Schritte zur Umsetzung der EU-Richtlinie 2016/2102 zur Barrierefreiheit

Webauftritte der öffentlichen Stellen sind bereits seit vielen Jahren zur Einhaltung der Barrierefreiheit verpflichtet.
In Bayern gilt bereits seit dem 9. Juli 2003 das Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetzes (BayBGG). In anderen Ländern und im Bund wurden vergleichbare Gesetze erlassen. Das Webteam des RRZE hat darüber bereits mehrfach in Veranstaltungen berichtet; Bei zentralen Vorlagen und Webdesigns wurde sich auch an diese Regeln orientiert.
Gleichwohl wurden die Gesetze in den vergangenen Jahren nicht überall entsprechend berücksichtigt und umgesetzt.Die EU-Richtlinie 2016/2102 zur Barrierefreiheit wurde erlassen, um diesen Umstand Rechnung zu tragen und eine effektive Durchsetzung der gesetzlichen Verpflichtung zu erreichen.

Die Richtlinie sieht vor, dass die Mitgliedsstaaten die Einhaltung der Anforderungen überprüfen und der EU-Kommission Bericht erstatten. Das Ministerium für Wissenschaft und Kultus hat in dieser Folge die Hochschulen des Landes aufgefordert, bis zum 20. März einen Bericht abzuliefern zum Stand der Umsetzung der Barrierefreiheit auf ihren Webangeboten, mobilen Anwendungen und Dokumenten.
(Siehe hierzu auch meinen Vortrag beim letzten Webmaster-Campustreffen am 1.2.).

Weiterhin werden in der Richtlinie einige Fristen aufgeführt:

  • Alle neuen Dateiformate (PDF, u.a.) aus Büroanwendungen müssen ab dem 23.09.2018 barrierefrei sein. Ältere Dateien müssen bis dahin ebenfalls barrierefrei sein, wenn sie für für aktive Verwaltungsverfahren benötigt werden. (Z.B. Prüfungsordnungen!).
  • Webseiten, die ab dem 23.09.2018 veröffentlicht wurden, müssen bis zum 23.12.2018 auf Stufe AA konform zu WCAG 2.0 sein; Ältere Webseiten erst zum 23.09.2020.
  • Intranets/Extranets müssen bis zum 23.09.2019 barrierefrei sein.
  • Mobile Anwendungen müssen bis zum 23.06.2021 barrierefrei sein.

Organisatorische Maßnahmen an der FAU

Das CIO-Gremium hat daher am 12. Februar entschieden, dass wir die zentrale Website www.fau.de und die zentralen Webauftritte der Fakultäten durch eine externe, neutrale Expertin prüfen lassen.
Die Prüfung beginnt Ende der 7. Kalenderwoche und dauert etwa zwei Wochen an.

Nach aktuellen Stand ist zu befürchten, dass die gesetzlichen Anforderungen zur Barrierefreiheit gemäß der „WCAG 2.0 AA“ nicht erfüllen werden.
Ursache sind dafür im Wesentlichen nicht barrierefreie „Dokumente aus Büroanwendungen (konkret: PDF-Dokumente), die von den Autoren und Redakteuren hochgeladen wurden.

Technische Probleme an den FAU Themes werden sicherlich auch vorhanden sein.
Diese werden wir jedoch zentral lösen können.

Ausgehend von den Ergebnissen der Prüfung werden das CIO-Gremium und weitere Beauftragte (Schwerbehindertenvertretung u.a.) der FAU Maßnahmen erörtern, wie weiter vorzugehen ist um diesen Zustand zu bessern und baldmöglichst die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

Sehr wahrscheinlich werden wir im April oder Mai einen Workshop für alle wichtigen Redaktionen organisieren und einen oder mehrere neue Leitfäden in der Sache bereitstellen.
Bis dahin kann auch das bereits umfangreiche Informationsangebot zum Thema Barrierefreiheit auf unseren Blog und im Videoportal der FAU verwendet werden.

