Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

Inhalt

Nachhaltiges Zeichnen – Wie nachhaltig sind deine Zeichnungen?

Immer mehr Menschen auf der gesamten Welt achten darauf einen umweltbewussten und nachhaltigen Lebensstil zu führen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie beispielsweise sich vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren, weniger Müll und Abfall zu produzieren und allgemein weniger Ressourcen zu verbrauchen. Viele Bereiche im Alltag lassen einen solchen Lebensstil bereits zu. Doch wie sieht es eigentlich im Bereich der Kunst und speziell im Bereich des Zeichnens aus? Lassen sich Zeichnen und Nachhaltigkeit miteinander vereinbaren?

Auch ich habe bislang selten darüber nachgedacht, welche Materialien und Utensilien ich beim Zeichnen verwende. Wo wurden diese hergestellt, aus welchem Material bestehen sie, was muss ich beim Kauf von Papier, Stiften etc. beachten? Von Verpackungsmüll bis hin zu giftigen Schadstoffen wie poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe – Utensilien zum Schreiben und Zeichnen können schädlich für unsere Gesundheit und für die Umwelt sein.[1] Dabei gibt es mittlerweile eine Vielzahl an umweltfreundlichen Alternativen, die auch nicht zwangsläufig teurer sein müssen. Wie kann ich als Künstler*in meine Leidenschaft umweltfreundlicher und ressourcenschonender gestalten, sodass meine nächste Zeichnung nicht nur künstlerisch ansprechend, sondern sogar nachhaltig wird?

Mit dem folgenden Blogbeitrag möchte ich andere Menschen inspirieren und motivieren, ihre Gewohnheiten zu überdenken und ihr Leben auch im künstlerischen Bereich nachhaltiger zu gestalten.

Der Papierwahn

Trotz der Digitalisierung werden alleine in Deutschland jedes Jahr weiterhin beträchtliche Mengen an Papier verbraucht. So lag der Bedarf an Papier im Jahr 2008 bei 250 Kilogramm pro Person, was einen Gesamtverbrauch von 20,5 Millionen Tonnen ausmacht.[2] Die Papierherstellung ist äußerst wasser-, energie- und ressourcenintensiv –  für die Papier- und Zellstoffproduktion wird ein Fünftel des weltweiten Holzeinschlages benötigt. Die aus dem Holz gewonnen Fasern werden zusätzlich mit Chemikalien, wie beispielsweise Chlor, optischen Aufhellern und halogenierten Bleichmitteln versetzt, um deren Qualitäten zu verbessern. Obendrein werden bei der Herstellung von Zellstoff und Papier große Mengen an Wasser benötigt, etwa zehn Kubikmeter Wasser pro Tonne Papier.[3] Zudem bedarf die Papierherstellung viel Energie in Form von Dampf und Elektrizität, weshalb beispielsweise die CO₂-Emissionen im Jahr 2008 auf 18,5 Millionen Tonnen betragen haben.[4] Aufgrund des hohen Ressourcenverbrauchs wie Holz und Energie bei der Papierneuherstellung und den damit verbundenen Schadstoffeinträgen in Wasser, Luft und Boden, brauchen wir also eine nachhaltigere und umweltschonendere Alternative.[5]

Recyclingpapier: Leider herrscht immer noch ein weit verbreiteter Irrglaube vor, dass Recyclingpapier qualitativ schlechter ist als Frischfaserpapier. Allerdings lassen sich heute kaum haptische und optische Unterschiede feststellen.[6] Altpapier ist im Vergleich zu Holz ein umweltfreundlicherer Rohstoff zur Papierneuherstellung, da bei der Herstellung von Recyclingpapier etwa 70% Wasser und etwa 60% Energie eingespart werden.[7] Insofern ist die Verwertung von Altpapier im Vergleich zur Gewinnung von Zell- und Holzstoff auch ökonomisch gesehen preiswerter und folglich auch für uns als Konsument*innen, zumindest auf lange Zeit gesehen, kostengünstiger.[8]

