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Sauber im Badezimmer: So schonst du die Umwelt während der Alltagshygiene

– zuerst veröffentlicht am 16. Februar 2021 – 

Kein Zweifel: Immer mehr Menschen in Deutschland und auf der gesamten Welt achten auf ihren Lebensstil und den damit verbundenen Ressourcenverbrauch. Vielleicht hast auch du dir schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie du deinen ökologischen Fußabdruck verkleinern kannst: Weniger Fleisch essen, den Kleiderschrank mit Second-Hand-Kleidung bestücken, mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren statt mit dem Auto, … Die Möglichkeiten und Ideen für einen bewussteren Lebensstil sind vielfältig. Aber wie „sauber“ ist eigentlich die tägliche Körperhygiene? Hier liest du die wichtigsten Infos und Tipps zu einer nachhaltigeren Routine im Badezimmer.

Wasser sparen – Energieverbrauch senken

Ganze 125 Liter Trinkwasser verbrauchten deutsche Haushalte pro Person im Jahr 2019 täglich. Davon werden allein 36 Prozent nur für die alltägliche Körperhygiene verwendet – und das hat auch Einfluss auf den Energieverbrauch.[1] Wir haben zwar in Deutschland (noch) kein Problem mit der Trinkwasserversorgung, es ist aber dennoch sinnvoll, auch im eigenen Haushalt den Wasserverbrauch zu minimieren. Der Energiebedarf für die Erwärmung von Wasser macht im Schnitt 12 Prozent des Gesamtenergiebedarfs eines Haushalts aus. Wenn du Wasser sparst, sparst du also gleichzeitig auch Energie![2]

Hier sind einige Tipps, wie du deinen Wasserverbrauch im Badezimmer minimieren kannst.

  • Duschen statt Baden: Fast 250 Liter Wasser brauchst du – je nach Größe deiner Badewanne – für ein einziges Vollbad. Bei einer 5-Minuten-Dusche mit einem ganz gewöhnlichen Duschkopf plätschern immerhin „nur“ noch rund 100 Liter den Abfluss hinunter. Am wenigsten verbrauchst du, wenn du beim Einseifen das Wasser abstellst.[3]
  • Wassersparende Armaturen: Der Wasserverbrauch beim Duschen kann um die Hälfte reduziert werden, wenn du einen wassersparenden Duschkopf verwendest.

Auch für Waschtisch-Armaturen gibt es ähnliche Vorrichtungen. Du kannst deinen Duschkopf aber auch ganz einfach selbst umrüsten – einen Durchflussbegrenzer erhältst du in jedem Baumarkt.

  • Spülstopp-Taste am WC: Gleich nach Badewanne und Dusche gehört die Toilette zum zweitgrößten Verbraucher von Wasser in jeder Wohnung. Durch den Einsatz eines WC-Spülstopps kannst du den Wasserverbrauch der Toilette maßgeblich um etliche Liter senken.
  • Tropfende Wasserhähne: Bis zu 5.000 Liter Wasser verbraucht ein einziger tropfender Wasserhahn jährlich! Indem du den undichten Wasserhahn reparierst, kannst du nicht nur wertvolle Ressourcen schonen – du ersparst dir zusätzlich auch das nervige Tropfen.

Gut zu wissen: Wenn du deinen Wasserverbrauch beim Waschen, Duschen und Baden eindämmst, sparst du automatisch auch kostbare Energie – denn die braucht es, um das Wasser zu erwärmen. Eine Dusche von zehn Minuten verbraucht in etwa so viel Energie wie ein vierundvierzigstündiger Filmmarathon – das sind in etwa 7 Kilowattstunden.[4]

Weniger Verpackungsmüll – weniger Mikroplastik

Einwegartikel und Einwegverpackungen sind aus unseren Badezimmern nicht wegzudenken – oder? Tag für Tag landen Kunststoffflaschen, Einwegrasierer, Abschminktücher und Überverpackungen von Seife oder Toilettenpapier im Abfalleimer. Pro Kopf verbrauchte jeder Deutsche im Jahr 2016 24,9 Kilogramm Kunststoffverpackungen.[5] Aber nicht nur der sichtbare Verpackungsmüll ist ein gewaltiges Problem für die Umwelt. Auch Mikroplastik-Partikel in Shampoos, Peelings oder Cremes haben einen immensen Einfluss auf unsere Umwelt. In Shampoos sorgen die Partikel beispielsweise dafür, dass sie besser schäumen und glänzen.

