9. Praxisforum Geographie: Umwelt

Die nachhaltige Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen und die Bewältigung von Umweltproblemen stellen komplexe Herausforderungen im Schnittstellenbereich von Umwelt und Gesellschaft dar, welche nur durch eine interdisziplinäre Herangehensweise gelöst werden können. Im Rahmen des 9. Praxisforums Geographie, das am 30. Januar 2017 am geographischen Institut der Universität Erlangen-Nürnberg stattfand, diskutierten drei Geographen über ihre berufliche Tätigkeit im Bereich Umwelt.

vlnr: Moderator Simon Reichenwallner, Mathias Paulus, Julia Heinisch, Christian Bialas

Wenn oft behauptet wird, dass im Studium erlernte Inhalte eher praxisfern und im Beruf nur von überschaubarem Nutzen sind, so  ist Diplom-Geograph Mathias Paulus  der lebendige Beweis, dass dem nicht (immer) so ist. Als Projektleiter im Bereich Boden­kunde beim Ingenieurbüro Gibs geologen + ingenieure in Nürnberg ist er für die Erhebung, Verarbeitung, Bewertung und Dokumentation von(Boden-)Daten zuständig – und profitiert in hohem Maße von seiner physisch-geographischen Ausbildung. Im Fokus stehen dabei bodenkundliche Betrachtungen, die Kartierung von Böden, abfall­rechtliche Probenahmen und Bewertungen, boden­schutzrechtliche Untersuchungen (Altlastenerkun­dungen) sowie GPS gestützte Vermessungen. Klar, dass da GIS-Skills grundlegend sind, auch wenn man „mit GIS-Kenntnissen heute keinen Arbeitsplatz mehr nachgeschmissen bekommt.Man muss sich schon eine Spezialisierung schaffen, um konkurrenzfähig zu sein“, weiß Paulus zu berichten. Seinen Einstieg bei dem Ingenieur-Büro hat Mathias Paulus über vorherige freiberufliche Tätigkeiten geschafft – und zugegebenermaßen noch nie eine Bewerbung geschrieben. Die selbständige Tätigkeit habe natürlich ihren Reiz gehabt, aber man arbeite eben auch „selbst und ständig“. Da sei eine Festanstellung, die sich nach zahlreichen Kooperationen ergeben habe, schon auch komfortabel. Wer eine Selbständigkeit anstrebe, für den sei auch durchaus eine Promotion ratsam, ansonsten genüge der Master-Abschluss: „Reine Bachelor-Absolventen beschäftigten wir allerdings nicht.“

 

Ein potentieller Kunde von Mathias Paulus ist die Stadt Nürnberg, die beim inzwischen 9. Praxisforum durch Diplom-Geograph Christian Bialas vertreten war. Als Mitarbeiter des Umweltamtes beschäftigt er sich insbesondere mit der Umweltprüfung im Rahmen der städtischen Bau­leitplanung. Als physischer Geograph hat er während seines Studiums und seinen späteren beruflichen Tätigkeiten zwar „auch ein paar schöne Sommer in der fränkischen Provinz beim Graben von Bodenprofilen verbracht“, letzten Endes seien jedoch „die im Studium angeeignete analytische Herangehensweise und die erlernten GIS-Methoden sehr hilfreich für den derzeitigen Job“. So ist Bialas insbesondere für die im BauGB geregelte Durchführung der Umweltprüfung sowie die Erstellung des dazugehörigen Umweltberichts verantwortlich. Zentral sei dabei die Koordination des Abstimmungsprozesses zwischen Mitarbeitern der Stadt und externen Prüfern, um eine umfassende Berücksichtigung aller Aspekte für die Umweltprüfung zu gewährleisten. Ganz konkret wird Bialas beispielsweise bei der geplanten Ansiedlung eines Möbelhauses aktiv. Dies sei eine verantwortungsvolle Aufgabe, dient der Umweltbericht doch dem Stadtrat als Entscheidungsgrundlage für das jeweilige Bauvorhaben. Langeweile komme da nicht auf: „Jedes Projekt ist anders!“