Achte daher beim Kauf von Papier auf das Umweltsiegel des Blauen Engels, es garantiert nicht nur 100% Recycling-Papier, sondern erfüllt zusätzlich noch weitere Umweltauflagen, wie den Verzicht auf umweltbelastende Chemikalien.[9]

Bambuspapier: Die Bamboo-Papier Serie der Firma Hahnemühle ist bisher das einzige Papier, das zum größten Teil aus dem nachhaltigen, schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus hergestellt wird. Allerdings ist die Umweltbilanz von Bambuspapier, aufgrund der weiten Transportwege des Rohstoffes, deutlich schlechter als die von Recyclingpapier.[10]

Das Zeichengerät

Viele Produkte wie Bleistifte, Kugelschreiber und Füller finden tagtäglich Verwendung. Insbesondere im künstlerischen Bereich sind Stifte jeglicher Art ein unentbehrliches Utensil bei der Gestaltung und Anfertigung einer Zeichnung.

Vermeidung schädlicher Inhaltsstoffe: Die Verbraucher*innen haben weder Einfluss auf die Materialien (u.a. Kunststoff, Holz, Papier, Metall), welche für die Herstellung von Stiften benötigt werden, noch auf die Inhaltsstoffe der Materialien.[11] Eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2018 ergab, dass eine Vielzahl an Stiften Schadstoffe enthalten, die unter anderem Krebs erzeugen, oder im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Andere Schadstoffe in Stiften können zudem auch Allergien auslösen.[12]

Ressourcenschonende Materialien: Um einen verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen zu gewährleisten, sollten bei der Herstellung von Stiften einerseits Materialien auf Basis nachwachsender Rohstoffe wie Holz, Papier und Biokunststoffen Verwendung finden. In diesem Zusammenhang ist es allerdings entscheidend, dass diese nachwachsenden Rohstoffe zugleich auch nachhaltige Rohstoffe sind und dementsprechend weitere erforderliche Umweltaspekte sowie soziale Konsequenzen Beachtung finden.[13] Andererseits sollte auch der vermehrte Gebrauch von Recyclingmaterialien, wie beispielsweise Rezyklate aus Post-Consumer-Abfällen, gefördert werden.[14]

Verlängerte Nutzungsdauer: Um auszuschließen, dass Stifte zu einem Wegwerfprodukt verkommen, sollten diese möglichst lange nutzbar sein, z.B. in Form von nachfüllbaren Alternativen.[15]

Der Verpackungswahn

Durch unser Konsumverhalten produziert unsere Gesellschaft tagtäglich eine Menge an Müll und Abfall. So fielen in Deutschland im Jahr 2018 18,9 Millionen Tonnen an Verpackungsmüll an.[16] Auch Künstler*innen tragen ihren Teil dazu bei und verbrauchen eine Vielzahl an Produkten, wie Papier, Leinwände, Stifte und Farben, die allesamt in Kunststoff (-Folie), zum Teil auch in Papier und anderen Materialien, verpackt sind. Der Materialverbrauch ist also sehr hoch, was dementsprechend zu viel Verpackungsmüll führt.

Achte beim Kauf deiner Materialien, dass diese wenig oder im besten Fall gar nicht verpackt sind, denn die umweltfreundlichste Verpackung ist die nicht vorhandene Verpackung. Lässt sich die Verpackung nicht vermeiden, sollte auf einen Materialmix und auf Verbundmaterialien verzichtet und stattdessen auf Verpackungen aus sortenreinen Stoffen geachtet werden. [17] Insbesondere Kunststoffe weisen eine bedeutende Vielfalt auf, wie unter anderem Polyethylen, Polypropylen und Polyvinylchlorid, welche nur im sortenreinen Zustand verwertet und recycelt werden können.[18]

Übernimm die Verantwortung für dein Handeln

Weniger ist mehr

Es gibt heutzutage eine Vielzahl an unterschiedlichen Zeichenutensilien. Doch so verführerisch und begehrenswert das Angebot auch sein mag, solltest du dir immer überlegen, ob du das Material auch wirklich für deine Zeichnung brauchst. Ist es nicht eher deine Kreativität und deine Improvisation, welche deine Zeichnung eindrucksvoll und außergewöhnlich erscheinen lässt?

