Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Konventionelle Landwirtschaft vs. ökologische Landwirtschaft

Wie beeinflusst meine Wahl von Lebensmitteln beim Einkauf die Umwelt und worauf kann ich dabei achten?

-Verfasst von Alice Belych-

Der Einkauf von Lebensmitteln gehört zu unserem Alltag. Um einen nachhaltigen Beitrag zum Schutz der Umwelt zu leisten, ist es sinnvoll euch mit den Auswirkungen von euren Einkäufen auseinanderzusetzen. Möchtet ihr umweltfreundliche Lebensmittel einkaufen, dann greift mehr zu Bio-Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft statt zu Lebensmitteln aus konventioneller Landwirtschaft. Aber wieso sind Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft für die Umwelt besser als konventionelle Lebensmittel?

Konventionelle Landwirtschaft vs. ökologische Landwirtschaft – Die Unterschiede

Was bedeutet konventionelle Landwirtschaft? Es steht für ein allgemein übliches und verbreitetes Verfahren des Ackerbaus und der Viehhaltung und berücksichtigt keine bestimmte Art der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, anders als in der ökologischen Landwirtschaft.[1] Trotzdem existieren rechtliche Vorgaben hinsichtlich der Bereiche Umweltschutz, Tierschutz, Arbeitsschutz und Verbraucherschutz. Diese sind innerhalb der EU strenger geregelt als international.[2]

Die konventionelle Landwirtschaft unterliegt der allgemeinen Europäischen Agrarpolitik.[3] Davon profitieren besonders große industrielle Betriebe und es leiden zeitgleich traditionelle Kleinbetriebe sowie die Umwelt. Woran liegt das? Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) regelt die europäische Landwirtschaft seit den 1950er Jahren, dabei werden unter anderem Flächenprämien für jeden Hektar vergeben. Das heißt, je mehr Flächen bewirtschaftet werden, desto mehr Profit kann ein Betrieb machen. Problematisch für die Umwelt wird es, wenn ein Betrieb sich nur auf die Erweiterung seiner Flächen fokussiert und dabei ökologische Aspekte vernachlässigt. Zusätzlich kann eine Spezialisierung auf bestimmte Pflanzen und Tiere in extremen Fällen zu Monokulturen und Massentierhaltung führen. Eine intensive Nutzung belastet die Umwelt auf unterschiedliche Weise: Verlust an Fruchtbarkeit von Böden und Erosion durch die Abwesenheit von Hecken und Bäumen, Verschmutzung von Wasser und Luft durch chemische Düngemittel und Agrarmaschinen, Schwinden der Artenvielfalt und steigender Verbrauch von Energie und Ressourcen. Wenn ihr solche negativen Entwicklungen auf die Umwelt nicht unterstützen wollt, dann lohnt es sich, sich mehr mit dem Inhalt in eurem Einkaufswagen zu beschäftigen. Eine Option ist es, mehr ökologische Lebensmittel zu kaufen.

Die ökologische Landwirtschaft orientiert sich an Nachhaltigkeit und betreibt ein Wirtschaften mit der Natur.[4] Das bedeutet, es wird versucht möglichst wenig in die Natur einzugreifen. Was wird anders gemacht? Hier ein paar Beispiele: Es herrscht ein Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und für den Erhalt der Fruchtbarkeit der Böden wird vor allem mit Mist, Gülle oder Kompost gedüngt. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft werden Nutztiere artgerechter gehalten, sie haben mehr Platz und bekommen im Freien meistens Auslauf. Im Bereich Gewässerschutz belastet der ökologische Landbau das Grund- und Oberflächenwasser beispielsweise mit weniger Nitrat als im konventionellen Landbau, wo die Verwendung chemischer Dünger erlaubt ist.[5] Eine Förderung von Biodiversität entsteht durch den Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel und einem niedrigeren Düngeniveau. Wenn ihr diese positiven Auswirkungen auf die Umwelt unterstützen wollt, dann solltet ihr öfter Bio-Lebensmittel einkaufen.

