Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Mein liebenswerter Hund – Eine Belastung für die Umwelt?

Nichts ist am Morgen schöner, als durch das Abschlabbern unserer freudigen Fellnase aufgeweckt zu werden. Einem glücklichen Start in den Tag kann damit nichts im Wege stehen. Das gilt aber nicht nur in den Morgenstunden. Tagtäglich erfreut uns unser Vierbeiner mit seinem Dasein. Nicht nur durch das gemeinsame Spielen oder Schmusen; er ist unser treuer Begleiter, der mit seiner Erscheinung immer ein Lächeln in unsere Gesichter zaubert.

Dabei ist der Hund schon seit Jahrtausenden an unserer Seite. Ganz nach dem Motto „Des Menschen bester Freund“ wird durch kein anderes Tier eine stärkere Beziehung zum Menschen aufgebaut als durch den Hund.[1] Dabei bleibt die Aussage nicht unbegründet. Denn sowohl aus psychischer als auch physischer Sicht wirkt er sich positiv auf uns aus. Eine gesteigerte körperliche Aktivität und ein reduzierter Stresspegel sind nur zwei von einer Vielzahl an Vorteilen, die eine Hundehaltung mit sich bringt.[2]

Hunde stellen demnach weltweit ein sehr beliebtes Haustier dar, deren Popularität auch in Deutschland zu erkennen ist. Im Zeitraum von 2000 bis 2020 hat sich die Anzahl an Hunden in deutschen Haushalten von 5 auf 10,7 Millionen mehr als verdoppelt.[3] Doch so positiv ihre Auswirkungen auf den Menschen sind, so negativ sind die Effekte ihrer Haltung auf die Umwelt.

Ganz allgemein gesagt: Die Menge an Treibhausgasen, die durch einen durchschnittlichen[4] Hund während seines Lebens verursacht werden, entsprechen der eines Hin- und Rückfluges von Berlin nach Barcelona – und das insgesamt dreizehnmal. Dabei verursacht die Hundehaltung nicht nur einen hohen Ausstoß an Treibhausgasen (nämlich 8,2 Tonnen CO2) und leistet hierdurch ihren Beitrag zum Klimawandel, sondern beteiligt sich ebenfalls an weiteren Wirkungskategorien wie an der Belastung von Gewässern.[5] Dazu später mehr.

Aber erst einmal von vorne: Wie kommt es überhaupt dazu, dass mein Hund, der den Tag über größtenteils schläft, eine so hohe Belastung für die Umwelt darstellt? Dies ist besonders auf zwei Aspekte zurückzuführen: Das Hundefutter und die Exkremente des Hundes. Ersteres macht dabei den größten Anteil an der Umweltbelastung aus.[6]

Hundefutter: Die Lebensgrundlage für unseren Vierbeiner und zugleich der Umwelt Feind

Unsere Vierbeiner gelten als Allesfresser. Abhängig vom Stoffwechselbedarf, der Ernährungspräferenz und Verfügbarkeit an Nahrung hat die Ernährung des Hundes einen bedeutenden Einfluss auf den ökologischen „Pfotenabdruck“. Zur Herstellung von fleischbasierter Ernährung wird deutlich mehr Energie, Land und Wasser benötigt als bei einer pflanzlich basierten Ernährung. Durch den höheren Verbrauch an Wasser, fossilen Brennstoffen und der daraus resultierenden Produktion von Treibhausgasen sowie einem erhöhten Einsatz von Düngemittel und Pestiziden ist die CO2 -Bilanz von tierischen Produkten deutlich schlechter als die von pflanzlichen Produkten. Beispielsweise beansprucht ein Kilogramm tierisches Eiweiß das Hundertfache an Wasser als ein Kilogramm Getreide-Protein.[7] Auf globaler Ebene besteht dabei der Trend, Hunde auf Basis von Fleisch zu ernähren; dies ist auch in Deutschland zu beobachten.

