Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Grüne Stadt statt leerer Blöcke

Das in den 1980er-Jahren befürchtete Waldsterben hat sich zum Glück nicht eingestellt. Dennoch sind unsere Wälder aufgrund von über längere Zeiträume ausbleibendem Regen gestresst und Waldbäuerinnen und Waldbauern denken um. Die Art der Begrünung der Landschaft wird sich in den nächsten Jahren ändern; und auch in den Städten denkt man neu. So kann eventuell auch durch den demografischen Wandel und dadurch frei werdende Flächen ein nachhaltiger Stadtumbau gelingen, beispielsweise durch Neubegrünung brachliegender Flächen. Diese Tendenzen sind zunehmend in den neuen Bundesländern zu beobachten.

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist kein Modewort der modernen Gesellschaft, ganz im Gegenteil, er ist schon 400 Jahre alt. Carl von Carlowitz, Freiberger Oberberghauptmann, hat diese Idee der Bewirtschaftung von Wäldern geprägt. Er forderte klugerweise nur so viel abzuholzen, wie in einem vertretbaren Zeitrahmen wieder nachwächst [PUFE 2014: 37]. So sollte sich das System des Waldes über die Jahre nicht wesentlich verändern, sondern in seinen einzelnen Bestandteilen erhalten bleiben. Aus heutiger Betrachtungsweise bezeichnet dies die ökologische Dimension der Nachhaltigkeit.

Bei der Neubegrünung brachliegender Flächen oder auch von bisher anderweitig bewirtschafteten Grünflächen kann man – wenn möglich – darauf achten, dass dies unter den drei Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch und sozial) geschieht. Der Begriff Neubegrünung bedeutet, brachliegende bzw. nicht begrünte Flächen in jeglicher Form durch Ansiedlung von Bewuchs aufzuwerten.

Einige deutsche Städte, vor allem im Osten Deutschlands, schrumpfen allmählich, wodurch Freiraum entsteht. Diese Flächen können entweder verwahrlosen oder die Chance kann wahrgenommen werden, wie das Beispiel in Dessau zeigt. Hier wurde zu Beginn des Jahrhunderts ein neuer Schritt in der Stadtentwicklung gegangen.

Freiflächen wurden nach Gesichtspunkten der Renaturierung, des Hochwasserschutzes usw. überplant. Das Ziel war „kleinere urbane Einheiten mit dezentraler Infrastruktur“ [BRÜCKNER 2011: 190] zu schaffen, wozu auch Feuchtwiesen zählen. Ebenso wurden städtisch angelegte Bezirke geplant, die sozial nachhaltig wirken sollen. Für diese sogenannte „In-Kulturname“ [BRÜCKNER 2011] wurden „Claims“ geschaffen, die von der Stadt all denjenigen überlassen wurden, die diese entwickeln möchten. Die Bedingung war, dass diese Flächen unterhalten werden müssen, was zu einem hohem Zeit- und Kostenaufwand (z.B. für Material und Arbeitszeit) führen kann. Dabei blieb es den Akteur*Innen selbst überlassen, ob ein Garten angelegt wird, ein Unternehmen ein Aushängeschild gestaltet oder darauf Flächen für eine ökonomische Nutzung oder ähnliches entstehen. Landwirte und Landwirtinnen interessierten sich nicht für diese Flächen, weil diese zu klein für eine lohnenswerte Bewirtschaftung sind. Hier sieht man die Herausforderung, dass solche Projekte doch immer auch ökonomisch interessant für alle Beteiligten sein müssen. Schlussendlich können solch tolle Pilotprojekte an finanziellen Mittel scheitern.

In Dessau hat man schnell festgestellt, dass sich auch die Wohnqualität wie geplant verbessert, da nicht mehr genutzte Gebäude abgerissen wurden und die teils frisch sanierten (Wohn-)gebäude nun in aufgewerteter Umgebung stehen. Dies wird sicherlich auch ein Beitrag zur dritten Form der Nachhaltigkeit, der sozialen Nachhaltigkeit, sein. Durch die Einbindung der Bürgerinnen und Bürger kann zusätzlich eine Begegnungsfläche/ soziale Plattform entstehen; dies garantiert die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit dem Projekt und der Stadt. Durch Projekte wie diese und die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen können sich neue Raummodelle sowie ganze Stadtkonzepte entwickeln, die auch auf andere Städte in angepasster Form übertragen werden können.

Eine Nutzungsverschiebung wie in Dessau ist ein normaler Prozess in der Entwicklung von Städten und Regionen. Sowohl bei Waldflächen als auch in urbanen Räumen tritt die ökonomische Komponente vermehrt in den Hintergrund und soziale Zwecken werden wichtiger [SENNEKAMP 2018]. Dies können auch einfache Beispiele wie vermehrt kurz gemähte Wiesen für Freizeitnutzung sein, die Futterwiesen verdrängen. So tritt die ökologisch sinnvollere Nutzung eventuell auch zurück, aber die Gesellschaft profitiert. An diesem Beispiel erkennt man, dass die drei Dimensionen miteinander korrelieren.

Sicherlich gibt es auch in anderen Städten ähnliche wegweisende Projekte, wie sieht es in Deiner Gegend aus? Kennst Du solche Projekte und wenn ja, engagierst Du Dich bereits?

– verfasst von Hannes Hummel – 

 

Quellen:

– BRÜCKNER, H. (2011): Schrumpfende Städte – wachsende Freiräume?. In: Müller, C. (Hrsg.): Urban Gardening – Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. München.

– MÖLLER, M. (o.J.): Forschungfeld “urbanes Grüns”. URL: www.uni-weimar.de/de/architektur-und-urbanistik/professuren/landschaftsarchitektur-und-planung/forschung/forschungsfeld-urbanes-gruen/ (23.06.2021).

– PUFE, I. (2014): Was ist Nachhaltigkeit? Dimensionen und Chancen. URL: bpb.de/apuz/188663/was-ist-nachhaltigkeit-dimensionen-und-chancen (25.05.2021).

– SENNEKAMP, M. (2018): Grün in der Stadt – Eine historische Spurensuche in Konstanz. Konstanz.

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