Haben Sie schon einen Feelgood Manager?

Im Ernst, den Wohlfühl-Manager gibt es tatsächlich – obwohl mir das bis vor wenigen Tagen auch unbekannt war. Erst die euphorische Ankündigung einer Bekannten, ihr Unternehmen habe eben die erste Feelgood Managerin der Region eingestellt, half mir auf die Sprünge.

Wenn man Berufstätigen zuhört, wie sie in Frühstückspause und nach Feierabend über Firmenleitung, Arbeitsklima und Arbeitsüberlastung herziehen, kann man nur sagen: Höchste Zeit, dass jemand von Berufs wegen für gute Stimmung am Arbeitsplatz sorgt. Wo? Auf welche Unternehmen tippen Sie?

Natürlich: IT und Start-ups. Von Team Events und After Work Partys über Obstschalen und Blumen am Arbeitsplatz bis hin zu Büro-Massagen, Yoga- und Pilateskursen organisiert und koordiniert der Feelgood Manager alles, was am Arbeitsplatz für gute Laune sorgt. Wurde der Kapitalismus neuerdings vom Humanismus abgelöst?

Fast im Gegenteil: Arbeitgeber reagieren lediglich auf den von vielen Personalleitern bestätigten Trend einer zunehmenden Zahl von High Potentials, beim Bewerbungsgespräch nicht mehr nur nach Gehalt, Boni und Firmenwagen zu fragen, sondern vermehrt nach mehr Freizeit, persönlicher Entwicklung, Wohlfühlfaktoren und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wenn dann ein Unternehmen die Freizeit praktisch an den Arbeitsplatz bringt, hebt das die Stimmung bei den Young Professionals. Messbar?

Vor allem jene Unternehmen, die bereits einen Wohlfühl-Manager eingestellt haben, bemerkenswert viele davon sind übrigens weiblich, bestätigen, dass seit ihrer Anstellung sich Motivation, Vernetzung der Mitarbeitenden und Arbeitsklima verbessert haben. Dagegen zeigt eine Studie der amerikanischen Penn University am Beispiel einer Restaurantkette: Die Stimmung stieg und die Zahl der Kündigungen ging zurück, doch die Produktivität sank signifikant.

Auch der Umsatzzuwachs war in Filialen mit Feelgood Manager schwächer als in jenen der unbespaßten Kontrollgruppe. Was vielleicht nicht logisch, aber psychologisch erklärt werden kann: Die nicht bespaßten Restaurant-Mitarbeiter müssen sich ihre gute Stimmung weiterhin konservativ besorgen – indem sie Leistung zeigen und Erfolg bringen. Das spricht vielen Logistikern aus dem Herzen.

Es gibt genügend gestandene Logistiker, die nichts mit Feelgood am Hut haben: „Wenn der Kunde zufrieden ist und die 8 R’s erfüllt sind, macht das die beste Stimmung!“ Logistik ist leistungsorientiert. Leistung macht Laune!

Letztendlich weist die trendige Bespaßung einen irritierenden Konstruktionsfehler auf: Der Vorgesetzte ist feedback-indolent, die Arbeitsbedingungen unter aller Kanone, die Kollegen mobben sich gegenseitig, der Fuhrpark wird nur noch vom Rost zusammengehalten – aber der Chef hat eben einen Firmenclown genehmigt, der die Truppe trotz dieser brüllenden Missstände bei Laune halten soll? Da wäre es wohl besser, die Missstände zu beheben. Das würde mehr Laune machen.

Selbst vielen Bespaßten geht der Spaß zu weit. Die Penn-Studie zeigt auch, dass die Stimmungsmache für Singles ganz in Ordnung geht. Für viele berufstätige Väter und Mütter jedoch, die nach der Arbeitszeit auch noch zum Team Event zwecks Bespaßung sollten, hatte der Spaß recht schnell ein Loch: „Wenn die Familie unter der neuen Mode leidet“, kommentiert ein hiesiger Supply Chain Manager, „ist das der Moral abträglich.“ Gutes Stichwort: Warum überhaupt Spaß? Hebt denn Spaß die Stimmung am Arbeitsplatz am deutlichsten?

Nein. Und das ist längst bekannt. Am leistungsstärksten und zugleich glücklichsten sind Menschen nämlich nicht dann, wenn sie sich vor lauter Spaß den Bauch halten. Sie sind es vielmehr dann, wenn sie sich voll in eine Aufgabe einbringen können und wenn ihre Arbeit einen nützlichen Beitrag für andere und auch für das größere Gemeinwohl leistet (Stichwort ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit). Das heißt, wenn die Arbeit nicht nur kaufmännischen, sondern auch moralischen Kriterien standhält. Moral macht die beste Stimmung. Spaß ist nur Ersatz.

Wir brauchen keine Feelgood Manager. Wir brauchen Moral Manager. Nicht als Planstelle! Aber wie wäre es, wenn wir alle, vom Staplerfahrer bis zum Vorstand, jeden Tag dafür sorgen würden, dass die Welt ein ganz klein wenig besser würde? Das wäre wirklich etwas, worauf wir stolz sein könnten. Stolz schlägt Spaß. An jedem Tag des Jahres.

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