Kleinigkeiten machen den Unterschied

Wir als Konsument*innen können einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung unserer Umwelt leisten. Allerdings ist es natürlich unmöglich 100% nachhaltig zu leben, aber jede und jeder sollte mit kleinen Schritten anfangen und für sich ausprobieren, was in ihr oder sein Leben passt. Achte doch bei deinem nächsten Einkauf von Papier und Stiften darauf, ob nicht auch umweltfreundliche und nachhaltige Alternativen angeboten werden. Somit wird dein nächstes Werk nicht nur künstlerisch ansprechend, sondern auch nachhaltig. Hier ein kleiner Tipp am Rande. Die obige Zeichnung wurde mit Zeichenutensilien der Firma Faber-Castell erstellt. Dieses Unternehmen setzt sich entscheidend für mehr Nachhaltigkeit auf sozialer, ökonomischer und ökologischer Ebene ein. Bist du auch künstlerisch tätig?

Hast du dich im Bereich Zeichnen schon mal mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit auseinandergesetzt? Hast du noch weitere Tipps für uns?

-Verfasst von Julian Kling-

 

Quellen:

https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/holz-zellstoff-papierindustrie/zellstoff-papierindustrie#rohstofferecycling

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

https://www.umweltbundesamt.de/themen/blauer-engel-das-anspruchsvollste-umweltzeichen-bei

https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/kunststoffabfaelle#kunststoffvielfalt

https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/verpackungsabfaelle#verpackungen-uberall

https://www.test.de/Buntstifte-Filzstifte-und-Tinten-im-Test-Schadstoffe-in-jedem-dritten-Set-1707740-0/

https://www.br.de/radio/bayern2/bambus-als-rohstoff-100.html

https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/papier-altpapier-recycling-umwelt-100.html

 

[1] U.a. vgl. https://www.test.de/Buntstifte-Filzstifte-und-Tinten-im-Test-Schadstoffe-in-jedem-dritten-Set-1707740-0/   u. vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

[2] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/holz-zellstoff-papierindustrie/zellstoff-papierindustrie#rohstofferecycling

[3] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/holz-zellstoff-papierindustrie/zellstoff-papierindustrie#rohstofferecycling

[4] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/holz-zellstoff-papierindustrie/zellstoff-papierindustrie#rohstofferecycling

[5] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/holz-zellstoff-papierindustrie/zellstoff-papierindustrie#rohstofferecycling

[6] https://www.br.de/radio/bayern1/inhalt/experten-tipps/umweltkommissar/papier-altpapier-recycling-umwelt-100.html

[7] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/blauer-engel-das-anspruchsvollste-umweltzeichen-bei

[8] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/wirtschaft-konsum/industriebranchen/holz-zellstoff-papierindustrie/zellstoff-papierindustrie#rohstofferecycling

[9] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/themen/blauer-engel-das-anspruchsvollste-umweltzeichen-bei

[10] Vgl. https://www.br.de/radio/bayern2/bambus-als-rohstoff-100.html

[11] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

[12] Vgl. https://www.test.de/Buntstifte-Filzstifte-und-Tinten-im-Test-Schadstoffe-in-jedem-dritten-Set-1707740-0/

[13] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

[14] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

[15] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

[16] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/verpackungsabfaelle#verpackungen-uberall

[17] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/publikationen/leitfaden_zur_umweltfreundlichen_oeffentlichen_beschaffung_schreibgeraete_und_stempel.pdf

[18] Vgl. https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/kunststoffabfaelle#kunststoffvielfalt

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