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Leise wütet das ansteckendste Virus der Welt in Zentralafrika …nicht Corona, sondern die Masern

Über die tödlichste Masern-Epidemie in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo

Während die ganze Welt ihren Fokus auf das Coronavirus richtet, spielt sich in der Demokratischen Republik Kongo von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbeachtet eine gesundheitliche Tragödie ab: Seit Anfang 2019 wird das krisengebeutelte zentralafrikanische Land von der tödlichsten Masern-Epidemie seiner Geschichte heimgesucht.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt für das Jahr 2019 über 300.000 Masernfälle in der D. R. Kongo mit über 6000 Todesopfern, 85 % davon jünger als 5 Jahre. Das sind dreimal so viele Todesopfer wie durch die Ebola-Epidemie, welche den Osten des Landes seit 2018 heimsucht – und diese Ebola-Epidemie ist immerhin die zweitschlimmste, die es weltweit jemals gegeben hat.

Und auch in diesem Jahr scheint die Masern-Epidemie noch nicht zu Ende: bis Anfang Mai 2020 wurden bereits 50.000 neue Fälle und 600 Todesfälle registriert, wobei die tatsächlichen Zahlen vermutlich höher liegen.

Massenimpfungen sollen die Epidemie aufhalten

Nachdem die Regierung der D. R. Kongo im Juni 2019 den Masern-Ausbruch offiziell zur Epidemie erklärt hat, laufen seit Ende 2019 unter Leitung des dortigen Gesundheitsministeriums gebündelte Anstrengungen von WHO, Gavi, The Vaccine Alliance, Ärzte ohne Grenzen und anderen NGOs, die Bevölkerung massenhaft zu impfen, um die Ausbreitung der Masern zu stoppen. So wurden laut WHO in der D. R. Kongo im Jahr 2019 bereits über 18 Millionen Kinder unter 5 Jahren gegen die Masern geimpft.

Aber dennoch bleibt die Situation angespannt. In einem Land wie der D. R. Kongo mit schwacher Infrastruktur, einer ungenügenden Gesundheitsversorgung und einem seit Jahren wütenden Bürgerkrieg ist es schwierig, mit den Impfkampagnen bis in die entlegensten Winkel vorzudringen. Seit Januar 2020 sind die Impfquoten zurückgegangen, warnt UNICEF.

If this downward trend in immunization coverage persists, it will erase the gains made over the past two years in tackling deadly vaccine-preventable diseases such as measles.

Edouard Beigbeder, Repräsentant von UNICEF in der D. R. Kongo

COVID-19 könnte alles noch schlimmer machen

Die Corona-Pandemie erfordert jetzt auch in der D. R. Kongo dringend strenge Distancing-Maßnahmen, um die Ausbreitung effektiv eindämmen zu können und um eine zusätzliche schwere Gesundheitskrise um jeden Preis zu verhindern.

Das bedeutet allerdings gleichzeitig eine Gefahr bezüglich anderer Erkrankungen wie den Masern. So befürchtet unter anderem Ärzte ohne Grenzen, dass durch die Lockdown-Maßnahmen in der Corona-Pandemie die wichtigen Impfprogramme zur Eindämmung der Masern und auch anderer sogenannter impfpräventabler Erkrankungen große Rückschläge erleiden könnten. So könnte sich auch in der D. R. Kongo die Masern-Epidemie noch verschlimmern.

Unfortunately, these measures are having an impact on the overall measles response, including transporting vaccines, assembling dedicated teams and launching vaccination campaigns.

Emmanuel Lampaert, Ärzte ohne Grenzen, Projektkoordinator D. R. Kongo

Was können die Konsequenzen sein?

Im Gegensatz zu SARS-CoV-2 oder Ebola stehen wir den Masern eigentlich nicht machtlos gegenüber. Dank der effektiven und sicheren Masernimpfung müsste heute kein Mensch mehr an den Masern sterben. Dennoch scheitern seit Jahren die Bemühungen der WHO, die Masern durch weltweit hohe Impfquoten auszurotten, ähnlich wie dies bei den Pocken gelungen ist.

Internationale Organisationen sind sich daher einig, dass die Impfprogramme so gut wie möglich aufrechterhalten bzw. so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden müssen:

We cannot let our fight against one disease come at the expense of long-term progress in our fight against other diseases. We have effective vaccines against measles, polio and cholera. While circumstances may require us to temporarily pause some immunization efforts, these immunizations must restart as soon as possible, or we risk exchanging one deadly outbreak for another.

Henrietta Fore, Exekutivdirektorin von UNICEF

Gerade in der aktuellen Situation, wo die Corona-Pandemie viele Ressourcen bindet, ist es wichtig, dass die Weltgemeinschaft andere dringende Gesundheitsprojekte nicht vollends aus den Augen verliert und dass internationale Organisationen wie die WHO oder Ärzte ohne Grenzen die größtmögliche Unterstützung und Solidarität gerade der wohlhabenden Staaten der „westlichen Welt“ haben.

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