Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

Inhalt

Mobilitäts-Switch in der City – Gemeinsam gegen den Klimawandel

Quelle: pixabay

Eine Welt ohne Kraftfahrzeuge ist kaum vorstellbar. Einer Auswertung der Agora Verkehrswende aus dem Jahr 2020 zufolge „gibt es in Deutschland so viele Autos wie noch nie – knapp 48 Millionen“.[1] Ebenso konnte in dieser Untersuchung der Grundsatz aufgestellt werden: „Je kleiner die Stadt, desto wichtiger ist der Pkw für die alltägliche Mobilität“.[2] Die Folgen des hohen Aufkommens von Verbrennerfahrzeugen sind allgemein bekannt: Stau, Lärm, Ressourcenverbrauch und ein immenser Flächenbedarf für die Infrastruktur. Nicht unerwähnt bleiben dürfen hier der Ausstoß von Klimagasen und Luftschadstoffen: „2019 verursachte der Verkehr fast 43% der Emissionen von Stickstoffoxiden in die Luft […]“.[3] Veränderungen sind also zwingend notwendig, um das von der Bundesregierung im Klimaschutzgesetz festgelegte Ziel der Reduzierung der jährlichen Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor von derzeit etwa 160 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente auf 95 Tonnen im Jahr 2030 bis hin zur Treibhausgasneutralität im Jahr 2050 zu erreichen.[4] Dementsprechend ist es also keineswegs verwunderlich, dass sich in Städten inzwischen zahlreiche neue Angebote und Fortbewegungsmittel entwickelt haben.

Folgen des Klimawandels in den Städten

Es heißt „Städte haben ihr eigenes, kleinräumig sehr spezielles Klima.“[5] Dieses verschlechtert sich durch den Klimawandel zunehmend. In versiegelten und verdichteten Siedlungsstrukturen gibt es beispielsweise extreme Hitzebelastungen, es werden zunehmend Wasserschäden durch Hochwasserereignisse beobachtet und Gebäude werden durch Extremwetterereignisse stärker belastet. Dies sind nur ein paar Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt und die gelöst werden müssen.[6]

Gerade in dicht besiedelten Städten mit vielen Autos ist es notwendig, sich nach nachhaltigeren Alternativen umzuschauen und unter anderem die Anzahl an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren und somit auch deren Schadstoffausstoß zu reduzieren. Im Folgenden werden einige Handlungsmöglichkeiten vorgestellt.

Kollaborative Möglichkeiten

Hier wären unter anderem das gebührenpflichtige Carsharing und das Ridepooling zu nennen. Bei Letzterem werden meist über digitale Anwendungen Mitfahrgelegenheiten angeboten, sodass mehrere Personen mit demselben Fahrziel oder zumindest einer ähnlichen Strecke sich zusammenschließen und den Preis für die Fahrt untereinander aufteilen können. Ein vergleichbares Konzept stellt das Ridesharing dar, worunter die altbekannte Fahrgemeinschaft verstanden wird.[7] All diese Mobilitätsdienstleistungen verbindet der Gedanke, die Anzahl der Pkws zu minimieren und vorhandene Fahrzeuge effizienter zu nutzen.

Darüber hinaus können diese Angebote als eine wertvolle Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) betrachtet werden. Insbesondere in Kleinstädten verkehren Busse und Bahnen seltener, um unnötige Leerfahrten zu vermeiden. Die im Fahrplan entstehenden Lücken können durch die oben genannten Mobilitätsdienstleistungen gefüllt werden, sodass auch außerhalb der Stoßzeiten und in weniger besiedelten Gebieten ein eigenes Auto nicht zwingend benötigt wird. Die folgenden Werte veranschaulichen die Sinnhaftigkeit eines Umstiegs vom motorisierten Individualverkehr auf den ÖPNV: „Über einen Fahrstreifen können pro Stunde nur etwa 1.000 Personen im Pkw, mit durchschnittlich 1,3 Personen besetzt, befördert werden, mit einer Buslinie bereits ca. 5.000 und mit einer U-Bahn-Linie bis zu 35.000“.[8]

Damit die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel allerdings attraktiv erscheint, ist es von Vorteil, dem ÖPNV Vorrang im Straßenverkehr zu gewähren, z.B. durch eigene Busspuren und entsprechend regulierte Ampelphasen.[9] Für mediale Aufmerksamkeit sorgt des Öfteren der Vorschlag einer deutlichen Senkung der Fahrpreise für den ÖPNV, um Autofahrer*innen zum Umstieg zu verleiten. Da die Einnahmen in der Regel allerdings nicht die Ausgaben der Betreiber decken, müssen die Kommunen, deren finanziellen Mittel meist auch begrenzt sind, rund die Hälfte der Kosten tragen. Daher erheben beispielsweise Städte wie Oslo und London Straßennutzungsgebühren für den motorisierten Individualverkehr, mit dem Ziel, die Einnahmen für den ÖPNV zu nutzen und damit die Fahrtickets billiger anbieten zu können.[10] Des Weiteren ist auch die Erhöhung der Parkgebühren[11] oder die Einführung eines Bürgertickets, bei welchem alle Stadtbewohner*innen sich an den Kosten beteiligen, denkbar.[12]