Julia Heinisch ist als Master of Arts der Kulturgeographie fast schon eine Exotin auf dem Podium. Sie ist Corporate Sustainability Manager EMEA bei der Arthrex GmbH, einem weltweit führen­den Unternehmen im Bereich Orthopädie, Arthroskopie, Sportmedizin und Ortho­biologie. Was das mit Umwelt zu tun hat? Heinisch ist für den Aufbau und die Weiterentwicklung von Qualitäts- und Umweltmanagementsystemen nach DIN EN ISO 9001 bzw. 14001 zuständig. „Konkret geht es darum verschiedenste Prozesse im Unternehmen unter Umwelt- und Qualitätsaspekten unter die Lupe zu nehmen und daraus dann Verbesserungen abzuleiten, die zum Beispiel zur Vermeidung von Müll oder zu mehr Energieeffizienz beitragen“, erläutert Heinisch. Aus dem Geographiestudium stammt ihr großes Interesse für Nachhaltigkeit. Bei der Jobsuche hat sie sich entsprechend fokussiert und als sie den räumlichen Radius etwas ausgeweitet hat, war schnell der Berufseinstieg geglückt. Mit einigen Fortbildungen im Gepäck ist sie nun international unterwegs. Ihre Reisefreudigkeit und das Interesse an anderen Kulturen kommen ihr dabei durchaus zu Gute: „Die Exkursionen während des Studiums waren da gar keine schlechte Vorbereitung“, weiß Heinisch zu berichten. Und auch wenn Qualitätsmanagement manchmal ein mühsames Geschäft sei, weil alle Prozesse genau unter die Lupe genommen würden, zieht sie genau daraus auch ihre Motivation: „Wenn ich sehe, dass auch alteingesessene und erfahrene Niederlassungsleiter meine Empfehlungen umsetzen, um Ressourcen noch effizienter einzusetzen, dann freue ich mich besonders und habe das Gefühl wirklich etwas Sinnvolles zu tun!“ Und so weit weg von den beiden anderen Podiumsgästen ist sie dann doch nicht: „Natürlich machen auch wir uns genau Gedanken darüber, welche Abfälle wir wie und wo entsorgen. Damit es später nicht zu Altlastenproblemen kommt …“

Deutlich wurde an diesem Abend, dass die Tätigkeit im Berufsfeld ‚Umwelt‘ weit mehr ist als reiner Umweltschutz – auch wenn am Ende viele Bausteine dazu beitragen: von der Altlastenerkundung über die Umweltprüfung bis hin zum Umweltmanagement gibt es für Geographen eine Menge zu tun! Die zahlreichen Besucher des Praxisforums honorierten die Offenheit der Referenten und nutzten im Anschluss die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch.

 

Stimmen zum Praxisforum ‚Umwelt‘

„Es war erfrischend zu sehen, dass die Klischees des klassischen Umweltschützers nicht mehr taugen, sondern auch in der freien Wirtschaft lukrative Beschäftigungsmöglichkeiten für Geographen vorhanden sind, die sich gerne im Umweltbereich engagieren. Umweltmanagement hatte ich dabei noch gar nicht auf dem Schirm!“

Alicia, BA-Studentin

„Für mich war es interessant, dass die Übungen aus dem Geländepraktikum wirklich auch relevant für die spätere berufliche Tätigkeit sein können und der Umgang mit dem Pürckhauer eben nicht nur eine Pflichtübung im Studium ist. Besonders die Arbeiten im Bereich der Altlastenuntersuchungen finde ich interessant. Ich fand gut, dass die Referenten so offen und ehrlich über ihre Arbeit und auch ihren Jobeinstieg berichtet haben.“

Hannes, BSc-Student

 

Praxisforum Geographie

Das Praxisforum Geographie findet jedes Semester mit wechselnden thematischen Schwerpunkten am Institut für Geographie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) statt. Organisiert wird es vom DVAG-Regionalforum Erlangen-Nürnberg. Kooperationspartner sind die Alumniarbeit der Fränkischen Geographischen Gesellschaft und die Fachschaftsinitiative Geographie. Die Podiumsdiskussion mit berufstätigen Geographen dient der Berufsorientierung von Geographie-Studenten und gewährt dabei Einblicke in Berufseinstieg, Karriereplanung und Praxisalltag.

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