Handreichung

Ganz allgemein können Sie folgende Erstellungsprinzipien für Dokumente und Webseiten beachten:

  • Wenn Sie einen Text veröffentlichen wollen und die Wahl haben zwischen normaler Webseite und PDF, verwenden Sie die Webseite. Vergeuden Sie keine Arbeitszeit darin, ein PDF zu erstellen, wenn Sie denselben Text ohnehin als Webseite speichern können. (Eine PDF-Datei bietet keinerlei Schutz gegen „Diebstahl“).
  • Verwenden Sie generell die Formatvorlagen für Überschriften und Absätze, die von Office bereit gestellt werden
  • Wenn Sie Bilder verwenden, erklären und beschreiben Sie diese auch im Text
  • Verwenden Sie eine sinnvolle Überschriftenhierarchie; Überschriften sollten kurz und prägnant sein und für sich allein erklärend sein.
  • Wenn Sie Links setzen, verwenden Sie aussagekräftige Linktexte, die auch für sich allein gestellt klar machen können, wo es hin geht.
  • Verwenden Sie Tabellen nur für Daten; Aber niemals um Texte einzurücken oder optisch zu gliedern.
  • Wenn Sie einen Text in Office erstellen und dabei einen anderen Text als Vorlage genommen haben, achten Sie beim Speichern darauf, den Dokumententitel und die Autoren zu ändern.

Weiterführende Informationen und Anleitungen

Musterbeschreibung Online-Manager

Die Entwicklung und die verlässliche, nachhaltige Betreuung von größeren Webangeboten wird sehr häufig in der Komplexität und den erforderlichen Kompetenzen unterschätzt.

In Folge dessen werden häufig zwar schöne Relaunches von Webangeboten gefordert und ins Web gestellt; Diese Webangeboten „verkümmern“ jedoch recht schnell in Aktualität und Form.

Wenn zudem ein komplexes CMS verwendet wird, kann es auch dazu kommen, daß mangels Aktualisierungen des Systems auf neue Versionen durch einen erfahrenen Administrator, das Webangebot anfällig wird gegen Hacking-Attacken oder anderen Missbrauch.
Zuallerletzt kommt auch noch das Problem mangelnder Schulungen für die Autoren hinzu.

Insbesondere mangelhafte oder gar keine Schulungen, sorgen oft dafür, daß Autoren das jeweilige Verwaltungssystem (egal ob komplexes CMS, „Light-CMS“ oder modernen Editor)  nicht beherrschen und verstehen und  es daher als schlecht empfinden. Dabei liegt dann nur selten wirklich ein technisches Problem vor als vielmehr ein „soziales“.

Um diese Probleme zu vermeiden ist es zwingend notwendig, daß  es eine Art „Kümmerer“ gibt, der oder die sich um den oder die Webauftritte kümmert: Inhalte kontrolliert, Autoren schult und einweist, teilweise auch dafür sorgt, daß Inhalte die in einer mangelhaften Form publiziert wurden, korrigiert werden und der sich um die technische und administrativen Belange des Systems kümmert.

Ein solcher Kümmerer, auch „Online-Manager“ genannt, muss in der Lage sein, auf den Gebieten der Systemadministration, des Webdesigns und der Webentwicklung, fachlich und sachlich richtige Entscheidungen zu treffen und bei Auftragsarbeiten die Qualität der Ergebnisse zu werten.

In Zusammenarbeit mit der Technischen Fakultät wurde eine Musterbeschreibung entwickelt, welche die Tätigkeiten und Aufgaben eines Online-Managers beschreibt.

Diese Musterbeschreibung steht hiermit zum freien Download zur Verfügung:

Zur leichteren Nutzung innerhalb eigener Briefvorlagen wurden in der Musterbeschreibung eigene Kopf- und Fußzeilen weggelassen.

