Neue Veröffentlichung: Kohäsion vs. Polarisierung

Eine Frage des Maßstabs?

Zum Verhältnis von Kohäsion und Polarisierung in Europa

Es war auf dem Deutschen Kongress für Geographie in Berlin 2015, als ich einen Vortrag zu Kohäsion und Polarisierung in Europa gehalten habe. Dabei habe ich untersucht in welchem Verhältnis die Entwicklung regionaler Disparitäten innerhalb Europas und die räumliche Polarisierung v.a. auf nationaler Ebene zueinander stehen. Nach der sehr gut besuchten Fachsitzung sprachen mich die beiden Moderatoren und Kollegen Thilo Lang vom IfL in Leipzig und Manfred Kühn vom IRS in Erkner an, ob ich Interesse hätte, meinen Beitrag in einem Themenheft der Zeitschrift Europa Regional zu veröffentlichen …

Das Ergebnis ist nun – rechtzeitig zum Geographentag in Tübingen 2017 – erschienen und frei zugänglich:

Neufeld, Markus (2017): Eine Frage des Maßstabs? Zum Verhältnis von Kohäsion und Polarisierung in Europa. Europa Regional 23(4), 15–29.

Abstract

Kohäsion – der wirtschaftliche, soziale und territoriale Zusammenhalt – ist das übergeordnete Ziel der europäischen Regionalpolitik. Prominent ist dabei der Gedanke der Konvergenz i. S. einer Reduzierung der Disparitäten hinsichtlich der regionalen Wirtschaftsleistung. Die Zielsetzung der Kohäsion erfolgt für die Europäische Union dabei – quasi naturgemäß – auf der gesamteuropäischen Ebene. Die nationale Ebene wird als Bezugsgröße dabei ausgeblendet. Was aus pan-europäischer Perspektive nachvollziehbar erscheint, ist auf der Ebene der Nationalstaaten jedoch nicht unerheblich. Kann die Entwicklung regionaler Disparitäten innerhalb der Staaten tatsächlich ignoriert werden? Der Beitrag analysiert die Entwicklung regionaler Disparitäten auf der europäischen und der nationalen Maßstabsebene und nimmt dabei das Konzept der Polarisierung in Bezug, das eine besondere Form der (räumlichen) Ungleichheit beschreibt. Im Ergebnis zeigt sich, dass das höchste Maß an (nationaler) Polarisierung in den mittel- und osteuropäischen Transformationenstaaten zu konstatieren ist. Hier fungieren die Hauptstadtregionen häufig als Triebfedern eines ökonomischen Aufholprozesses der jüngeren EU-Mitgliedsstaaten. Die Annäherung zwischen den Staaten und Regionen auf europäischer Ebene geht jedoch einher mit einer räumlichen Polarisierung innerhalb der Staaten. Die Bewertung von Kohäsion und Polarisierung in Europa wird damit in hohem Maße zu einer Frage des betrachteten Maßstabs.

Economic, social and territorial cohesion is the overall goal of EU regional policy. Here, the idea of convergence is most prominent, focusing on a reduction of regional disparities of economic performance. This goal is implemented on the pan-European scale, ignoring the nation states as a possible scale of reference. This might make sense from a European-wide view. However, it is not irrelevant for the member states: can regional disparities within countries really be passed over? The paper at hand analyses the development of regional disparities on the pan-European and the national scale, taking into account the concept of polarization which describes a specific type of (spatial) inequality. As a result, transforming countries in Eastern Europe show the highest degree of polarization. Here, capitol metropolitan regions are the driving forces of catching-up-processes of younger EU member states. Hence, convergence between countries and regions on the European scale goes along with strong polarization processes on the nation state level. Accordingly, issues of cohesion and polarization are to a high degree a question of scale regarded.

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