Kein Rädchen im Getriebe.
Ein (sehr) persönlicher Nachruf auf den hoch geschätzten und schwer vermissten Dr.-Ing. Peter Reiß, Abteilungsleiter Entwicklung, Integration und Verfahren im RRZE.
Vier Monate. Genau vier Monate und einen Tag lagen zwischen dem letzten Chat mit Peter und seiner Beerdigung am letzten Freitag. Es ist unvorstellbar, wie so etwas passieren kann.
Als wir zuletzt gechattet haben – wie so, so oft! -, haben wir geschäckert. Uns über eins von vielen Projekten ausgetauscht, das wir miteinander teilten, und am Ende zusammen gelacht. So war der Austausch mit ihm. Fachlich, sachlich, viel Kompetenz auf wenig Zeit, viele Antworten auf wenig Text, auf den Punkt gebracht, auf Augenhöhe. Und gleichzeitig mit so viel Witz, so viel Insiderjokes, die wir in über 15 Jahre Zusammenarbeit aufgebaut hatten.
Peter war nicht irgendwer.
Ich kenne keine einzige Person, die etwas Schlechtes über ihn zu sagen gehabt hätte. Wie, auch. Peter war immer sachlich und freundlich. In all den Jahren, in denen wir zusammengearbeitet haben, habe ich ihn genau einmal die Contenance etwas verlieren sehen: Als jemand in einer öffentlichen Veranstaltung de facto zugegeben hat, dass sie ihre IdM-Kennung von jemand anderes hatte nutzen lassen. Da wurde Peter etwas ungehalten. Das komplette IdM basiert darauf, dass Menschen mit ihrer eigenen Kennung arbeiten, und nicht mit der Kennung von jemand anderem. Und das IdM war Peters sehr geschätztes Baby. Wie viel Arbeit er und sein Team in den letzten Jahren in diese Uni reingesteckt haben, wie viel unsichtbare Arbeit! Unsere ganze digitale Infrastruktur basiert zu einem ganz erheblichen Teil auf der Arbeit von diesem Team. Ein tolles Team. Tolle Kolleginnen und Kollegen, ähnlicher Stil. Sachlich, freundlich, mit viel Witz. Ich kann von außen natürlich nicht einschätzen, wie viel davon auf Peters Einfluss beruht, aber ich weiß sicher, dass er ein Fels in der Brandung war. Er wusste so viel, zu so vielen Themen. Er war auch schon ewig dabei. Gefühlt war er schon immer da (Freitag habe ich erfahren, dass er nur 2,5 Monate vor mir an der FAU angefangen hat). Und die Vorstellung, dass es jetzt eine FAU ohne ihn gibt treibt mir jedes Mal aufs Neue die Tränen in die Augen.
Peter hatte diese Klarheit. Er sagte, was zu sagen war – und selten viel mehr. Jeder seiner Beiträge war bedeutsam. Er wollte sich nicht reden hören, er wollte beitragen. Er sagte nichts, um des Sagens Willen, sondern weil er wusste, wovon er sprach. Ein Psychologe unter IT-lern – wie ich auch – verbanden uns ähnliche Ansichten und großes Vertrauen. Auf Peter war Verlass. Und ich bin mir sicher, dass Peter auch so dachte: Auf Monica ist Verlass.
Peter war kein Freund, im Sinne von: Ich hatte privat keinen Kontakt zu ihm. Ich wusste wenig über sein Privatleben, über Urlaube und Hobbys haben wir nur selten gesprochen. Aber über unsere gemeinsamen Projekte – docdaten, wo wir maßgeblich beteiligt waren und in der Entwicklungsphase eng zusammengearbeitet haben, liegt 15 Jahre zurück, an FAUdir und FAUgra und FAUdep und der UKER-Integration haben wir bis zuletzt zusammengearbeitet, mehrere Meetings pro Woche. Bis März. Bis auf einmal eine Abwesenheitsmeldung da war und ich über Kollegen von ihm gehört habe und mich am Freitag von ihm verabschieden musste und eine Blume auf seinen Sarg fallen ließ.
Warum schreibe ich das alles?
Zum einen, weil Peter mir wirklich wichtig war und ich das verarbeiten muss.
Zum anderen, weil ich das dringend loswerden muss: Wir sind keine Rädchen in einem Getriebe. Wir sind Menschen. Es tröstet mich zu sehen, wie viel Freundlichkeit, wie viel Schalk, wie viel Verbindung da war in diesen letzten Nachrichten. Als er noch gar nichts davon wusste, dass seine Zeit so kurz abgezählt war. Keiner wusste es. Es war sehr überraschend und rasend schnell. Es war eine normale Arbeitsnachricht an einen geschätzten Kollegen. Nichts Besonderes. Peter wusste, wie sehr ich ihn schätze. Und das tröstet mich, jetzt wo ich weiß, ich werde es ihm nie wieder sagen können.
Und das ist auch mein Wunsch und meine Sehnsucht. Dass wir an der FAU viel mehr Peters haben. Hoch kompetent, dabei bescheiden. Inhaltlich extrem dicht, aber nicht geltungsbedürftig. Sachlich und freundlich und … einfach menschlich.
Du wirst nicht vergessen.
Verbunden, in tiefer Trauer
Monica
13.07.2026
