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Medikamentenrückstände: Die unsichtbare Gefahr in unserem Trinkwasser

Medikamentenrückstände: Die unsichtbare Gefahr in unserem Trinkwasser

Wasser ist der Ursprung allen Lebens und nach wie vor ist Wasser eine unverzichtbare Ressource, die jeder Mensch zum Leben braucht. Aus diesem Grund ist es umso wichtiger dieses kostbare Gut vor Verschmutzungen zu schützen, sodass Wasser nachhaltig und unverschmutzt für die kommenden Generationen erhalten bleibt.

Die Ursachen für Wasserverschmutzung sind vielfältig. Die Industrie, die Landwirtschaft, aber auch jeder einzelne Haushalt tragen zu dieser Problematik bei. Ein Problempunkt, der durch all diese Bereiche begünstigt wird, findet sich in der Belastung des Wassers durch Medikamente. So lassen sich in unserem Grund- und Trinkwasser Rückstände von 150 Wirkstoffen nachweisen, die in Blutdrucksenkern, Schmerzmitteln, Antibiotika und Röntgenkontrastmitteln eingesetzt werden.[1] In diesem Blogbeitrag sollen Fakten zu diesem Thema präsentiert und anschließend mögliche Lösungen aufgezeigt werden.

Arzneimittel aus der Landwirtschaft:

Bei der Aufnahme von Medikamenten ist zu unterscheiden, ob sie eine Person aktiv zu sich genommen hat oder ob sie indirekt durch die Nahrung aufgenommen wurde. Im letzteren Fall könnte die unabsichtliche Einnahme von Medikamenten beispielsweise daher rühren, dass den Tieren, die später als Nahrung dienen (vor allem in Massentierhaltungen und dementsprechend vor allem bei ‘Billigfleisch‘), Medikamente in die Nahrung beigemischt werden, um den Ausbruch von Infektionen oder anderen Krankheiten zu verhindern, die oftmals durch die Haltungsbedingungen verursacht werden. Diese Tiere haben Rückstände von Medikamenten weiterhin in ihrem Fleisch, was wiederum der/die Verbraucher*in durch das Essen dieses Fleisches zu sich nimmt und anschließend wieder ausscheidet.[2]

Doch auch durch von Tieren produzierte Düngemittel, die auf Feldern verteilt werden, gelangen die Rückstände von Medikamenten in die Umwelt. Bei der Fischzucht werden die Medikamente sogar direkt ins Wasser gegeben.

Glücklicherweise ist insgesamt ein positiver Trend erkennbar, da die Abgabemengen der Wirkstoffklassen in der Tiermedizin zwischen 2011 und 2019 nahezu um ein Drittel zurückgegangen sind.[3]

Arzneimittel des täglichen Bedarfs:

Nach Angaben des Ärzteblattes werden in Deutschland jährlich etwa 30 000 Tonnen Medikamente im humanmedizinischen Gebrauch eingenommen. Diese beinhalten insgesamt 2300 Wirkstoffe. Von ihnen gelten 1200 Humanarzneimittelwirkstoffe als bedenklich, da sie als umweltbeeinflussend und potenziell gesundheitsschädigend eingestuft werden. Dies entspricht im Jahresverbrauch einem Volumen von 8100 Tonnen.[4]

Fast die Hälfte der Verbraucher*innen (47%) entsorgen ihre Medikamente unsachgemäß in Toilette oder Spüle, wofür die Kläranlagen meist keine ausreichenden Klärverfahren haben und die Wirkstoffe so teils ungefiltert in das Trinkwasser eingeleitet werden.[5]

Die Folgen:

Es ist klar, dass durch die zunehmend wachsende Gesellschaft und dem damit zusammenhängenden erhöhten Medikamentenverbrauch die Verunreinigung der Gewässer weiterhin steigen wird.

Besonders die tägliche Aufnahme von geringen Mengen verschiedenster Wirkstoffe durch das Trinkwasser dürfte langfristig zu Problemen führen. Schon jetzt ist ein besorgniserregender Trend sichtbar, da das zunehmende Auftreten von Fruchtbarkeitsstörungen und multiresistenten Mikroorganismen damit in Verbindung gebracht wird. Ein besonders anschauliches Beispiel soll die Problematik nochmals verdeutlichen: In der Tierwelt konnte man beobachten, dass bei Fischen, die an Kläranlagen-Ausgängen leben, durch die Östrogenaufnahme von Ethinylestradiol, einem Wirkstoff aus der Antibabypille, Geschlechtsumwandlungen stattfanden.[6]

Was kann ich dagegen tun?