Aktive Mobilität

Ebenso erreicht die „aktive Mobilität“ einen hohen Stellenwert im Kampf gegen den Klimawandel. Besonders das Zu-Fuß-Gehen gilt längst als eine umweltschonende und zugleich gesunde Form der Fortbewegung. [13]

Als energieeffizientes und emissionsarmes Verkehrsmittel kann zudem das Radfahren gewertet werden. Kritisiert wird hierbei jedoch oftmals die schlechte Fahrradinfrastruktur, welche Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern*innen auslöst. Dennoch ist „[kein] anderes Verkehrsmittel [ ] so beliebt, über alle Altersgruppen hinweg“.[14] Durch Radschnellverbindungen, eine Verdichtung des Radwegenetzes, radfreundliche Beläge, den Vorrang für Radler*innen an wichtigen Achsen und die Freigabe von Einbahnstraßen in beide Richtungen sowie die Bereitstellung von mobilen Fahrradständern und ausreichender Fahrradanlehnbügeln könnten Anreize geschaffen werden, sodass mehr Wegstrecken mit dem Fahrrad zurückgelegt werden.[15] Auch gibt es in vielen Städten die Möglichkeit, auf Leihgeräte zurückzugreifen.

Städte im Vergleich – Zahlen, Daten, Fakten

Bei genauerer Betrachtung können in vielen Fällen Parallelen zwischen Städten mit einer ähnlichen Bevölkerungszahl gezogen werden. Wie oben bereits erwähnt, fällt auf, dass der Pkw umso wichtiger ist, je kleiner die Stadt ist. Umgekehrt ist festzustellen: „Je größer die Städte sind, desto höher fallen die Weganteile des Umweltverbundes aus und umso niedriger die des [motorisierten Individualverkehrs].“[16] Dies ist auf die vielfältigen Alternativen zum Pkw zurückzuführen. Der Begriff „Umweltverbund“ bezeichnet hierbei ein städtisches, multimodales Mobilitätsangebot aus öffentlichen Verkehrsmitteln sowie dem Rad- und Fußverkehr.[17] Zudem wird aber auch deutlich, dass Großstädter*innen wesentlich mehr Zeit für ihre Strecken einplanen müssen. Im Durchschnitt benötigen sie täglich rund eine Viertelstunde mehr Zeit als Bewohner*innen von Kleinstädten für die gleiche Weglänge.[18]

Tatsächlich werden bereits heute „ein Viertel bis ein Drittel aller Wege in der Stadt zu Fuß zurückgelegt“.[19] Um den Anteil der zu Fuß zurückgelegten Strecken zu erhöhen, setzt etwa die Stadt Erlangen auf ausreichend große Gehwege, welche bevorzugt durch verkehrsberuhigte Bereiche führen, sowie auf Tempo-30-Zonen, Beschilderungen zur Orientierung und sicherere Überquerungsmöglichkeiten. Mit einem Weganteil des Fahrrads von 28 Prozent im Vergleich zu beispielsweise 3 Prozent in Pforzheim erweist sich Erlangen als besonders fahrradfreundliche Stadt. Daher verwundert es nicht, dass in Erlangen 88 Prozent der Haushalte Fahrräder besitzt. Dennoch muss hier berücksichtigt werden, dass die Topografie des Wohnortes eine bedeutsame Rolle hinsichtlich der Beliebtheit der Fahrräder spielt, denn je hügeliger das Gelände ist, desto weniger wird das Fahrrad genutzt. Aus diesem Grund setzen z. B. die Bewohner*innen von Wuppertal und Stuttgart, wo es wesentlich mehr Steigungen gibt, verstärkt auf andere Verkehrsmittel.[20]

Überdurchschnittlich ist dahingegen mit 24 Prozent der Anteil des öffentlichen Verkehrs am Verkehrsaufkommen in Stuttgart. Hier lässt sich wiederum der Schluss ziehen: Je größer eine Stadt, desto höher der Anteil des ÖPNV-Nutzungsanteils.[21]

Worauf können Einzelne achten?

Nun habt ihr verschiedene Verkehrsmittel und Angebote, die in Städten zur Verfügung stehen und welche eine umweltverträglichere Mobilität ermöglichen sollen, kennengelernt. Um den Klimawandel auszubremsen, ist es aber essenziell, dass jede*r Einzelne einen Beitrag leistet. Der nachfolgende Link bietet einen guten Überblick über Handlungsmöglichkeiten speziell in der Stadt Erlangen und im Landkreis Erlangen-Höchstadt, kann jedoch auch als genereller Ideengeber verwendet werden. Werft doch einmal einen Blick auf diese Internetseite: https://www.energiewende-erlangen.de/klimaschutztipps/nachhaltige-mobilitaet/.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Möglichkeiten in Städten, um sich umweltschonender und nachhaltiger fortzubewegen, vielfältig und zahlreich sind. Sowohl in Bezug auf den ÖPNV, als auch hinsichtlich der Nutzung weiterer Mobilitätsdienstleistungen sind Fortschritte erkennbar. Die Bereitschaft für eine Verkehrswende ist vielerorts vorhanden und es mangelt nicht an Ideen, um den Klimawandel in dieser Hinsicht aufzuhalten oder zumindest zu verlangsamen. Jetzt ist es an der Zeit, dass alle ihren Beitrag leisten, denn nur gemeinsam können wir das Ziel erreichen, unseren Planeten zu bewahren. Wenn nicht wir, wer dann? Wenn nicht jetzt, wann dann? Also worauf warten wir?