Das Mikroplastik hat einen Durchmesser von fünf Millimeter oder kleiner und kann die Filter von Kläranlagen ungehindert durchdringen. So gelangt es in Flüsse und Meere und kann sich somit in natürlichen Ökosystemen anreichern. Selbst in Meeresfischen und Pinguinen wurden die winzig kleinen Plastik-Partikel bereits nachgewiesen! Muscheln, Fische und andere Meerestiere nehmen das Plastik als vermeintliches Nahrungsmittel auf. Je kleiner das Mikroplastik, desto wahrscheinlicher verwechseln Tiere die Partikel mit Nahrung oder nehmen sie passiv durch Filtration auf.[6]

Auch wir Menschen nehmen die Plastikpartikel auf – pro Woche sind das durchschnittlich bis zu fünf Gramm. Das entspricht ungefähr dem Gewicht einer Kreditkarte.[7] Mikroplastik verunreinigt die Lebensmittel, die wir essen, und das Wasser, welches wir trinken und für unsere Alltagshygiene verwenden.[8] Wir nehmen die kleinen Plastikpartikel beispielsweise durch den Verzehr von Muscheln, Fisch, Honig oder auch Milch auf, die das Mikroplastik bereits in sich tragen.[9]

Mit den nachfolgenden Tipps kannst du deinen Plastikverbrauch im Badezimmer senken und natürliche Ressourcen schonen.

  • Einwegartikel ersetzen: Anstatt Wegwerf-Produkten kannst du zum Beispiel waschbare Abschminkpads aus Bambus oder Textilfasern verwenden. Statt Einwegrasierern kannst du auf Rasierhobel mit austauschbarer Klinge umsteigen.[10]
  • Verpackungen reduzieren: Du kannst feste Seifen, Shampoos und Conditioner kaufen. Diese sind heute auch schon günstig in jeder Drogerie erhältlich und du kannst durch den Umstieg deinen Plastikverbrauch um ein Vielfaches senken. Auch in Unverpacktläden gibt es die Möglichkeit, flüssiges Shampoo nachzufüllen und somit die Einwegverpackungen zu vermeiden.
  • Mikroplastik vermeiden: Die winzigen Plastik-Partikel finden sich in vielen Kosmetikprodukten. Du erkennst Produkte mit Mikroplastik an Bezeichnungen wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Acrylate Copolymer (AC) oder Polyamide (PA).

Gut zu wissen: Kunststoffe werden in den Kosmetikprodukten nicht nur in Form von festen Teilchen eingesetzt – auch Wachse, Gele oder flüssige Polymere sind Inhaltsstoffe von Kosmetika. Diese werden allerdings nicht als Mikroplastik bezeichnet und meist kann auch nicht auf der Verpackung erkannt werden, ob es sich um Kunststoff in fester oder flüssiger Form handelt. Deshalb werden lösliche Stoffe wie Acrylsäure-Copolymere meist in der Diskussion über Mikroplastik nicht berücksichtigt. Es ist allerdings erwiesen, dass die biologisch schwer abbaubaren Kunststoffe in Kosmetikprodukten die Umwelt belasten – unabhängig davon, ob sie als feste Teilchen vorliegen oder nicht.[11] Der Einfluss der Kunststoffe ist heute schon bei 270 unterschiedlichen Tierarten dokumentiert. Folgen wie innere Verletzungen, eine Schwächung des Immunsystems oder ein direkter Einfluss auf die Fortpflanzung der verschiedenen Tiere wurden bisher dokumentiert. Das Mikroplastik kann auch die Bodeneigenschaften verändern und so dazu beitragen, dass schädliche Chemikalien leichter in den Boden gelangen.[12] Da Pflanzen durch die Anreicherung von Mikroplastik schlechter wachsen, ist der Boden weniger dicht und verschiedene Giftstoffe können sich einfacher im Boden anreichern.[13]

Chemikalien vermeiden – Umwelt schonen

Jeder von uns verwendet täglich Wasch- und Putzmittel. Meist verwenden wir sie ohne darüber nachzudenken, welche Stoffe in den Produkten sind. Jährlich werden 1,3 Millionen Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel an private Endverbraucher*innen in Deutschland verkauft. Davon gelangen 630.000 Tonnen Chemikalien in das Abwasser,[14] darunter beispielsweise Tenside, Phosphate, Duftstoffe und vieles mehr. Diese Stoffe können von den Filteranlagen der Kläranlagen nicht vollständig zurückgehalten werden. Deshalb gelangen sie ins Gewässer und greifen dort Wasserorganismen an.

Um die Umwelt vor schädlichen Chemikalien wie Tenside oder Phosphate zu schützen, kannst du mit einfachen Alternativen nachhaltiger waschen.

  • Waschpulver statt Flüssigwaschmittel: Flüssiges Waschmittel enthält deutlich mehr waschaktive Tenside als Waschpulver. Außerdem benötigt das Flüssigwaschmittel Konservierungsstoffe, die Kläranlagen und Gewässer stark belasten. Waschpulver kannst du außerdem oftmals in Papier verpackt kaufen und umgehst so die Plastikflaschen des flüssigen Waschmittels.
  • Bio-Waschmittel: Der Waschball ist eine besonders umweltfreundliche Alternative für herkömmliche Waschmittel. Du kannst aber auch ganz einfach dein eigenes Waschmittel aus Kernseife, Waschsoda und ätherischen Ölen herstellen. Diese Alternativen sind frei von Tensiden, Enzymen und Duftstoffen und sind somit auch für Allergiker*innen sehr gut geeignet.