Der Branchenreport für Ökologische Lebensmittelwirtschaft aus dem Jahr 2020 vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) berichtet, dass in den letzten fünf Jahren die Bio-Fläche in Deutschland eine Zunahme von beinahe 50% aufweist und derzeitig über 12% der landwirtschaftlichen Betriebe ökologisch wirtschaften.[6] Wie sieht die Zukunft von ökologischer Landwirtschaft aus? Die EU stellt fest, dass seit 2010 der ökologische Landbau in Europa an Bedeutung gewonnen hat und ökologische Lebensmittel häufiger gekauft und verzehrt werden.[7] Die EU-Strategie „Vom Hof auf den Tisch“ soll dafür sorgen, dass bis 2030 25% des EU-Agrarlands ökologisch bewirtschaftet werden. Das zeigt, dass euer Einkauf von Bio-Lebensmitteln ein Signal setzen und die zukünftige Art des Anbaus von Lebensmitteln beeinflussen kann.

Woran erkenne ich Bio-Lebensmittel?

Die Anzahl der Menschen, welche Bio-Lebensmittel einkaufen, nimmt zu. Der BÖLW Branchenreport 2020 bestätigt das. Im Jahr 2019 gaben Verbraucher*innen in Deutschland etwa 10% mehr für Bio-Lebensmittel und -Getränke aus und der Lebensmitteleinzelhandel konnte in diesem Bereich seinen Umsatz um 11,4% steigern.[8]

Woran könnt ihr euch beim Einkauf von ökologischen Lebensmitteln orientieren? Es existieren viele Siegel mit mehrdeutigen Begriffen, die euch als Verbraucher*in irreführen können. Zum Beispiel „aus kontrolliertem Anbau“ statt „aus kontrolliert ökologischem Anbau“. Hierbei ist es wesentlich, dass man als Konsument*in bekannte Kennzeichnungen kennt, um ökologische von nicht-ökologischen Produkten zu unterscheiden und Täuschungen zu erkennen.

Es ist zunächst wichtig zu wissen, dass die Begriffe „Bio“ und „Öko“ seit 1993 gesetzlich geschützte Begriffe sind und nur zur Werbung verwendet werden dürfen, wenn die Voraussetzungen der Vorgaben der EG-Öko-Verordnung erfüllt sind.[9] Dies beinhaltet unter anderem den Verzicht auf chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und Düngemittel, eine artgerechte Tierhaltung mit Auslaufmöglichkeiten, ein Verbot von Gentechnik und eine geringere Verwendung von Zusatzstoffen.

Um mehr Gewissheit für die Verbraucher*innen zu schaffen, wurde 2001 das staatliche Bio-Siegel eingeführt.[10] Dieses Siegel darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die nach den EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau produziert und kontrolliert sind. Bei Missbrauch drohen Sanktionen in Form von Geldbußen und Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr. Weiterhin tragen seit dem 1. Juli 2010 alle vorverpackten Bio-Lebensmittel das EU-Bio-Logo, sobald sie in einem EU-Mitgliedsstaat hergestellt wurden.

                           

Staatliches Bio-Siegel der EU (BMEL 2020 a)              Staatliches EU-Bio-Logo (BMEL 2019)

Zusätzlich gehört zur Kennzeichnung die Angabe der Codenummer der Öko-Kontrollstelle und die Herkunftsangabe der Zutaten.[11] Diese Kennzeichnung ist verpflichtend, eine freiwillige Kennzeichnung des Bio-Logos gilt für aus Nicht-EU-Ländern importierte unverpackte Bio-Lebensmittel. Die EU-Rechtsvorschriften für ökologischen Landbau schreiben vor, dass die Zutaten eines Produkts zu 95% ihren Ursprung aus ökologischem Landbau haben müssen, als Ausnahme dürfen 5% nicht-ökologischen Ursprungs sein.[12] Diese streng geregelte Ausnahme gilt nur, wenn die nicht-ökologische Zutat nicht als ökologische Zutat vorhanden ist.

Neben dem staatlichen Bio-Siegel gibt es auch Siegel der Anbauverbände, die aufgrund von strengeren Kriterien im Vergleich noch ökologischer sind.[13] Dabei haben deutsche Bioverbände eigene Kriterien entwickelt und die Vorgaben gehen deutlich über die Standards des EU-Bio-Siegels hinaus. Zu diesen Kennzeichnungen gehören unter anderem die Marken Naturland, Bioland oder Demeter. Auch diese werden regelmäßig kontrolliert. Als Verbandslandwirt*in ist der eigene Gesamtbetrieb auf Biolandbau umgestellt und es kann 100% Bio garantiert werden. Weitere Informationen zu diesen Anbauverbänden könnt ihr unter folgendem Link erhalten: https://buerger-fuer-regionale-landwirtschaft.de/regionale-biosiegel/

Sind alle Bio-Lebensmittel nachhaltig und gut für die Umwelt?