Was also bietet sich an, um die Umweltbelastung durch Hundefutter zu senken? Ein möglicher Lösungsansatz ist die Umstellung auf eine vegetarische oder vegane Ernährung. Hier steht jedoch die Frage im Raum, ob die Bedürfnisse des Hundes ausschließlich durch pflanzliche Proteine gedeckt werden können oder ob eine fleischlose Ernährung eine Gefährdung für den Gesundheitszustand des Hundes bedeuten könnte.[8]

Steht also nun der Umweltaspekt oder die korrekte Ernährung des Hundes im Vordergrund? Um drastische Umstellungen für den Hund zu vermeiden, wäre eine Änderung der tierischen Proteinquelle ein Lösungsansatz. Denn die Herstellung von bestimmten Fleischsorten wie Geflügel oder Fisch haben weitaus weniger Auswirkungen auf die Umwelt als beispielsweise die Rindfleischproduktion.[9] Dadurch wird sowohl der Verzicht auf eine tierische Proteinquelle verhindert als auch eine nachhaltigere Variante gewählt. Eine weitere Möglichkeit, die Umweltbelastungen durch Hundenahrung zu minimieren, ist die Wahl eines Hundefutterherstellers, bei dem Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt und die Herstellung des Futters umweltfreundlich gestaltet wird. Dabei ist zu beachten, dass neben der Art der Proteinquelle auch Produktionsstätten, Verpackung und Transport von Bedeutung sind.[10] Nassfutter beispielsweise wird portionsweise in Dosen bzw. Einwegschalen verpackt, welche überwiegend aus Aluminium oder Weißblech bestehen. Daher geht mit der Ernährung mit Nassfutter eine große Menge an Abfall einher, der für die Umwelt schädlich ist.[11] In diesem Zusammenhang schneidet Trockenfutter besser ab, da es in großen Papier- oder Plastiksäcken gekauft werden kann. Zur Orientierung: Im Jahre 2018 gaben 50,1% der Befragten an, ihren Vierbeiner mit Trockenfutter zu ernähren, ca. 44,5% mit Nassfutter.[12] Im Internet sind einige Anbieter von Hundenahrung zu finden, die sich nicht nur durch nachhaltige Zutaten und klimafreundliche Produktion auszeichnen, sondern darüber hinaus hohen Wert auf umweltschonende Verpackungen legen.[13] Wenn du nicht bereits auf eine nachhaltige Ernährung deines Hundes achtest, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, etwas an der Fütterung zu ändern und der Umwelt Gutes zu tun.

Ein Tritt in den Hundehaufen: Glück für den Menschen (?), Unglück für die Umwelt

Angeblich bringt es ja Glück, in einen Hundehaufen zu treten. Dazu hat man ja (leider) oft genug Gelegenheit, denn, nachdem das Futter von unserem lieben Vierbeiner verdaut wurde, ist es an der Zeit Gassi zu gehen. Wie heißt es so schön: „Was der Körper an Essen zu sich nimmt, muss auch irgendwo wieder raus“, womit wir beim zweiten Teilaspekt angekommen sind. Als Resultat des Hundefutterkonsums entsteht eine gewisse Menge an Urin und Kot, die im Hinblick auf die Umweltbelastung ebenso eine große Rolle spielen. Denn sie enthalten Phosphor, ein Stoff, der umweltgefährdend bzw. umweltschädlich ist. Je nachdem, ob das Exkrement durch den/die Hundebesitzer/in entsorgt wird oder nicht, ist dies mit unterschiedlich starken Auswirkungen auf die Umwelt verbunden.[14] Ein durchschnittlicher Hund von insgesamt 15 kg produziert 0,2 kg Kot sowie 0,4 Liter Urin am Tag. Da der Urin eines Hundes auf keine Weise aufgehoben und weggeworfen werden kann, wird er als direkte Emission an die Umwelt abgegeben. Hier besteht also keine Möglichkeit zur Entgegenwirkung. Gewässer leiden dabei am meisten darunter. Der phosphorhaltige Urin, der bspw. durch Regen in Gewässer abgespült wird, hat eine Nährstoffanreicherung zur Folge, die wiederum eine erhöhte Algenproduktion in Gang setzt. Diese unterliegen nach ihrem Absterben der Zersetzung von Bakterien. Im Rahmen dieses Prozesses wird dem Gewässer eine hohe Menge an Sauerstoff entzogen. Das Absterben von Fischen und anderen Tierarten, für die der Sauerstoff die Lebensgrundlage darstellt, ist eine Folge (-> Eutrophierung[15]). Eine weitere Möglichkeit der Belastung besteht darin, dass der Urin im Boden versickert und so das Grundwasser belastet.

