Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Selbstexperiment: Einen Monat aufs Auto verzichten – Motorrad als Alternative?

Quelle: pexels

Wie viel CO² lässt sich sparen, wenn man das Auto einen Monat stehen lässt?

Das Auto ist für Viele weit mehr als nur ein Verkehrsmittel. Es ist Statussymbol, steht für Freiheit, Flexibilität und Mobilität und für Manche ist es sogar Sport sowie Hobby. Kurzgesagt ist es für die meisten Deutschen ein fester Bestandteil des Lebens:

So zeigt der Mobilitätsatlas aus dem Jahr 2019, dass für 45 Prozent der Deutschen der PKW das einzige Verkehrsmittel ist und dass 28 weitere Prozent regelmäßig ein Auto nutzen.[1] Das macht deutlich: Die Vormachtstellung des Autos in Deutschland ist unangefochten. Allerdings liegt genau dort das Problem, denn: Die Automobilität droht an ihrem eigenen Erfolg zu ersticken.[2]

„Europaweit stammen fast 30 Prozent der CO2 -Emissionen aus dem Verkehr. Die Verbrennung fossiler Treibstoffe in Pkw, Lkw, Flugzeugen und Schiffen beschleunigt den menschengemachten Klimawandel. In Deutschland liegt der Anteil des Verkehrs bei fast 20 Prozent der Emissionen. Rund 95 Prozent davon verursachen Pkw und Lkw.“[3]
Die Auswirkungen der Vormachtstellung des PKWs betreffen aber nicht nur den Klimawandel, sondern sind noch vielfältiger. Der hohe Autoverkehr in den Städten führt zu Staus, Lärm und überschrittenen Abgaswerten. Die vielen geparkten Fahrzeuge fordern öffentlichen Raum ein, der in den Städten eh schon knapp ist. Kurzum: Die übermäßig vielen PKWs verringern die Lebensqualität, vor allem in den Städten.

Für die Zukunft ist es also unabdinglich, dass weniger und anders Auto gefahren wird. Einige Lösungsansätze sind zum Beispiel Fahrgemeinschaften, kleinere Fahrzeuge, Car-Sharing, Mietwägen usw. Doch die effektivste Lösung ist wohl sein Auto einfach stehen zu lassen und auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Denn ein Fahrzeug, das nicht fährt, kann auch keinen Kraftstoff verbrennen und damit Klimagase ausstoßen. Das wollte ich ausprobieren. Wie viel CO² kann ich einsparen, wenn ich mein Auto einen Monat lang stehen lasse und stattdessen andere Verkehrsmittel benutze?

Das Selbstexperiment:

Vom 01. bis zum 31. Mai habe ich mein Auto nicht benutzt, in der Hoffnung CO² zu sparen. In dieser Zeit habe ich über meine Fahrten Buch geführt. Ich habe mir notiert, wie viele Kilometer ich zurücklege, wie hoch der Kraftstoffverbrauch ist und wie viel CO² mein jeweiliges Verkehrsmittel freisetzt. Als Vergleich habe ich mir ebenfalls notiert, wie viele Kilometer ich mit dem Auto gefahren wäre, sowie den Verbrauch und CO² Ausstoß meines PKWs ermittelt. Am Ende stelle ich dann die errechneten Werte gegenüber.

Die Wahl meines Ersatzverkehrsmittels fiel bereits nach kurzer Zeit auf das Motorrad, und das aus gutem Grund. Denn genauso wie das Auto ermöglicht das Motorrad dem Fahrer ungebunden mobil zu sein. Außerdem wirkt das Fahrzeug umweltschonender, da man statt einer Tonne Blech nur 200kg in Bewegung setzten muss. Die Folge ist ein weitaus niedrigerer Kraftstoffverbrauch. Durch die kleinere Fläche des Fahrzeuges ist auch eine effektivere Straßennutzung möglich, denn wenn das Verkehrsbild immer mehr von kleinen Fahrzeugen geprägt werden würde, könnte man die Straßen dementsprechend verkleinern oder etwa mit zusätzlichen Fahrstreifen ausstatten. Auch nehmen kleine Fahrzeuge weniger Raum zum Parken ein als PKWs. Zusätzlich ist ein Motorrad für eine Person, maximal zwei, hergestellt, während ein Auto mit fünf Sitzplätzen ausgestattete ist, von denen in den meisten Fällen nur der Fahrersitz belegt ist. Die größten Nachteile des Motorrads sind auf den ersten Blick die hohe Lärmbelastung und das gesteigerte Unfallrisiko.

In dem Monat meines Experiments bin ich mit dem Motorrad 702 km, hauptsächlich längere Strecken von 50 km bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,1 Litern pro 100km gefahren. Kurzstrecken wie zum Einkaufen erledigte ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Das entspricht ca. 21,7 Liter verbrauchtes Benzin. Zum Vergleich: Mit dem Auto wäre ich 598 Kilometer bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 6 Litern gefahren. Das wären 36 Liter Benzin.

