Denglisch, eine Sprache?

„Der Output wurde geprintet und dann geplotet“. „Unser Flight wurde gecancelt“. „Unsere Location ist jetzt Garmisch-Partenkirchen und unsere Destination ist dann  München“

Ist das noch Fachsprache im Deutschen oder schon Denglisch, also ein deutsch-englischer Sprach-Mischmasch. Wie erkennt man den Mischmasch „Denglisch“, wenn es auf einen trifft? Das ist die Frage, die wir uns stellen.

Am 16. Juni 2022  um 8:30 hat es im „SWR2 Wissen: Aula“  einen interessanten und lustigen Vortrag vom Journalisten Peter Littger gegeben mit dem Thema „Warum wird das Deutsche immer englischer?“. Seine Antwort: Die englische Sprache ist die Sprache der Verdichtung und der Effizienz mit hohen Abstraktionsmöglichkeiten. Das stimmt natürlich. Schauen wir uns einen beliebigen deutschen Text und seine Übersetzung ins Englische an, so sehen wir, dass die englische Version deutlich kürzer ist. Das Englische ist also sprachökonomischer.  Für ein Urteil, ob ein Text, dem wir ausgesetzt sind, nun Denglisch ist oder nicht, ist diese Feststellung aber wenig hilfreich. Wir brauchen eine Hilfestellung.

1) Reden in Begriffen

Wir reden zwar in Wörtern. aber wir meinen Begriffe. Wörter sind konkret, Begriffe sind abstrakt. Es heißt in der Abstraktionslehre: Zwei sinngleiche Wörter stellen denselben Begriff dar. Das ist der Punkt: Wir brauchen einen Sinn, man sagt auch wir brauchen eine Intension, um zu einem Begriff zu gelangen. Die Frage taucht sofort auf: Ist der Sinn eines englischen Wortes gleich dem Sinn eines deutschen Wortes?  Das ist manchmal ganz leicht zu entscheiden, insbesondere bei physischen Gegenständen wie z.B. Auto. Natürlich ist „car“ zu „Auto“ sinngleich, weil beide Wörter gleich gebraucht werden also die gleiche Bedeutung haben (Wittgenstein).

Es gibt drei Gründe für eine Sprachwanderung vom Englischen ins Deutsche, und hier orientieren wir uns an die Anglizismen-Liste der Textagentur Contify.   Contify ist eine Servicegesellschaft, die beim Abfassen  von Texten Hilfestellung leistet. Die Gründe  für englische Ausdrücke (Anglizismen) sind:

a) Sprachlücke

Im Deutschen kann eine Sprachlücke entstehen, die aufgefüllt werden sollte, z.B. „Er trägt einen Blazer“. Das Wort „Blazer“ gibt es im Deutschen nicht als eine Jacke besonderen Zuschnitts mit Metallknöpfen. Also wird diese Lücke mit einem englischen Wort gefüllt. Contify  gibt eine lange Liste solcher Lückenwörter an. Man verweist dabei auch auf das umfangreiche Werk des Vereins Deutsche Sprache,  „Anglizismen Index“ genannt.  Der Index ist als Wörterbuch aufzufassen. Im Jahre 2022 ist die Liste im Index  auf 8200 Wörter angewachsen und wächst ständig weiter. Der Anglizismus „homeoffic“ gibt es z.B. erst seit Kurzem. In unserer anglophilen Art werden manchmal auch Lücken mit Wörtern geschlossen, die es im Englischen gar nicht gibt. „Handy“  ist ein  Anglizismus, der Englisch „mobile phone“ oder auch „cellular phone“ heißt. Eine Sprachlücke tut sich aber auch auf, wenn ein kurzes, englisches Wort in eine kleine Lücke passt. Gerade hörte ich den Satz: „Vieles in der Künstlichen Intelligenz ist ein Hype“.  Kürzer kann man es nicht sagen. In dem Satz: „ In der Künstlichen Intelligenz  wird vieles gehypet“ wird das englische Wort „to hype“ deutsch flektiert (gebeugt). Das ist dann aber  ein Einfall zur Verdrängung der deutschen Sprache, weil man ihre Regeln annimmt, und ist dem Denglischen sehr nahe. Englisch eignet sich  besonders zur Bildung von Kofferwörtern, das sind kurze zusammengepackte Wörter wie z.B. „Smog“, aus dem langweiligen „smoke and fog“ entstanden. Ein Paradebeispiel ist auch „Brexit“ für „British exit“. Wegen der Kürze sind „Smoke“ und „Brexit“ Bestandteil der deutschen Sprache geworden. Auch in Deutschland wird gebruncht“, wenn Frühstück und Mittagessen (brunch) zusammenfallen.