Im Hinblick auf den Kot sieht das Ganze aber anders aus. Hier kann der/die Hundebesitzer/in nämlich durch einen direkten Eingriff eine Senkung der Umweltbelastung hervorrufen. Diese wird dadurch erreicht, dass der Kot mit einem Plastikbeutel aufgehoben und entweder im eigenen Hausmüll oder im öffentlichen Abfalleimern entsorgt wird. Andernfalls, d.h. wenn der Kot liegen gelassen wird, muss dieser durch spezielle Maschinen der örtlichen Reinigung beseitigt werden, welche zusätzliche Energie und Ressourcen verbrauchen. Und solche, die nicht aus dem Weg geräumt werden können, da sie beispielsweise an ungünstigen Stellen liegen, gehen als direkte Emission in die Umwelt ein. In der Großstadt Berlin beispielsweise werden nur 15% des ausgeschiedenen Kots mit Plastikbeuteln in Mülleimern entsorgt, wohingegen der Rest liegen gelassen und entweder durch spezielle Maschinen gereinigt (42,5%) oder der Umwelt als direkte Emission abgegeben wird (42,5%). Wenn alle Hundebesitzer/innen den Kot des Hundes mit einem Plastikbeutel aufheben, wird eine direkte Emission an die Umwelt beinahe zu 100% verhindert. Dies würde einen erheblichen Rückgang in beiden Wirkungskategorien, der Eutrophierung und Süßwasservergiftung, jeweils um über 40% bewirken.[16]

Jetzt fragst du dich bestimmt: „Wenn jeder den Kot mit einem Plastikbeutel aufhebt, dann bedeutet doch das zugleich, dass der Plastikverbrauch dadurch ansteigt?“ Das stimmt nicht so ganz. Es besteht nämlich die Möglichkeit, den Plastikbeutel durch Beutel aus recycelbarem Material zu ersetzen, sodass mit einer höheren Kotentnahmerate nicht zwangsweise ein höherer Plastikverbrauch einhergeht. Zu diesem Thema gibt es ebenfalls diverse Anbieter, die Kotbeutel aus recycelbarem und klimafreundlichem Material herstellen.

Zum Abschluss noch eine zusätzliche, aber sehr wichtige Anmerkung: Mit zunehmendem Gewicht und einer längeren Lebensdauer des Hundes, steigen auch gleichzeitig die konsumierte Menge an Futter sowie die Menge an ausgeschiedenen Exkrementen.[17] Wir, die Verfasserinnen dieses Blogbeitrags, sind glückliche und stolze Hundebesitzerinnen. Während der Malteser (siehe Abb.1) mit einem Gewicht von 3,5 kg pro Tag ca. 75g Trockenfutter zu sich nimmt, verspeist der flat-coated Retriever (siehe Abb. 2) mit einem Gewicht von 30kg täglich ca. 500g Trockenfutter. Entsprechend steigt auch die Menge des ausgeschiedenen Kots.

Schlussfolgerung: Große und schwere Hunde stellen somit eine weitaus höhere Belastung für die Umwelt dar als kleine. Das heißt aber keinesfalls, auf ihre Haltung verzichten zu müssen oder sie vor die Tür zu setzen. Man sollte sich nur dessen bewusst sein, dass mit einem größeren und schwereren Hund auch eine höhere Umweltbelastung einhergeht. Achten die Hundebesitzer/innen aber auf eine nachhaltige Ernährung und darauf, dass der Kot aufgehoben und umweltgerecht entsorgt wird, kann hier ebenfalls die Höhe der Umweltbelastung gesenkt werden. Zusammengefasst wollen wir dich mit diesem Beitrag nicht vor Hunden abschrecken. Es ist uns nur wichtig, bewusst zu machen, dass Hundehaltung auch mit negativen Auswirkungen auf die Umwelt verbunden ist. Dabei liegt Vieles in deiner Hand. Wenn du auf eine nachhaltige Ernährung deines Hundes achtest und seinen Kot immer in einem Beutel, am besten aus recycelbarem Material, im Mülleimer entsorgst, leistest du bereits einen großen Beitrag für eine nachhaltige Umwelt.

