Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

Inhalt

Die Stadt als Garten

 

Lange Zeit eher eine Beschäftigung der Landbevölkerung, entdeckt eine zulaufende Zahl an Städter*innen die Muße zum Gärtnern. Denn Urban Gardening, also das städtische Gärtnern, befindet sich auf dem Vormarsch.[1] Die Stadtbewohner*innen sehnen sich nach grünen Flächen zwischen ihren Häusern und nach einer tatkräftigen Abwechslung im Alltag. Mit zunehmendem Interesse werden die Gartenprojekte immer kreativer und nehmen bisweilen futuristisch anmutende Formen an. Neben der heimischen Balkonpflanze oder dem Schrebergarten zählen inzwischen auch Gemeinschaftsgärten zu den Ausprägungen. Dass Gärtnern für die Umwelt gut ist, scheint klar zu sein. Doch beschränkt sich der Nutzen des städtischen Gärtnerns nur auf die ökologische Perspektive? Oder hat Urban Gardening auch soziale und ökonomische Vorteile? Diesen Fragen möchte ich in diesem Blogbeitrag nachgehen und dabei das Projekt UnserGarten Bruck aus Erlangen näher beschreiben.

Was ist ein Gemeinschaftsgarten?

Ein Gemeinschaftsgarten besteht grundsätzlich aus einer ungenutzten Fläche, die von mehreren Hobby-Gärtner*innen zum Anbau von Pflanzen genutzt wird.[2] Die Anbaufläche kann dabei aus Hochbeeten oder abgetrennten Parzellen bestehen, die entweder einzeln oder kollektiv bearbeitet werden.[3] Wie genau der Garten gestaltet wird und welche Regeln dort gelten, ist zunächst nicht genau vorgeschrieben, sondern bildet sich durch das Zusammenwirken der Personen heraus.[4] Dabei kann die Organisation je nach Projekt hierarchisch aufgebaut sein oder auf vollkommener Gleichheit beruhen.[5] Es gilt jedoch der Grundsatz, dass jede*r mit dabei und eingebunden ist. Damit ist ein Gemeinschaftsgarten, wie der Name schon sagt, auch immer ein Ort der Zusammengehörigkeit.[6]

Das Projekt UnserGarten Bruck

Der Gemeinschaftsgarten am Kulturpunkt Bruck entstand auf einer unbenutzten Grünfläche in einem Wohngebiet. Die ehemals brachliegende Fläche wird nun von Hobbygärtner*innen zur gemeinsamen Bepflanzung von Hochbeeten genutzt. Willkommen sind alle Interessierten, und so kommen hier ganz unterschiedliche Menschen in Kontakt. Jung und alt, arm und reich, mit Migrationshintergrund oder ohne. Die Gemeinschaftsgärtner*innen treffen sich einmal im Monat zum Austausch und zur Planung. Daneben gibt es die Möglichkeit einer Beetpatenschaft. Damit bekommt man die Verantwortung für ein Hochbeet, um das man sich selbstständig kümmern muss.[7] Bei offenen Treffen können Interessierte selbst einmal anpacken und dadurch den Gemeinschaftsgarten und das Team kennenlernen.

Was bietet der Gemeinschaftsgarten außer dem Gärtnern?

Neben dem reichhaltigen gärtnerischen Angebot gibt es noch ein Lehrbienenhaus, wo man an Imkerschulungen teilnehmen kann, das Gartencafé auf der Spielwiese und einen Bereich, in dem Obstbäumen wachsen. Dies lädt nicht zuletzt auch zum Feiern, Spielen oder Entspannen ein.

Die ökologischen Vorteile des Projektes

Betrachtet man die ökologische Perspektive, liegen die Vorteile klar auf der Hand. Der nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftete Gemeinschaftsgarten bietet aufgrund seiner Pflanzenvielfalt kleineren Tieren wie Insekten ein Zuhause. Die Bienen aus dem Lehrbienenhaus finden in nächster Nachbarschaft Pflanzen als Nahrungsquelle und die Lehrgänge schaffen beim Menschen ein Bewusstsein für die fliegenden Tiere. Das strikte Vermeiden von Pestiziden und chemischen Düngern verhindert Grundwasserverunreinigungen oder den Tod anderer Insekten. Da bevorzugt alte Obstsorten angebaut werden, trägt der Garten zur Erhaltung der Artenvielfalt bei.[8] Zusammengefasst erbringt der Nachbarschaftsgarten einen kleinen Teil, um das Insektensterben, den Klimawandel und den Artenschwund bei Pflanzen und Tieren zu vermindern.

