Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

Inhalt

Umweltsünde Lebensmittelverpackungen?

Umweltsünde Lebensmittelverpackungen?

 – Glas und Metall im Vergleich –

Dass Plastik für die Umwelt nicht so wirklich toll ist, ist mittlerweile allen bekannt. Produktion und Transport von Plastik ergeben immerhin bis zu 5,5kg CO2 Äquivalente pro Kilogramm Polyethylen (dem Kunststoff, der für Verpackungen verwendet wird). Auch die Recyclingquote lag 2017 mit 48 %[1] für Plastikverpackungen unter der Hälfte, wobei das Plastik zusätzlich jedes Mal an Qualität verliert und so nur wenige Male recycelt werden kann. Ganz zu schweigen von der Gefährdung von anderen Lebewesen (viele von uns erinnern sich bestimmt an die Bilder von Schildkröten, deren Hälse sich in Plastiktüten verheddert haben) und der massiven Umweltbelastung, u.a. auch durch Mikroplastik.[2]

Vor allem im Supermarkt, ein Ort, an dem sich jede*r von uns regelmäßig aufhält, treffen wir auf schier unendliche Schichten von Plastik.

Machen wir etwas gegen den hohen Plastikverbrauch? Naja, nicht so richtig. Können wir etwas dagegen tun? Ja, auf jeden Fall! Aber worin verpackt sollte ich meine Lebensmittel denn lieber kaufen? Was ist wirklich besser als Plastik? Und ist überhaupt etwas besser? Ich habe mich einmal über zwei weitere gängige Verpackungsmaterialien der Lebensmittelindustrie, Glas und Aluminium, schlau gemacht, um mich diesen Fragen stellen zu können.

Erstmal wird den Materialen einzeln auf den Zahn gefühlt:

  • Wie wird das Material erzeugt?
  •  Wie wird es transportiert?
  •  Und schließlich, wie lang ist die Lebensdauer und wie hoch die Wahrscheinlichkeit, dass es recycelt werden kann?

Glas

Glas besteht hauptsächlich aus Quarzsand, dem Glasbilder. Dieser wird mit Natrium-Carbonat als Flussmittel und Kalk als Stabilisator bei ca. 1000° C geschmolzen und in diesem formbaren Zustand in die gewünschte Form gebracht. Um den Sand zu schmelzen, wird also eine hohe Temperatur gebraucht, das verbrannte Material stößt große Mengen an CO2 aus. 2019 wurden in Deutschland ca. 3,7 Millionen Tonnen Glas für die Aufbewahrung von Lebensmitteln produziert.[3] So entsteht beispielsweise bei Mineralwasser bei einer Mehrwegflasche mit einem Transportweg von 258 km und 40 Umläufen 83 kg CO2 pro 1.000 Liter Wasser.[4]

Der Faktor Transport verbessert die CO2-Bilanz von Glas nicht gerade. Da Glas sowohl schwer als auch zerbrechlich ist, können die Transporter nur geringe Mengen an Glas auf einmal von A nach B bringen. Viel Raum wird von der Schutzverpackung eingenommen oder kann durch das hohe Eigengewicht nicht maximal genutzt werden. Es wird zwar an extra dünnem Glas gearbeitet, welches leichter ist. Jedoch muss darunter auch die Stabilität leiden, weshalb es für die Lebensmittelindustrie nicht der richtige Weg zu sein scheint.

Punkten kann Glas allerdings mit seiner unendlichen Recyclebarkeit und vergleichsweise langen Lebensdauer. Denn die Mehrwegflasche hat im Schnitt 50 Umläufe, bevor sie recycelt wird.[5] Daneben wurde im Jahr 2018 in Deutschland  83,0%[6] des Verpackungsglases recycelt. Bei der Produktion neuen Glases wird häufig nur ein geringer Anteil an Altglasscherben hinzugefügt, dieser setzt aber durch den bereits einmal zu Glas verschmolzenen Sand den Schmelzpunkt herab, sodass rund 30% des Energieaufwands gespart werden können.[7] Dies gilt jedoch nur, wenn das Glas farblich getrennt entsorgt wird, sodass aus Weißglas auch wieder weißes Glas entstehen kann.[8]

Aluminium und Weißblech

Das in der Erdkruste enthaltene Element Aluminium ist eine begrenzte Ressource. Man kann auch nicht einfach fertiges Aluminium aus der Erde holen, sondern man schürft Aluminiumoxid, auch Bauxit genannt, welches mit Kryolith bei 660° C geschmolzen und durch elektrischen Strom in die reinen Elemente Aluminium und Sauerstoff zerlegt wird.

Rund 100 Tausend Tonnen Aluminium werden jährlich für Lebensmittelverpackungen verwendet.[9] Das ist nur 1/37 von der jährlichen Glasproduktion. In der Lebensmittelindustrie findet man Aluminium meist in Form von Deckeln für Flaschen oder Folien (Alufolie, Joghurt-Deckel etc.).

Transportieren lässt sich Aluminium im Vergleich zu Glas schadstoffärmer. Denn es ist leicht und stabil. So können große Mengen auf einmal transportiert werden.

