Wissenschaft reflektiert: Was kann Wissenschaft?

Ein studentisches Projekt am ZiWiS

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Gibt es sowas wie eine Energiesparlampe auch für das Skifahren?

Das Thema des Klimawandels wird aktuell ausführlich diskutiert. Das alpine Skifahren mit seinem Energieverbrauch wird dabei aber nur selten diskutiert.

Dass alpines Skifahren Lebensräume für Pflanzen und Tiere zerstört, ist hinlänglich bekannt. Auch dass Wälder gerodet, Felsen gesprengt, Flüsse umgeleitet werden, weshalb es vermehrt zu Überschwemmungen und Lawinen kommt. Dementsprechend müssen ganze Ökosysteme umgebaut werden, sodass man meinen könnte, dass sich Skigebiete von der Natur unabhängig machen wollen. [7;8]

Dadurch, dass bereits Skigebiete damit werben, Ökostrom zu nutzen, könnte man bei dieser Komponente um ein Vielfaches nachhaltiger Skifahren gehen. [4]

Doch wie genau sieht das mit der Energie aus?

 Zu Beginn eine Zahl zur groben Einschätzung: Die Skiregion Oberstdorf-Kleinwalsertal im Oberallgäu verbraucht ca. 9,4 Millionen kWh pro Jahr. Das entspricht umgerechnet dem Energieverbrauch von ca. 2300 Familien mit je 4 Personen innerhalb eines Jahres, sprich insgesamt etwa einem Ort mit 9200 EinwohnerInnen im Jahr. [3]

2005 wurde in den Alpen ca. ein Viertel der Pistenfläche künstlich beschneit. Südtirol hat dabei den größten Anteil von ca.70-80%, Österreich ca. 40% und die Schweiz ca.10%. [6] Aufgrund der voranschreitenden Klimaerwärmung werden diese Zahlen gestiegen sein. 2015 wurden insgesamt ca. 67% aller Pistenflächen künstlich beschneit. Daran hatten Österreich und Italien den größten Anteil. [11]

Der Energiebedarf in Skigebieten entsteht in diversen Bereichen: Dazu zählen Pistenpräparierungen, Aufstiegsanlagen, Beschneiung, Gastronomie, Heizung, sowie Werkstätten bzw. Verwaltung. Insgesamt wurde beispielsweise für das Skigebiet Kanzelwald/Fellhorn im Kleinwalsertal eine Summe von 18,0 kWh pro SkifahrerIn an einem Tag ausgerechnet. Zum Vergleich: Mit einer Kilowattstunde kann man ca. ein Mittagessen für 4 Personen auf einem Elektroherd kochen. [10] Oder nochmal anders dargestellt: Dies bedeutet insgesamt bei einem Mittelklasse-Pkw mit einem durchschnittlichen Spritverbrauch von ca. 7 Liter pro 100 Kilometer eine Strecke von ca. 26 Kilometer. [2]

Skigebiete verbrauchen den meisten Anteil von Strom im Bereich der Betreibung von Bahnen- und Skiliften. Anschließend folgen die Gebäude, sowie die Nutzung der Schneekanonen. Der natürliche Schneefall reicht seit Jahren nicht mehr aus, um die Pisten ausreichend zu präparieren, sodass oft mit Kunstschnee nachgeholfen werden muss, um überhaupt Skifahren zu können. Diesen kann man nur mit Hilfe der künstlichen Beschneiung herstellen, jedoch gibt es auch dafür gewisse Voraussetzungen. Temperaturen über dem Gefrierpunkt sind deshalb notwendig.

Einige Skigebiete versuchen aktiv, Liftbetrieb und Beschneiung so gering wie möglich zu halten. Dies wird umgesetzt durch modernere und effizientere Geräte, Schnee-Lanzen statt Schneekanonen, da diese weniger Energie benötigen, allerdings dafür mehr Verluste aufgrund Verwehungen mit sich bringen. Zusätzlich wird Schneemanagement betrieben. Das bedeutet, dass die Piste sorgfältig gepflegt wird und dem Wetter angepasst behandelt wird. Auch kann man den Schneebedarf genauestens ermitteln durch Fahrzeuge mit integriertem GPS-Schneehöhenmesser. Dadurch kann die Schneeproduktion genauer eingesetzt werden. [5]

Weitere Skigebiete arbeiten bereits mit 100% Ökostrom. So verfolgt das Skigebiet Kitzsteinhorn bei Salzburg das Motto: Im Winter Schnee und im Sommer Strom. Das bedeutet für den Winter das Arbeiten der Pumpwerke für den Kunstschnee und im Sommer die Kraftwerkturbinen. Dabei wird das Schmelzwasser zur Stromproduktion für den Winter erzeugt. [9]

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Energieverbrauch zum Skifahren sehr hoch ist. Bedacht werden muss auch, dass man nicht alleine Skifahren geht, sondern viele weitere Menschen ebenfalls, und zwar auch noch in vielen weiteren Skigebieten, sodass man insgesamt auf eine wahnsinnig hohen Energieverbrauch kommen würde, zusätzlich zu den ohnehin schon vielen negativen Facetten für Fauna und Flora.

Eine Energiesparlampe im übertragenen Sinne für das Skifahren gibt es leider nicht. Wer also Skifahren geht, sollte sich der Auswirkungen dieser Aktivität bewusst sein. Wenn Ihr also das nächste Mal einen Tag in einem Skigebiet plant, informiert Euch daher im Vorhinein ganz genau!

– verfasst von Sandra Panowitz –

Quellen:
  1. https://www.wintersportschule.de/fileadmin/user_upload/Programme/5_Lernort_Schule/PDFs/Energieverbrauch_in_einem_Skigebiet_Erdkunde.pdf
  2. https://www.ok-bergbahnen.com/unternehmen/mymountainnature/energie/wieviel-energie-benoetigt-ein-skigebiet.html
  3. https://www.fnp.de/ratgeber/reise/viel-energie-verbraucht-skigebiet-10647541.html
  4. https://www.researchgate.net/publication/338169744_Skifahren_mit_richtig_dosierter_Energie
  5. https://www.wintersport-arena.de/wissen/energie/wie-sparen-skigebiete-energie/
  6. https://www.wintersportschule.de/fileadmin/user_upload/Materialien/Arbeitsblaetter/SIS_DSV_Umweltreihe_Band9.pdf
  7. https://www.wwf.de/aktiv-werden/tipps-fuer-den-alltag/umweltvertraeglich-reisen/skifahren-wintersport-mit-folgen
  8. https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/skifahren-gibt-es-nachhaltigen-wintersport-a-1302413.html
  9. https://www.kitzsteinhorn.at/de/service/backstage/verantwortung
  10. https://www.verivox.de/strom/themen/1-kilowattstunde/
  11. https://marmotamaps.com/de/blog/7-fakten-zu-kuenstlicher-beschneiung/

Bei den Bildern handelt es sich um private Aufnahmen.

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