Die Vorteile aus sozialer Perspektive

Doch auch für die Menschen hat das gemeinsame Gärtnern einen deutlichen Mehrwert. Es entstehen Kontakte zwischen den Hobby-Gärtner*innen, egal aus welchem sozialen Umfeld sie kommen.[9] Durch das gemeinsame Erschaffen eines Beetes entsteht eine besondere Bindung zwischen den Personen. Gleichzeitig wird das Selbstvertrauen und die Kompetenz des Kümmerns gestärkt sowie ein Bewusstsein für die Natur geschaffen.[10] Daneben ist der Garten für viele auch ein Rückzugsort, an dem sie sich von ihrem Alltag erholen können und Abwechslung finden.[11]

Die ökonomischen Vorteile

Dürfen das geerntete Obst und Gemüse zum Teil von den Gemeinschaftsgärtner*innen mit nach Hause genommen werden, sorgt dies für eine gesunde und ausgewogene Ernährung und für eine Erleichterung des Geldbeutels. Das Gartenlädla bietet die restlichen Produkte, sowie weitere regionale Erzeugnisse zum Verkauf an.[12] Damit kommen auch andere Menschen, die nicht im Garten mithelfen, mit dem Projekt in Kontakt.

 Ein Blick in die Ferne: Vertical Gardening in Singapur

Während der Erlanger Gemeinschaftsgarten eher aus einer Graswurzelbewegung erwachsen ist, hat in Singapur die Stadtverwaltung die Verbreitung von Urban Gardening selbst in die Hand genommen. Durch Unterstützung von oben ist in Sachen Gärtnern einiges möglich, denn die Stadt verteilt kostenloses Saatgut und stellt Flächen zum Gärtnern bereit. Außerdem muss beim Bau eines neuen Gebäudes auch immer Grünfläche geschaffen werden. Da jedoch für den „normalen“ Garten hinter einem Haus nicht genügend Platz vorhanden ist, müssen kreative Formen gefunden werden. So wird zum Beispiel auf dem Flur eines Hochhauses gepflanzt, auf den Dächern von Gebäuden und Parkhäusern oder sogar an der Fassade.[13] Letztgenanntes nennt man Vertical Gardening.[14] Dazu werden Wände bepflanzt oder hängende Blumen eingesetzt, die am Haus entlang wachsen können. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern dämmt auch die Häuser, wodurch der Energieverbrauch sinkt. [15] Außerdem wird das Hitzeempfinden der städtischen Bewohner*innen während Hitzeperioden reduziert.

Fazit

So wie in Erlangen entstanden in den letzten Jahren eine Vielzahl an Gartenprojekten, in den großen Hauptstädten ebenso wie in kleineren Städten. Überall wächst das Bewusstsein für die Bedeutung von Grünflächen, einerseits für die Umwelt, aber auch für den Menschen. Bleibt zu hoffen, dass auch die Politik in Deutschland das Potenzial solcher Projekte entdeckt und deren Unterstützung ausbaut.

Zu guter Letzt, wie ist das bei euch so? Beteiligt ihr euch an einem ähnlichen Projekt wie dem Gemeinschaftsgarten in Bruck, oder kennt ihr Projekte, die derzeit am Entstehen sind? Allen, die nun Lust auf die Gartenarbeit bekommen haben, wünsche ich viel Spaß beim Gärtnern!

-Verfasst von Laura Kuddes-

 

Quellen:

 

[1] Vgl. Müller 2011, S. 22.

[2] Vgl. Werner 2011, S. 58f.

[3] Vgl. Werner 2011, S. 59.

[4] Vgl. Werner 2011, S. 56.

[5] Vgl. Werner 2011, S. 63.

[6] Ebd.

[7] Informationen zum Gemeinschaftsgarten Bruck Vgl. Kulturpunkt Bruck o.D.

[8] Vgl. Kulturpunkt Bruck o.D.

[9] Vgl. Werner 2011, S. 61.

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Kulturpunkt Bruck o.D.

[13] Vgl. ZDF 2020.

[14] Vgl. Süddeutsche Zeitung 2020.

[15] Vgl. ZDF 2020.

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