 

Online-Manager an der FAU

Das RRZE-Webteam ist der Meinung, daß jede größere Organisationseinheit (Fakultäten, sowie eigenständige größere Einrichtungen mit mehreren Beschäftigten) einen eigenen Online-Manager beschäftigen sollte.
Dieser Online-Manager sollte dabei etwa die Hälfte seiner Arbeitszeit rein in und für seine Einrichtung unterwegs sein und den Rest der Zeit in Zusammenarbeit mit dem RRZE WebTeam die jeweiligen Webangebote pflegen und weiterentwickeln.

Eine rein zentrale Lösung, bei der ein Team von Betreuern vorhanden wäre, hätte sicherlich auch seinen Charme und hätte auch organisatorische Vorteile. Allerdings muss jeder Online-Manager in seiner Tätigkeit auch einen sehr engen Kontakt mit den jeweiligen Autoren und Kunden pflegen; Dabei muss auch eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen werden.
Auch Fragen der“ Loyalität“ sind dabei nicht zu vergessen: Wenn eine zentrale Abteilung in der Verwaltung Vorgaben erließe, müssten sich die Online-Manager danach richten und die Bedürfnisse und Wünsche „ihrer“ Einrichtungen hintenanstellen. Ob dies wirklich im Sinne der Sache wäre, wäre dahingestellt.

Eine reine Tätigkeit nur bei der Einrichtung hingegen, würde die Gefahren mit sich bringen, daß der Aussenblick verloren ginge und auch daß man wenig „Input“ zu neuen Entwicklungen bekäme.

Das RRZE-WebTeam sieht daher in dieser kooperativen Zusammenarbeit die beste Lösung.

 

 

 

Statistik der verwendeten CMS, Redaktionssysteme und Editoren

Auf der Website www.statistiken.rrze.uni-erlangen.de können verschiedene statistische Daten über die Webauftritte der Universität und weiterer Einrichtungen im Regionalkonzept abgerufen werden.

Bereits seit längerem gab es dort eine täglich aktualisierte Statistik der verwendeten CMS, Redaktionssysteme und Editoren. Diese wurde nunmehr verbessert: Ab sofort ist es möglich, die einzelnen Monate seit Oktober 2009 abzurufen. Auf zwei weiteren Seiten wird der Trend seit Oktober 2009 bis heute in einer Grafik und als CSV vorgehalten.

(Hinweis: Die Grafiken werden mit Hilfe von HTML5 canvas erzeugt. Daher sind sie nur mit modernen fehlerfreien Browsern abrufbar. Benutzer von Internet Explorer 7 oder älter müssen daher mit der CSV-Ausgabe  und den tabellarischen Daten vorlieb nehmen und diese in einem geeigneten Programm selbst als Grafik umwandeln.)

Deutlich am meisten wird an der FAU jedoch der Webbaukasten verwendet. Dieser wird zum Stand von heute mit allen Versionen auf 59,2% aller Webauftritte eingesetzt. (Im Oktober 2009 waren es erst 40%).

Nach langem Abstand folgt Joomla als nächstes mit 2%, Typo3 mit 1,5% Nutzungsanteil.

Waren im Oktober 2009 noch fast 50% aller Webauftritte durch unterschiedlichen und nicht identifizierbaren Werkzeugen und Verwaltungssystemen erstellt, sind es im Juli 2011 nur noch 29,5%. Eindeutiger Gewinner dieser Umverteilung ist auch hier der Webbaukasten, der in diesem Zeitraum fast 20% Anteil zulegte. Dies bei einer gleichzeitigen leichten Zunahme der Gesamtzahl aller Webauftritte der FAU.

Interessant dürfte sein die Entwicklung von Joomla, Typo3 und  Microsoft Frontpage zu betrachten, in der Statistik ohne Versionsnummern. Die Nutzung von Typo3 ist von 2.2% Nutzung im Oktober 2009 heute auf 1,5% gesunken. Joomla dagegen im selben Zeitraum ist von 0,8% auf 2% gestiegen.