Es kommt vor, dass Produkte den EU-Bio-Siegel-Richtlinien entsprechen, aber nicht der Nachhaltigkeit: beispielsweise Bio-Kartoffeln aus einem anderen Kontinent wie Afrika, die im Winter im Supermarkt liegen, oder andere biologische Lebensmittel, die sich in einer Plastikschale befinden und zusätzlich verschweißt werden.[14] Das passiert, um den Kontakt oder das Risiko des Vertauschens zwischen konventioneller Ware und Bio-Ware möglichst gering zu halten.

Ein weiterer Aspekt ist die soziale Nachhaltigkeit, zum Beispiel die Frage, unter welchen Arbeitsbedingungen die Produkte entstanden sind. Bei diesem sozialen Aspekt handelt es sich um ein weiterführendes Thema, auf das in diesem Beitrag nicht näher eingegangen wird, das aber wichtig zu nennen ist.

Kehrt man zur ökologischen Nachhaltigkeit zurück, so scheint solche Bio-Ware aus dem Ausland nicht klimafreundlich zu sein.[15] So sind zum Beispiel Bio-Äpfel, die aus Neuseeland im Winter um die halbe Welt geflogen werden, schädlich für das Klima, ebenso wie Bio-Ware aus dem europäischen Ausland aufgrund von langen Transportwegen. Es bleibt kritisch zu betrachten, inwiefern es sinnvoll ist, Lebensmittel wie Obst und Gemüse über lange Strecken zu transportieren, das auch saisonal in Deutschland wächst. In diesem Fall solltet ihr zur Schonung der Umwelt beim Einkauf auf Regionalität und Saisonalität achten. Wenn ihr dazu mehr wissen wollt, dann findet ihr auf diesem Blog einen weiteren Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit von Lebensmitteln in Bezug auf Herkunft und Saisonalität. Schaut gerne vorbei!

Schließlich lässt sich sagen, dass beim Einkauf von Bio-Produkten das EU-Siegel/EU-Logo und die Siegel der großen Anbauverbände euch Gewissheit geben, dass die Waren nachhaltig und ökologisch verträglich hergestellt sind. Der Unterschied zu konventionellen Lebensmitteln liegt in der ökologischen Verantwortung: Öko-Bauern handeln nachweislich nachhaltiger und umweltschonender als konventionelle Hersteller. Mit eurem Kauf von Bio-Lebensmitteln könnt ihr einen Beitrag zur ökologischen Verantwortung leisten.

Wie sieht es bei euch im Einkaufswagen aus? Kauft ihr mehr ökologische oder konventionelle Lebensmittel ein? Erzählt auch gerne von euren Erfahrungen zu diesem Thema.

 

Quellen für Blogeintrag:

[1] Vgl. Spektrum Akademischer Verlag 2001

[2] Vgl. BMEL 2020 b, S. 13

[3] Zu diesem Abschnitt vgl. Hagenau, M. 2019

[4] Zu diesem Abschnitt vgl. BMEL 2020 b, S. 14

[5] Zu diesem Abschnitt vgl. BUND o.J. b

[6] Vgl. BÖLW 2020, S. 10-11

[7] Zu diesem Abschnitt vgl. Europäische Union 2020

[8] Vgl. BÖLW 2020, S. 22-23

[9] Zu diesem Abschnitt vgl. BUND o.J. a

[10] Zu diesem Abschnitt vgl. BMEL 2020 a

[11] Zu diesem Abschnitt vgl. BMEL 2019

[12] Zu diesem Abschnitt vgl. BMEL 2020 a

[13] Zu diesem Abschnitt vgl. EAT SMARTER 2018 a

[14] Zu diesem Abschnitt vgl. Nagel, L. und EAT SMARTER 2020

[15] Zu diesem Abschnitt vgl. EAT SMARTER 2018 b

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