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Wie können wir unseren Einkauf in Bezug auf Obst und Gemüse klimafreundlicher gestalten?

– zuerst veröffentlicht am 21. Juli 2021 – 

Umweltschutz spielt in vielen aktuellen Debatten eine große Rolle und auch in alltäglichen Situationen wird immer mehr auf Nachhaltigkeit geachtet. Meist ist die Suche nach nachhaltigen Lebensmitteln jedoch aufwendig, da es sehr viele Informationen und unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema gibt. In diesem Beitrag wollen wir wichtige Informationen zusammenfassen und Möglichkeiten aufzeigen, wie ihr euren Einkauf klimafreundlicher gestalten könnt.

Für jeden bedeutet klimafreundlich leben etwas anderes. Oftmals wird vor allem die Reduktion von Plastik und Treibhausgasen in den Vordergrund gestellt. In diesem Beitrag wollen wir aber vor allem darauf eingehen, wie wir bei unserem Einkauf in Bezug auf Obst und Gemüse klimafreundlicher werden können.

In unseren Supermärkten findet man Produkte aus allen Ländern dieser Welt und das zu jeder Jahreszeit. So können Bananen und Erdbeeren das ganze Jahr über gekauft werden, obwohl die Temperaturen in Deutschland für deren Anbau nicht bzw. nicht das ganze Jahr über geeignet sind. Damit sind nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile verbunden, die sich vor allem auf das Klima beziehen. Lange Transportwege haben einen negativen Impact auf unsere Umwelt (Mehr Nachhaltigkeit im Alltag, 2019). Dabei geht es vor allem um den CO2-Ausstoß bei langen Lieferketten, aber auch während der Lagerung können Obst und Gemüse durch Respirationsprozesse CO2 entwickeln (Transport-Informations-Service o.J.). Eine Möglichkeit den CO2-Ausstoß zu verringern wäre zum Beispiel auf regionale Produkte zu setzen. Somit werden lange Transportwege verhindert und CO2 eingespart (DEG: 2011).

Was bedeutet regional einkaufen?

Die Transportentfernungen der Lebensmittel sowie das ausgewählte Transportmittel haben direkten Einfluss auf das Klima. Wenn du beispielsweise in Nürnberg lebst und 1 kg argentinischen Spargel kaufst, der per Flugzeug nach Deutschland geliefert wurde, erhältst du 17 kg CO2-Äquivalente auf dein Klimakonto. Zum Vergleich: Der CO2-Fußabdruck durch die Videotelefonie mit dem Smartphone liegt bei 67 Kilogramm pro Jahr, davon 21 Kilogramm durch die im mobilen Internet übertragenen Daten (Gröger, 2020). Das ist fast so viel, wie ein Kilogramm Spargel aus unserem Beispiel. Für per LKW angelieferten spanischen Spargel reduziert sich die Ladung um nur 400 Gramm. Am besten ist die Klimabilanz bei der Wahl eines bayerischen Pendants – hier werden nur 60 Gramm CO2-Äquivalent pro Kilogramm bayerischer Spargel fällig. Damit ist die Klimabelastung durch den Verzehr eines argentinischen Gemüses 280-mal höher als die eines alternativen Regionalprodukts (Demmeler: 2009, 166).

Der Vorteil des regionalen Einkaufs liegt dabei auf der Hand. Wenn du regionale Produkte kaufst, werden diese nicht weit transportiert und die Kohlendioxidemissionen werden um ein Vielfaches reduziert. Interessanterweise gibt es bisher keine allgemein gültige Definition von „Regionalität“, dennoch kann man über regionale Produkte sagen, dass deren Herkunft geographisch verortet und eingegrenzt werden kann. Dies bedeutet, dass die VerbraucherInnen die Herkunft solcher Produkte identifizieren können (zum Begriff der Regionalität bei der Lebensmittelerzeugung, 2016). Beispiele dafür sind die Label „Geprüfte Qualität – Bayern“ oder „Geprüfte Qualität – Franken“, sowie die Regionalkampagne „Original Regional“ aus der Metropolregion Nürnberg.

Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (Mehr Nachhaltigkeit im Alltag, 2019) halten es circa 78% der Verbraucherinnen und Verbraucher für wichtig, Lebensmittel aus ihrer Region zu konsumieren. Im Jahr 2014 erschien eine verlässliche und transparente Kennzeichnung „Das Regionalfenster“, dank derer die VerbraucherInnen wissen, woher die Zutaten stammen und wo sie verarbeitet wurden. So kann man bewusster einkaufen und regionale Produkte schnell erkennen. Die Zuverlässigkeit der Informationen wird durch jährliche unabhängige Kontrollen gewährleistet. Seit Januar 2016 sind über 3.500 Produkte auf diese Weise gekennzeichnet. Das Angebot an gekennzeichneten Produkten nimmt täglich zu. Am stärksten vertreten ist die Produktgruppe „Obst und Gemüse“ (Zum Begriff der Regionalität bei der Lebensmittelerzeugung, 2016).

Zu Werbezwecken und zur Steigerung des Umsatzes werden jedoch häufig vage Begriffe wie „aus der Region“, „Heimat“ und „Nähe“ verwendet, die nicht den genauen Standort oder Informationen über die Herkunft enthalten. Aber wenn du die regionalen Marken kennst, wirst du dich nicht täuschen lassen. Zudem hilft ein Blick in die SiegelCheck-App. Dort werden verschiedene Siegel erklärt und somit wird mehr Klarheit beim Einkaufen geschafft.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass dank effizienter Logistik und regionaler Ausrichtung die Treibhausgasemissionen reduziert werden können.