Das CMS Plone, welches 2009 noch mit 4 Installationen aufwartete und einen guten Ruf aufwies,  taucht heute nicht mehr in der Liste über einem Vorkommen auf. Auch aufgrund verschiedener bekannter Umsetzungsvorhaben dürfte damit zu rechnen sein, daß der Nutzungsanteil von Joomla weiter steigen wird, während Typo3 nach und nach abgeschafft wird. Aber auch dies im Vergleich zum Webbaukasten auf niedrigem Niveau.

Zur Umsetzung: Die Statistiken werden mit der JavaScript-Bibliothek jQuery und dem Plugin  flot erzeugt.

 

 

Vorläufige Stellungsnahme zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV)

Zur Auswirkungen des neuen Jugendmedienschutz-Staatsvertrages (JMStV) auf Webangebote
der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
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Mit der geplanten Neufassung des JMStV zum 1. Januar 2011 sollen künftig auch Webangebote den Anforderungen des
Jugendmedienschutzes genügen. Viele IT-Experten und Organisationen weisen allerdings schon jetzt auf mannigfaltige Probleme bei der Umsetzung der Vorgaben hin, die u.a. auch neue Kontrollpflichten für die Betreiber von Webangeboten beinhalten.

An der Universität Erlangen-Nürnberg werden mehrere hundert eigenständige Webangebote betrieben, die insgesamt über 9 Millionen Einzelseiten und Dateien öffentlich abrufbar stellen. Abhängig von der endgültigen Umsetzung des JMStV wären möglicherweise umfangreiche Änderungen an den vorhandenen Webangeboten notwendig. Konkrete Informationen über die Art der technischen Umsetzung des JMStV liegen jedoch noch nicht vor. Die Universität ist daher der Meinung, dass die Betreiber von Webangeboten erst nach Vorlage einer konkreten Ausführungsbestimmung tätig werden müssen.

Untermauert wird diese Entscheidung von Dr. Steinhäußer, Controller der Universität:

Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als staatliche Einrichtung ist bekanntlich eine nachgeordnete Behörde des Wissenschaftsministeriums. Wenn mit dem JMStV (…) bestimmte neue Pflichten auch auf die Universitäten zukommen sollten (…), wird uns dies das StMWFK mit einem gewissen zeitlichen Vorlauf mitteilen und uns sagen, wie die Umsetzung des JMStV erfolgen soll.

Weitere Informationen zum Thema finden sich unter folgenden Links (aktualisiert am 1.12.2010):

Auswirkungen der Neufassung des JMStV auf Webangebote der Universität Erlangen

Uns liegen einige Anfragen vor, über die Konsequenzen die sich aus der geplanten Neufassung des „Jugendmedienschutz-Staatsvertrages“ (JMStV) bzw. dem „Vierzehnter Staatsvertrag zur Änderung rundfunkrechtlicher Staatsverträge (Vierzehnter Rundfunkänderungsstaatsvertrag)“ für Betreiber von Webangebote der Universität Erlangen ergeben werden.
Vgl: PDF: Änderung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages

Worum geht es:
In der Neufassung des JMStV werden erstmalig auch die neuen Medien nicht mehr ausgeklammert, sondern sind im Fokus von Maßnahmen, die dem Jugendschutz dienen sollen.
Betroffen sind also nun auch „Anbieter von Telemedien“ und Anbieter von „Inhalten von Telemedien“.

Aufgrund der unklaren Gesetzesvorlage, sowie dem Fakt, daß es auch noch keine Ausführungsverordnung gibt, kann die Frage noch nicht abschließend beantwortet werden. Das RRZE wird sich unter Einbeziehung verschiedener Kontakte und Gremien (Verwaltung, DFN und andere) darum bemühen eine Handlungsempfehlung für seine Kunden zu erstellen.
Wir bitten daher Interessierte und betroffene Webmaster(innen) um Geduld.