Jetzt bist du dran: Hast du weitere Tipps, die einen umweltfreundlicheren Alltag mit dem Hund ermöglichen?

-Verfasst von Acelya Yilmaz und Amelie McPheeters-

Quellen:

Alvarpet. URL: https://alvarpet.de/de/frontpage.

Annaheim, J., N. Jungbluth und C. Meili (2019): Ökobilanz von Haus- und Heimtieren. Überarbeiteter und ergänzter Bericht. ESU-services GmbH – Praktikumsarbeit. Schaffhausen. DOI: 10.13140/RG.2.2.35878.98882

Gren Petfood. URL: https://www.green-petfood.de/.

Kompaktlexikon der Biologie (2001): Eutrophierung. URL: https://www.spektrum.de/lexikon/biologie-kompakt/eutrophierung/3958.

Martens, P., B. Su und S. Deblomme (2019): The Ecological Paw-Print of Companion Dogs & Cats. Bioscience 69(6): 467-474.

Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020): Environmental Impacts of a Pet Dog: An LCA Case Study. MDPI 12(8): 1- 13. DOI: 10.3390/su12083394.

Okin, GS. (2017): Environmental impacts of food consumption by dogs and cats. PLoS ONE 12(8): 1-14. DOI: 10.1371/journal.pone.0181301.

Statista (2021a): Anzahl der Haustiere in deutschen Haushalten nach Tierarten in den Jahren 2000 bis 2020 (in Millionen). URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30157/umfrage/anzahl-der-haustiere-indeutschen-haushalten-seit-2008/.

Statista (2021b): Ranking der meistgenutzten Sorten von Tierfutter (Verwendung mindestens mehrmals im Monat) in Deutschland in den Jahren 2014 bis 2018. URL: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/171679/umfrage/mehrmals-im-monat-verwendete-tierfuttersorten/.

Swanson, K et al. (2013): Nutritional Sustainability of Pet Foods. American Society for Nutrition. Adv. Nutr. 4: 141-150. DOI: 10.3945/an.112.003335.

Sykes, N. et al. (2020): Humanity´s Best Friend: A Dog-Centric Approach to Adressing Global Challenges. MDPI 10(3): 1-18. DOI: 10.3390/ani10030602.


[1] Vgl. Sykes, N. et al. (2020).

[2] Vgl. Swanson, K et al. (2013).

[3] Vgl. Statista (2021a)

[4] Ein durchschnittlicher Hund entspricht dem eines Gewichts von 15 kg und einer Lebensdauer von 13 Jahren

[5] Vgl. Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020).

[6] Vgl. Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020).

[7] Vgl. Okin, GS. (2017) vgl. Swanson, K et al. (2013).

[8] Vgl. Martens, P., B. Su und S. Deblomme (2019).

[9] Vgl. Martens, P., B. Su und S. Deblomme (2019).

[10] Vgl. Swanson, K et al. (2013).

[11] Vgl. Annaheim, J., N. Jungbluth und C. Meili (2019).

[12] Vgl. Statista (2021b).

[13] Beispiele für Unternehmen, die sich einer nachhaltigen Hundenahrung widmen: Alvar Pet und Green Petfood

[14] Vgl. Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020).

[15] Eutrophierung = Überangebot an Nährstoffen in Gewässern. Vgl. Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020). Vgl. Kompaktlexikon der Biologie (2001).

[16] Vgl. Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020).

[17] Vgl. Maya Yavor, K., A. Lehmann und M. Finkbeiner (2020).

 

 

 

 

 

 

 

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