Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

Inhalt

Zwischen Konsumwahn und dem Willen die Welt zu retten

 

Anfang 20, Ausbildung beendet, am Beginn des Studiums oder noch auf der Suche nach sich selbst

Auf alle Fälle geht’s in Richtung selbstbestimmtes und unabhängiges Leben. Wichtige Lebensfragen suchen richtige Antworten: Wie stelle ich mir mein zukünftiges Leben vor? Bin ich schon bereit dazu, die vertraute Heimat zu verlassen? Wie meistere ich auf eigenen Füßen und selbstständig mein Leben?

Und ja: Für viele ist in diesem Alter die Zeit gekommen auszuziehen. Es sich erstmal unter Gleichgesinnten in einer WG oder einem Wohnheim, mit dem/der Partner:in oder in einer Singlewohnung gemütlich zu machen. Es fühlt sich gut an, eigenständige und -verantwortliche Entscheidungen treffen zu können.

Eine der wichtigsten Fragen, die ich mir bei meinem Auszug ins erste Eigenheim stellte, war:

„Wo gehe ich einkaufen?“

 Essen und Trinken war zuhause immer da, und in die Kaufentscheidungen meiner Eltern konnte ich als Kind und Jugendliche wenig eingreifen. Und plötzlich hatte ich meinen eigenen Haushalt und musste planen, wo ich günstige Möbel und Einrichtung finde, was ich im Laufe der Woche kochen und essen oder mit welchem WC-Reiniger ich unsere Toilette säubern möchte.

Ich hatte mich bereits in meiner Schulzeit mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandergesetzt und wollte in meiner ersten eigenen Wohnung – wenn möglich – nur Bio – Produkte kaufen.

Dabei stellte sich schnell heraus, dass Bio-Lebensmittel und nachhaltig produzierte Artikel oft teurer sind als konventionelle. Umweltfreundliche Produkte erfordern nämlich oftmals mehr Arbeitsaufwand in ihrer Herstellung. So werden in der ökologischen Landwirtschaft beispielsweise weniger chemische Düngemittel eingesetzt, was von den Bauern und Bäuerinnen mehr manuelle Arbeitskraft erfordert. Auf Bio-Bauernhöfen werden zudem die Tiere artgerechter gehalten und gefüttert, wodurch sie länger leben. Dies bedarf mehr Futter und Pflege und damit ebenso mehr Arbeitsaufwand und Haltungskosten.[1] Möchtest du günstig und nachhaltig Nahrungsmittel kaufen, dann empfehle ich dir zum Wochenmarkt oder Hofladen zu gehen und dort direkt von den Erzeugenden zu kaufen. Sie bieten dir Regionales und Saisonales, das keinen langen Transportweg hinter sich hat und – wenn bio – umweltschonend angepflanzt oder produziert wurde. Auch diverse Supermärkte bieten dir frisches Obst und Gemüse und an der Fleisch- oder Käsetheke sogar tierische Produkte aus deiner Region an.

Nicht nur biologische Lebensmittel haben ihren Preis. Auch nachhaltig produzierte Luxusgüter sind oftmals nicht erschwinglich für Menschen, die weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Nicht zu verwechseln mit den sogenannten Luxusgütern sind die Grundbedarfsgüter. Zu ihnen zählen Trinkwasser und Grundnahrungsmittel, sowie einige materielle Dinge, wie Kleidung oder Wohnraum, die wir für ein wirklich sorgenfreies Leben benötigen.
Luxusgüter hingegen, sind Produkte oder Investitionen, welche als Zusatzbedarf nicht lebensnotwendig sind.[2][3] Schmuck, Sportwagen, Flugreisen, Laptops und Spielekonsolen oder übermäßig viele Klamotten braucht ein Mensch nicht zum Überleben.

Hier etablieren sich immer mehr Hersteller, welche sich bei der Produktion materieller Dinge auf einen umweltschonenden Herstellungsprozess, faire Arbeitsbedingungen und natürliche Materialien fokussieren. Dies geht einher mit sozialen und ökologischen Vorteilen, welche infolgedessen die Preise dieser Artikel jedoch deutlich ansteigen lassen.[4]

Eine nachhaltige und günstigere Alternative zum Neukauf ist hier das große Second Hand-Angebot. Kleidungsstücke, diverse Möbel, Technik oder sogar Pflanzen kann man gebraucht, preiswert und in guter Qualität auf Flohmärkten oder im Internet auf Seiten wie Vinted, eBay Kleinanzeigen oder in diversen Facebook-Gruppen finden.

