1) Einleitung
Jeder , der durch unsere Städte fährt und durch blinkende, doppelparkende Auslieferungs-Fahrzeuge aufgehalten wird, merkt am eigene Leibe, dass der Elektronische Handel (eCommerce) in den letzten Jahren kräftig zugelegt hat; der Handel, nicht aber die Infrastruktur der physischen Güterverteilung. Laut der unten aufgeführten Statistik ist rund eine Verzehnfachung des Umsatzes seit 2005 zu verzeichnen. Und die Entwicklung schreitet voran, so dass man schon an eine Auslieferung über die Lüfte mittels Drohnen nachdenkt. Das ist aber hochproblematisch, und eine Begrenzung des elektronischen Handels wegen einer mangelnden Infrastruktur bei der Auslieferung steht an, zumindest im kleingegliederten Europa.
Ein großer Teil des Handels geht über Plattformen vor sich und man denkt an international operierende Firmen wie Amazon, Uber, AirBnB etc., aber auch an den klassischen, deutschen Versandhandel (engl. mail order business) à la Otto-Versand in Hamburg. Zusammenfassend spricht man heute vom B2C- Handel (B2C, Business to Consumer), dem wir uns in Sachen „Plattformen“ zuwenden wollen. Die sozialen Netze (Facebook, Twitter, etc.), das gesamte Internet als Plattformen, wie auch die industriellen B2B- Plattformen (Business to Business) im Rahmen eines Internet der Dinge werden ausgespart. Hier zerfasert der Plattformbegriff . Unsere B2C-Plattformen nennt man auch „Marktplätze“.
Man bemüht sich heute schon um eine Ideologie und nennt sie „Plattform-Kapitalismus“ (Nick Srnicek). Michael Seemann, in seinem lesenswerten Buch “Das neue Spiel“, spricht auf Seite 99 bei Plattformen sogar von Institutionen, von öffentlichen Einrichtungen. „Die Plattform ist das dominierende Ordnungsprinzip der Zukunft und der neue Ort konzentrierter Macht“, sagt Seemann.
Wer in einem Blog wie wir die Zeit in Gedanken fassen will, muss sich also mit Plattformen befassen. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie legt größten Wert auf den Begriff „Plattformökonomie“.
2) Plattformen
Plattformen sind natürlich ein Kind einer abstraktiven Informationstechnologie. Unter „Zielsetzung und Methoden“ steht unter „Plattform“ bei Wikipedia: “Die Idee hinter einer Plattform ist die Abstraktion von komplizierten Details für eine Anwendungssoftware bzw. deren Entwickler“. Sehr schön. Bloß, was bei Wikipedia unter Abstraktion zu finden ist, ist durchweg konfus. Wer in Sachen Abstraktion Präziseres erfahren will, der schaue im Netz im Lexikon der Argumente nach. Da wird auf Frege verwiesen, und das ist schon seit über 100 Jahren die klassische und genaue Adresse zum Thema „Abstraktion“. Den Frege hat man vergessen, zumindest in Deutschland.
Betrachten wir das Pattform-Bild in Wikipedia in Bild 2 :
https://de.wikipedia.org/wiki/Plattform_(Computer)#/media/File:Schema_plattform.png
Bild 2: Grundkonzept einer Plattform: oben eine beliebige Plattform (blau), die auf drei verschiedenen „Untergründen“ aufsetzt.
Frage: Wie kommen die Plattformen in B2C, als blaue Kästchen gezeichnet, zustande?
Was tun wir denn, wenn wir auf B2C-Plattformen steigen und bei Amazon Bücher, bei Uber Taxis, bei AirBnb ein Feriendomizil, bei Zalando ein Paar schicke Schuhe bestellen?
Wir klinken uns in Prozesse, in Arbeitsabläufe ein, die nach der im Blog vorgetragenen Methodologie in BPMN modellgetrieben dargestellt werden. So gesehen sind in einer B2C- Plattform Arbeitsabläufe enthalten, die im Blog unter
Process Driven Application und unter Digitalisierung: Ein Prozessproblem
dargestellt wurden.
Plattform-Ökonomie im B2C-Sinne ist Prozess-Ökonomie! Das ist nicht schwer zu verstehen.
Ich finde, dass die Plattform-Wirtschaft einen großen Schritt hin zum Kunden darstellt. Mein Ideal ist damit noch lange nicht erreicht. Würde ich noch einige Jahrzehnte leben, könnte ich eine einzelne Tube Zahnpasta oder eine einzelne Tüte mit Hustenbonbons direkt bestellen. Idealerweise würden sie am gleichen Tage hinter die Haustür geliefert. Ob per Drohne oder per Röhrensystem ist mir egal.