die nicht vorhandene Zufuhr von tierischen Fetten und die dafür erhöhte Zufuhr von einfach und mehrfach gesättigten Fettsäuren. Durch die Reduktion von Übergewicht und die gesünderen Cholesterinwerte im Blut sinkt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Laut Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) werden positive Auswirkungen auf die Gesundheit mit Fleischverzicht in Verbindung gebracht. Während vor allem rotes Fleisch und Fleischerzeugnisse das Risiko für viele Krankheiten wie zum Beispiel bestimmte Krebsarten erhöhen, sinkt es durch die hohen Anteile an ballaststoffreichen Getreideprodukten sowie Obst und Gemüse für Krankheiten wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2. Das Erkrankungsrisiko für Diabetes Typ 2 ist geringer und Patient∙innen mit Diabetes können durch eine vegane Ernährung ihre Blutzucker- und Insulinwerte verbessern und dadurch ihre Medikamentendosis verringern. Außerdem kann ein hoher Konsum von Obst und Gemüse die Lebenserwartung steigern (wobei letzterer Aspekt natürlich auch bei Fleischkonsum erfüllt sein kann). Im direkten Vergleich von vegetarischer und nicht-vegetarischer Ernährung wird ein geringeres Risiko für metabolische sowie Herz- und Gefäßkrankheiten nachgewiesen, außerdem ein geringeres Risiko für ischämische Herzkrankheiten und Krebs.[5]

Man sollte jedoch bedenken, dass nicht nur die Ernährung Einfluss auf Krankheitsrisiken hat. Wichtig ist vor allem eine ausgewogene Ernährung, bei der dem Körper alle benötigten Nährstoffe zur Verfügung gestellt werden, und ein gesunder Lebensstil. Eine vegane Ernährung allein reicht also nicht für einen gesunden Lebensstil, aber die Vorteile für die eigene Gesundheit sind ein guter Grund für eine solche Ernährungsweise.

2. Umwelt und Klima 

Ein anschauliches Beispiel für die Umweltfolgen des Fleischkonsums ist die Produktion von einem Kilogramm Schweinefleisch. Dafür werden 9 bis 12 Quadratmeter Nutzfläche beansprucht, 5.990 Liter Trinkwasser verbraucht, 650 Gramm Soja verfüttert und 3252 CO2- Äquivalente produziert. Mal zum Vergleich: Allein mit der verbrauchten Menge an Wasser und CO2- Äquivalenten könnte eine vierköpfige Familie über 2,5 Jahre mit Trinkwasser versorgt werden und mit ihrem PKW eine Strecke von 12.000 Kilometer zurücklegen.

Die Folgen der Fleischproduktion für unsere Umwelt sind vielfältig. [6] Der hohe Flächenverbrauch, nicht nur für Weide-, sondern vor allem als Ackerland für Futtermittel, zerstört die natürlichen Lebensräume: Rund ein Drittel der weltweiten Ackerflächen wird zum Anbau von Tierfutter verwendet. Pflanzliche Lebensmittel können also entweder an Nutztiere verfüttert oder vom Menschen direkt konsumiert werden. Insofern ist die rein pflanzliche Ernährung ressourcenschonend und trägt dazu bei, den Welthunger zu bekämpfen, da die pflanzlichen Lebensmittel effizienter in der Herstellung sind. Tierische Lebensmittel hingegen haben einen erhöhten Flächenbedarf, da die Nutztiere – zusätzlich zum Weideland – mit pflanzlichen Futtermitteln versorgt werden müssen. Um zum Beispiel in Deutschland über eine im Gesamten ausreichend große Anbaufläche zu verfügen, werden Ackerflächen im Ausland genutzt. Diese stehen wiederum dort nicht mehr für den Eigenbedarf zur Verfügung. Folge davon sind Rodungen, die Lebensräume zerstören und das Klima, die Böden, den Wasserhaushalt und die biologische Vielfalt belasten. Wie viel Fläche zusätzlich benötigt wird, hängt dabei von der Ausrichtung des landwirtschaftlichen Betriebs und der Nachhaltigkeit der Produktionskette ab.