Ein weiterer Vorteil von Gebrauchtwaren ist der, dass keine neuen Ressourcen für die Herstellung benötigt werden. Bei der Produktion neuer Waren werden nämlich stets neue Materialen, Wasser und Energie verbraucht, welche beim Second Hand-Kauf lediglich von der einen Hand zur anderen Hand gegeben und wieder verwendet werden. Dies ist ressourcenschonend und daher deutlich umweltfreundlicher.

Diese zwei Tipps können deinen alltäglichen Konsum nachhaltig und günstiger gestalten. Ich möchte dir damit aufzeigen, dass umweltfreundlicher Konsum auf diese Art und Weise möglich ist. Manchmal jedoch findet man im Second Hand-Angebot nicht die neusten Trends und auch das gebrauchte Auto ist nicht oder nur schwer erschwinglich für Menschen mit kleinem Einkommen.

Der Zwiespalt der „reichen Ökos“

Das Umweltbewusstsein der Menschen wird immer globaler und Generationen-übergreifender. Das Wissen um die Klimaproblematik erreicht mittlerweile viel mehr Menschen als es noch vor ein paar Jahren der Fall war.

Dieser Trend zeigt sich jedoch deutlicher bei Menschen, die durch einen höheren Bildungsstand ein überdurchschnittliches Einkommen beziehen können und damit mehr Geld für einen nachhaltigen Konsum zur Verfügung haben.[5]

Sie können es sich leisten das ausgestoßene Co2 für ihren Flug nach Südafrika zu kompensieren, den biologischen Woll-Kaschmir Pullover für 135€ von We Bandits[6] oder den elektrisch betriebenen Renault Zoe als Zweitauto zu kaufen.

„Reiche Ökos“ haben einfach mehr Mittel für nachhaltigen Konsum, was per se nichts Negatives ist. Faire und ökologische Grundbedarfsgüter sollten meiner Ansicht nach sogar die Basis des Konsums aller Menschen darstellen. Aber vor jeder Neuanschaffung oder vor jeder Autofahrt und Reise sollten wir uns überlegen, ob diese denn wirklich notwendig sind für uns. Wir leben nämlich in einer kapitalistisch geprägten Gesellschaft, welche uns den Wert lehrt, dass wir nicht die Dinge wertschätzen, die wir wirklich benötigen, sondern erst die Dinge, die über den bloßen Nutzen hinausgehen; also Luxusgüter.[7] Ein neues Accessoire macht uns meist glücklicher als der wöchentliche Lebensmitteleinkauf, obwohl das eine unser Leben garantiert und das andere unseren Status aufwertet und die Anerkennung unserer Mitmenschen bringt.[8]

Moderner Konsum hat also einen neuen Stellenwert für uns erhalten. Menschen mit größerem Einkommen können demnach mehr kaufen und tun dies statistisch gesehen auch. Sie besitzen häufiger ein oder mehrere eigene Auto(s) und reisen öfter, was ihren ökologischen Fußabdruck stark ansteigen lässt. Auch wenn sie hier zu nachhaltigen Konsumentscheidungen tendieren, werden Ressourcen verbraucht, was der Umwelt nicht zu Gute kommt.[9]

Weniger Konsum bringt mehr: Wert!

Würden wir weniger kaufen, also weniger Ressourcen verbrauchen, so könnten wir unserer Lebenswelt etwas Gutes tun. Menschen mit kleinerem Geldbeutel haben einen kleineren Co2-Fußabdruck. Das liegt daran, dass sie oft auf nicht lebensnotwendige Dinge – Luxusgüter – verzichten müssen. Obwohl von Armut betroffene Menschen ein kleineres Umweltbewusstsein haben und sie selbst dies so einschätzen, schaden sie der Umwelt durch ihren Konsum deutlich weniger als wohlhabende Menschen mit größerem Umweltbewusstsein.[10]

Nun ist arm sein jedoch nicht die Lösung für den Klimawandel. Eine materielle und finanzielle Grundbasis ist essentiell für ein sorgenfreies Leben. Jedoch sollte man mal hinterfragen, warum denn Menschen, die weniger Geld haben und damit weniger neu kaufen, weniger Auto fahren und weniger fliegen im Großen und Ganzen nachhaltiger leben:

Weil weniger Ressourcen verbraucht werden!

