Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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E-Bike als nachhaltige Alternative zum Auto?

Viele haben sie wahrscheinlich schon einmal gesehen: Radfahrer*innen mit motorischer Unterstützung. Das macht ja sehr viel Sinn, wenn man zu schwach oder unbeweglich ist, das eigene Fahrrad noch eigenständig vollständig voranzutreiben, doch ist das das einzige Anwendungsgebiet dieser speziellen Räder? Im Folgenden möchte ich weitere große Teilbereiche der E-Bike-Mobilität beleuchten.

Zunächst einmal eine kurze Begriffserklärung. E-Bike ist wohl die verbreitetste Bezeichnung für das, was meist eigentlich ein (S-)Pedelec ist. Bei einem (S-)Pedelec handelt es sich um die Form von Fahrrad, bei der eine motorische Unterstützung nur dann greift, wenn man selbst in die Pedale tritt. Die Unterstützungskraft ist dabei davon abhängig, welche Unterstützungsstufe man eingestellt hat und vor allem wie stark man selbst mithilft. Bei normalen Pedelecs wird der Motor bei 25km/h abgeschaltet. Daher zählt es im Straßenverkehr noch als normales Fahrrad. Wenn der Motor weiter bis 45km/h unterstützt, handelt es sich um ein S-Pedelec, welches mit einem Roller der Klasse AM gleichgestellt ist und somit der Kennzeichen- und Helmpflicht unterliegt sowie Fahrerlaubnis und Haftpflichtversicherung erfordert. Bei dem tatsächlichen E-Bike kann man den Elektromotor betreiben, ohne selbst in die Pedale zu treten. In diesem Fall ist das Rad – abhängig von der Leistung des Motors – vom Mofa bis zum Motorrad einzuordnen und bringt auch hier deren Regelungen mit sich.[1] Im Folgenden werde ich mich, wenn ich das E-Bike nenne, immer auf das normale Pedelec beziehen, welche mit Abstand die gängigste Form ist.[2]

Von Jahr zu Jahr sieht man immer mehr E-Bikes, sowohl auf gut ausgebauten Radwegen als auch in schwer zugänglichem Gelände. Von 2019 auf 2020 ist die Nachfrage von E-Bikes unter allen Fahrrädern von 58,12% auf 65,32% gestiegen, was einen beachtlicher Anstieg bei einer ebenso beachtlichen Ausgangssituation darstellt. Wenn man den Anteil der nicht-motorisierten Mountain- und Citybikes, Trekking-, Renn- und Klappräder addiert, erhält man einen Abstieg von 34,12% auf 27,37%, was in etwa dem Anstieg der E-Bikes entspricht.[3] Hier haben vor allem Trekkingräder die größten Einbußen zu verzeichnen, wohl weil E-Trekkingräder die beliebteste E-Bike Modellgruppe ist.[4]

Nun stellt sich die Frage, was die Menschen antreibt sich genau der Radgruppe zu bedienen, welche im Schnitt mit großem Abstand die teuerste ist.[5] Für 81% der Befragten ist es ein Kaufgrund für ein E-Bike, dass man damit sehr gut Landschaften erkunden kann. Eng geknüpft daran finden es 79% vorteilhaft, damit längere Touren zu unternehmen, bei diesen mithalten zu können, und das ohne erschöpft oder verschwitzt zu sein. Ganze 75% haben den Umweltaspekt im Blick, da durch das E-Bike die ein oder andere Autofahrt ersetzt werden kann. Einen weiteren Vorteil, das Auto betreffend, sehen 73% darin, dass mit dem E-Bike das Suchen eines Autoparkplatzes entfällt. Sogar 55% sind der Meinung, das E-Bike würde sich auch für sportliche Aktivitäten eignen. Zuletzt meinten nur 36%, davon 43% 50-70-Jährige, dass das Radfahren ohne elektrische Hilfe ihnen zu anstrengend sei.[6] Hier lässt sich also herauslesen, was wohl wichtige Aspekte sind, bei denen das E-Bike helfen kann. Zuerst spielt es in der Freizeitaktivität eine große Rolle, da es wohl für viele Personen das Radfahren in der Freizeit gerade erst attraktiv gestaltet. Eng damit verknüpft ist der Umweltaspekt. Man kann nun viele Ziele erreichen ohne zum Auto greifen zu müssen. Zuletzt kam noch einmal der oben schon genannte Aspekt, dass das E-Bike eine Alternative für die ist, die sich mit dem herkömmlichen Rad, körperlich bedingt, schwer tun.