Vorsicht: Eine Studie hat ergeben, dass Chemikalien in Kosmetikprodukten auch negativ auf den Hormonhaushalt des Körpers auswirken können.[15] Stoffe wie Parabene gelangen über die Haut in unseren Körper.[16] Im schlimmsten Fall können diese hormonell wirksamen Produkte in sensiblen Wachstumsphasen wie der Pubertät zu gravierenden Schäden führen. Bei Mädchen und Frauen kann beispielsweise das Risiko für Brustkrebs steigen.[17] Um einfach und schnell herauszufinden, ob ein Kosmetikprodukt in den Hormonhaushalt eingreift, kannst du mit der App „Codecheck“ das Produkt scannen und die Inhaltsstoffe überprüfen.

Wie „sauber“ ist dein Badezimmer?

Natürlich ist es kaum möglich von heute auf morgen das komplette Badezimmer umweltfreundlich und nachhaltiger zu machen. Dennoch kannst du bei deinem nächsten Drogeriebesuch einmal darauf achten, wie viele nachhaltige Alternativen dort schon angeboten werden. Probiere diese das nächste Mal doch einfach aus – dann wird deine künftige Alltagshygiene doppelt „sauber“. Für dich und unsere Umwelt.

-Verfasst von Leonie Hilbert-

 

Quellen:

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2020): Mikroplastik – ein Thema des Verbraucherschutzes. Online: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/kontaminanten/mikroplastik/#lebensmitteln [zuletzt aufgerufen: 10.02.2021]

BUND (2018): Hormonelle Schadstoffe – Attacke auf das Hormonsystem. Online: https://www.bund.net/themen/chemie/hormonelle-schadstoffe/ [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]

BUND Baden-Württemberg (2020): Wassersparen in Bad und Toilette. Online: https://www.bund-bawue.de/tipps/detail/tip/wassersparen-in-bad-und-toilette/ [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]

BUND (2013): Der Kosmetik-Check. Online: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/kosmetik-check_studie.pdf [zuletzt aufgerufen 05.02.2021]

Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020): Mikroplastik beeinflusst Pflanzenwachstum. Online: https://www.bmbf.de/de/mikroplastik-beeinflusst-pflanzenwachstum-12180.html [zuletzt aufgerufen: 10.02.20201]

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2017): Trinkwasser. Online: https://www.bmu.de/themen/wasser-abfall-boden/binnengewaesser/trinkwasser/ [zuletzt aufgerufen 05.02.2021]

Deutschlandfunk Nova (2017): Warmduscher? Klimasau! Online: https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/warmduscher-eine-heisse-dusche-verbraucht-so-viel-energie-wie-44-stunden-vor-der-glotze [zuletzt aufgerufen 10.02.2021]

Umwelt Bundesamt (2018): Verpackungsverbrauch in Deutschland weiterhin sehr hoch. Online: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/verpackungsverbrauch-in-deutschland-weiterhin-sehr [zuletzt aufgerufen 10.02.2021]

Umwelt Bundesamt (2015): Wasch- und Reinigungsmittel. Online: https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/wasch-reinigungsmittel [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]

Umwelt Bundesamt (2014): Wassersparen: sinnvoll, ausgereizt oder übertrieben? Online: https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/wassersparen-sinnvoll-ausgereizt-uebertrieben [zuletzt aufgerufen 05.02.2021]

Utopia (2020): Mikroplastik in Kosmetik: Wo es sich versteckt und wie du es meiden kannst. Online: https://utopia.de/ratgeber/mikroplastik-kosmetik-produkte/#mikroplastik [zuletzt aufgerufen: 10.02.2021]

Utopia (2018): Parabene: Wie gefährlich sind die Zusatzstoffe in Kosmetik? Online: https://utopia.de/ratgeber/parabene-wie-gefaehrlich-sind-die-zusatzstoffe-in-kosmetik/ [zuletzt aufgerufen: 10.02.2021]

Verbraucherzentrale (2020a): Mikroplastik und Kunststoffe in Kosmetik und im Meer. Online: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/produkte/mikroplastik-und-kunststoffe-in-kosmetik-und-im-meer-26381 [zuletzt aufgerufen 23.01.2021]

Verbraucherzentrale (2020b): Einkaufen ohne Verpackungsmüll – fünf Tipps gegen überflüssiges Plastik. Online: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/nachhaltigkeit/einkaufen-ohne-verpackungsmuell-fuenf-tipps-gegen-ueberfluessiges-plastik-26237 [zuletzt aufgerufen: 23.01.2021]

 

[1] Vgl. Bundeministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (2017).

[2] Vgl. Umwelt Bundesamt (2014).

[3] Vgl. BUND Baden-Württemberg (2020).

[4] Vgl. Deutschlandfunk Nova (2017).

[5] Vgl. Umweltbundesamt (2018).

[6] Vgl. Utopia (2020).

[7] Vgl. WWF (2019)

[8] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020).

[9] Vgl. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2020).

[10]Vgl. Verbraucherzentrale (2020b).

[11] Vgl. Verbraucherzentrale (2020a).

[12] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020).

[13] Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2020).

[14] Vgl. Umwelt Bundesamt (2015).

[15] Vgl. BUND (2013).

[16] Vgl. Utopia (2018).

[17] Vgl. BUND (2018).

 

 

 

 

 

 

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