Wirtschaftliche Entschleunigung und Konsumreduzierung bis hin zum Verzicht würden nicht nur ökologische Vorteile bringen, sondern auch soziale:

Ein wirtschaftliches und gesellschaftliches Umdenken im Bereich des Konsumierens müsste etabliert werden, damit wir den Weiterbestand unserer Umwelt und des Menschen langfristig garantieren können. Würden wir das Verzichten und das Nein-Sagen zu diversen überflüssigen Gütern lernen, so könnten wir einen großen Schritt in Richtung Klimaschutz wagen.
Bei der Fremdversorgung sollte mehr Wert auf Langlebigkeit und Qualität als auf Quantität gelegt werden, sodass man mit einem fortwährenden materiellen Bestand auskommen kann.

Zudem könnten wir als Gesellschaft sozial miteinander agieren, indem wir das Teilen lernen. Dinge, die man sowieso nicht so oft nutzen muss, wie Autos oder Waschmaschinen, könnten von mehreren Haushalten genutzt und geteilt werden. So werden Schadstoffausstöße reduziert und Ressourcen geschont. Auch könnten wir etablieren, zum Beispiel Kleidungsstücke zu tauschen, sodass das Gefühl, etwas Neues zu besitzen, durch den Tausch erbracht wird.

Würden alle Menschen ihren Konsum auf das Nötigste herunter schrauben, mehr teilen und weniger Auto fahren und reisen, so wären wir auf einem guten Weg weg von der vorherrschenden sozialen Ungleichheit, hin zu einem sozialen Miteinander, bei dem die finanziellen Mittel eines Einzelnen keine große Rolle mehr spielen müssten.[11]

Ich persönlich bin sehr angetan von der Vorstellung eines teilenden sozialen Miteinanders und einem minimalistischeren nachhaltigen Lebensstil, der sich auf die Grundbedarfsgüter, wie Nahrung und essentielle materielle Güter beschränkt. Wir könnten mit wenig Geld und kleinen Ausgaben unserer Lebenswelt und unserer Gesellschaft etwas Gutes tun. Wir im Kleinen können schon damit anfangen, weniger zu kaufen, dafür jedoch mehr zu teilen, tauschen und reparieren.

Habt ihr weitere Ideen, Inspirationen und Vorschläge, den Alltag günstig und nachhaltig zu gestalten? Wie könnte man die Kunst des Verzichts verinnerlichen?

Schreibt´s gern in die Kommentare!

-Verfasst von Nirascha Dusik-

 

[1] Oekolandbau (2019). Warum sind Biolebensmittel teurer?
https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/einkaufen-und-kochen/einkaufen/warum-sind-biolebensmittel-teurer/

[2] Duden: Definition „das Luxusgut“ https://www.duden.de/rechtschreibung/Luxusgut

[3] BWL – Lexikon: Konsumgüter https://www.bwl-lexikon.de/wiki/konsumgueter/#luxusgueter

[4] Andreas Winterer: Was steckt hinter FairTrade und fairem Handel? (2015) https://utopia.de/ratgeber/fair-trade-fairer-handel-fragen-antworten/

[5] Clemens Weiß: Wir klimabesorgten Klimasünder (2019) https://www.energiezukunft.eu/klimawandel/wir-klimabesorgten-klimasuender/

[6] https://www.webandits.eu/product-page/pullover-v-neck-beige-bysia

[7] Carl Tilessen (2020): Konsum – Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen. New York: Harper Collins Verlag

[8] Georg Simmel (1905): Psychologie des Schmuckes https://socio.ch/sim/verschiedenes/1908/schmuck.htm

[9] Umweltbundesamt (2020): Einkommen, Konsum, Energienutzung, Emissionen privater Haushalte

[10] René Hamann (2016): Arm, aber gut für die Umwelt. Taz https://taz.de/Konsum-und-Umweltbewusstsein/!5325200/

[11] Niko Paech: Postwachstumsökonomie http://www.postwachstumsoekonomie.de/

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