Die Recyclingquote von unendlich recycelbaren Aluminiumverpackungen kann sich sehen lassen, denn in Deutschland wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes im Jahr 2018 93,7%[10] recycelt. Dabei kann der Energieaufwand, welcher für eine Dose aus neuem Aluminium benötigt wird, für 20 Dosen aus recyceltem Aluminium aufgewendet werden, der Energieaufwand beträgt also nur noch 5% des ursprünglichen.[11] Somit liegt auch hier, wie bei Glas, ein geschlossener Verwertungskreislauf vor. Dieser wird nur geschwächt, wenn die unterschiedlichen Legierungen nicht getrennt, und somit nicht sortenrein geschmolzen werden, denn dann verliert die Verbindung an Wert. Es wird also nicht recycelt, sondern downcycelt. Beim Downcycling wird das Material zwar wieder verwertet, aber das neu entstandene Produkt hat einen geringeren Wert als sein Vorläufer. Bei Getränkedosen sind beispielsweise oft zwei Schichten Aluminium mit unterschiedlichen Elementen vermischt, die nicht mehr getrennt werden können. Deshalb entsteht schlechteres Aluminium, welches nicht mehr für Getränkedosen, sondern nur noch für Füllstoffe für beispielsweise Autos verwendet werden kann.

Kurz zu erwähnen wäre noch, dass Konservendosen in Deutschland meistens aus Weißblech gemacht sind. Dabei handelt es sich um Stahlblech, welches durch eine elektrolytische Verzinkung lebensmitteltauglich gemacht wird. Die Recycle-Quote lag 2018 bei Verpackungen aus Stahl mit 90,4%[12] .

Überrascht es dich, dass Aluminium und Stahl so gut recycelt werden können?

Damit bist du nicht allein, denn viele Menschen wissen nicht, dass Metalle unendlich recycelbar sind. Deshalb wurde das Logo „Metal recycles forever“ entworfen. Dies kann auf ausschließlich in Metall verpackte Produkte gedruckt werden, damit wir Konsument*innen über die Möglichkeit des Recyclings aufgeklärt werden.

Ergebnis

Nach der Recherche bin ich zwar schlauer, trotzdem kann ich euch, lieben Leser*innen, keine allgemeingültige Antwort darauf geben, welches Verpackungsmaterial das nachhaltigste ist.

Glas, welches aus einem endlichen Rohstoff besteht, trägt bei seiner Produktion und seinem Transport stark zum CO2-Ausstoß bei, ist dafür aber endlos recycelbar und wird auch in der Lebensmittelindustrie als Mehrwegprodukt verwendet.

Aluminium zerstört die Umwelt durch das Schürfen des Rohstoffs in Minen, steht aber beim Transport wegen seines geringen Gewichts und beim Recycling wegen der hohen Quote und infiniten Recyclebarkeit gut da.

Es kommt also schlussendlich auf das gekaufte Produkt an. Allerdings ist beides besser als Plastik. Nicht nur wegen des geschlossenen Kreislaufs aus Produktion und Verbrauch, sondern auch weil sich kein Mikroplastik in unserem Joghurt versteckt.

Abschließend kann man sagen: Recycling ist gut, gar keine Verpackung ist besser.

Das ist zwar leicht gesagt, aber nicht so leicht getan. Wie vermeidet ihr Verpackungen beim Kauf von Lebensmitteln?

-Verfasst von Maike Hitz-

 

Quellen
Plastik:
Glas:
Metalle:

 

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/901192/umfrage/recyclingquote-von-kunststoffverpackungen-in-eu-laendern/ (05.03.2021)

[2] Umweltbundesamt (Hrsg.): Quellen für Mikroplastik mit Relevanz für den Meeresschutz. Dessau-Roßlau, 2015.

[3] https://www.bvglas.de/zahlen-fakten/ (13.01.2021)

[4] https://www.mehrweg-mach-mit.de/getraenkeverpackungen/glasflaschen/ (27.02.2021)

[5] https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/lebensmittelproduktion/glas-7059  (09.01.2021)

[6] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/168694/umfrage/recyclingquote-von-altglas-in-deutschland-seit-1974/ (05.03.2021)

[7] https://www.gruener-punkt.de/de/politik-gesellschaft/verbraucher/glasrecycling (27.02.2021)

[8] https://www.umweltbundesamt.de/daten/ressourcen-abfall/verwertung-entsorgung-ausgewaehlter-abfallarten/glas-altglas#stoffliche-verwertung-von-flachglas (27.02.2021)

[9] Vgl. GDA – Gesamtverband der Aluminiumindustrie e.V. (Hrsg.): Aluminium in der Verpackung. „Herstellung Anwendung Recycling“. Düsseldorf, o. J. S. 3-5.

[10] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156542/umfrage/recyclingquote-von-aluminiumverpackungen-in-deutschland-seit-1991/ (05.03.2021)

[11] http://www.aluinfo.de/recycling.html (09.01.2021)

[12] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/156541/umfrage/recyclingquote-von-weissblechverpackungen-in-deutschland-seit-1991/ (05.03.2021)

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