Eine offensichtliche Möglichkeit, das Fahrrad einzusetzen, ist der Weg zur Arbeits- oder Bildungsstätte. Bei einer Umfrage zum Pendeln mit dem Fahrrad ergab sich, dass 30% regelmäßig damit zur Arbeits- oder Bildungsstätte fahren, 53% hauptsächlich privat Fahrrad fahren und nur 17% nie radeln. Der Anteil derer, die regelmäßig zum Rad greifen, könnte vielleicht durch den Einsatz von E-Bikes noch deutlich gesteigert werden. Beispielsweise spielt es doch eine große Rolle, auf der Arbeit nicht erschöpft und verschwitzt anzukommen, wobei das E-Bike ja, wie oben erläutert, hilft. Auch ist es leichter größere Strecken zurückzulegen. Dadurch kommt es für Arbeitende aus einem größerem Umkreis in Frage.

Der vergleichsweise hohe Kaufpreis wirkt auf einige Interessierte vielleicht abschreckend. Es ist nicht selbstverständlich, sich ein Fahrrad für 2800€ zu kaufen. Es gibt jedoch diverse Angebote, die dabei unter die Arme greifen. In einigen Fällen stellt der Arbeitgeber sogar kostenfrei E-Bikes zur Verfügung, ähnlich wie bei Firmenwagen. Eine sehr verbreitete Lösung dafür sind Leasingangebote. Die gibt es einerseits im herkömmlichen Sinne und können komplett privat abgewickelt werden. Die attraktivere Art ist jedoch die, bei der der Arbeitgebende mit einbezogen wird. Hierbei können über Steuervorteile Arbeitnehmende und Arbeitgebende profitieren und letztendlich das teure Rad erschwinglicher machen. Diese Leasingangebote sind selbstverständlich nicht nur auf E-Bikes beschränkt, falls man doch lieber das Rad ohne Unterstützung benutzt.

Fassen wir also nochmal zusammen: Die rapide steigende Nachfrage nach E-Bikes liegt wohl u.a. daran, dass es entspannter in eine Freizeitaktivität eingebaut werden kann. Dadurch kann eine lange Autofahrt in den Urlaub durch eine lokal angesetzte Fahrradreise umgewandelt werden. Das Gleiche gilt auch für den Weg zum Arbeits- oder Bildungsort. Das ist nicht nur ökologisch nachhaltiger, sondern fördert mit der damit verbundenen körperlichen Aktivität auch noch die Gesundheit und trägt damit zur sozialen Nachhaltigkeit bei..

Schaut doch selbst mal, ob das Fahrrad, ob mit oder ohne Motorunterstützung, bei euch schon zum Einsatz kommt oder kommen könnte. Vielleicht wurde ja der ein oder andere Aspekt angesprochen, welcher euch selbst zur Anschaffung oder Benutzung eines (E-)Fahrrades bewegen könnte. In vielen Fällen braucht man unwesentlich länger oder ist sogar schneller als mit dem Auto oder dem ÖPNV, und währenddessen sogar noch an der frischen Luft und fern von Stau unterwegs.

Zuletzt noch ein paar kleine Tipps zur Akkupflege an die, die schon ein E-Bike haben oder planen sich eines zuzulegen. Die Tipps gelten natürlich auch für euren Smartphone- oder Laptop-Akku. Man kann mit einfachen Regeln die Lebensdauer von Li-Ion Akkus merklich erhöhen. Dazu sollte der Akku möglichst weder komplett leer gefahren werden noch zu lange bei 100% am Ladegerät hängen. Auch sind Lagertemperaturen über 30°C nicht förderlich und führen zu schnellerer Alterung. Für die Einlagerung des Akkus über den Winter sollte dieser nicht über Raumtemperatur und halb voll gelagert werden. Nach spätestens sechs Monaten sollte der Akku aber wieder aufgeladen werden.

-Verfasst von Paul Wunner-

 

[1]https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/zweirad/fahrrad-ebike-pedelec/vorschriften-verhalten/pedelec-ebike/ aufgerufen am 22.06.2021.

[2]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/152721/umfrage/absatz-von-e-bikes-in-deutschland/ aufgerufen am 22.06.2021.

[3]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/430626/umfrage/beliebteste-fahrradtypen-in-deutschland/ aufgerufen am 22.06.2021.

[4]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1107774/umfrage/absatzverteilung-der-e-bike-modelle-in-deutschland/ aufgerufen am 22.06.2021.

[5]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/430707/umfrage/mittlere-preise-der-fahrradtypen-in-deutschland/ aufgerufen am 22.06.2021.

[6]https://www.ipsos.com/de-de/pro-und-contra-e-bikes-aus-sicht-der-konsumenten aufgerufen am 22.06.2021.

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