Eine weitere Folge der Fleischproduktion ist der hohe Wasserverbrauch. Zum Vergleich: Die Produktion eines Kilogramms Rindfleisch verbraucht insgesamt 15.500 Liter Wasser. Der Verbrauch ist so hoch, weil das Rind in seinem durchschnittlichen Leben von ca. 2,4 Jahren Trinkwasser benötigt. Außerdem brauchen Getreide, Kraftfutter, Heu und Stroh ebenfalls Wasser zum Wachsen. Ein Kilogramm Kartoffeln hingegen verbraucht 250 Liter Wasser.

Eine hohe Umweltbelastung entsteht durch die Wasserverschmutzung. Vor allem durch Massentierhaltung gelangen Antibiotika ins Grundwasser. Diese werden verwendet, um zu verhindern, dass sich unter den Tieren auf engem Raum – v.a. bei der Stallhaltung – Krankheiten verbreiten. Bei der Überdüngung von Ackerflächen gelangt Nitrat in den Boden und das Grundwasser, da die Pflanzen nicht mehr aufnehmen können, als sie verbrauchen.

Die Freisetzung von Lachgas, Methan und CO2 schadet zusätzlich dem Klima. Methan entsteht während des Verdauungsprozesses von Wiederkäuern und bei der Lagerung und Ausbringung von Gülle. Lachgas entsteht vor allem bei der Düngung mit mineralischen Stickstoffdüngern. Außerdem setzt die Rodung von Wäldern und die Umwandlung von Mooren zu Ackerland CO2 frei. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur globalen Erwärmung beigetragen.

Man kann viel für die Umwelt und das Klima tun. Ein Teil davon ist es die eigene Ernährung bewusst umzustellen und damit zu einem besseren Klimaschutz beizutragen.

Und jetzt?

Mit dem Lesen dieses Beitrages bist du schon den ersten Schritt gegangen! Du scheinst Interesse an dem Thema vegane Ernährung zu haben und willst ins Handeln kommen. Haben dich diese Gründe überzeugt, deine Ernährung zu überdenken? Wenn nicht, dann ist das auch okay, denn jeder trifft seine Entscheidung aus eigenen Gründen.

Wenn ja, es ist schön, dass du Verantwortung übernehmen möchtest, aber keine Angst: Niemand erwartet von dir eine Komplettveränderung deines Ernährungsstils. Schon eine kleine Veränderung kann viel bewirken. Wichtig ist, dass du dir der Auswirkungen deiner Handlungen bewusst bist. Probiere dich aus und finde einen guten Mittelweg für dich. Ganz auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten möchtest du nicht? Kein Problem, versuch es doch einfach mal mit einem fleischfreien Tag pro Woche oder pro Monat. Wonach auch immer dir ist.

Du kannst etwas bei dir selbst verändern – und damit großen Einfluss auf deine Umwelt ausüben. Du wirst überrascht sein, was sich alles verändert, sobald du bei dir selbst angefangen hast.

-Verfasst von Sandra Demuth-

 

Quellen:

[1] Dominic Schmidt, Warum nicht jeder Wein vegan ist (29.05.2019)

[2] Heinrich-Böll-Stiftung, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

und Le Monde Diplomatique, Der Fleischatlas 2021, S. 34 (1. Auflage, Januar 2021)

[3] Alle Informationen der zwei folgenden Absätze stammen aus: Albert Schweizer Stiftung, Vegan gesund

[4] WHO, Body-Mass-Index – BMI

[5] DGE-Position „Vegane Ernährung“ – Ernährungsumschau international 4/2016)

[6] Alle Informationen der drei folgenden Absätze stammen aus: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Fleischkonsum, Umwelt und Klima ( 19.09.2019)

 

 

Ein Kommentar zu “Was bewirkt eine vegane Ernährung für meine Gesundheit und die Umwelt?

  1. Super Artikel! Ich ernähre mich seit mehreren Jahren vegan, anfangs eher aus Gesundheitsgründen (so wie den oben genannten), doch je mehr ich mich mit dem Thema befasste wurde mir ebenfalls der ideologische Wert einer pflanzenbasierten Ernährung präsent. Ich bin keineswegs der Meinung, dass Vegansein für jede/n das Richtige ist, aber ich denke, jede/r sollte sich einem „Experiment“ wie dem Veganuary mindestens einmal unterziehen, da nur die Erfahrung selbst wahre Einsicht und u. U. Verhaltensveränderung bewirken kann 🙂 danke für Infomaterialien wie diesem Bericht!

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