Generell ist Aufklärung über diese Problematik sehr wichtig. Viele Menschen wissen nicht, welche Folgen die ‚unsichtbare Gefahr‘ für uns darstellt. Wenn das Interesse der Gesellschaft steigen würde, dann würde es den Druck erhöhen, die Folgen genauer zu untersuchen und mögliche Lösungen zu finden.

Was man als Verbraucher*in tun kann, ist möglichst auf den Kauf von Fleisch aus Massentierhaltungen zu verzichten, oder sich optimalerweise beim Bauern oder der Bäuerin des Vertrauens über den Einsatz von Medikamenten zu informieren.

Vor allem Antibiotika und Schmerzmittel gehören zu den häufigsten aufgefundenen Stoffen in Seen oder Flüssen. Klar gibt es Situationen, in denen diese Stoffe unverzichtbar sind. Jedoch lassen sich Kopfschmerzen beispielsweise bei einem Kater häufig mit einem Glas Wasser lösen. Jede*r sollte sich bei jeglicher Medikamenteneinnahme Gedanken dazu machen, ob es wirklich nicht anders geht oder ob man etwas nur zu sich nimmt, um sich das Leben zu erleichtern.

Auch abgelaufene Medikamente sollte man fachgerecht entsorgen. Doch häufig werfen Verbraucher*innen diese oftmals einfach im Abfluss. Doch die richtige Abfallbeseitigung ist einfacher, als man vielleicht annimmt. Man kann sie häufig bei Apotheken wieder abgeben, wenn sie abgelaufen sind. Jedoch ist das von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. Es gibt beispielsweise auch spezielle Recyclinghöfe, die die Entsorgung von Medikamenten anbieten. In den meisten Fällen kann man Medikamente aber tatsächlich bequem über den Hausmüll beseitigen. Wenn auch du wissen möchtest, wie du in deiner Region Medikamente fachgerecht entsorgen kannst, dann informiere dich hier: https://arzneimittelentsorgung.de/home/#map/Bayern/Mittelfranken/F%C3%BCrth

-Verfasst von Sandra Kaiser-

 

Quellen:

 

[1] Vgl. Umweltbundesamt: Arzneimittelrückstände in der Umwelt. URL: https://www.umweltbundesamt.de/daten/chemikalien/arzneimittelrueckstaende-in-der-umwelt#zahl-der-wirkstoffe-in-human-und-tierarzneimitteln (Stand: 09.11.2020; letzter Abruf: 19.02.2021); Robert Sattelberger: Arzneimittelrückstände in der Umwelt. Bestandaufnahme und Problemdarstellung. Wien 1999. URL: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/R162.pdf  (Zuletzt aufgerufen am 08.02.2021)

[2] Vgl. Robert Sattelberger: Arzneimittelrückstände in der Umwelt. Bestandaufnahme und Problemdarstellung. Wien 1999. URL: https://www.umweltbundesamt.at/fileadmin/site/publikationen/R162.pdf  (Zuletzt aufgerufen am 08.02.2021).

[3] Eine umfangreiche Datenbank mit weiteren Informationen kann auf der Seite des Umweltbundesamtes heruntergeladen werden:  https://www.umweltbundesamt.de/die-uba-datenbank-arzneimittel-in-der (Zuletzt aufgerufen am 18.02.2021)

[4] Vgl. Vera Zylka-Menhorn: Arzneimittelrückstände im Wasser: Vermeidung und Elimination. In: Deutsches Ärzteblatt 22/2018 (01.06.2018). URL:  https://www.aerzteblatt.de/archiv/198237/Arzneimittelrueckstaende-im-Wasser-Vermeidung-und-Elimination (Zuletzt aufgerufen am 18.02.2021)

[5] Vgl. Vera Zylka-Menhorn: Arzneimittelrückstände im Wasser: Vermeidung und Elimination. In: Deutsches Ärzteblatt 22/2018 (01.06.2018). URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/198237/Arzneimittelrueckstaende-im-Wasser-Vermeidung-und-Elimination (Zuletzt aufgerufen am 18.02.2021)

[6] Vgl. Angelika Hilmmer: Medikamente im Wasser – bittere Pillen für Fische. In_ Hamburger Abendblatt (11.03.2013). URL: https://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article114315317/Medikamente-im-Wasser-bittere-Pillen-fuer-Fische.html (Zuletzt aufgerufen am 18.02.2021)

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