b) Sinnerweiterung

Nehmen wir das Wort „Bowling“.  Es ist die amerikanische Form des Kegelns gemeint. Wenn man im Deutschen „Bowling“ sagt, dann ist das im deutschen Kegeln mit eingeschlossen. Erst bei genauerem Hinsehen werden beim Bowling Löcher in den Kugeln verlangt und eine andere Technik wird verlangt, um ordentliche Ergebnisse zu erzielen. In cotify  werden unter der Rubrik „differenzierende Anglizismen“  viele solcher Sinnerweiterungen erwähnt.

c) Verdrängung

Ich habe mal einen Vortrag   eines Bankers gehört. Der benutzte mit Vorlieben englische Ausdrücke.  Der sprach von „assets“und von „expenditure accounts“; aber er hätte genauso gut vom „Vermögen“ und von“ Ausgabenkonten“ reden können. Warum tat er das vor deutschem Publikum? Warum redete er nicht direkt englisch?  Warum tat er das? Das ist eine wichtige Frage in der Denglisch-Debatte, wichtig weil eine Deutung verlangt wird. Es lagen keine Sprachlücken vor und er benötigte auch keine Spracherweiterung. Meine Deutung war, der will bloß seine Internationalität herausstreichen, dem ist deutsch zu national  und zu provinziell.  Der wollte verdrängen. In der Informatik (Datenverarbeitung) ist das Herausstellen einer Internationalität meist noch viel schlimmer. Auch das Flug- und Verkehrswesen ist ohne ein blankes Verdrängen des Deutschen nicht mehr denkbar. Ob die Redner das, was sie sagen wollen, auch in einem reinen Englisch ausdrücken können, wage ich zu bezweifeln. So einfach ist Englisch nun auch wieder nicht.

Sprachlücken schließen und Sinnerweiterungen vornehmen sind erwünschte Phänomene. Verdrängung sollte unterbleiben. Denn Verdrängen führt zu reinem Denglisch und hilft niemandem, nur dem Redner, der sich großartig vorkommt. Ob Denglisch vorliegt oder nicht ist aber letztendlich eine Deutungsfrage.

 

2) Idiomatische Rede

Ein Idiom ist eine Spracheigentümlichkeit und damit unübertragbar. Bekannt sind die Cowboy-Redensarten im amerikanischen Englisch, die nicht so ohne Weiteres ins Deutsche übertragbar sind, wenn man die Lebensumstände nicht kennt. Z.B.: „If you were  above snakes,  you were above ground.“ soll  vermutlich heißen, „wenn du über den Schlangen lebst, geht es dir noch gar nicht so dreckig.“ Umgekehrt, wer deutsche Spracheigentümlichkeiten ins Englische wörtlich überträgt, trägt zur Belustigung bei. Aus „Er spricht durch die Blumen“ wir dann „he speaks through the flowers“. Einen groben Germanismus nannte man so etwas früher. Aber: „Aus einer Mücke einen Elefanten machen“, das gibt es im amerikanischen Englisch auch, weil die Lebensumstände vergleich bar sind.“ To make a mountain out of a mule hill“, heißt das, wenn die Lebensumstände ein maßloses Übertreiben anzeigen. Oder, wenn einer sich tölpelhaft benimmt, sagt man im Deutschen „der benimmt sich wie ein Elefant im Porzellanladen“. Im Englischen wird daraus “he behaves like a bull in a china shop“. Man erkennt, dass hier sinnhaft übertragen wird. Das ist der Kern aller Übersetzung von Fremdsprachen. Abstraktion wird gefordert. Wörtliches Übertragen ist verboten.

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Denglisch, eine Sprache?

  1. Ich möchte hier mal der Zurückdrängung
    unserer Muttersprache entgegenwirken.
    Englisch ist international und modern,
    doch man sollte der Sprache Goethes
    und Schillers eine Chance geben.😉

    WIR SPRECHEN DEUTSCH

    Das Brett ist Board geworden,
    Anglizismen allerorten.
    Wir surfen, skaten, kiten
    durch die modernen Zeiten.
    Es wird gelikt und gestreamt,
    wie sich’s für Hipster geziemt.

    Nicht klagen, nicht verzagen,
    einfach mehr Deutsch wagen;
    Englisch, wenn es angebracht,
    nicht der Sprache Übermacht.

    Wir sagen No zu Coffee to go,
    weg mit Center und Shop,
    kein come in and find out.
    Dem Denglisch Stopp,
    fordern wir laut.
    Gehen wir ran,
    sagen Sprachpanschern
    den Kampf an.

    Uns’re schöne Muttersprache;
    von Dichtern und Denkern verehrt,
    an Schulen mit Elan gelehrt;
    ist wert, dass man sie bewahre.

    Rainer Kirmse , Altenburg

    Herzliche Grüße aus Thüringen

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