Die unterschiedlichen Kilometerzahlen ergeben sich daraus, dass ich mit dem Motorrad lieber auf Landstraßen als auf Autobahnen unterwegs bin und das manchmal zu längeren Strecken führen kann, wobei sich die niedrigere Geschwindigkeit wieder positiv auf den Verbrauch auswirkt.

Auf den ersten Blick wirkt dieses Ergebnis bereits positiv, denn ich konnte, trotz mehr Gesamtkilometern, 14,3 Liter Benzin sparen, was sich auf Dauer auch in meinem Geldbeutel bemerkbar machen würde. Jedoch lag mein Interesse in diesem Experiment bei dem ausgestoßenem CO² und nicht beim Verbrauch. Das folgende Ergebnis hat mich sehr überrascht.

Berechnen wir zuerst das Auto: Mein PKW stößt laut Fahrzeugschein 110g CO² pro Kilometer aus. Multipliziert man nun diese Grammzahl mit den gefahrenen 598 Kilometern, so kommt man auf einem Wert von 65769 Gramm CO², also rund 66kg. Das Motorrad setzt stattdessen 97g CO² pro Kilometer frei. Multipliziert man diesen Wert mit 702 gefahrenen Kilometern, ist das Ergebnis 68084 Gramm CO², also rund 68 kg. Ich habe also etwa 2 Kilogramm mehr CO² freigesetzt, obwohl der Verbrauch um 14,3 Liter geringer war.

Dieses Ergebnis beweist einen Nachteil von motorisierten Zweirädern, über den sich viele Menschen, mich eingeschlossen, nicht im Klaren sind. In der Regel haben Zweiräder einen sehr hohen Schadstoffausstoß im Vergleich zu benzinbetriebenen PKWs. Obwohl das Motorrad rund 800kg weniger wiegt und etwa einen gleich starken Motor besitzt, setzt es nur 13 Gramm weniger CO² frei als mein Auto. Grund dafür ist, dass die Technik bei PKWs in Sachen Abgase viel weiter ist. An Motorrädern ist schlichtweg nicht genug Platz, um einen entsprechenden Katalysator zu verbauen. Das macht Motorräder, trotz ihres Potenzials, leider zu nicht zu unterschätzenden Klimasündern.

Fazit:

Mein Experiment hat ergeben, dass ich durch meinen Verzicht aufs Auto mehr Klimagase freigesetzt habe, als ich es ohne das Experiment getan hätte. Eigentlich wollte ich mit dem Blogbeitrag verdeutlichen, dass ein Umstieg auf andere Verkehrsmittel nicht schwer ist und dem Klima viel Gutes tun kann. Stattdessen lerne ich aus diesem Experiment, dass es sich lohnt, seine eigenen Erfahrungen zu machen. Ich wurde in meinem Irrglauben belehrt, dass Motorräder umweltfreundlicher wären als Autos. Meine Take-Home-Message an die Leserschaft ist also, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen und vermeintlich gesichertes Wissen gründlich hinterfragen sollte, am besten indem er/sie einfach mal aus der Comfort-Zone und damit der Routine ausbricht und neue Sachen ausprobiert. Wer weiß, was Ihr alles lernt?

– verfasst von Maximilian Stein – 

 

Quellen:

Heinrich Böll Stiftung, Mobilitätsatlas, 2019

Canzler Weert und Knie Alexander, Strategiepapier. Autodämmerung. Experimentierräume für die Verkehrswende, 2019

Dünnebeil Frank, Motorrad-Umwelt-Liste. Analyse der umweltrelevanten Eigenschaften von Motorrädern, 2004

 

 

[1] Heinrich-Böll-Stiftung, Mobilitätsatlas, 2019, S. 14

[2] Canzler Weert und Knie Andreas, Autodämmerung, 2019

[3] Heinrich-Böll-Stiftung, Mobilitätsatlas, 2019, S. 26

Ein Kommentar zu “Selbstexperiment: Einen Monat aufs Auto verzichten – Motorrad als Alternative?

  1. Dirk Weller sagt:

    Sie haben für Ihre Berechnungen die CO2-Werte aus dem Fahrzeugschein genommen.
    Das sind jedoch theoretische Werte, die unter Laborbedingungen ermittelt wurden.

    Denn da die Verbrennung von einem Liter Benzin 2,33kg CO2 erzeugt, dann hat Ihr PKW bei 6 Liter Verbrauch tatsächlich einen CO2-Ausstoss von circa 140g/km und das Motorrad bei 3,1 Liter lediglich einen Ausstoss von 72g/km.

    Mit diesen Werten wäre das Motorrad klarer Sieger, denn der PKW hat 83,7kg CO2 ausgestossen, das Motorrad nur 50,5kg CO2 .
    Bei den anderen Abgaswerten sieht es wahrscheinlich anders aus.

    Viele Grüße

    Dirk Weller

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