Ist saisonal einkaufen besser?

Bei Gemüse reduziert die Wahl einer regionalen Alternative in Kombination mit der Saisonalität die negativen Auswirkungen auf das Klima (vor allem CO2-Emissionen). Denn das Angebot an saisonalem Obst und Gemüse stammt häufig aus nahe gelegenen Regionen und kombiniert somit regionale und saisonale Qualitätsmerkmale. Darüber hinaus haben saisonales Obst und Gemüse auch den Vorteil, dass sie im Freiland angebaut werden können. Diese Anbaumethode verbraucht deutlich weniger Energie als beispielsweise beheizte Gewächshäuser oder Folientunnel. Dementsprechend sind die schädlichen CO2-Emissionen von saisonalen Produkten geringer (Positionspapier des WWF Deutschland zu Nachhaltige Ernährung, 2015).

Es stellt sich heraus, dass es nicht kompliziert ist, zur Verringerung der Klimaschäden beizutragen. Dafür solltest du beispielsweise Erdbeeren im Juni und Pflaumen im August kaufen. Diese Informationen muss man sich nicht unbedingt merken, da es verschiedene Apps mit saisonalen Kalendern gibt (siehe unsere Checkliste am Ende des Artikels), die schnell zeigen, welches Gemüse und Obst Saison hat. Darüber hinaus sind saisonale Produkte in der Regel günstiger, und du kannst auch Gemüse und Obst entdecken und probieren, das du vorher vielleicht nicht gekannt hast.

Fazit

Um den Einkauf im Supermarkt und die eigene Ernährung klimafreundlicher zu gestalten, kann vor allem auf saisonales Obst und Gemüse gesetzt werden. Hierbei ist es hilfreich, beim Einkaufen einen Saisonkalender (auch als App erhältlich) zu berücksichtigen. Produkte, die Saison haben und dazu auch regional angebaut werden, sind meist günstiger als Produkte von Übersee und haben zusätzlich auch einen geringeren CO2-Fußabdruck.

Darüber hinaus gibt es weitere zu beachtende Aspekte, die hier nicht berücksichtigt werden konnten. Hierzu zählen vor allem die oftmals schlechten Arbeitsbedingungen in Produktionsländern, die je nach Produkt variieren, sowie die Schädigung der Artenvielfalt und Abholzung von Regenwäldern. Positive regionale Aspekte sind dagegen die Arbeitsplatzschaffung in ländlichen Gebieten und die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe (Weiss, 2007).

Wir haben zur Erleichterung eine Checkliste zusammengestellt, um den Einkauf Schritt für Schritt klimafreundlicher und vor allem einfacher zu gestalten. Dabei sind nur wenige Ressourcen nötig, um ein besseres Einkaufserlebnis zu haben. Wenn ihr noch weitere Vorschläge habt, wie man den Einkauf klimafreundlicher gestalten kann, schreibt sie uns gerne in die Kommentare.

Saisonalkalender: im App „GrünZeit“

Rezepte: https://www.lecker.de/rezepte/saisonale-rezepte
Regionalinitiativen: im App „RegioApp“

Siegel überprüfen: im App „NABU Siegel-Check“

-Verfasst von Kseniia Shevchenko und Annika Herfurth-

 

Literaturverzeichnis

Demmeler, M. (2009): Local Food. Regionalität zum Nutzen für Klima und Umwelt? In: Kritischer Agrarbericht 2009, ABL-Verlag, 165-170. URL: https://www.kritischer-agrarbericht.de/fileadmin/Daten-KAB/KAB-2009/Demmeler.pdf

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Durch nachhaltige Ernährung das Klima retten (2011), Bonn URL: https://www.dge.de/uploads/media/DGE-Pressemeldung-aktuell-03-2011-Nachhaltigkeit-Ernaehrung.pdf

Gröger, J (2020): Digitaler CO2-Fußabdruck. Datensammlung zur Abschätzung von Herstellungsaufwand, Energieverbrauch und Nutzung digitaler Endgeräte und Dienste. Berlin: Öko-Institut e.V. URL: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Digitaler-CO2-Fussabdruck.pdf

Mehr Nachhaltigkeit im Alltag. Du entscheidest. (2019, August). Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). URL: https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/Du-entscheidest.pdf?__blob=publicationFile&v=16

Positionspapier des WWF Deutschland zu Nachhaltige Ernährung. (26. März 2015). WWF Deutschland. URL: https://www.wwf.de/fileadmin/user_upload/WWF-Position_NachhaltigeErnaehrung.pdf 

Transport-Informations-Service (o.J.). Spargel. URL: https://www.tis-gdv.de/tis/ware/gemuese/spargel/spargel-htm/

Weiss, W. (2007): Regionalität und regionale Lebensmittel. In: Karl-Michael Brunner K-M. et al.: Ernährungsalltag im Wandel. Wien/NewYork: Springer, 187-189. URL: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-211-48606-1

Zum Begriff der Regionalität bei der Lebensmittelerzeugung. (23. März 2016). Deutscher Bundestag. Wissenschaftliche Dienste. URL: https://www.bundestag.de/resource/blob/421390/fbe9c9758380c056946fbc59edb3d77b/wd-5-022-16-pdf-data.pdf

 

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