– verfasst von Justine Heeg und Laura-Maria Wittmann – 

Quelle: pixabay

Literaturverzeichnis
  • Agora Verkehrswende (2020): „Städte in Bewegung. Zahlen, Daten, Fakten zur Mobilität in 35 deutschen Städten“.
  • Duden: „Carsharing“, „https://www.duden.de/rechtschreibung/Carsharing“.
  • Dosch, Fabian. (2016). „Anpassung an den Klimawandel in Stadt und Region“. Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). S.18, S.21.
  • Hintze, Martin: „So unterscheiden sich Carpooling, Ridehailing und Carsharing“, „https://www.dub.de/newsinhalte/digitalisierung/umag-3-2019/ridehailing-ridepooling-carsharing-mobilitaets-glossar/#:~:text=%20“.
  • Meyer, Johannes. (2013). „Nachhaltige Stadt- und Verkehrsplanung“. Wiesbaden: Vieweg & Teubner
  • Stadt Erlangen: „Verkehrsentwicklungs- und Mobilitätsplan 2030“, „https://www.erlangen.de/PortalData/1/Resources/030_leben_in_er/dokumente/amt61/613_verkehrsplanunv/613_t_VEP_Kurzfassung.pdf“.
  • Umweltbundesamt: „Nachhaltige Mobilität“, „https://www.umweltbundesamt.de/themen/verkehr-laerm/nachhaltige-mobilitaet“.
  • Umweltbundesamt: „Umweltbelastung durch Verkehr“, „https://www.umweltbundesamt.de/daten/ verkehr/ umweltbelastungen-durch- verkehr#verkehr-belastet-luft-und-klima“.
  • Heinrich Böll: „Umweltverbund: Auf die sanfte Tour“, „https://www.boell.de/de/umweltverbund-auf-die-sanfte-tour“.
Abbildungsverzeichnis
  • Pixabay, „https://pixabay.com/de/illustrations/co2-abgase-verkehrszeichen-auto-4767388/”.
  • Pixabay, „https://pixabay.com/de/photos/umweltschutz-naturschutz-ökologie-326923/”

 

[1] Agora Verkehrswende (2020): „Städte in Bewegung. Zahlen, Daten, Fakten zur Mobilität in 35 deutschen Städten“.

[2] ebd.

[3] Umweltbundesamt: „Umweltbelastung durch Verkehr“, „https://www.umweltbundesamt.de/daten/ verkehr/ umweltbelastungen-durch-verkehr#verkehr-belastet-luft-und-klima“.

[4] vgl. Agora Verkehrswende (2020): „Städte in Bewegung. Zahlen, Daten, Fakten zur Mobilität in 35 deutschen Städten“.

[5] Dosch, Fabian. (2016). „Anpassung an den Klimawandel in Stadt und Region“. Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). S. 18.

[6] vgl. Dosch. (2016). S. 21.

[7] vgl. Hintze, Martin: „So unterscheiden sich Carpooling, Ridehailing und Carsharing“, „https://www.dub.de/newsinhalte/digitalisierung/umag-3-2019/ridehailing-ridepooling-carsharing-mobilitaets-glossar/#:~:text=%20“.

[8] Meyer, Johannes. (2013). „Nachhaltige Stadt- und Verkehrsplanung“. Wiesbaden: Vieweg & Teubner.

[9] ebd.

[10] vgl. ebd.

[11] vgl. ebd.

[12] vgl. Agora Verkehrswende (2020): „Städte in Bewegung. Zahlen, Daten, Fakten zur Mobilität in 35 deutschen Städten“.

[13] vgl. ebd.

[14] vgl. ebd.

[15] vgl. Stadt Erlangen:  „Mobilität in Erlangen: Verkehrsentwicklungs- und Mobilitätsplan 2030“, „https://www.erlangen.de/PortalData/1/Resources/030_leben_in_er/dokumente/amt61/613_verkehrsplanunv/613_t_VEP_Kurzfassung.pdf“.

[16] Agora Verkehrswende (2020): „Städte in Bewegung. Zahlen, Daten, Fakten zur Mobilität in 35 deutschen Städten“.

[17] vgl. Heinrich Böll: „Umweltverbund: Auf die sanfte Tour“, „https://www.boell.de/de/umweltverbund-auf-die-sanfte-tour“.

[18] vgl. Agora Verkehrswende (2020): „Städte in Bewegung. Zahlen, Daten, Fakten zur Mobilität in 35 deutschen Städten“.

[19] ebd.

[20] vgl. ebd.

[21] vgl. ebd.

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