„Kompetenzprofil Lebensmittel“ für die Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim

Gefühlt ist die Lebensmittelbranche schon lange von großer Bedeutung für die Städte und Landkreise Bamberg und Forchheim – man denke an die zahlreichen Brauereien und die ausgeprägte regionale Kulinarik mit ‚Schäuferla‘ oder ‚Zwetschgenbaames‘. Eine detaillierte Branchenanalyse lag bisher allerdings noch nicht vor. Im Auftrag der Wirtschaftsregion Bamberg-Forchheim – dem Regionalmanagement und Zusammenschluss der örtlichen Wirtschaftsförderungen – haben wir in den letzten Monaten ein ‚Kompetenzprofil Lebensmittel‘ für die Region erarbeitet. Dabei ging es explizit um die Identifikation regionaler Wertschöpfungsketten sowie die Analyse vorhandener Verflechtungen in der Region.

Der erste Schritt war zunächst eine ausführliche Sekundärdatenanalyse, die die beiden Indikatoren ‚Bruttowertschöpfung‘ und ’sozialversicherungspflichtig Beschäftigte‘ in Bezug nahm. Die Relevanz der Branche in der Region wurde schnell deutlich: auch wenn die Zahl der Beschäftigten insgesamt in den Wirtschaftsabteilungen „Herstellung von Nahrungs- und Futtermitteln“ und „Getränkeherstellung“ nicht mit den regionalen Leitbranchen Automotive sowie der Metall- und Elektroindustrie mithalten kann, so verzeichnet die Lebensmittelverarbeitung in der Region im Vergleich zu Bayern einen überdurchschnittlich hohen Beschäftigungsanteil, sowie eine – im Vergleich zum verarbeitenden Gewerbe insgesamt – überdurchschnittlich hohe Beschäftigungsdynamik.

Und wie steht es um die regionalen Verflechtungen? 20 Expertengespräche mit ausgewählten Unternehmen der Region, die auch die verschiedenen Wertschöpfungsstufen repräsentieren, gaben Aufschluss darüber. Hier ist zunächst festzuhalten, dass die Lebensmittelbranche in der Region äußerst heterogen ist hinsichtlich der Betriebsgrößen, des Produktionsspektrums – und der regionalen Bezüge. Tendenziell lässt sich sagen: je größer ein Lebensmittel verarbeitendes Unternehmen ist, desto stärker ist dessen Exportorientierung. Dabei müssen Regionalität (i.S. eines Bezugs der Rohstoffe bzw. Vorprodukte aus der Region) und Exportorientierung gar kein Widerspruch sein …

Wertschöpfungsketten in der Lebensmittelbranche sind dabei keineswegs nur von praktischem ökonomischem Interesse, sondern auch wissenschaftlich von großer Relevanz. Hier gibt es bislang vor allem zwei Forschungsstränge: auf der einen Seite stehen die globalen Wertschöpfungsketten im Fokus der Forschung, die auch in der Lebensmittelbranche zu finden sind: Man denke nur an den morgendlichen Hochlandkaffee, das argentinische Steak, die neuseeländische Kiwi usw.. Auf der anderen Seite wird die Lebensmittelerzeugung auch unter dem Label der Regionalprodukte diskutiert. Diese z.T. stark normative Diskussion geht bis hin zur Forderung nach autarken Regionen, die sich komplett selbst mit Nahrungsmitteln versorgen. Analysen zur regionalen Wertschöpfung schlagen hier gewissermaßen die Brücke zwischen den beiden Diskussionssträngen – regionale Wirtschaft mit einem Fokus auf Wertschöpfung.

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