Exkursion zur „EUSALP“… (3/3)

– Nachlese zur EUSALP-Exkursion, die nach ca. 2.500 km Fahrt mit unseren Kleinbussen wohlbehalten zu Ende gegangen ist. –

Zunächst ein Rückblick auf die Standorte der letzten Tage: Das Skigebiet Pila im Aostatal diente uns als Anschauungsmaterial für eine in frühen Jahren wenig überdachte Gestaltung von Wintertourismus-Destinationen, die vor allem im Sommer problematisch sind.

Ab Dienstag stand Frankreich auf dem Reiseplan. Um nach Annecy zu gelangen, durchquerten wir den 11 km langen Tunnel durch den Mont Blanc – nach der Besichtigung der Baustelle des Brenner-Basis-Tunnels schaut man einen solchen Tunnel mit anderen Augen an. Der in Wolken gewandete Gigant löste vor allem bei den Alpen Unerfahrenen ehrfürchtiges Staunen aus.

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Abb.: Mont Blanc (Foto: Alexander Grünberger)

Vor Ort in Le Chatelard lernten wir Mitarbeiter der französischen CIPRA kennen und somit auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Landesverbänden der NGO.

Die Dachorganisation AlpParc und den Naturpark Bauges lernten wir als konkrete Beispiele der Regionalentwicklung mit starken Bezügen zur der Alpenkonvention kennen. Um der Kulinarik weiterhin Genüge zu tun, folgte ein Besuch in einer kleinen Käserei. Bei pikanter Duftkulisse kam die Käseverkostung äußerst gut an: Die regionale Spezialität Tome de Bauges unterliegt seit einigen Jahren europäischem Herkunftsschutz und stellt damit ein Beispiel für das Spannungsfeld zwischen regionaler und großräumig internationaler Wertschöpfung dar.

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Abb.: Alpine Kulinarik – der Tome de Bauges

Die Schweiz stellte die letzte Station dar. Am Mittwoch besuchten wir die Genfer Universität. Wir verfolgten wissenschaftliche Reflexionen auf Englisch unter anderem zum Thema Alpine Space Programme und diskutierten mit den dortigen Referenten über das institutionell komplexe Umfeld der EUSALP. Es wurden die großen Fragen diskutiert: Findet durch die EUSALP-Erweiterung der Alpenpolitik eher eine De- oder eine Reterritorialisierung innerhalb des Alpenraumes statt? Gibt es „den Alpenraum“ überhaupt? Letztendlich sind die (vor allem sozio-ökonomischen) Grenzen im Fluss, werden immer wieder neu ausgehandelt und unterliegen neben politischen und wirtschaftlichen Interessen zum Teil auch dem persönlichen Ehrgeiz einzelner Akteure. Am Ende des letzten Tages tauchten wir thematisch tiefer in die städtebaulichen Entwicklungen im Kanton Bern ein, wo die frühe Industrialisierung u.a. mit der Uhrenindustrie bis heute sichtbare Spuren hinterlassen hat. Nach einer Nacht in Schaffhausen fand die Exkursion in Büsingen – einer deutschen Exklave auf schweizerischem Grund – ihr Ende.

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11 Tage Exkursion sind vorüber. Wir haben die verschiedenen großen und kleinen Institutionen und viele Akteure innerhalb der Alpen kennengelernt und haben zahlreiche Informationen darüber bekommen, welche Rolle sie spielen und wie sie mit den anderen Organisationen in Verbindung stehen. Die Kooperationen zwischen den Alpenakteuren sind so komplex und vielseitig wie die Alpen selbst. Aktuell stellt sich durch das Auftreten eines neuen Instruments, namentlich der EUSALP, die Herausforderung für die bestehenden Organisationen ihre Rolle in dem Gefüge neu zu koordinieren.

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Es bleibt auch an dieser Stelle ein herzlicher Dank an die zahlreichen Expertinnen und Experten auszusprechen, die uns so freundlich und mit bemerkenswerter Offenheit empfangen haben. Es war eine wertvolle Reise für uns.

 

Text: Julia Riese und Tobias Chilla.

 

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